mini|Anna Sommer Anna Sommer (* 13. Mai 1968 in Aarau) ist eine Schweizer Comiczeichnerin und Illustratorin. Sie lebt und arbeitet in Zürich.

Biografie Anna Sommer wuchs in Staffelbach und Aarau auf. Sie absolvierte den Grundkurs an der Zürcher Hochschule der Künste und eine Lehre als Grafikerin. Gleichzeitig zeichnete sie immer gerne und viel; als Kind waren es „am liebsten Frauen in Stöckelschuhen“,Feine Striche, starke Stories. In: Brigitte. 20. Juni 2007. dennoch kam Sommer fast zufällig zum Comiczeichnen: „Als Kind las ich natürlich Tintin und Wilhelm Busch, die offensichtlich wichtig für meine Comic-Bildung waren. Dann aber habe ich jahrelang keine Comics gelesen“.Vom Alltäglichen gezeichnet. In: Der Bund. 18. April 2007.

1996 erschien Sommers Comic-Erstling Damen Dramen. Der Band im A5-Format erzählt ohne Worte von unterschiedlichen Frauen, „verspielt und gleichzeitig voller Ernst, unschuldig, aber absolut frei von Skrupel“, so schreibt Milena Moser im Klappentext dazu. Durch den Erfolg ihrer wild-schrägen, teils frivolen Geschichten mit und um Frauen wurde für Sommer der Schritt von der fest angestellten Grafikerin zur freien Comiczeichnerin und Illustratorin möglich.

Auch das zweite Buch Honigmond (1998), „eine bitterböse Geschichte in Collage-Technik über die Auswüchse eine Hochzeitsnacht“, ist schnell vergriffen.Vom Erwachsenwerden. In: Schweizer Illustrierte. 5. März 2007.

In der Folge etablierte sich Sommer sowohl als Illustratorin wie auch als Comiczeichnerin, das Comicfestival Fumetto widmete ihr 2007 schliesslich eine Einzelschau, denn „sie gehört zu den cleversten Fabuliererinnen auf der progressiven Comicszene“.Im Zeichen der Nabelschau. In: St. Galler Tagblatt. 27. März 2007.

2007 erschien das autobiografisch geprägte Buch Die Wahrheit und andere Erfindungen. In diesem änderte Sommer keinen Namen, alle auftretenden Figuren heissen so wie in Wirklichkeit. „Unbefangen und offen erzählt Anna Sommer von den liberalen Erfahrungen und Entdeckungen ihrer Kindheit und Pubertät, von ersten Boyfriends, Küssen, sanftem Kokettieren mit Homoerotik und kindlichem Ausprobieren des Beischlafs.“Porträt Anna Sommer. The-Title, 3/2007 Sie selbst meint „Das Stochern in der Vergangenheit zeigt mir, wie schwammig unsere Erinnerungen sind.“ Das Buch sei „äusserst amüsant“,Die Besten. In: Schweizer Illustrierte. 24. März 2007. urteilen die einen Medienschaffenden, andere loben „an der zeichnerischen Leichtigkeit liegt es vor allem, dass man sich das Buch sehr gerne anschaut“Die Arbeit des Erinnerns. In: NZZ. 19. April 2007. und merken an „die hohe Qualität ihrer Geschichten rührt nicht zuletzt von den subtilen Brüchen her, die sich durch alles ziehen.“Vom Alltäglichen gezeichnet. In: Der Bund. 18. April 2007. Sie habe mit ihren Schwarz-Weiss-Zeichnungen „eine kleine Comic-Perle“Vom Tampon und von den Küssen der Jungs. In: Mittellandzeitung. 12. April 2007. gezeichnet.

2010 wurde das Auftragswerk Julie ist wieder da! veröffentlicht. Die Geschichte eines an Leukämie erkrankten Mädchens soll Eltern und Geschwistern helfen, die Belastungen dieser Krankheit erträglicher zu machen. Bereits zuvor hatte sie 2003 mit Eugen und der freche Wicht ein Kinderbuch über Hirntumor veröffentlicht, das sich an betroffene Kinder und deren Familien richtet sowie an Lehrer, Freunde, Betreuer und Ärzte. Danach arbeitete sie an einem Bilderbuch für Blinde.

Seit den 1990er Jahren arbeitet Sommer regelmässig auch als Illustratorin unter anderem für NZZ Folio, Die Zeit, Libération, WoZ und Strapazin.

Ihr Lebenspartner ist der Comiczeichner Noyau.Vom Tampon und von den Küssen der Jungs. In: Mittelland-Zeitung. 12. April 2007.

Sie ist Ehrengast am Comicfestival BD-FIL 2017 in Lausanne, Festival international de bande dessinée de Lausanne und hat das Festivalplakat kreiert.

Stil „Motivation zum Zeichnen war immer das Geschichtenerzählen. Auch in einzelnen Bildern habe ich immer Geschichten erzählt“,Kesse Comics. In: Frauenzeitung FRAZ. 2. Juni 2007. so Sommer über ihre Arbeit. Dazu nutzt sie unterschiedliche Techniken: Anfangs zeichnete sie vor allem Schwarz-Weiss-Zeichnungen in Tusch, die „sich besser zum schnell Erzählen eignen“;Kesse Comics. In: Frauenzeitung FRAZ. 2. Juni 2007. heute gestaltet sie Papierschnitte mit Japanmesser und Sprühleim als „poppige, plakative Collagen“Vom Erwachsenwerden. In: Schweizer Illustrierte. 5. März 2007. ohne Sprechblasen, zudem schafft sie auch Kaltnadelradierungen. „Die untypische Bildsprache fern von Comic-Schablonen ist einer der Gründe, warum Anna Sommer auch Leserinnen und Leser anspricht, die sich gewöhnlich nicht für Comics interessieren“.Vom Alltäglichen gezeichnet. In: Der Bund. 18. April 2007.

