Die Rschew-Wjasmaer Operation (russisch: Ржевско-Вяземская операция, 8. Januar bis 20. April 1942) war ein großräumiger Versuch der Roten Armee, die im Dezember 1941 nach Westen zurückgedrängte Masse der deutschen Heeresgruppe Mitte im Raum westlich von Moskau durch mehrfache Abriegelungen im Rücken abzuschneiden und einzukesseln. Die neue sowjetische Großoffensive wurde von den Truppen der Westfront (Armeegeneral Georgi K. Schukow) und der Kalininfront (Generaloberst Iwan S. Konjew) mit Unterstützung der Truppen der Nordwest- und Brjansker Front durchgeführt.

Folgende Unteroperationen können der übergeordneten Rschew-Wjasma-Operation zugeordnet werden: Rschewer Angriffsoperation vom 8. Januar bis Ende Februar 1942 () Moschaisk-Wjasmaer Angriffsoperation vom 10. Januar bis 28. Februar 1942 () Luftlandeoperation von Wjasma () und deutsche Operation Seydlitz im Sommer 1942 gegen sowjetische Partisanen und Fallschirmjägertruppen.

Die erste Phase der Offensive vom 8. bis Ende Januar war trotz einiger Verzögerungen ab Monatsmitte für die sowjetischen Truppen recht erfolgreich. Den nach Norden vorrückenden Einheiten der 33. Armee sowie das 1. Garde-Kavalleriekorps gelang es, Ende Januar nach Wjasma durchzubrechen. Anfang Februar konnte die Wehrmacht jedoch mehrere sowjetische Front-Einbrüche von Dezember 1941 nördlich und südlich von Juchnow wieder beseitigen und große Teile der sowjetischen 33. Armee, des 1. Garde-Kavalleriekorps und der 8. Luftlande-Brigade einschließen. Ab 18. Februar erneuerten die sowjetischen Truppen ihre Angriffe und versuchten bis Ende März/Anfang April erfolglos, Korridore zu den abgeschnittenen Verbänden frei zu kämpfen. In der letzten Phase konnte die deutsche Wehrmacht ihrerseits die Krise an der vorderen Front meistern und die letzten noch kampffähigen Großverbände der Roten Armee im Rücken der Front aufreiben. Ende April 1942 konnte die Front der Heeresgruppe Mitte als stabilisiert angesehen werden.

Vorgeschichte Ende Dezember 1941 befand sich die gesamte Heeresgruppe Mitte in der Schlacht um Moskau infolge der Gegenoffensive der sowjetischen West- und Kalinin-Front in der Defensive. Am 30. Dezember fiel Kaluga in die Hand der sowjetischen 31. Armee. Die Verbände der Panzergruppe 3 und 4 (ab 1. Januar 1942 in Panzerarmeen umbenannt) verschanzten sich Ende Dezember 1941 entlang der Flüsse Lama und Rusa, bei Moschaisk und Gschatsk und nutzten die Befestigungen, die früher von sowjetischen Truppen an beiden Ufern der Flüsse errichtet worden waren.

Die deutschen Truppen am Nordflügel der Heeresgruppe Mitte stützten sich auf die Eisenbahnlinie Welikije Luki – Rschew – Wjasma, um mit den Reserven in der „inneren Linie“ manövrieren zu können, die Front nordöstlich von Rschew war bereits zuvor stark befestigt worden. Die neue Verteidigungslinie verlief etwa von Subzow östlich von Gschatsk nach Juchnow und wurde als „Königsberg-Linie“ bezeichnet. Das schnelle Vorgehen der Truppen der Kalinin- und Westfront in der zweiten Hälfte des Dezembers 1941, die Zerstörung von Eisenbahnen und Autobahnen durch den Feind sowie unbefestigte Straßen führten auch bei der Roten Armee zu Verzögerungen in der Versorgung mit Munition und Treibstoff. Starke Schneefälle, Frost und häufige Schneestürme schränkten auch die Kampffähigkeit der sowjetischen Truppen ein und schlossen die Weiterführung der Operationen praktisch aus.

Die Verteidigungsdichte der deutschen Truppen stand Anfang Januar bei Moschaisk und Gschatsk auf eine Division gerechnet bei 8 Kilometer Front, bei Suchinitschi hielt eine Division sogar 33 Kilometer Front. Am 30. Dezember durchbrachen im Raum südlich von Borowsk Teile von fünf Schützendivisionen der sowjetischen 33. und 43. Armee die Verteidigung der deutschen 15. Infanteriedivision (Generalleutnant Ernst-Eberhard Hell) und rissen die Verbindung zwischen dem XX. und XII. Armeekorps auf.

