Reit im Winkl ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und ein Wintersport- und Luftkurort.Amtliches Verzeichnis der anerkannten Kurorte, Luftkurorte und Erholungsorte in Bayern

Geografie mini|Reit im Winkl mit Unterberg, Wildem und Zahmem Kaiser Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Chiemgau, südlich des Chiemsees, und ist mit die höchstgelegene Gemeinde im Landkreis Traunstein.

Der Ort liegt in dem als Kaiserwinkl genannten nördlichen Abschnitt des Leukentales, ist im Süden, Osten und Norden von schützenden Randbergen umgeben und nur nach Westen zum Inntal hin offen. Die sich dort stauenden Wolken führen in Verbindung mit den für Bergtäler typischen Kaltluftseen im Winter zu häufigem Schneefall, so dass der Ort wegen seiner schneesicheren Lage auch als „Schneeloch“ bekannt ist. Im Vergleich mit anderen Wintersportgebieten, die auf ähnlicher Höhe liegen (), fällt hier viel Schnee und er bleibt auch mit am längsten liegen.Günter Rampe: Das Schneeklima der deutschen Mittelgebirge und Alpen. In: wetter + klima news.

Die Gemeinde gehört geologisch zu den Nördlichen Kalkalpen. Die Berge um den Ort sind Teil der Chiemgauer und somit der Bayerischen Alpen. Die höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist das Dürrnbachhorn (1776 m).

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind in Deutschland Unterwössen und Ruhpolding, in Österreich Kössen und Waidring (Tirol) und Unken (Salzburg).

Gemeindegliederung Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Daneben besteht der nicht amtlich benannte Gemeindeteil Maserer-Pass.

Es gibt die Gemarkungen Forst Reit im Winkl und Reit im Winkl.

Gewässer Im Ortsgebiet gibt es folgende Fließgewässer: Schwarzlofer Weißlofer Hausbach mit Hausbachfall Dosbach

Seen: Weitsee

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Reit im Winkl soll von den Herren von Neuburg-Falkenstein gegründet und erstmals in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1160 genannt sein, wobei nach heutigem Stand der Forschung eine Ersterwähnung als „St. Pankraz am Eck“ um 1215 angenommen wird.

Der Ort änderte mehrmals seinen Namen, wobei der Bezug zum Winkel oder zur Entstehung durch Rodung immer bestehen blieb. Er gehörte seit 1275 zum Pflegegericht Marquartstein, Rentamt Burghausen im Herzogtum (später Kurfürstentum) Bayern und kirchenrechtlich zum Bistum Chiemsee.

Im Jahre 1505 wurde Reit im Winkl infolge des Landshuter Erbfolgekriegs als Grenzort zu Tirol festgelegt, die benachbarten, zuvor zu Bayern gehörenden Gerichte Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg wurden Tirol zugeschlagen.

Reit im Winkl blieb von den kriegerischen Handlungen des Dreißigjährigen Krieges verschont, jedoch wurde durch herumziehende Personen die Pest ins Dorf gebracht. An dieses Ereignis erinnern drei damals gestiftete Pestsäulen.

1738 wurde in Reit im Winkl eine Volksschule in der Stube des Müllerbauern eingerichtet, die jedoch aufgrund des Einsatzes der Kinder bei den oft harten landwirtschaftlichen Arbeiten, der strengen Winter und des Desinteresses der Eltern anfangs wenig frequentiert wurde.

Im Jahre 1805 erfolgte, nach der 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss festgelegten Säkularisation, die Gründung der Pfarrei Reit im Winkl. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Die Schreibweise der Gemeinde Reit im Winkl war bis 1952 Reit i. Winkl.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1826 wurde in Reit im Winkl der letzte Wolf geschossen. Dies ist auch Anlass für die Gründung des ältesten Vereins am Ort, der Musikkapelle, die bei diesem Ereignis als Musik im Freudenzug von Seegatterl nach Reit im Winkl mit dem geschossenen Wolf das erste Mal genannt wird.

1842 wurde an der Grenze ein Zollamt eingerichtet. Dieses wurde, nach einer Auflösung im Zuge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich in den Jahren 1938 bis 1945, 1998 im Zuge des Beitritts Österreichs zum Schengener Abkommen aufgelöst. 1894 wurde eine Gendarmeriestation eingerichtet, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Grenzpolizeistation bis 1995 bestand. 1861 kam Reit im Winkl zum königlich bayerischen Bezirksamt Traunstein. 1873 wurde die erste Postkutschen-Verbindung von Unterwössen nach Reit im Winkl eingerichtet, in Reit im Winkl entstand eine Postfiliale. Um 1875 wurden in ganz Bayern Freiwillige Feuerwehren gegründet, so auch 1879 in Reit im Winkl.

