Die Übersicht der Bahnhöfe der Arosabahn beschreibt sämtliche an der Bahnstrecke Chur–Arosa gelegenen, bestehenden und ehemaligen Bahnhöfe, Halte- sowie weiteren Dienststellen. Alle sich in Betrieb befindenden Bahnhöfe und Haltestellen werden von den fahrplanmässigen Regionalzügen der Linie bedient. Sie bieten teilweise Anschlussmöglichkeiten an weiterführenden öffentlichen Verkehr. mini|hochkant=1.5|Der Bahnhof Arosa zur Zeit der Bahneröffnung
Geschichte Im Rahmen des Baus der Arosabahn (1912–1914) schrieb die damalige Aktiengesellschaft Chur–Arosa-Bahn (ChA) einen Wettbewerb zur Errichtung der Hochbauten entlang der Bahnlinie aus. Für die Beurteilung der eingereichten Vorschläge wurde ein Preisgericht eingesetzt, bestehend aus zwei unabhängigen Architekten und dem Oberingenieur des Bahnbaus, Gustav Bener. An dieser Ausschreibung beteiligten sich acht Firmen, die Pläne für die Wagenremise in Chur, die fünf Zwischenstationen im Schanfigg und das Bahnhofsgebäude in Arosa vorlegten. Da die Endstation Chur auf dem Bahnhofplatz beim bereits bestehenden SBB-Bahnhofsgebäude zu liegen kam, war hier kein Neubau vonnöten. Der Churer Otto Manz bekam das Werksdepot auf dem Sand zugesprochen, der Aroser Alfons Rocco durfte die Zwischenstationen errichten, und die Zürcher Architekten Meier und Arter erhielten die Hochbauten des Aroser Bahnhofs.
Die Bahnhofsgebäude der Schanfigger Zwischenstationen mini|links|Bahnhofsgebäude im Chaletstil, hier die Station Langwies mit Sinnspruch an der Frontfassade, Güterschuppen rechts (2008) Für die Zwischenstationen Lüen-Castiel, St. Peter-Molinis, Peist, Langwies und Litzirüti hatte Architekt Rocco eine neuartige Normbauweise entwickelt. Weisen sonst Bahnhöfe der Rhätischen Bahn (RhB) regelmässig längliche Baukörper auf, so liegt dies in der Zweckmässigkeit begründet, denn für den Güterumschlag bietet diese Bauweise gewichtige Vorteile. Rocco richtete seine Stationsgebäude weniger auf einen ausgeprägten Güterumschlag aus, sondern stellte vielmehr ein Wohnhaus mit angegliedertem kleinem Güterschuppen in den architektonischen Mittelpunkt. Die von ihm geschaffenen fünf Chalets fallen nicht nur durch ihren auffälligen Geranienschmuck auf, sie fügen sich auch gut in die sie umgebende Landschaft und die im Tal übliche Bauweise ein, weshalb sie beim Schweizer Heimatschutz hohe Anerkennung erlangten. Aufgrund der entsprechenden Bekanntheit der Stationsgebäude gab die Schweizerische Post zum Schweizer Bundesfeiertag am 1. August 1947 eine Sonderbriefmarke heraus, die den Bahnhof Lüen-Castiel abbildete.Hans Hofmann: Chur–Arosa, vom Bau und Betrieb der Bahn, zweite Auflage, Calanda Verlag H. Hofmann, Chur 1989/93, ISBN 3-905260-11-5, S. 68.Informationen der Kantonsbibliothek Graubünden zum Aufnahmegebäude Lüen-Castiel Abgerufen am 19. September 2013.
Die Zwischenstationen, alle jeweils drei Geschosse aufweisend und heute nicht mehr personell bedient, ruhen auf einem gemauerten Sockel. Das Gebäude, ein Strickbau, erhebt sich über diesem Sockel und ist mit einem leicht ausladenden Satteldach überdeckt. Die Fassade des Wohnteils weist eine symmetrische Gestalt auf, in der mittig ein Balkon eingelassen ist. Das Dach verfügt über ein auffälliges Mass, zumal es auf der Seite des angebauten Güterschuppens als Schleppdach weiter gezogen ist. Sein Vorkragen erfüllt auf der Gleisseite die Funktion eines Perrondachs.
