Hans Ewald Hermann Bellin (* 7. Oktober 1932 in Kolberg; † 10. November 2016 in Biestow) war ein deutscher Internist.
Leben
Hans Bellin besuchte seit 1939 in Langenhagen eine Volksschule. 1943 wechselte er an eine Mittelschule in Kolberg, wobei er von 1945 bis 1947 wegen der Besetzung durch die Polen seine Ausbildung nicht fortsetzen konnte. Im Juni 1947 zog die Familie um nach Schwerin, wo Bellin seine Vorbildung weiterführte. 1949 schließlich ging er auf die Goethe-Oberschule, wo er 1953 sein Abitur absolvierte.
Noch 1953 immatrikulierte sich Bellin als Medizinstudent an der Universität Rostock. 1954 erhielt er dort sein Vorphysikum, im nächsten Jahr das eigentliche Physikum und schloss das Studium 1958 mit dem Erhalt des Staatsexamens ab.
1959 absolvierte Bellin sein Pflichtassistentenjahr am Schweriner Bezirkskrankenhaus. Am 6. März dieses Jahres wurde er von der Rostocker Universität zum Doktor der Medizin promoviert anhand der Dissertation Über die Beziehungen der einfachen und erweiterten Heredofamiliarität zu ausgewählten Diabeteskomplikationen. Nach dem Pflichtassistentenjahr ging er an das Institut für Pathologie des Bezirkskrankenhauses und bildete sich weiter aus. Diese Weiterbildung beendete er 1963 und er wurde als Facharzt für pathologische Anatomie anerkannt. In diesem Jahr fungierte er am Krankenhaus als Oberarzt.
Im darauffolgenden Jahr, 1964, startete Bellin an der Universitätsklinik Rostock und an der dortigen Poliklinik eine zusätzliche Weiterbildung zum Internisten, die er nach vier Jahren mit der Facharztanerkennung abschloss. Am 1. November 1970 wurde er zum Oberarzt an der Klinik für innere Medizin ernannt.
Bellin erhielt die Lehrbefähigung am 18. September 1974. Er wurde darauffolgend am 23. November 1977 habilitiert (Dr. sc. med.; doctor scientiae medicinae).
Am 1. Oktober 1992 begann er eine Tätigkeit als Hochschuldozent an der Rostocker Klinik und Poliklinik. Am 4. Januar 1994 wurde ihm eine erneuerte Lehrbefugnis für innere Medizin erteilt und er wurde als Privatdozent angestellt. Allerdings war er im Zeitraum von 1992 bis Anfang 1995 erkrankungsbedingt arbeitsunfähig.
Außerplanmäßiger Professor an der Universität Rostock wurde Bellin am 30. Mai 1997. Nur in diesem Jahr hielt er die Professur inne.
Bellin war mit der Medizinerin Annemarie Wegner verheiratet. Der Ehe entstammen zwei Söhne, die ebenfalls Ärzte wurden.
Wirken Bellin veröffentlichte 67 Publikationen und hielt 44 Vorträge sowie 133 Fortbildungsvorträge.
1969 führte er die Nierenbiopsie an der Rostocker Universitätsklinik ein.Hans Bellin, Alfred Kaeding, Hartmut Schill, Fritz Erfurth: Über Erfahrungen bei der perkutanen Nierenbiopsie mit dem Menghini-Instrumentarium. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 25, 1970, S. 508–514. 1975 gründete Hans Bellin an der Medizinischen Universitätsklinik Rostock eine ambulante Herzsportgruppe. 1978 veröffentlichte er zusammen mit G. Naumann eine Arbeit über das „Herzinfarktbekämpfungsprogramm im Bezirk Rostock“.Gisela Teichmann, G. Dührkop, Hans Bellin, D. Jung, Heinz Ernst Börner, G. Rostock: Hämodynamische Regulation des Hochdruckherzens unter intravenöser Anwendung von Dihydralazin. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 29, Nummer 24, 1974, S. 1030–1032.
Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen, bei der er seit Februar 1991 als Vorstandsmitglied tätig war, verlieh ihm am 9. Mai 1992 den Förderpreis Pro Corde und am 10. Mai 1995 erhielt er den Präventionspreis der Deutschen Herzhilfe.
