Unterwössen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein.

Geographie mini|Unterwössen mini|Unterwössen mit Balsberg und Geigelstein Geographische Lage Der Gemeindeteil Unterwössen liegt noch im Achental, während die beiden Gemeindeteile Hinter- und Oberwössen in einem abgeschlossenen Talkessel liegen, der durch einen kleinen Bergkamm vom Achental getrennt ist. Durch Unterwössen fließen der Wössener Bach, der Kaltenbach sowie die Tiroler Achen.

Gemeindegliederung

Es gibt 31 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Marquartstein, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Staudach-Egerndach und das österreichische Kössen.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die Besiedelung des Achentals geht bis in die Bronzezeit zurück. Schon damals wurde auf Höhensiedlungen Kupfer zu Bronze verarbeitet. Dafür sprechen die Artefakte von der Nock, von der Hohen Mahd bei der Burg Hohenstein, dem Streichen und zuletzt die Funde bei der Grabung auf dem Aggbichl bei Marquarstein. Die Begehungen von Sondengängern der letzten 30 Jahre brachte auch Artefakte aus der Keltenzeit, der Römerzeit bis zum Mittelalter. Die Tonscherben, die in der Nähe der Rettenburg auf einem Höhenzug zwischen Hinterwössen und Kruchenhausen gefunden wurden, datieren aus der Zeit der Investiturstreits, also Ende 11. Jh. / Anfang 12. Jh. Die dort erbrachen Funde waren Eisengegenstände, Nägel und gravitierte Keramik aus der Burgenzeit. Die Burg war bereits im 14. Jh. wüst und wurde als Steinbruch verwendet. (Quelle: C. Eibner, J. Dahlke "Heimatbuch Oberes Achental" 2021, 2. Auflage 2022)

Unterwössen wurde urkundlich erstmals 1120 erwähnt. Der Name Oberwössen wurde erstmals im Steuerverzeichnis von 1420 erwähnt. Im Spanischen (1701–1714) und im Österreichischen (1740–1748) Erbfolgekrieg erlitt die örtliche Bevölkerung durch die grenznahe Lage großen Schaden. Ober- und Unterwössen im heutigen Bezirk Oberbayern gehörten zum Rentamt Burghausen und zum Landgericht Marquartstein des Kurfürstentums Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden Ober- und Unterwössen. Die Schreibweise der Gemeinde Unterwössen war bis 1900 Unterwessen.

19. und 20. Jahrhundert Von 1810 bis 1850 wurde der Wössener Bach verbaut, um das Dorf vor dessen alljährlichem Hochwasser zu schützen. Der Bau der Eisenbahn von Übersee nach Marquartstein 1884 (eine erhoffte Verlängerung nach Unterwössen kam aufgrund der notwendigen erheblichen finanziellen Investitionen nicht zustande) und die Verbesserung der Straße nach Reit im Winkl brachte die ersten Urlauber. Am 1. April 1938 wurden Gebietsteile an die neue Gemeinde Marquartstein abgetreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Vertriebene in Unter- und Oberwössen eine neue Heimat.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurde bei der bayerischen Gebietsreform Oberwössen in die Gemeinde Unterwössen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2796 auf 3547 um 751 Einwohner bzw. um 26,9 %.

Politik 1. Bürgermeister: Ludwig Entfellner (CSU) seit 1. Mai 2014 2. Bürgermeister: Johannes Weber (CSU) seit 13. Mai 2020

Die Kommunalwahl vom 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis für den Gemeinderat: Partei Stimmenanteil Sitze CSU 43,88 % 7 Grüne 16,04 % 3 Freie Wählergemeinschaft Wössen (FWG Wössen) 6,3 % 1 Oberwössner Wählergruppe (OWG) 18,3 % 3 FDP 15,52 % 2

Wappen

Wirtschaft Die Wirtschaftsstruktur basiert auf Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe und vor allem dem Tourismus.

Verkehrsanbindung Durch die direkte Lage an der Deutschen Alpenstraße (B 305) ist eine gute Anbindung von Unter- und Oberwössen gewährleistet. Die Autobahn A8 verläuft 11 km nördlich. München liegt ca. 80 km entfernt, Salzburg ca. 45 km.

Kultur, Freizeit und Tourismus Religion Die Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch. Im Jahre 1942 erfolgte die Erhebung von Unterwössen zur Pfarrei, 1956 der Neubau der katholischen Kirche in Oberwössen.

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Theater und Aufführungen Am 24. Februar 2001 und im Februar 2006 kam es zur Wiederaufführung des traditionellen Wössener Seeräuberspiels.

Tourismus- und Freizeitangebot Freizeitmöglichkeiten gibt es vor allem im sportlichen Bereich:

Wanderrouten von Unterwössen aus führen beispielsweise zum Hochgern (1744 m), Hochfelln (1674 m), Rechenberg (1366 m), Jochberg (1265 m), Geigelstein (1808 m), Hasenpoint (1587 m), Hochplatte (1587 m) oder zur Schnappenkirche (1100 m). Der Eglsee westlich von Brem ist ein Naturdenkmal mit Hoch- und Übergangsmoor.

Auf dem Segelfluggelände Unterwössen kann man Segelflug, Motorsegelflug und Ultraleichtflug erlernen oder betreiben. Zusätzlich werden von der Süddeutschen Gleitschirmschule Möglichkeiten zum Paragliding angeboten.

In der Nähe der Ortsmitte gibt es einen Minigolfplatz.

Das Schwimmen ist im ortsnahen Wössener See mit seinem Seefreibad möglich, Rafting auf umliegenden Flüssen. Weitere beliebte Freizeitbeschäftigungen sind Jogging, Nordic Walking, Mountainbiken, Skaten, Tennis, Beachvolleyball, Beachsoccer oder Kneippen.

Persönlichkeiten Ehrenbürger 1979: Franz Niegel (1926–2017), Pfarrer

Söhne und Töchter der Gemeinde

Mauritia Mayer (1833–1897), Pensionsinhaberin in Obersalzberg Karl von Le Suire (1898–1954), General der Gebirgstruppe Ferdinand Diehl (1901–1992), Regisseur Björn Berg (1923–2008), schwedischer Zeichner, Maler und Grafiker Otto Dufter (1934–2019), Vertreter der Trachtenbewegung in Bayern Thomas Köhler (* 1949), Psychologe, Mediziner und Mathematiker Andreas Kuhnlein (* 1953), Bildhauer Veronique Hronek (* 1991), Skirennläuferin

Prominente Bewohner von Unterwössen Hans-Otto Meissner (1909–1992), Diplomat und Reiseschriftsteller Karl Hugo Strunz (1910–2006), Mineraloge und Hochschullehrer August Kühn (1936–1996), Schriftsteller Horst Köhler (1943–2025), Politiker (CDU) und Ökonom, von 2004 bis 2010 Bundespräsident, besaß seit 2012 in Unterwössen ein Ferienhaus Stefan Mross (* 1975), Trompeter, Sänger und Fernsehmoderator

Weblinks

Gemeinde Unterwössen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Traunstein Kategorie:Ort im Chiemgau Kategorie:Ersterwähnung 1120 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)