Antonio Knauth (* 2. Dezember 1855 in Leipzig; † 3. Dezember 1915 in Bolton, New York) war ein deutsch-amerikanischer Rechtsanwalt und Manager. Er war Partner in der auf Patentrecht spezialisierten New Yorker Anwaltskanzlei Briesen, Steele & Knauth, als deren Vertreter er in mehreren einschlägigen Fällen vor dem U.S. Supreme Court auftrat. Als Großaktionär war er Mitinhaber des von seinem Vater 1852 gegründeten Bankhauses Knauth, Nachod & Kühne mit Niederlassungen in Leipzig und New York. Für ebendieses war er auch bis zu seinem Tode als Syndikusanwalt tätig. Darüber hinaus war er u. a. Vizepräsident der börsennotierten New Jerseyer Kammgarnspinnerei Botany Worsted Mills. Antonio Knauth war auch vielseitig gesellschaftlich engagiert, so als Präsident der Germanistic Society of America an der Columbia University in New York.

Leben Sächsische Herkunft mini|Alte Thomasschule am Thomaskirchhof in Leipzig (vor 1885) Antonio Knauth entstammte einer wohlhabenden sächsisch-lutherischen Kaufmannsfamilie.Agnes Neumayr: Politik der Gefühle. Susanne K. Langer und Hannah Arendt. Innsbruck University Press, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-902571-84-7, S. 22. (= zugl. Dissertation, Universität Innsbruck, 2009) Er wurde 1855 als dritter Sohn des Gohliser Bankiers Franz Theodor Knauth (1803–1874), der langjähriger großherzoglich Badischer, Granadischer und US-amerikanischerThe Association of the Bar of the City of New York (Hrsg.): Yearbook. S. 180. Honorarkonsul in Leipzig war, und dessen zweiter Frau Fanny Elisabeth Knauth (1828–1907) geborene Steyer in Leipzig geboren. Sein Vater war 1852 Mitbegründer und ab diesem Zeitpunkt Mitinhaber des angesehenen internationalen Bankhauses Knauth, Nachod & Kühne mit Vertretungen in Leipzig und New York City.Theodore W. Knauth: A Banking Retrospect, S. 5.

Antonio Knauth wuchs mit seinen sieben Geschwistern in einer gut bürgerlichen Umgebung auf und besuchte bis 1876 unter dem Rektor Friedrich August Eckstein die alte humanistische Thomasschule zu Leipzig am Thomaskirchhof.Richard Sachse, Karl Ramshorn, Reinhart Herz: Die Lehrer der Thomasschule zu Leipzig 1832–1912. Die Abiturienten der Thomasschule zu Leipzig 1845–1912. B. G. Teubner Verlag, Leipzig 1912, S. 61. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie an der Universität Leipzig, welches er später an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin fortsetzen sollte.

Neuanfang in den USA Jurastudium in New York Nach dem Tod des Vaters 1875 wanderten seine Brüder in die USA aus, um sich ein neues Leben aufzubauen. Im Jahr 1877 folgte er mit Unterstützung der Brüder und den amerikanischen Geschäftspartnern in den US-Bundesstaat New York. Er studierte Rechtswissenschaften (Common Law) an der renommierten Law School der Columbia-Universität in der Stadt New York. Er erwarb zwei Jahre später 1879 einen Bachelor of Laws (LL.B.).Charles E. Fitch: Encyclopedia of Biography of New York, S. 329. Unter dem ebenfalls deutschstämmigen ehemaligen Gouverneur von Wisconsin Edward Salomon (Republikaner) arbeitete er nach seinem Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Law Clerk) in New York City.Hamersly/Leonard/Holmes: Who’s Who in New York City and State, S. 790. Nach fünf Jahren Aufenthalt in den USA wurde ihm 1882 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen. Im Anschluss an sein bestandenes New York State Bar Exam bewarb er sich 1882 um Aufnahme in die New York City Bar Association und wurde damit schließlich 1883 als Rechtsanwalt zugelassen.Nelson Greene: History of the Valley of the Hudson, S. 264.