mini|Rückseite der Normgebäude am Beispiel der Station St. Peter-Molinis, Güterschuppen rechts auf Bahnseite (2010) Im dreiteiligen Erdgeschoss befanden sich der Warteraum, das Stationsbüro sowie der Güterschuppen. Die zwei Obergeschosse des Gebäudes dienten als Wohnungen für den Bahnhofsvorstand, wobei das erste die Küche und das Wohnzimmer beherbergte. In den Güterschuppen baute Rocco eine kleine Vorratskammer ein, die vom ersten Stock aus betreten werden kann. Drei weitere Räume befinden sich im zweiten Obergeschoss, und jeder von ihnen verfügt über ein Fenster. Die an den Hauptfassaden angebrachten Inschriften nehmen Bezug auf die ländliche Umgebung und beinhalten treffende Sinnsprüche, teilweise umrahmt von der Jahreszahl 1914 und ergänzt durch die jeweilige Höhenangabe. Die Gebäude wurden in Abhängigkeit vom Standort und den örtlichen Gegebenheiten zum Teil spiegelsymmetrisch zueinander konzipiert. Die Stationen verfügen alle über moderne Fahrkartenautomaten, quer an der Hauptfassade angebrachte Standard-Bahnhofsuhren sowie über identische, steinerne Trogbrunnen mit an einer Kette befestigten, gusseisernen Trinkbechern.
Die Kosten für die Zwischenstationen betrugen je 24'000 Schweizer Franken, der Gesamtversicherungswert belief sich im Jahr 1915 auf 395'000 Schweizer Franken. Die noch heute vorhandenen Bahnhofsanschriften in alter deutscher Schrift wurden in den 1960er-Jahren durch beleuchtete weiss-blaue Kunststoffanschriften ergänzt, die später zusätzlich mit dem RhB-Logo versehen wurden. Seit dem Verzicht auf eine Bedienung der Zwischenstationen sind die Gebäude als Wohnhäuser fremdvermietet, befinden sich jedoch noch immer im Eigentum der RhB. Diese investierte 2013 mit Blick auf das anstehende 100-jährige Jubiläum der Arosabahn zwei Millionen Franken in die Auffrischung der Stationsgebäude. Die Sanierungsarbeiten umfassten neben Malerarbeiten an den Fassaden auch die Instandstellung der Steildächer, Asphaltbeläge, Warteräume, WC-Anlagen und Elektroinstallationen.RhB-Bahnhöfe auf der Arosalinie bekommen Jubiläumskleid Abgerufen am 19. September 2013.
Die Stationen verfügten von Anfang an über Ausweichgleise, und der Betrieb wurde zunächst mittels grafischem Fahrplan, Telefon und Telegraf, jedoch ohne Signale abgewickelt. In den 1960er-Jahren wurden die Ausweichgleise zur Kapazitätssteigerung bei sämtlichen Bahnhöfen und Kreuzungsstellen auf 145 Meter verlängert.
Aktuelle Betriebsstellen Bahnhof Chur
Bahnhof Chur Stationstyp: Bahnhof mit SBB/RhB Stammnetz Gleisanzahl: 2, auf Bahnhofplatz IBNR: 8509000 Eröffnung: 11. Dezember 1914 Umbau: 2008 Koordinaten: Höhe ü. d. M.: Kilometer: 0 Betriebsgebäude: rechts mini|links|Start- und Endstation Bahnhofplatz in Chur (2014) Am Bahnhof Chur liegt die Abfahrtsstelle der Arosabahn auf dem Churer Bahnhofplatz, unmittelbar neben dem 2008 umgebauten Aufnahmegebäude der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) von 1858. Sie verfügt über zwei Gleise (1 und 2) mit überdachten Seitenbahnsteigen. Das Perrondach von Gleis 1 wird mit den angrenzenden Churer Stadtbussen geteilt. Zur Gesamtinfrastruktur gehören ferner eine Park-and-ride-Tiefgarage sowie Fahrradunterstände. Der Bahnhof wird nebenan auch von den Linien der SBB und der RhB bedient und im Stadtverkehr durch sämtliche Buslinien ergänzt.
Eröffnet wurden die Anlagen für die Arosabahn mit der Aufnahme des Bahnbetriebes am 11. Dezember 1914. Die Gleisanlagen der Arosabahn befanden sich bis 2007 mitten auf dem Bahnhofplatz. 1927 wurden diese samt den Abstellgleisen vergrössert, um die Züge vor der Abfahrt zusammenstellen zu können, ohne die Durchfahrt des Individualverkehrs sperren zu müssen. Gleichzeitig erhielt der Bahnhofplatz einen Kopfsteinpflasterbelag. 1938 wurden die Gleise um siebzig Meter in Richtung Engadinstrasse verlängert und mit einer speziellen Strassenbahnweiche verbunden. 1984/85 baute man die Gleisanlagen erneut um. Ein Grossprojekt zur Untertunnelung der Arosabahn am Bahnhof Chur musste 1996 mangels bereits in Aussicht gestellten Bundesbeiträgen aufgegeben werden. 2007 wurde die zweigleisige Streckenführung auf der Engadinstrasse bis kurz vor die Einmündung in die Grabenstrasse verlängert. Es existiert ein Verbindungsgleis zum Stammnetz der RhB.
