|} Die Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt (auch Preßnitztalbahn) ist eine sächsische Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 750mm im mittleren bzw. oberen Erzgebirge. Sie führte von Wolkenstein bis an die sächsisch-böhmische Landesgrenze bei Jöhstadt. Sie verlief ab Wolkenstein zunächst etwa zwei Kilometer im Zschopautal, bis Schmalzgrube im Preßnitztal und danach im Schwarzwassertal. Die in den Jahren 1984 und 1986 in zwei Etappen stillgelegte Strecke wurde zwischen 1992 und 2000 auf dem Abschnitt Steinbach–Jöhstadt als Museumsbahn wiederaufgebaut. Im Jahr 2023 erfolgte der Wiederaufbau des Bahnhofes Oberschmiedeberg, der in den nächsten Jahren mit Steinbach verbunden werden soll.

Geschichte Vorgeschichte Vor dem Bau der Schmalspurbahn entstanden im Preßnitztal etwa 60 bis 70 von der Wasserkraft abhängige Betriebe, wie Mühlen, Sägewerke und auch Papiermühlen. Der An- und Abtransport der produzierten Waren konnte zu dieser Zeit nur über steile Wege aus dem Tal heraus erfolgen, da auch noch keine Straße im Preßnitztal bestand. Nach Einweihung der Zschopautalbahn Chemnitz–Annaberg 1866 (1872 bis Weipert und auf böhmischer Seite bis Komotau verlängert) und Einweihung der Flöhatalbahn Chemnitz–Reitzenhain 1875 besserte sich die Situation, das grundsätzliche verkehrliche Problem für das Preßnitztal bestand jedoch fort.

Ein erstes Eisenbahnprojekt zur Erschließung des Preßnitztals wurde schon 1869 vorgestellt, als eine zweigleisige Hauptbahn Chemnitz–Komotau–Prag durch das Preßnitztal führen sollte. Zugunsten der Strecke über Weipert wurde das Projekt nicht realisiert.

Schon um 1869/70 war in Sachsen die Notwendigkeit erkannt worden, ländliche und gebirgige Gebiete mit Bahnen untergeordneter Bedeutung zu erschließen, sogenannten Sekundärbahnen. Erstmals 1874 erging eine Petition der Stadt Jöhstadt an den Sächsischen Landtag mit der Forderung, eine solche Bahn im Preßnitztal zu bauen. Es sollte jedoch noch bis 1879 dauern, bis in Sachsen der Bau der ersten Sekundärbahnen begann (Pirna–Berggießhübel).

Weitere in den 1880er Jahren an den sächsischen Landtag gerichtete Gesuche führten schließlich zum Erfolg, und der Bau einer schmalspurigen Bahn durch das Preßnitztal wurde 1890 genehmigt. Die Strecke sollte in Wolkenstein an der Zschopautalbahn beginnen.

Im Februar 1891 begann mit ersten Vorarbeiten der Bau der Strecke, der recht schnell voranschritt. Im Winter 1891/92 mussten die Bauarbeiten zwar unterbrochen werden, trotzdem gelang es, die Strecke bis Mai 1892 fertigzustellen.

Eröffnung Am 1. Juni 1892 weihten die K.Sächs.Sts.E.B. die Strecke mit einer Festveranstaltung ein. In den ersten Jahren wurde der Betrieb mit drei Zugpaaren täglich abgewickelt. Sowohl in Jöhstadt als auch in Wolkenstein waren Lokbehandlungsanlagen vorhanden. Am 15. Mai 1893 nahmen die K.Sächs.Sts.E.B. die Streckenverlängerung bis zur Landesgrenze für den Güterverkehr offiziell in Betrieb.

Erweiterungspläne Vor allem zur leichteren Einfuhr der böhmischen Kohle bestanden mehrere Projekte für Streckenverlängerungen nach den das Erzgebirge überschreitenden Regelspurbahnen.

Von 1893 datiert ein Gesuch an den Sächsischen Landtag, welches eine schmalspurige Strecke von Mittelschmiedeberg nach Reitzenhain vorsah. Wegen zu hoher Baukosten und der erwarteten Unrentabilität wurde dieses Projekt abgelehnt.

Mehrere Projekte sahen auch Streckenverlängerungen von Schmalzgrube oder Jöhstadt über die böhmische Bergstadt Preßnitz nach Sonnenberg an der Bahnstrecke Krima-Neudorf–Weipert vor. Größere Aussicht auf Realisierung hatte ein 1913/14 ausgearbeitetes Projekt einer Streckenverlängerung von Jöhstadt nach Weipert. Dieses Projekt sah jeweils einen Bahnhof in Pleil und im böhmischen Teil der Siedlung „Weißer Hirsch“ vor. Wegen des Ersten Weltkrieges kam das Projekt über eine Entwurfsplanung nicht hinaus, und nach 1918 bestand kein Bedarf bzw. auf tschechoslowakischer Seite kein Interesse mehr an einer solchen Verbindung, da sich die Einfuhr böhmischer Kohle ohnehin stark verringerte.