Management- und Syndikustätigkeit

Für das Bankhaus Knauth, Nachod & Kühne, an dem er nach dem Tod des Vaters die größten Anteile hielt, wurde er als Syndikusanwalt tätig und vertrat das Kreditinstitut in den USA.Theodore W. Knauth: A Banking Retrospect, S. 6. Die Bank war für das Königreich Sachsen ein wichtiger Faktor im In- und Exporthandel mit Nordamerika.Simone Lässig: Jüdische Wege ins Bürgertum. Kulturelles Kapital und sozialer Aufstieg im 19. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-36840-2, S. 653. Ab 1895 wurde Knauth, Nachod & Kühne am New York Stock Exchange gelistet.Rand McNally International Bankers' Directory and List of Bank Attorneys. Rand McNally & Company, Chicago 1905. Ihre New Yorker Niederlassung war zuletzt am Broadway 120 (Broad Exchange Building) unweit von der Wall Street.Knauth, Nachod & Kühne Move To Equitable Building in May. In: United States Investor 27 (1916) 1, S. 717 Das Leipziger Bankhaus befand sich am Rathausring 13 (heute: Martin-Luther-Ring).Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (Hrsg.): Adressbuch des deutschen Buchhandels 1931. Eigenverlag, Leipzig 1931, S. 214.

Darüber hinaus war er durch seine vielfältigen deutschen und US-amerikanischen Kontakte unternehmerisch tätig. Er war Präsident des Textilunternehmens Vigilant Mills Co. in Frankford, Pennsylvania sowie Vizepräsident der Regina Co., einem aus Leipzig stammenden Hersteller mechanischer Musikinstrumente, in Rahway, New Jersey, und der Textilfabrik Botany Worsted Mills, einer Unternehmenstochter der Leipziger Kammgarnspinnerei Stöhr & Co., in Passaic, New Jersey. Letztere entwickelte sich zu einer der größten Kammgarnspinnereien der USA.Clemens Verenkotte: Das Brüchige Bündnis. Amerikanische Anleihen und deutsche Industrie, 1924–1934. The Author, Freiburg 1991, S. 328. (= Dissertation, Universität Freiburg, 1991)

Kanzleigründung in New York

mini|Ehemalige Büroräume der Anwaltskanzlei Briesen, Steele & Knauth im Broad Exchange Building in der Broad Street 25 in New York (2010) Im Jahr 1886 trat Knauth der Anwaltskanzlei Briesen & Steele in New York City bei, die sich fortan Briesen, Steele & Knauth nannte. Seine Partner waren die bekannten Rechtsanwälte Arthur von Briesen, selbst ein deutscher Einwanderer, und Sanford H. Steele. Nach der Pensionierung von Steele wurde die Sozietät von 1888 bis 1915 unter dem Namen Briesen & Knauth und ab 1915 als Briesen & Schrenk weitergeführt.Carl Schlegel: Schlegel’s American Families of German Ancestry, The American Historical Society, New York 1918, S. 8. Die im Financial District von Manhattan gelegene Sozietät avancierte zur Jahrhundertwende zu einer der führenden Kanzleien für Patentrecht in den Vereinigten Staaten. Zu den zahlreichen internationalen Klienten, darunter Privatpersonen und Unternehmen, zählten u. a. die italienische Erfinderin und Reformpädagogin Maria MontessoriGerald Lee Gutek: The Montessori Method. Rowman & Littlefield Publishing, Oxford 2004, ISBN 0-7425-1911-2, S. 27., die Witwe des k.u.k. Hoflieferanten Andreas Saxlehner und der deutsche Foto-Kaufmann Emil Werckmeister.

Antonio Knauth wurde nach dreijähriger Tätigkeit als Anwalt bei den New Yorker State Courts für die Bundesbezirksgerichte (United States District Court) und -berufungsgerichte (United States Court of Appeals) in den Staaten New York und New Jersey sowie im Hauptstadtdistrikt Columbia zugelassen. Darüber hinaus bewarb er sich erfolgreich für eine gesonderte Zulassung vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, dem U.S. Supreme Court in Washington D.C. Er verhandelte u. a. folgende immaterialgüterrechtlichen Fälle: Saxlehner v. Nielsen, 179 U.S. 43 (1900) Saxlehner v. Eisner & Mendelson Co., 179 U.S. 19 (1900) American Tobacco Co. v. Werckmeister, 207 U.S. 284 (1907) Saxlehner v. Wagner, 216 U.S. 375 (1910) American Lithographic Co. v. Werckmeister, 221 U.S. 603 (1911) Henry v. A. B. Dick Co., 224 U.S. 1 (1912) J. G. Brill Co. v. Bemis Car Box Co., 236 U.S. 614 (1913)

