Schilino (; deutsch Szillen, 1936 bis 1947 Schillen, ) ist eine Siedlung im Rajon Neman in der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ort Schilino gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Neman.
Geographische Lage Schilino liegt im historischen Ostpreußen, etwa 15 Kilometer südwestlich der Rajonstadt Neman (Ragnit) und 30 Kilometer nördlich von Tschernjachowsk (Insterburg). Die Stadt Sowetsk (Tilsit) im Norden ist etwa 20 Kilometer entfernt.
Ortsname mini|Szillen ostnordöstlich von Königsberg, am Knie der Eisenbahnstrecke Tilsit–Insterburg, auf einer Landkarte von 1908.
Der Name Szillen (Schillen) ist von ßilas (litauisch = Heide) abgeleitet und bedeutet so viel wie ‚Heideort‘.
Geschichte Die ersten Siedler kamen wohl im 16. Jahrhundert als Zinsbauern nach Szillen. Ab dem 17. Jahrhundert durfte dort auch Eigentum erworben werden. Im Jahr 1629 wurde das Kirchspiel Szillen errichtet. Im Jahr 1732 zogen Salzburger Exulanten zu. Um 1785 war das Dorf Szillen eine Streusiedlung mit einer Kirche, zwei Windmühlen und 23 Feuerstellen (Haushaltungen), das zum Amtsbezirk Sommerau gehörte.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 163. Im 19. Jahrhundert gehörte das Dorf zum Kreis Ragnit.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Der Preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 2, Berlin 1835, S. 454.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Chausseen und die Eisenbahnlinie Tilsit–Insterburg gebaut. 1865 erhielt der Apotheker Kaul eine Konzession für die Eröffnung einer Apotheke in Szillen.Berliner klinisches Wochenblatt. Nr. 20 vom 15. Mai 1865, S. 216, rechte Spalte 1895 wurde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. In den Jahren 1910/11 wurde Szillen an das Stromnetz angeschlossen. Bis 1945 befand sich in Schillen ein Gutsbetrieb,Christian Gahlbeck und Vacys Vaivada: Archivführer zur Geschichte des Memelgebiets und der deutsch-litauischen Beziehungen. Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57902-9, S. 208 (eingeschränkte Vorschau) der Eigentum der Familie Erzberger war.
Bis 1945 gehörte Schillen zum Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der Provinz Ostpreußen.
Angesichts der sich nähernden Front im Zweiten Weltkrieg wurde Schillen im Oktober 1944 evakuiert. Bald darauf wurde der Ort von der Roten Armee besetzt. Im März 1946 wurde in Szillen zur Versorgung der in Tilsit stationierten sowjetischen 28. Mechanisierten Schützendivision der Militär-Sowchos Nr. 20 eingerichtet. Auf ihm hatten vor allem Deutsche aus Schillen und Umgebung zu arbeiten, die nicht geflohen oder dorthin zurückgekehrt waren. Im Sommer 1947 wurde daraus der (Zivil-)Sowchos Nr. 134. Es wurden nun auch Umsiedler aus der Sowjetunion aufgenommen. Szillen wurde in Schilino umbenannt und Hauptort eines Dorfsowjets. Im Oktober 1948 wurden die Deutschen per Lastwagen oder Schlitten nach Kaliningrad und von dort in Güterwaggons in die Sowjetische Besatzungszone abtransportiert.