Betrieb Von Anfang an dominierte die Bedeutung der Bahn im Güterverkehr, so dass die K.Sächs.Sts.E.B. 1911 den Rollwagenverkehr auf der Strecke einführten. Transportiert wurden vor allem die Erzeugnisse der örtlichen Industrie, wie Bretter, Holzstoff, Pappen, aber auch Baumaterialien und Kohle. Die in Jöhstadt an der Landesgrenze gelegene Firma Flader produzierte in wachsendem Maße Feuerlöschgeräte wie Spritzen und Pumpen, später auch komplette Feuerlöschfahrzeuge, die anfangs ausnahmslos über die Schmalspurbahn versandt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in einer ehemaligen Papierfabrik in Niederschmiedeberg die Produktion von Kühlschränken in einem Zweigwerk des VEB dkk. Ab den 1960er Jahren entwickelte sich dieses Werk zum bedeutendsten Güterkunden an der Strecke.

In den Abendstunden des 20. Juli 1955 kam es im Fichtelberggebiet zu einem Starkregen, der ein Hochwasser im Schwarzwassertal verursachte. In der 2m hohen Flutwelle starben sieben Menschen; der Verkehr auf der Schmalspurbahn war aufgrund der Beschädigungen am Bahnkörper für vier Wochen unterbrochen.

Erst in den letzten Betriebsjahren ab 1980 begann auch ein Aufschwung im Personenverkehr, als mehr und mehr Ausflügler die Züge benutzten. Um nun den Ansturm der Reisenden zu bewältigen, mussten den Zügen an den Wochenenden zuweilen bis zu vier Verstärkungswagen beigestellt werden.

Stilllegung mini|99 1561 in Niederschmiedeberg, 1984 mini|99 1715 am Wasserhaus im Bahnhof Steinbach (b Jöhstadt), 2010 Ab Mitte der 1960er Jahre war auch für diese Schmalspurbahn die Stilllegung vorgesehen. Ständig steigende Ladungsmengen, vor allem für das Kühlschrankwerk von dkk, verhinderten das jedoch zunächst. Ende der 1970er Jahre wurde auch für die Preßnitztalbahn der Verkehrsträgerwechsel vorbereitet. Jedoch war zunächst völlig ungeklärt, wie die weiterhin steigende Transportmenge für das Kühlschrankwerk auf der Straße abgewickelt werden sollte.

Als 1981 auch die DDR von einer Ölkrise betroffen war, wurden die Alternativen zum Betrieb der Schmalspurbahn eingehend untersucht. Im Wesentlichen wurden drei Varianten erarbeitet, dabei wurde auch die Möglichkeit des Weiterbetriebes der Schmalspurbahn erörtert. Nötig wäre dafür eine umfassende Sanierung und Modernisierung der Bahn gewesen, was damals aus Kostengründen letztlich ausschied. Als zweite Variante war die Umspurung des Abschnittes Wolkenstein–Niederschmiedeberg auf Regelspur vorgesehen. Als dritte und letztlich realisierte Variante wurde an der Stilllegung festgehalten. Die nötigen Investmittel sollten nun stattdessen dem Ausbau der Straße im Preßnitztal und auch der Errichtung eines Containerbahnhofes in Annaberg zugutekommen.

Wie bei vielen Eisenbahnstrecken erfolgte auch bei der Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt eine schrittweise Stilllegung und Abbau der Anlagen: Im Frühjahr 1982 wurde der Güterverkehr zwischen Steinbach und Jöhstadt wegen des schlechten Streckenzustands eingestellt. Am Freitag, dem 13. Januar 1984, verkehrten die letzten Reisezüge zwischen Niederschmiedeberg und Jöhstadt, nachdem die zuständige Bahnmeisterei die Verantwortung für einen Weiterbetrieb auf dem abgängigen Oberbau nicht mehr übernehmen wollte. Die Einstellung des Personenverkehrs auf dem Reststück zwischen Wolkenstein und Niederschmiedeberg folgte am 30. September 1984. Anschließend hielt die Deutsche Reichsbahn den Güterverkehr bis zum 20. November 1986 für das Kühlschrankwerk in Niederschmiedeberg noch aufrecht, da erst die nötigen Voraussetzungen für den endgültigen Verkehrsträgerwechsel geschaffen werden mussten. Die Gesamtstilllegung der Strecke erfolgte mit 31. Dezember 1986.

Die Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt war die letzte Schmalspurbahn, die in der DDR stillgelegt und abgebaut wurde: Beginnend kurz nach der Stilllegung des Abschnittes bis Jöhstadt wurde von Januar 1984 bis Sommer 1989 in verschiedenen Etappen am Abbau der Gleisanlagen gearbeitet.