Die Fälle American Tobacco Co. v. WerckmeisterRobert E. Duffy: Art Law. Representing Artists, Dealers, and Collectors. Practising Law Institute, New York 1977, S. 120.Marshall A. Leaffer: Understanding copyright law. 3. Auflage, Matthew Bender, New York 1999, S. 156., Saxlehner v. WagnerThe Trademark Reporter 72 (1983), S. 29.Patent, Trademark & Copyright Series 5 (1981) 1, S. 197., American Lithographic Co. v. WerckmeisterBenjamin W. Rudd: Decisions of the United States Courts Involving Copyright. Band 23, Copyright Office, Library of Congress, Washington 1972, S. 251. und Henry v. A. B. Dick Co.Manfred Balz: Eigentumsordnung und Technologiepolitik. Eine systemvergleichende Studie zum sowjetischen Patent- und Technologierecht. Mohr, Tübingen 1980, ISBN 978-3-16-641402-7, S. 318. gehörten zu den Grundsatzentscheidungen zum Geistigen Eigentum (Kunst-, Marken-, Urheber- und Kartellrecht) des U.S. Supreme Courts.

Er war neben seiner Mitgliedschaft bei der New York City Bar Association auch in den Rechtsanwaltskammern American Bar Association und New York County Lawyers’ Association vertreten sowie Mitglied des New York Law Institute, der New York Library Association und der Dwight Alumni Association der Columbia University.Antonio Knauth dies at Lake George Home. In: The New York Sun, 4. Dezember 1915 (). Außerdem verfasste er mehrere Aufsätze für deutsche juristische Fachzeitschriften.

Zivilgesellschaftliches Engagement Knauth engagierte sich auf Anregung seines älteren Bruders Percival vielseitig im öffentlichen Leben von New York. Er war u. a. langjähriges Mitglied der Bürgerrechtsbewegung Citizens Union, welche die politische Seilschaft Tammany Hall der Demokratischen Partei in New York City kritisierte und Reformkandidaten unterstützte. Außerdem war er Schatzmeister des zur Anti-Korruptions-Bewegung gehörenden Good Government Clubs im 19. New Yorker Distrikt der New York State Assembly. Er verstand sich als nicht parteipolitischer Independent (weder Demokrat noch Republikaner).

Knauth war zudem von 1913 bis 1915Columbia Alumni News 7 (1915), S. 436. Präsident der Germanistic Society of America, die dem Deutschen Haus der Columbia University in New York angegliedert ist und bis heute den kulturellen Austausch zwischen den USA und Deutschland fördert. Sein Nachfolger wurde Abraham Jacobi. Zudem war er Treuhänder (Trustee) der Kinderbetreuungseinrichtung Riverside Day Nursery in New York City und Direktor des Germanic Museums an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts.

Antonio Knauth war mit New Yorker Persönlichkeiten wie Gustav Kobbé, William C. Baird und Leon Lewenberg Mitglied in der angesehenen Künstlervereinigung Tile Club.. Website des Parrish Art Museum. Abgerufen am 19. April 2013. Als Amateur-Cellist trat er in New York auf. Außerdem war er ein begeisterter Schach- und Bowlingspieler.James Terry White: The National Cyclopædia of American Biography, S. 413.

Familie mini|Wohnung der Knauths in der West End Avenue 246 in New York (1913) Ab 1884 war Antonio Knauth mit Elise Ribbius Peletier aus dem niederländischen Utrecht verheiratet, die aber 1886 kinderlos verstarb. Eine zweite Ehe wurde für ihn durch seine Familie mit der deutlich jüngeren Else Magdalene Uhlich (1868–1957) aus Chemnitz arrangiert, die er 1893 ehelichte.Ted Huthsteiner: Uhlrich-Knauth Lettres, 1883–1951, S. 8. Mit ihr hatte er fünf Kinder: Ilse (geb. 1894), Susanne (1895–1985), Ursula (geb. 1899), Berthold (geb. 1905) und Johannes Peter (geb. 1907). Seine Tochter Susanne Katherina Knauth, die eine angesehene Philosophin wurde, ehelichte den Harvard-Historiker William L. Langer.John R. Shook (Hrsg.): Dictionary of Modern American Philosophers. Band 3, Thoemmes Continuum, Bristol 2005, ISBN 1-84371-037-4, S. 1412. In ihrer Jugend brachte ihr Antonio Knauth Violoncello und Klavier bei und unterrichtete sie zeitweise zu HauseAnne Commire (Hrsg.): Women in World History. Band 9, Yorkin Publications, Waterford 2001, ISBN 0-7876-4068-9, S. 127., obwohl er eine höhere Bildung für Frauen ablehnte.Martin Seymour-Smith, Andrew C. Kimmens (Hrsg.): World authors, 1900–1950. Band 2, Wilson, New York 1996, ISBN 978-0-8242-0899-8, S. 1472. Damit legte er den Grundstein für den späteren akademischen Erfolg seiner Tochter.