Mit dem Bau eines Wasserkraftwerks am Grünbühel hielt 1906 die Elektrizität Einzug in Reit im Winkl. 1911 wurde ein Krankenhaus, das spätere Senioren- und Pflegeheim, gegründet. Das Heim wurde 2021 geschlossen. 1923 wurde die Waldbahn Ruhpolding-Reit im Winkl eröffnet (Einstellung 1931), 1925 erfolgte die Aufnahme einer Kraftpostlinie von Marquartstein her, und 1937 wurde eine direkte Buslinie München-Reit im Winkl eingerichtet (Einstellung 1996). 1938 erfolgte der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, die Grenze war somit bis 1945 aufgelöst.

Im Jahr 1941 wurde der erste Kindergarten von der Nationalsozialistischen Wohlfahrt gegründet.

Von Kriegshandlungen blieb Reit im Winkl im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, lediglich in den letzten Kriegstagen zwischen dem 5. und 7. Mai 1945 gab es Gefechte in Seegatterl, am 8. Mai wurde der Ort an die Amerikaner übergeben, nachdem wenige Tage zuvor schon Amerikaner (sie hielten Reit im Winkl für Reith bei Kitzbühel) im Ort gewesen waren. Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes, dem Einmarsch der US-Amerikaner und der Neugründung des Freistaates Bayern blieb die Gemeinde Reit im Winkl identisch mit der Vorkriegsgemeinde. Die Einwohnerzahlen blieben wegen der nur kurzfristigen Einquartierungen eines Großteils der dem Ort zugewiesenen Heimatvertriebenen relativ konstant.

1953 entdeckte Pfarrer Wiesheu den Gletscherschliff am Wimmerkreuz, somit kann die geologische Vorgeschichte des Ortes beschrieben werden.

Entwicklung des Tourismus Den Anfang des Tourismus hat Reit im Winkl einem Besuch des Königs von Bayern, Maximilian II. im Zuge seiner Alpenreise im Jahr 1858 zu verdanken, es waren aber auch schon im 18. Jahrhundert einige Adlige aus Norddeutschland zur Sommerfrische in Reit im Winkl. In der Folge des königlichen Besuchs 1858 kamen in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr Adlige, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nach Reit im Winkl.

Um den Tourismus in geordnete Bahnen zu bringen und zu fördern wurde 1896 der Verschönerungsverein (heute Verkehrsverein) gegründet. Ein Anliegen dieses Vereins war auch der Bau einer Eisenbahnlinie nach Reit im Winkl, das 1923 mit der Eröffnung der Waldbahn von Ruhpolding nach Reit im Winkl seine Erfüllung fand. Im Jahre 1904 wurden erste Vorschriften zur Ortsverschönerung beschlossen.

Während der NS-Herrschaft profitierte auch Reit im Winkl von den Reisen der KdF-Bewegung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Reit im Winkl einen Tourismus-Boom. Zu diesem trugen auch sportliche Wettbewerbe und deren Berichterstattung in den Medien bei, so zählte man etwa bei den Deutschen Nordischen Skimeisterschaften im Februar 1950 rund 17.000 Besucher. Verschiedene prominente Politiker besuchten in den 1950er Jahren den Ort, unter anderem Ernst Reuter und Bundespräsident Theodor Heuss.

Neue Konkurrenz bekam der Tourismus im Laufe der 1960er Jahre durch die beliebter werdenden Reisen in den Mittelmeerraum.

1973 wurde das Skigebiet Winklmoos-Steinplatte eröffnet. Nach dem Mauerfall 1989 erfolgte ein kurzer Boom, da nun wieder Gäste aus Sachsen und Thüringen in ihre schon vor dem Krieg besuchten Ferienorte in den Alpen reisen konnten. Sie konnten jedoch nur kurzfristig den Rückgang der Übernachtungen kompensieren, die Gästezahlen nahmen ab Mitte der 1990er Jahre bis 2007 ab. Erst ab dem Jahr 2008 stiegen die Gästezahlen wieder deutlich an und erreichten neue Höchststände.

