Der Regius Professorship of Physic ist eine Regius Professur für Medizin und eine der ältesten Professuren an der Universität Cambridge. Die Bezeichnung Physic ist ein veraltetes englisches Wort für Medizin. Die Professur wurde 1540 wie die Regius Professuren für Hebräisch, Theologie, Griechisch und Jura durch Heinrich VIII. (England) eingerichtet und der Inhaber werden vom amtierenden britischen Monarchen durch ein Letters Patent ernannt.

Heinrich stiftete gleichzeitig einen ebensolchen Satz an Professuren für die University of Oxford. Die dortige Professur wurde inzwischen umbenannt in Regius Professor of Medicine. 1741 stiftete Georg II. eine weitere Professur an der Universität Dublin, den Regius Chair of Physic. Darüber hinaus bestehen an verschiedenen Universitäten weitere Regius Professuren für Medizin, darunter die älteste Regius Professur, der 1497 durch Jakob IV. gestiftete Regius Chair of Medicine an der University of Aberdeen. Keine dieser Professuren wurde aber als Chair of Physic bezeichnet.

Geschichte der Professur mini|George Edward Paget (1867) Nach der Lossagung von der Kirche in Rom bemühte sich Heinrich VIII. darum, die Abhängigkeit von Rom zu reduzieren. Ein Mittel waren die Professuren an den wichtigsten Universitäten des Landes, die in Gebieten besonderen Interesses vergeben wurden. Die Bezahlung aus der königlichen Kasse machte die Positionen anfällig für Nepotismus und eine lange Zeit waren diese Professuren tatsächlich mehr Sinekuren als Zentren wissenschaftlicher Arbeit. Trotzdem gab es auch einige hervorragende Mediziner auf dem Lehrstuhl, der andererseits häufig den Namen „Lehrstuhl“ nicht verdiente.

Bei der Gründung des Lehrstuhls repräsentierte dieser die gesamte medizinische Abteilung der Universität. Das änderte sich erst 1707, als der Lehrstuhl für Anatomie gegründet wurde. Die 1524 am St. John’s College gegründete Linacre-Professur (nach Thomas Linacre (1460–1524)) hatte kaum Bedeutung für die Lehre der Medizin. Die Regius Professoren der damaligen Zeit waren häufig außerhalb von Cambridge tätig und verrichteten ihre Arbeit nicht an der Universität. Der erste Professor für Anatomie, der 1707 ernannte George Rolfe, wurde 1728 wegen häufiger Abwesenheit seines Amtes enthoben. Andererseits sollte man wegen der fehlenden Vorlesungen nicht vermuten, dass es keine Ausbildung gab. Diese lag eher in der praktischen Arbeit in den verschiedenen Colleges der Universität, bei Tutoren und in der praktischen Arbeit, ohne die einige der hervorragenden Ärzte nicht erklärbar wären, als die sich einige herausstellten. Aber die Universität selbst war nicht Ort der Lehre. Zwischen 1660 und 1760 konnte ein Student eine medizinische Ausbildung auf hohem Niveau erreichen. Ab 1730 erforderte eine solche Ausbildung in Cambridge aber erhebliche Eigeninitiative des Studenten. Cambridge und Oxford gingen für rund ein Jahrhundert in eine Periode des Niedergangs. Der Stand der Ausbildung war so schlecht, dass Studenten Cambridge verlassen mussten, um Medizin zu erlernen. Cambridge verlieh seine begehrten Doktortitel auf der Basis von persönlichen Beurteilungen.

Um 1800 begann sich dieser Zustand langsam zu wandeln. John Haviland, Professor von 1817 bis 1851, legte als Professor für Anatomie größten Wert auf wissenschaftlich fundierte Arbeit. In dieser Funktion hatte er zum ersten Mal in der Geschichte Cambridges regelmäßige Vorlesungen in Anatomie gehalten. Als er 1817 den Lehrstuhl der Anatomie gegen den des Regius Professors tauschte, führte er regelmäßige Vorlesungen in Pathologie und Praxis der Medizin ein. Die von ihm eingeführte Prüfungsordnung machte ein Ende mit den zuvor verwendeten Beurteilungen, die nur allzu oft nicht auf Fakten beruhten. Und wo Mindestleistungen gefordert wurden, da konnte sich Leistung durchsetzen. Die Qualität der Ausbildung und der Ausgebildeten stieg.

Haviland folgte Henry John Hayles Bond nach und seiner Amtszeit verdankt die Universität einen Teil ihres guten Rufs. Er verabscheute Zeremoniell und legte allerhöchsten Wert auf sparsame Sachlichkeit, mit welcher er auch den Lehrstoff auf dem damals aktuellsten Niveau anbot. Wie sein Vorgänger hielt er Leistung für das allein ausschlaggebende Kriterium bei der Titelvergabe.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert übernahm Großbritannien die wissenschaftliche Führungsrolle von den deutschen Medizinern. Im Zentrum der Entwicklung in Cambridge stand George Edward Paget, der häufig an der Seite von Michael Foster auf eine Stärkung der medizinischen Fakultät hinarbeitete. Um Paget und Foster versammelten sich Wissenschaftler, die schlussendlich die School of Medicine begründeten. Von einer kleinen Fakultät in 1870 entwickelte sich Cambridge bis 1884 zur zweitgrößten in Großbritannien.

Auf Paget folgte Thomas Clifford Allbutt, der sich entgegen der Widerstände der lokalen Mediziner mit organisatorischen und technischen Innovationen Weltruhm erarbeitete. Hatte Paget noch die Visite zum Lehrstoff gemacht, brachte Allbutt robuste Fieberthermometer ans Krankenbett und in die Diagnostik ein.

Heute ist der Inhaber der Professur auch der Leiter der medizinischen Fakultät (School of Medicine) und Direktor der Cambridge University Health Partners, der Universitätsklinik.

Liste der Regius Professors of Physic