Sommer selbst schätzt speziell „die intimen Comics von Julie Doucet, Chester Brown oder David B“ sowie unter den schreibenden Autoren Agota Kristof, Emmanuel Bove und Werke wie Effi Briest oder Madame Bovary.Sans paroles, ils vont plus vite au lit. In: La Libération. 25. Juni 2009.

Werke Remue-ménage. L’Association, Paris 1996, ISBN 2-909020-67-3. Neuauflage bei Frémok, Brüssel 2024, ISBN 978-2-39022-048-0. Damen Dramen. Arrache Cœur, Zürich 1996, ISBN 3-907010-91-4. (Neuauflage 2004) Honigmond. Arrache Cœur, Zürich 1998, ISBN 3-907055-14-4. John Fante: Rêves de Bunker Hill. Editions Demoures, Genf 1999, ISBN 2-940244-07-3. Amourettes. Cahiers Dessinés, Paris 2002, ISBN 2-283-01909-5. Baies des Bois. Edition Moderne, Paris 2002, ISBN 3-907055-64-0. Gilbert Sorrentino: Im Land der Liebe. Übersetzt von Joachim Kalka. Maro Verlag, Augsburg 2002, ISBN 3-87512-663-7. mit Michael Grotzer: Eugen und der freche Wicht. Edition Moderne, Zürich 2003, ISBN 3-907055-70-5. Juan d’Oultremont: Portrait d’Ari la nuit. Estuaire, Belgien 2006. Die Wahrheit und andere Erfindungen. Edition Moderne, 2007, ISBN 978-3-03731-017-5. frz.: Tout peut arriver, Buchet-Chastel, Paris 2009. Julie ist wieder da! Edition Moderne, Zürich 2010, ISBN 978-3-03731-053-3. mit Michael Grotzer: Was kitzelt in meiner Hand? Edition Moderne, Zürich 2012, ISBN 978-3-03731-087-8. (Siebdruck, Relief nur 200 Exemplare im Verkauf) L’inconnu. Les Cahiers Dessinés, Paris 2017, ISBN 979-10-90875-58-6. Das Unbekannte. Edition Moderne, Zürich 2018, ISBN 978-3-03731-173-8. Chambre d’amies. Les Cahiers Dessinés, Paris 2023, ISBN 978-2-493-18819-9. Tinte. Edition Moderne, Zürich, 2023, ISBN 978-3-03731-255-1. L'encre. Frémok/FRMK, Bruxelles, 2023, ISBN 978-2-390-22042-8.

Einzelausstellungen (Auswahl) 1993: Goldenes Kalb, Aarau 1995: Galerie XS, Basel 1998: mit Martin tom Dieck, Papiers Gras, Genf 1999: Comicfestival Fumetto, Luzern 1999: Comixshop, Basel 2003: Galerie Martine Gossieaux, Paris 2002: mit Yves Nussbaum, Galerie Espace Saint-Francois, Lausanne 2005: mit Yves Noyau, Galerie Hauptmann & Kampa, Zürich 2007: Fumetto, Luzern 2009: Werkschau «Anna Sommer & Noyau», Cartoonmuseum Basel 2017: BD-Fil, Lausanne 2017: Galerie Papiers Gras, Genf 2018: Never Stop Reading, Zürich 2018: Comic Festival Fumetto, Luzern (artist in residence im Hotel Schweizerhof) 2022: mit Yves Noyau: «Dos à dos», Atelier Beletage beim KIFF Aarau 2024: Galerie Martel, Paris 2026/27: Museum Tomi Ungerer, Straßburg, «À tire-d’aile. Anna Sommer en dialogue avec les collections»

Gruppenausstellungen Little sexual things, Galerie Bommer, Zürich, 1994 Festival de la bande dessinée, Siders, 1994 Art Magazin, Zürich, 1995 Comixx, Geneva, Paris, Langental, BAK, 1996 Galerie Marie-Louise Wirth, Zürich, 1997 Comicfestival Helsinki, 1997 Frauenkunstforum, Bern, 1997 Mutanten, Düsseldorf, 1999 Comicfestival Athen, 2001 Fumetto, Luzern, 2001 Papiers Gras, Genf, 2002 Raum 62, Rapperswil, 2002 Arts Factory, Paris, 2002 Comic Brew, Johannesburg und Kapstadt, 2004 I. G. Halle, Rapperswil, 2004 20 Jahre STRAPAZIN, Walcheturm, Zürich, 2004 Comic-Land Schweiz, Pro Helvetia, 2005 Les 7 péchés capitaux, BD-Fil, 2011 La BD à tous les étages, Centre Georges-Pompidou, 2024

Auszeichnungen 1997: «Prix d’humour» am Festival de la bande dessinée Sierre für Damen Dramen 2006: Werkjahr Comics der Stadt Zürich 2018: «Comicstipendium der Deutschschweizer Städte» anlässlich des Comicfestival Fumetto 2024: «Max-und-Moritz-Preis» in der Kategorie Beste deutschsprachige Comic-Künstlerin auf dem Comic-Salon Erlangen in Erlangen 2026 : lauréate du Grand Prix Töpffer de la bande dessinée 2026 de Genève

Weblinks Website

Anna Sommer bei Edition Moderne Anna Sommer bei Deutscher Comic Guide TV-Bericht über die Ausstellungsvernissage im Cartoonmuseum Basel 2009, Telebasel

Einzelnachweise

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