Am Ende der Abbauarbeiten waren die Gleisanlagen fast vollständig verschwunden, rund zwei Drittel der Brücken waren zerlegt. Auf dem Gelände des Bahnhofs Steinbach entstand nach dem Gleisabbau ein Kindergarten, in Jöhstadt ein Wohnblock. Der Bahndamm der Strecke wuchs nach der Stilllegung und dem Abbau der Gleisanlagen und Brücken zu.

Der Wiederaufbau als Museumsbahn mini|links|KKw = Klappdeckelwagen mit Drehgestellen und 10t Lademasse mini|Steinbach, heutiges Streckenende der Preßnitztalbahn (2011) mini|Bahnhof Jöhstadt, im Jahr 2018 rekonstruierte Gleise im Bahnübergang zur Laderampe und in Richtung Empfangsgebäude, Zustand 2018 Im Sommer 1990 begann die Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn e. V. mit dem teilweisen Wiederaufbau der Schmalspurbahn als Museumsbahn. Diese verkehrt heute zwischen Steinbach und Jöhstadt.

Der Wiederaufbau erfolgte in mehreren Abschnitten: 1990/91 fand zunächst die Sanierung der Lokschuppenruine in Jöhstadt statt, parallel entfernten die Vereinsmitglieder zwischen Jöhstadt und Schmalzgrube die beim Rückbau der Schienen im Bahndamm verbliebenen Altschwellen. Im April 1992 verlegten sie die ersten 180 Meter Streckengleis. Ab Oktober 1993 fuhren die Züge von Jöhstadt bis zum Bahnhof Schlössel, ab Pfingsten 1994 bis zum neu angelegten Haltepunkt Loreleifelsen und ab Pfingsten 1995 bis zum Bahnhof Schmalzgrube. Bis Pfingsten 1996 stellten die Vereinsmitglieder in Schmalzgrube die nördliche Bahnhofsausfahrt wieder her und verlängerten die Museumsbahn bis zum neu angelegten Haltepunkt Forellenhof.

Ab Pfingsten 1998 diente der ebenfalls neu angelegte Haltepunkt Andreas-Gegentrum-Stolln für zwei Jahre als Endpunkt. Nachdem der Gemeinderat von Steinbach in seiner letzten Sitzung vor der Eingemeindung nach Jöhstadt Ende 1998 zugestimmt hatte, den 1987/88 auf dem Bahnhofsgelände in Steinbach errichteten Kindergarten aufzugeben, wurde dieser ab 21. Mai 1999 abgerissen. Am 18. August 2000 eröffnete die IG Preßnitztalbahn e. V. zum Auftakt der anschließenden Festwoche den Abschnitt bis Steinbach. Damit betrug die Streckenlänge 8 km.

Anfang der 2000er Jahre bauten die Mitglieder der IG Preßnitztalbahn e. V. in Steinbach das Einfahrgleis aus Richtung Wolkenstein fast bis zum Bahnübergang Steinbacher Straße wieder auf. Seitdem beträgt die Streckenlänge der Museumsbahn 9 km. Neben Steinbach, Schmalzgrube und Schlössel entstand 2023/24 auch der Bahnhof in Oberschmiedeberg fast originalgetreu neu. Für Jöhstadt steht dies noch bevor. Dazu wurde im August 2026 der Betonwohnblock abgebrochen, um an seiner Stelle einen Güterschuppen wiederzuerrichten. Ziel ist es, dass die Züge der Museumsbahn die Fahrt am Empfangsgebäude in Jöhstadt beginnen.

Ein Weiterbau in Richtung Wolkenstein ist aktuell bis zum Bahnhof Oberschmiedeberg vorgesehen, dessen Gleisanlagen im Jahr 2023 neu entstanden sind. Außerdem konzentriert sich der Verein auf die weitere Ausgestaltung der vorhandenen Anlagen. Zu diesen gehört die 2004/05 im Ortsteil Schlössel errichtete Ausstellungs- und Fahrzeughalle der Preßnitztalbahn in Jöhstadt. Der Streckenabschnitt Steinbach–Streckewalde ist in den 1990er Jahren überwiegend zu einem Radweg umgebaut worden. Im Jahr 2018 erfolgte im Bahnhof Jöhstadt die Rekonstruktion der Gleise im Bereich der Laderampe und der Inneren Bahnhofstraße sowie auf einem Stück der Trasse in Richtung der einstigen Ladestelle Jöhstadt. Sie wurden nach dem Verlegen der Gleise vor dem Jöhstädter Empfangsgebäude mit dem Schienennetz der Preßnitztalbahn verbunden. Am 11. und 12. September 2021 wurde dieser Lückenschluss vor dem Empfangsgebäude in Jöhstadt vollzogen, und am 18./19. September 2021 wurden die neu verlegten Gleise eingeschottert. Im Herbst 2022 begannen die Bauarbeiten für die Verlängerung der Strecke nach Oberschmiedeberg.

Streckenbeschreibung Verlauf mini|Vereinfachtes Höhenprofil der Strecke mini|links|Bahnhof Wolkenstein, ausgestellter Dreischienengleisrest mit Wechsel des gemeinsamen Stranges, 2016