Meereskämpfer war die Bezeichnung der Waffengattung Kampfschwimmer der Kriegsmarine der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Ihr Einsatz erfolgte zumeist im Rahmen der Marineeinsatzkommandos, einer Kommandoform, die entfernt mit den heutigen Spezialisierten Einsatzkräften der Deutschen Marine verwandt ist. Ihr letzter dokumentierter Einsatz datiert vom 11. Mai 1945.

Erste Einheiten Die ersten Einheiten deutscher Kampfschwimmer wurden während des Ersten Weltkrieges aufgestellt, allerdings nicht von der kaiserlichen Marine, sondern vom Deutschen Heer. Ihre Aufgabe bestand nämlich hauptsächlich darin, feindliche Schiffe durch das Anbringen und Zünden von Haftminen und Sprengladungen zu versenken. Im Ersten Weltkrieg ist allerdings nur ein einziger derartiger Einsatz dokumentiert: Am 17. August 1915 griff die 2. Reserve-Kompanie des Pommerschen Pionierbataillons Nr. 2 auf der Memel bei Kaunas ein russisches Wachschiff an. Drei Kampfschwimmer brachten nachts am Schiffsrumpf mehrere Sprengladungen zur Explosion, die das Schiff auf Grund laufen ließen.Lawrence Paterson: Waffen der Verzweiflung – Deutsche Kampfschwimmer und Kleinst-U-Boote im Zweiten Weltkrieg. 1. Auflage. Ullstein Verlag, 2009, ISBN 978-3-548-26887-3

Im Zweiten Weltkrieg fehlten anfangs solche Kampfschwimmer in der Kriegsmarine. Erst Anfang 1940 griff die Abwehrstelle II in Hamburg den Gedanken wieder auf und stellte die deutschen Marineeinsatzkommandos (M.E.K.) nach Vorbildern der italienischen Decima MAS auf. Das erste Marineeinsatzkommandos erhielt die Bezeichnung PFEIFFER.Marine-Einsatz-Kommandos auf der Website der Württembergischen Landesbibliothek Die Kampfschwimmer konnten sich dabei bis Kriegsende auf einen technischen Vorteil stützen. Während die Alliierten ein von Jacques-Yves Cousteau entwickeltes Tauchgerät benutzten, hatte der österreichische Tauchpionier Hans Hass zusammen mit der Firma Dräger aus Lübeck, die das Patent auf dieses Gerät besaß, ein Atemgerät mit geschlossenem Sauerstoffkreislauf entwickelt, die sogenannte Dräger-Gegenlunge. Sein Vorteil war, dass es im Betrieb ohne verräterische Atemblasen arbeitete, die von aufmerksamen Wachen hätten entdeckt werden können. Die Entwicklung und Testserie der Dräger-Gegenlunge war 1942 nahezu abgeschlossen, und ein enger Freund von Hass, der spätere Kampfschwimmer Alfred von Wurzian, demonstrierte den militärischen Wert des Gerätes in einer Vorführung dem Marinebefehlshaber Süd Richard Rothe-Roth sowie dem Befehlshaber der Ägäis Vizeadmiral Erich Förste am 11. Juli 1942 vor der Mole im Hafen von Piräus. Die Kriegsmarine reagierte jedoch zurückhaltend, und auch spätere Vorführungen vor Vertretern des Heeres stießen auf mangelnde Resonanz. Erst als sich Wurzian an Vertreter der Abwehr II aus Hamburg wandte, wurde der militärische Nutzen von Kampfschwimmern mit diesen Geräten erkannt und aufgegriffen.Helmut Blocksdorf: Das Kommando der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, 2003, ISBN 3-613-02330-X. Die Abwehr II verfügte zu diesem Zeitpunkt über fünf Kampfschwimmer, darunter Friedrich Hummel,Friedrich Hummel war auch unter den Pseudonymen Wimmer, Hellmer bzw. Wimmel bekannt und stand 1945 unter dem Kommando von Otto Skorzeny im Range eines Hauptsturmführers. Er war in den letzten Kriegsmonaten Einsatzplaner der Kampfschwimmer des Reichssicherheitshauptamtes, die im SS-Jagdkommando Donau zusammengefasst waren. der wie seine vier Kameraden den Brandenburgern entstammte. Wurzian wurde daraufhin von der Abwehr II als künftiger Kampfschwimmer übernommen.