Trotz der schwierigen Lage der Fronttruppen forderte das deutsche Oberkommando hartnäckigen Widerstand, da ein weiterer Rückzug die völlige Katastrophe zur Folge gehabt hätte. Infolge organisatorischer und strikter Halte-Maßnahmen, gelang es dem deutschen Oberkommando mit Hilfe der aus dem Westen herangeführten Reserven, die Verteidigung der neuen Frontlinien zu stabilisieren. Das deutsche Oberkommando hoffte, die sowjetischen Truppen in einer 6–8 km tiefen Verteidigungszone ausreichenden Widerstand leisten zu können.

Anfang Januar meldete Generaloberst Erich Hoepner an Feldmarschall von Kluge: „Der starke feindliche Druck hält an ... der Feind greift weiter an, wobei eine große Anzahl von Panzern eingesetzt wird. Im Sektor des XXXXVI. Armeekorps mot. (südlich von Wolokolamsk) erfolgten ständige Angriffe ... ständige starke Spannungen und das Fehlen jeglicher Reserven machen es unmöglich, Positionen für lange Zeit zu halten ... das Zurückziehen der Front in eine Position östlich von Gschatsk wird notwendig.“

Beteiligte Kräfte Bis Mitte Dezember 1941 erhielten die Truppen der Heeresgruppe Verstärkungen in der Höhe von 40.800 Mann, die sofort an den Winterkämpfen teilnahmen. Gegenüber der Kalinin- und Westfront waren auf etwa 650 Kilometer Front zwischen Selischarowo und Schisdra zehn deutsche Armeekorps sowie fünf motorisierte Korps mit 38 Infanterie-, 2 Sicherungs-, 5 motorisierten und 9 Panzerdivisionen konzentriert. An der Naht zur Heeresgruppe Nord gegenüber der Nordwestfront, entlang des Westufers des Seliger- und des Südufer des Wolga-Stausees verteidigten zwei weitere Infanteriedivisionen (32. und 123. I.D.) des II. Armeekorps der 16. Armee und der äußerste rechte Flügel (253. I.D., SS-Kavallerie-Brigade) der 9. Armee.

Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall Günther von Kluge

9. Armee, Generaloberst Walter Model

XXIII. Armeekorps, General der Infanterie Albrecht Schubert 253., 102., 206., 256. und 81. Infanterie-Division VI. Armeekorps, General der Infanterie Bruno Bieler 339., 6., 26., 110. und 161. Infanterie-Division XXVII. Armeekorps, Generalleutnant Joachim Witthöft 86., 129., 251. und 162. Infanterie-Division

3. Panzerarmee, Generaloberst Georg-Hans Reinhardt

XXXXI. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Josef Harpe 1. und 2. Panzer-, 36. mot. Infanterie-Division LVI. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Ferdinand Schaal 7. Panzer- und 14. mot. Infanterie-Division, Brigade 900 V. Armeekorps, Generalleutnant Wilhelm Wetzel 6. Panzer-., 35., 106. und 23. Infanteriedivision

4. Panzerarmee, Generaloberst Erich Hoepner, ab 8. Januar General der Infanterie Richard Ruoff

XXXXVI. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Heinrich von Vietinghoff SS-Reich, Teile 10. Panzer-, 5. und 11. Panzer-Division IX. Armeekorps, General der Infanterie Hans Schmidt 20. Panzer-, 87., 18. und 252. Infanteriedivision VII. Armeekorps, General der Artillerie Ernst-Eberhard Hell 7., 267., 197., 3. mot., 255. Infanteriedivision

4. Armee, General Ludwig Kübler, ab 20. Januar 1942 General der Infanterie Gotthard Heinrici

XX. Armeekorps, General der Infanterie Friedrich Materna 10. Panzer-, 183., 15., 258. und 292. Infanteriedivision LVII. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Friedrich Kirchner 19. Panzer-, 98. und 34. Infanteriedivision XII. Armeekorps, General der Infanterie Walter Schroth 263. und 17. Infanteriedivision XIII. Armeekorps, Generalleutnant Otto Ottenbacher 52., 260. und 268. Infanteriedivision XXXXIII. Armeekorps, Generaloberst Gotthard Heinrici, ab 20. Januar Gerhard Berthold 137., 31., SS-Reg. 4, und 131. Infanteriedivision XXXX. Armeekorps (mot.), General der Kavallerie Georg Stumme 1. Panzer-, 216., 10. mot., 403. Sicherungs- und Teile 56. Infanterie-Division

Dem Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte wurde mitgeteilt, dass fünf frische Infanteriedivisionen herangeführt werden, die von Westeuropa nach Osten verlegt wurden. Diese waren aber Divisionen der 3. Welle, die weder in den Regimentern noch im Panzerabwehrbataillon über 50 mm Pak verfügten:

216. Infanterie-Division (General der Infanterie Werner von Gilsa) – voraussichtlich bis 1. Januar 1942 in Smolensk, 208. Infanterie-Division (General der Infanterie Hans-Karl von Scheele) – voraussichtlich bis 8. Januar 1942 in Witebsk, 246. Infanterie-Division (Generalleutnant Maximilian Siry) – voraussichtlich bis 16. Januar 1942 in Smolensk, 211. Infanterie-Division (Generalleutnant Kurt Renner) – vermutlich bis 24. Januar 1942 in Witebsk, 205. Infanterie-Division (Generalleutnant Ernst Richter) – voraussichtlich bis 1. Februar 1942 in Witebsk.