Werke (Auswahl) Über die Beziehungen der einfachen und erweiterten Heredofamiliarität zu ausgewählten Diabeteskomplikationen. Dissertation, Universität Rostock, 1959. Die arterielle Systemhypertonie bei Patienten mit erworbenen und angeborenen Herzfehlern. Habilitationsschrift, Medizinische Fakultät der Universität Rostock, Rostock 1977. Die Bedeutung der Hypertonie als Risikofaktor für den Herzinfarkt in der Begutachtung und der Rehabilitation. In: Zeitschrift für die gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete. Band 25, Heft 1, Januar 1979, S. 71–73. Hans Bellin, Heinrich Peter Putzke, Horst Klinkmann: Zum Goodpasture-Syndrom. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 24, Heft 8, 1969, S. 225–230. PMID 5802045. Hans Bellin, Alfred Kaeding, Hartmut Schill, Fritz Erfurth: Über Erfahrungen bei der perkutanen Nierenbiopsie mit dem Menghini-Instrumentarium. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 25, Heft 11, 1970, S. 508–514. PMID 4256997. W. Heidel, Hans Bellin: Die Begutachtung und Rehabilitation bei angeborenen Herzfehlern. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 25, Heft 17, 1970, S. 806–808. Hans Bellin: Zur Bedeutung der Trichterbrust für die kardiologische Diagnostik. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 27, Heft 24, 1972, S. 1067–1072. PMID 465455 Alfred Kaeding, Hans Bellin, H. O. Ewald, A. Friede, Liselotte Henning, Nikolaus Hasse, Gisela Naumann, Peter Werner, Horst Wilmbusse, Peter-Wilhelm Wüstenberg: Zur Bedeutung heredofamiliarer Faktoren für die Angiopathie des Diabetikers im mikro- und makrozirkulatorischen Bereich. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 27, Heft 19, 1972, S. 826–829. Gisela Teichmann, G. Dührkop, Hans Bellin, D. Jung, Heinz Börner, G. Rostock: Hämodynamische Regulation des Hochdruckherzens unter intravenöser Anwendung von Dihydralazin. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 29, Heft 24, 1974, S. 1030–1032. PMID 4376311. Hans Bellin, Gisela Naumann, J. Schultz: Zur Diagnostik und Therapie des primären Hyperaldosteronismus in der Praxis. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 30, Heft 11, 1975, S. 391–396. PMID 1199253. Gisela Naumann, Hans Bellin: Das Herzinfarktbekämpfungsprogramm im Bezirk Rostock. In: Annales Academiae Medicae Stetinensis. Supplementum. Supplement 16, 1978, S. 45–49. PMID 295594. Hans Bellin: Die Bedeutung der Hypertonie als Risikofaktor für den Herzinfarkt in der Begutachtung und der Rehabilitation. In: Zeitschrift für die gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete. Band 25, Heft 1, 1979, S. 71–73. PMID 425569. Hans Bellin, Gisela Naumann, I. Maibaum, H. Esche: Die Effektivität der Systemrehabilitation bei Patienten mit Myokardinfarkt – Eine Vierjahresstudie. In: Zeitschrift für die gesamte Innere Medizin und ihre Grenzgebiete. Band 34, Heft 18, 1979, S. 511–518. PMID 516836. Hans Bellin, H. Esche, I. Maibaum: Langzeitgruppentraining nach Herzinfarkt – Was bleibt? In: Medizin aktuell. Band 12, Heft 5, 1986, S. 222.
Hinweis Die Harngänge (Sammelrohre) wurden nicht nach ihm benannt. Sie heißen nach Lorenzo Bellini (1643 bis 1704) auch Ductus Bellini oder Tubuli uriniferi sive Bellini oder kurz Tubuli Bellini.Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon, 3. Auflage, Deuerlich- und Dieterichsche Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 1067; Digitalisat der Ausgabe von 1844, Internet Archive. Hier bildet sich (in den medullären Sammeltubuli; Nierenmark, Medulla renalis) das Ductus-Bellini-Karzinom als seltene Form des Nierenzellkarzinoms, die ebenfalls nach Lorenzo Bellini benannt wurde.
Weblinks
Einzelnachweise
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