Seit 1956 ist der Ort Luftkurort. Dadurch konnte man weitere Gäste in den Ort bringen. Seit 1953 wird von den hier weilenden Gästen eine Kurtaxe erhoben.

Fremdenverkehrsstatistik Im Folgenden sollen einige Zahlen aus der Fremdenverkehrsstatistik zitiert werden. +JahrGästezahlÜbernachtungen1924/252.7796.4041934/3511.858104.2491945/465.15945.6521954/5525.428228.5481969/7048.614486.5841979/8068.645648.5051984/8566.910640.5071990/9198.842879.7851992/9398.562897.8351997/9886.830762.274200677.030581.229200773.630522.263200981.450539.374201187.397542.211201397.346562.5972015104.207546.4592016108.750568.4952017113.096581.6172018118.161594.6382019116.759590.8182020105.905561.752202172.512380.7382022115.853568.155

Schell-Unter-Sage mini|hochkant=0.5|Schell Unter Der Sage nach soll bei der Neuverteilung der Länder Europas nach den Wirren der napoleonischen Kriege im Wiener Kongress 1815 Reit im Winkl aufgrund der abgeschiedenen Lage vergessen worden sein. Damit um diesen kleinen Flecken in den Alpen kein neuer Krieg gefochten werden musste, wurde zwischen den Landesherren von Bayern, Salzburg und Tirol vereinbart, darum Karten zu spielen. Bei diesem Spiel nun soll der bayerische Herrscher den letzten und entscheidenden Stich mit dem Schellunter gemacht haben und Reit im Winkl für Bayern gewonnen haben. Seit diesem Zeitpunkt ist der Schellunter das heimliche Wappen des Ortes. Noch heute nutzen es Gebirgsschützen und Trachtenverein als Erkennungszeichen. Auch die „Musterer“ nutzten es als Erkennungszeichen (eine Schellunter-Karte auf dem Hut), um sich von den Burschen aus den anderen Dörfern zu unterscheiden.

An der Richtigkeit dieser Sage kann aber mit triftigem Grund gezweifelt werden, sie ist wohl eher als eine Anekdote zu werten. Auch die Einordnung in die Zeit des Wiener Kongresses ist wohl falsch, da damals Salzburg keine eigene Landesherrschaft mehr war. Die Darstellung der Sage auf dem Wagen des Trachtenvereins, der auf Festumzügen mitgeführt wird, lässt eher auf die Zeit um 1777 schließen, also die Zeit des Bayerischen Erbfolgekrieges, in der Bayern auch das Innviertel an Österreich abgeben musste.

Eingemeindungen Reit im Winkl hatte im Zuge der Gebietsreform aufgrund der abgeschlossenen Tallage keine Eingemeindungen. Es kamen lediglich einige gemeindefreie Gebiete hinzu, die vom Gemeindegebiet umschlossen waren.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2019 sank die Einwohnerzahl der Gemeinde von 2705 auf 2358 um 347 Einwohner bzw. um 12,8 %.

In der Tabelle wurden einige Daten zusammengestellt: 1691 bis 1900 1691: 600 1803: 766 1840: 815 1870: 824 1900: 10111933 bis 1970 1933: 1539 1939: 1657 1946: 2548 1950: 2386 1970: 23921987 bis 2005 1987: 2632 1991: 2856 1995: 2811 2000: 2683 2005: 2458ab 2010 2010: 2345 2015: 2361 2017: 2381 2019: 2358 Reit im Winkl ist auch als Zweitwohnsitz beliebt. Die Zahl der Zweitwohnsitzinhaber stieg seit 1967 mit 262 über 1980 mit 705 bis 1995 auf rund 900 Personen. Durch die Einführung einer Satzung nach § 22 BauGB konnte hier entgegengewirkt werden und die Anzahl fiel auf 593 (Stand 31. Dezember 2024). Die Gemeinde Reit im Winkl erhebt eine Zweitwohnsitzsteuer.

Politik Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2023 4.310.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 1.432.000 Euro.

Bürgermeister Bürgermeister ist Matthias Schlechter (CSU), sein Stellvertreter Maximilian Weiß (Freie Wähler). Seine Vorgänger (seit 1945) waren: 1945–1966: Karl Stumbeck 1966–1978: Andreas Hagl 1978–1990: Jakob Strobl 1990–2002: Franz Klauser 2002–2008: Fritz Schmuck 2008–2020: Josef Heigenhauser

Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: Partei/Liste20202014SitzeSitzeCSU76Freie Wähler78

Wappen und Flagge