Rote Armee

Kalininfront (Generaloberst Iwan S. Konjew)

22. Armee (Generalleutnant Wladimir Iwanowitsch Wostruchow) 178., 179., 186. und 357. Schützendivision, 45. Kavalleriedivision 155., 158. und 362. Schützen-Division

39. Armee (Generalleutnant Iwan Iwanowitsch Maslennikow) 252., 256., 361., 355. und 373. Schützendivision 11. Kavalleriekorps (Oberst Nikolai Wladimirowitsch Gorin, ab 17. Januar 1942 Generalmajor Grigori Timofejewitsch Timofejew) 18., 24. und 82. Kavalleriedivision, im März mit der 46. und 76. Kavalleriedivision verstärkt

29. Armee (Generalmajor Wassili Iwanowitsch Schwezow) 183., 185., 220., 365., 369., 381. Schützendivision 174., 243., 246., 375. Schützendivision

31. Armee (Generalleutnant Wassili Alexandrowitsch Juschkewitsch) 5., 119., 247., 250., 262., 359. Schützendivision 46. und 54. Kavalleriedivision, später: 379. Schützendivision

30. Armee (Generalleutnant Dmitri Danilowitsch Leljuschenko) 107. mot.-, 251., 348., 363., 365., 371. Schützendivision

Westfront (Armeegeneral Georgi K. Schukow)

1. Stoßarmee (Generalleutnant Wassili I. Kusnezow) 133. Schützendivision (Oberst Fjodor Dmitrijewitsch Sacharow) 29., 34., 41., 44., 46., 47., 50., 55. und 56. Schützenbrigade 62., 71. und 84. mot. Schützenbrigade 17. und 44. Kavalleriedivision

20. Armee (Generalleutnant Andrei A. Wlassow) 331. und 352. Schützendivision 64. mot., 17., 28., 35., 40., 49. und 55. Schützenbrigade

2. Garde-Kavalleriekorps (Generalmajor Lew Michailowitsch Dowator, ab 19. Dezember Issa Plijew) 3. und 4. Garde-, 20. Kavallerie-Division 108., 109., 110., 112., 113. Schützenbrigade

5. Armee (Generalleutnant Leonid A. Goworow) 82. mot.,-19., 32., 50., 108., 144. und 336. Schützendivision 37., 43. und 60. Schützenbrigade, 20. Panzerbrigade später: 354. Schützendivision 8. Garde-Schützendivision (Generalmajor W. A. Rewjakin)

33. Armee (Generalleutnant Michail Grigorjewitsch Jefremow) 93., 110., 113., 201., 222., 338. Schützendivision später: 160. und 329. Schützendivision 9. Garde-Schützendivision (Generalmajor A. P. Beloborodow)

43. Armee (Generalleutnant Konstantin Dmitrijewitsch Golubjew) 1. Garde-mot. Division, 17., 53., 194. und 415. Schützendivision 18. Schützenbrigade

5. Luftlandekorps (Generalmajor Stepan Saweljewitsch Gurjew) 10. Luftlande-Brigade (Oberst Jakow Fjodorowitsch Tschebajew) 201. Luftlande-Brigade (Oberst Semjon Matwejewitsch Kowalow) 250. Luftlande-Regiment (Major N. L. Soldatow)

4. Luftlandekorps (Oberst Alexei Fjodorowitsch Lewaschew, seit 23. Februar Oberst Alexander Fjodorowitsch Kasankin) 8. Luftlande-Brigade (Oberstleutnant A. A. Onufriew) 9. Luftlande-Brigade (Oberst Iwan Ignatjewitsch Kuryschew) 214. Luftlande-Brigade (Oberstleutnant Kolobownikow)

49. Armee (Generalleutnant Iwan Grigorjewitsch Sacharkin) 5. Garde-, 60., 173. und 238. Schützendivision 19., 26., 30. und 34. Schützenbrigade

50. Armee (Generalleutnant Iwan Wassiljewitsch Boldin) 154., 217., 258., 290., 340., 413. Schützendivision 31. Kavallerie-Division, 32. Panzerbrigade, später: 344. Schützendivision

1. Garde-Kavalleriekorps (Generalleutnant Pawel Alexejewitsch Below) 1. und 2. Garde-, 41., 57. und 75. Kavalleriedivision 112. Panzer-Division (Oberst A. L. Getman)

10. Armee (Generalleutnant Filipp I. Golikow) 239., 325., 326., 330. und 385. Schützendivision

ab 27. Januar: 16. Armee (Generalleutnant Konstantin K. Rokossowski)