Ausbildung Eine weitere Vorstellung der Dräger-Gegenlunge sowie der Kampfschwimmereigenschaften im Olympiabad in Berlin im Frühjahr 1943 vor Vertretern der italienischen Decima MAS (X-MAS), darunter der italienische Kapitänleutnant Eugen Wolk,Wolk wurde in Tschenokow (Ukraine) als Sohn deutsch-russischer Eltern geboren. 1917 kehrte seine Familie aufgrund der Oktoberrevolution nach Deutschland zurück. In den Nachkriegswirren 1918/1919 zog seine Familie zunächst nach Konstantinopel, später Rom. Dort trat Wolk nach Drängen seines Vaters der Marineakademie in Livorno bei, wo er eine Ausbildung zum Kampfschwimmer bei der Decima MAS absolvierte. sowie Abwehroffizieren brachte schließlich den Durchbruch. Nach Beendigung der Vorführung lud Wolk die Kampfschwimmer von Wurzian und Richard Reimann (Ritchie) nach Italien ein, wo sie im Rahmen der X-MAS ihre Ausbildung zu Kampfschwimmerausbildern erhalten sollten.Cajus Bekker: Einzelkämpfer auf See: Die deutschen Torpedoreiter, Froschmänner und Sprengbootpiloten im Zweiten Weltkrieg. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg 1968 Ihre Ausbildung erfolgte von Mai bis September 1943 in Valdagno und wurde vom Waffenstillstand von Cassibile überholt. Da von Wurzian und sein Assistent Reimann eine Internierung befürchteten, flohen sie. Allerdings erfuhren die beiden Männer, bei den deutschen Linien eingetroffen, dass der größte Teil der X-MAS zu der am 12. September 1943 ausgerufenen faschistischen Italienischen Sozialrepublik (R.S.I.) unter Benito Mussolini überlief.

Im Dezember 1943 beendeten von Wurzian und Reimann ihre Lehrausbildung vor einer deutschen Prüfungskommission der Abwehr mit einer simulierten Gefechtsübung. Die anfängliche Skepsis der Kriegsmarine wich augenblicklich. Von Wurzian wurde daher mit der Ausbildung von weiteren deutschen Kampfschwimmern betraut. Die angehenden 30 Rekruten trafen am 4. Januar 1944 in Valdagno ein und bestanden aus der besten Schwimmerelite des Reiches. Unter ihnen befanden sich Schwimmteilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1936 wie Erwin Sietas, Herbert Klein, Heinz-Günther Lehmann und Teilnehmer der Deutschen Schwimmmeisterschaften 1939 wie Manfred Laskowski, aber auch der Schwimmer Walter Ernst. Diese Männer bildeten später den Kern des Lehrkommandos 700 der K-Verbände. Im März 1944 stießen zu dieser Gruppe auch noch 10 Angehörige der SS sowie 15 von der Abwehr. Somit dienten in diesem Lehrkommando neben den italienischen Kampfschwimmern sowohl Angehörige der Kriegsmarine wie der SS und der Abwehr. Die Folge davon war ein interner Machtkampf um die Vormachtstellung und Führung des Kommandos. Wolk hingegen konnte sich die Hände reiben. Mit der Zwangszusammenführung der drei deutschen Kontrahenten erschlossen sich seinen italienischen „Gamma-Kampfschwimmern“ neue Versorgungsquellen auf Kosten der Kriegsmarine, Abwehr und SS.

Im April 1944 wurden die K-Verbände aufgestellt und gleichzeitig das Einsatz- und Ausbildungskommando Süd unter dem Kommando von Kapitänleutnant Heinz Schomburg gegründet. Sein Versuch, die Kampfschwimmer in die K-Verbände zu integrieren, scheiterte am Veto der Abwehr, die nun die Früchte ihrer Mühen ernten wollte, sowie der SS. Erst nachdem Vizeadmiral Hellmuth Heye an oberster Stelle die Alleinzuständigkeit seiner K-Verbände für diesen Marinesonderverband durchgesetzt hatte, wurde dieser Missstand bereinigt. Der Sonderverband erhielt die Bezeichnung Lehrkommando 700. In diesem Zuge schieden sowohl von Wurzian wie auch Hummel aus der Abwehr aus und wurden als Marineangehörige als Leutnant bzw. Kapitänleutnant in die K-Verbände übernommen. Wurzian wurde Ausbildungsleiter des Lehrkommandos 701, während Hummel Kommandeur des Lehrkommandos 700 wurde. Hummel wurde jedoch im Juni 1944 durch Dr. Armin Wandel, einen jungen Sanitätsoffizier der U-Boot-Waffe, ersetzt. Diese Versetzung war ein Bruch der Genfer Konventionen, die verbieten, Sanitätsoffiziere zu Kommandeuren von Kampfeinheiten zu ernennen. Die Versetzung beruhte auf einer Entscheidung Heyes, den Einfluss der Abwehr auf diesem Gebiet zu beschneiden. Da der Platz der Kampfschwimmer in Valdagno bald zu klein wurde, wurde im Mai 1944 ein weiteres Ausbildungslager der Kampfschwimmer aufgestellt. Als Platz wurde das Kloster auf der Insel San Giorgio in Alga, vor den Toren Venedigs, wo das Stabsquartier des Lehrkommandos (Lehrkommando 700) eingerichtet wurde, ausgewählt. Am 21. Oktober 1944 wurden die Lehrkommandos 700 und 704 nach List verlegt. Dort trainierten die Kampfschwimmer das Anbringen von Minen auf den ausrangierten Frachtern Tampico und Kiria, die zu diesem Zwecke dort ankerten. Ferner umfasste die Ausbildung den Umgang mit Sprengsätzen, waffenlose Nahkampftechnik sowie hartes Sport-, Schieß-, Schwimm- und Tauchtraining. Hinzu kamen intensives Sprachtraining sowie das Erlernen von Fremdsprachen, vorzugsweise der des Gegners. Im Zuge der Einführung der Organisationsstruktur in den K-Verbänden erhielt San Giorgio in Alga die Bezeichnung Lehrkommando 701, Valdagno wurde das Lehrkommando 704, und ein drittes, in Bad Tölz errichtetes Ausbildungszentrum erhielt die Bezeichnung Lehrkommando 702 und befand sich in der dortigen SS-Junkerschule. Mit der Einführung der Kommandostruktur der Kampfschwimmer wurden im April 1944 auch die bisher genannten Marineeinsatzkommandos MAREI und MARKO der Abwehr nunmehr in die K-Verbände integriert und erhielten die Bezeichnung M.E.K. 20 bzw. M.E.K. 60. Später folgten noch elf weitere Marineeinsatzkommandos. Die Kampfschwimmer und ihre M.E.K.s waren für den ersten Einsatz bereit.