Haltestelle Chur Altstadt Haltestelle Chur Altstadt Stationstyp: Haltestelle Gleisanzahl: 1 IBNR: 8509150 Eröffnung: 11. Dezember 1914 Verlegung: um 2002 Koordinaten: Höhe ü. d. M.: Kilometer: 0,726 Betriebsgebäude: rechts mini|links|Haltestelle Chur Altstadt mit Praximerbrückli an der Plessur (2010) mini|links|Frühere Haltestelle Chur Stadt mit Teil des Protestspruches an der Quaimauer Die Haltestelle Chur Altstadt (bis 8. Dezember 2018: Chur Stadt) liegt am Plessurquai gegenüber dem Lindenquai, unmittelbar angrenzend an die historische Altstadt. Die Haltestelle verfügt über einen einfachen offenen Unterstand mit ungedeckter Sitzgelegenheit, einen Fahrkartenautomaten und eine elektronische Hinweistafel. Das Gleis liegt an der rechten Strassenseite. Seit dem Bau eines Verkehrskreisels auf der Obertorbrücke 2010 wird der Strassenverkehr auf der Strecke zur Metzgerbrücke nur noch von Arosa her zugelassen, was den Zugbetrieb erheblich erleichtert. Es bestehen Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder bei den Parkhäusern Arcas und Lindenquai. Der Stadtbus bedient die Haltestelle nicht, obschon die Linie 9 (Bahnhof–Meiersboden) direkt daran vorbeiführt. Die Schweizerische Post führt etwas weiter oben eine eigene Haltestelle "Stadt" an der Jochstrasse auf ihrer Postautolinie ins Schanfigg.
Bis zur Errichtung der Fussgängerpassage Praximerbrückli in den 2000er-Jahren befand sich die Haltestelle Chur Stadt rund 80 Meter weiter flussaufwärts, unmittelbar an der Metzgerbrücke bei der Zufahrt zum Arcas. Dies führte regelmässig zu einer zeitweisen Blockierung des Autoverkehrs. Ein Warteunterstand existierte nicht, einzig ein Fahrkartenautomat und ein Entwerter. Nach der Gutheissung eines umfangreichen Kredits zur Untertunnelung der Arosabahn in Chur 1988 durch das städtische Stimmvolk prangte an der dortigen, früheren Quaimauer jahrelang in weisser Farbe der diesbezüglich kritische Spruch Tunnelbunker–Millionenflunker.
Dienststation Untersax Dienststation Untersax Stationstyp: Kreuzungsstelle Gleisanzahl: 2 Eröffnung: Juni 1926 Koordinaten: Höhe ü. d. M.: Kilometer: 5,826 Betriebsgebäude: links mini|links|Dienststation Untersax beim Calfreisertobel-Viadukt (2022) Die Dienststation Untersax liegt zwischen dem Tunnel Saxer Nase und dem Calfreisertobel-Viadukt. Es handelt sich um eine reine Kreuzungsstelle. Sie wurde im Juni 1926 in Betrieb genommen, um die Fahrplanstabilität zu verbessern und die Anschlüsse an die SBB in Chur garantieren zu können. Die Dienststation verfügt über eine kleine hölzerne Betriebs- und Schutzhütte mit zwei Türen und über ein kurzes Stumpengleis zum Calfreisertobel-Viadukt hin. Ein Fussweg verbindet die Kreuzungsstelle über die mitten im Wald gelegene, ehemalige Siedlung Untersax mit dem Maladerser Ortsteil Sax an der Schanfiggerstrasse. Als Haltestelle wurde die Dienststation ungeachtet dessen nie genutzt.
Bahnhof Lüen-Castiel Bahnhof Lüen-Castiel Stationstyp: Bahnhof Gleisanzahl: 2 IBNR: 8509152 Eröffnung: 11. Dezember 1914 Koordinaten: Höhe ü. d. M.: Kilometer: 8,727 Betriebsgebäude: links (von Gleis) Güterschuppen: links (von Betriebsgebäude) Sinnspruch: „Wo ein Wille, ist auch ein Weg.“ mini|links|Bahnhof Lüen-Castiel (2010)