Schilino gehört zu den wenigen Orten im ehemaligen Nord-Ostpreußen, dessen historischer Name in „russifizierter“ Form überdauert hat.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1946 Jahr Anzahl Einwohner Anmerkungen 1818 ca. 140 1839 180 Eduard Messow: Topographisch-statistisches Handbuch des Preussischen Staats. Band 2, Magdeburg 1847, S. 355. 1852 über 260 1861 262 im Dezember, in 48 GebäudenKühnast: Nachrichten über Grundbesitz, Viehstand, Bevölkerung und öffentliche Abgaben der Ortschaften in Littauen nach amtlichen Quellen. Band 3, Gumbinnen 1863, S. 433, Ziffer 46. 1871 320 Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 28–29, Ziffer 4. 1910 1059 am 1. DezemberSzillen, Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Orts- und Verkehrslexikon, 1912). 1933 1758 1939 1946
+ Anzahl Einwohner seit dem Zweiten Weltkrieg Jahr Anzahl Anmerkungen 2002 1012 Volkszählungsdaten 2010 931
Amtsbezirk Szillen/Schillen (1874–1945) Zwischen 1874 und 1945 bestand der Amtsbezirk Szillen (ab 1936 „Amtsbezirk Schillen“), der zum Kreis Ragnit, ab 1. Juli 1922 zum Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörteRolf Jehke, Amtsbezirk Szillen/Schillen:
Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Bemerkungen Gaidszen1936–1938: Gaidschen Drosselbruch Watutino Gurbischken Nettelhorst Gorbunowo Ihlauszen1936–1938: Ihlauschen Hochmooren Kropien1928–38:Usseinen Larischhofen 1938 nach Schillen eingegliedert Norwilkischken Argenflur Stanowoje Nurnischken Dreisiedel Pokrowskoje Szillen ab 1936: Schillen Schilino Uszainenab 1913: Usseinen Larischhofen 1928 nach Kropien eingegliedert, das in Usseinen umbenannt wurde Wingeruppen Bruchhof (Ostpr.) Wolokolamskoje vor 1908: Aschmoweitkuhnen ab 1933:Achtfelde vor 1908: Balandzen1936–1938: Balandschen Ballanden vor 1908: Sackeln
Schilinski selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Schilinski selski Sowet (ru. Жилинский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Im Jahr 1954 wurde der Uljanowski selski Sowet an den Schilinski selski Sowet angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad) Spätestens in den 1970er Jahren gelangten diese Orte dann allerdings in den Luninski selski Sowet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Schilinski selski okrug (ru. Жилинский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neugebildete Landgemeinde Schilinskoje selskoje posselenije übernommen.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Antipino (Антипино) Anstippen, 1938–1945: „Ansten“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Axakowo (Аксаково) Maßwillen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Bobry (Бобры) Schwirblienen, 1938–1945: „Mühlenhöh“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Boizowo (Бойцово) Boyken Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Pokrowskoje angeschlossen. Fadejewo (Фадеево) Neuhof-Hohenberg Der Ort wurde 1950 umbenannt. Gorbunowo (Горбуново) Gurbischken, 1938–1945: „Nettelhorst“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Bobry angeschlossen. Jermolowo (Ермолово) Schacken-Jedwillen, 1938–1945: „Feldhöhe“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Jurjewo (Юрьево) Schunwillen, 1938–1945: „Argenau“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Fadejewo angeschlossen. Kowaljowo (Ковалёво) Wilkawischken, 1938–1945: „Wildhegen“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Krutschino (Кручинино) Duden Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich vor 1975 an den Ort Schilino angeschlossen. Kurotschkino (Курочкино) Kropien Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Larkino (Ларькино) Neuhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Lasarewo (Лазарево) Padaggen, 1933–1945: „Brandenhof“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Bobry angeschlossen. Minino (Минино) Skrebudicken, 1938–1945: „Finkental“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Pokrowskoje (Покровское) Nurnischken, 1938–1945: „Dreisiedel“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich vor 1988 an den Ort Puschkino angeschlossen. Polewoje (Полевое) Jodszehmen, 1938–1945: „Schwarzerd“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Puschkino (Пушкино) Bruiszen/Bruischen, 1938–1945: „Lindenbruch“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Rudakowo (Рудаково) Ruddecken Der Ort wurde 1947 umbenannt. Sagorskoje (Загорское) Sommerau Der Ort wurde 1947 umbenannt. Schilino (Жилино) Szillen/Schillen Verwaltungssitz Schtscherbakowo (Щербаково) Lepalothen, 1938–1945: „Siebenkirchberg“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Bobry angeschlossen. Schubino (Шубино) Jurken Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Schustowo (Шустово) Wittgirren-Stannen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Stanowoje angeschlossen. Stanowoje (Становое) Norwilkischken, 1938–1945: „Argenflur“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Torfjanowka (Торфяновка) Schlekaiten, 1938–1945: „Schlecken“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Tuschinskoje (Тушинское) Petratschen [Ksp. Szillen], 1938–1945: „Petersmoor“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Watutino (Ватутино) Gaidszen/Gaidschen, 1938–1945: „Drosselbruch“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Winogradowo (Виноградово) Thalszenten/Thalschenten, 1938–1945: „Grünhöhe“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Wolokolamskoje (Волоколамское) Wingeruppen, 1938–1945: „Bruchhof (Ostpr.)“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Der im Jahr 1950 umbenannte Ort Gorkino (Groosten) wurde ebenfalls zunächst in den Schilinski selski Sowet eingeordnet, kam dann (vor 1975) aber zum Rakitinski selski Sowet. Die beiden im Jahr 1950 umbenannten Orte Jermakowo (Karlshof) und Luganskoje (Pucknen) wurden ebenfalls zunächst in den Schilinski selski Sowet eingeordnet, kamen dann (vor 1975) aber zum Dorfsowjet Luninski selski Sowet.
Schilinskoje selskoje posselenije 2008–2016 mini|Die Lage der Landgemeinde Schilinskoje selskoje posselenije im Südwesten des Rajon Neman Die Landgemeinde Schilinskoje selskoje posselenije (ru. Жилинское сельское поселение) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 257 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Неманский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 257: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Neman“) Sie umfasste 18 Siedlungen mit insgesamt etwa 3.000 Einwohnern, die vorher den Dorfbezirken Kanaschski selski okrug, Nowokolchosnenski selski okrug und Schilinski selski okrug zugeordnet waren. 2017 ging die Gemeinde in den neu geschaffenen Stadtkreis Neman auf.
Ortsname Einwohner 2010Allrussische Volkszählung von 2010 Häuser 2010Pasport auf neman.gov39.ru deutscher Name Barsukowka (Барсуковка) 90 12 Bartukeiten/Bartenhöh Bobry (Бобры) 28 7 Schwirblienen/Mühlenhöh Duminitschi (Думиничи) 27 10 Giggarn/Girren Fadejewo (Фадеево) 49 9 Neuhof-Hohenberg Goworowo (Говорово) 54 6 Blausden/Blauden Kanasch (Канаш) 469 85 Jurgaitschen/Königskirch Lukjanowo (Лукьяново) 29 7 Lenkonischken/Großschenkendorf Nowokolchosnoje (Новоколхозное) 567 127 Neu Argeningken/Argenbrück, Bublauken/Argenfurt, Sandlauken/Sandfelde und Willkischken Obrutschewo (Обручево) 40 11 Kellmienen/Kellen und Försterei Lappienen Pelewino (Пелевино) 8 4 Laukandten/Waldeneck Puschkino (Пушкино) 52 21 Bruiszen/Lindenbruch Rudakowo (Рудаково) 100 25 Ruddecken Sagorskoje (Загорское) 46 6 Sommerau Saizewo (Зайцево) 35 2 Seikwethen/Ulmental Schepetowka (Шепетовка) 182 45 Schillkojen/Auerfließ Schilino (Жилино) 931 115 Szillen/Schillen Stanowoje (Становое) 3 2 Norwilkischken/Argenflur Watutino (Ватутино) 23 8 Gaidszen/Drosselbruch
Die Kirche zu Szillen
Zur Gründung des Kirchspiels, das zur evangelischen Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte,Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 271. wurde in Szillen eine Kirche aus Fachwerk errichtet. Sie brach im Jahr 1698 zusammen, angeblich während eines Festtags-Gottesdienstes, wobei es auch Opfer gegeben haben soll.