Ausrüstung und Bewaffnung Die Ausrüstung eines Kampfschwimmers bestand aus einem Gummianzug von 3 mm Dicke, wobei Oberteil und Hose getrennt voneinander waren.Helmut Knüfermann: Dräger Tauchgeräte für Meereskämpfer. Teil 1. In: Tauchhistorie, 09/2018. Das Oberteil mit langen Ärmeln hatte eingearbeitete Handschuhe, die lange Hose hatte eingearbeitete Schuhe. Hand- und Fußgelenke waren elastisch gearbeitet. Beide Teile wurden mittels eines 25 cm bzw. 35 cm breiten Gummigürtels miteinander verbunden. Der Halsausschnitt war enganliegend gearbeitet. Darunter trug der Kampfschwimmer weiße wollene Unterkleidung, wobei die Unterhose den Spitznamen „Strampelhöschen“ trug, und als zweite Lage noch einmal wollene Unterwäsche. In den Wintermonaten wurde zwischen Unterwäsche und Gummianzug eine weitere Lage als Kälteisolierung getragen. In der Regel trug der Kampfschwimmer über dem Gummianzug zu Tarnzwecken ein Segeltuch, das er eng um sich verschnürte. Weiße Körperregionen wie das Gesicht wurden mit Fettcreme geschwärzt und zusätzlich durch ein Tarnnetz verdunkelt. Den Abschluss am Kopf bildete eine schwarze oder dunkelgrüne Wollmütze.

Bleigewichte, die der Schwimmer in einem Gürtel um die Taille trug, sorgten für den nötigen Abtrieb. Zur Ausrüstung gehörten des Weiteren Schwimmflossen, Handgelenkskompass, Taucheruhr und Tauchermesser. Das eigentliche Tauchgerät war ein „Sauerstoff-Pendelatmer“ vom Typ „Pirelli ARO“, welches auf der Brust des Tauchers getragen wurde. Es sollte nur in der Endphase des Angriffes benutzt werden. Diese Trageweise lag darin begründet, dass die Kampfschwimmer ihre Missionen größtenteils rücklings, leicht seitlich schwimmend erfüllen sollten. (Da die damaligen Kampfschwimmer der Kriegsmarine ab Ende 1943 ihre Ausbildung bei den verbündeten italienischen Kampfschwimmern in Italien erhielten, stattete man sie mit italienischen Pirelli-Kleintauchgeräten aus). Etwa 200 bis 300 Meter vor dem Ziel hatte der Kampftaucher jede Bewegung einzustellen und, mit dem Strom treibend, sich dem Ziel zu nähern. Schiffen näherte man sich grundsätzlich vom Kiel aus, um wie Treibgut zu wirken. Der Kampftaucher war, abgesehen von seinem Tauchmesser, im Einsatz unbewaffnet. Als Primärwaffen standen ihm die Sabotagemine I (rund), Sabotagemine II (torpedoähnlich) und Sabotagemine III (torpedoähnlich) zur Verfügung, ferner eine modifizierte GS-Mine sowie das Muni-Paket mit 600 kg bzw. das Nyr-Paket mit 1.600 kg Sprengstoff. Eine kleinere Variante war der „Sprengfisch“ mit 7,5 kg Sprengstoff, der die Form einer kleinkalibrigen Mörsergranate hatte.

Kommandoeinsätze