Holzwickede (niederdeutsch: Hol(t)wickerSchleef, Wilhelm: Dortmunder Wörterbuch. 1967. XXII, 298 S. Ln. (PDF; 3,9 MB).) ist eine westfälische kreisangehörige Gemeinde des Kreises Unna am östlichen Rand des Ruhrgebiets im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen.
Geografie Räumliche Lage Das Gemeindegebiet von Holzwickede wird im Norden durch den Dortmunder Rücken an der alten Bundesstraße 1 und dem Flughafen Dortmund und im Süden von der Ruhr begrenzt. Westlich bilden das südöstliche Dortmund und Schwerte die Grenze, und im Osten von Holzwickede befinden sich Unna und die westlichen Ortsteile von Fröndenberg/Ruhr.
Durch das Gemeindegebiet verläuft der Höhenzug des Ardeygebirges. Die Emscher hat ihre Quelle in Holzwickede.
Der tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt im Nordosten, wo der Holzwickeder Bach das Gemeindegebiet verlässt. Der höchste Punkt trägt eine Funkanlage der Bundeswehr und liegt auf dem westlichen Teil des Ardeys in Hengsen.
Ortsteile mini|hochkant=0.65|links|Lage der Ortsteile
Die Ortsteile Hengsen (8,03 km²) und Opherdicke (gesprochen: Op-Hérdicke, 4,62 km²) bilden den südlichen Teil der Gemeinde, der alte Ort Holzwickede (9,76 km²) den nördlichen Teil.
Die Ortskerne von Hengsen und Opherdicke liegen auf dem Haarstrang (Herdicker Haar). Das Hengser Ortsgebiet reicht im Süden bis zur Ruhr, Opherdicke reicht ebenfalls fast bis an die Ruhr. Ein großer Teil dieser Ortsgebiete wird durch einen Standortübungsplatz der Bundeswehr belegt.
Der alte Ort Holzwickede setzt sich aus den Teilen „Altes Dorf“ (das ursprüngliche Holzwickede), Dudenroth, Rausingen und Natorp zusammen und liegt zwischen den Höhenzügen des Ardeygebirges und dem Dortmunder Rücken in der Emscherniederung. Bis zum 31. Juli 1929 gehörte ein westlicher Streifen Rausingens zu Sölde, dessen übriges Gemeindegebiet zum gleichen Zeitpunkt nach Dortmund eingemeindet wurde.
Neben diesen Ortsteilen gibt es weitere Siedlungsgebietsnamen: Keller, Brauck, Ostendorf, Alte Kolonie, Hohenleuchte.
Nachbargemeinden Die folgenden Städte haben eine gemeinsame Grenze mit Holzwickede (von Norden im Uhrzeigersinn): Dortmund, Unna, Fröndenberg/Ruhr, Iserlohn, Schwerte
Geschichte
Die Geschichte Holzwickedes ist naturgemäß eng mit der Geschichte der Umgebung verbunden, daher ist zur Holzwickeder Geschichte auch die Geschichte des Ruhrgebiets lesenswert.
Das Gebiet der späteren Gemeinde Holzwickede war schon in der Jungsteinzeit (5000–2000 v. Chr.) besiedelt. Das belegen Funde wie zum Beispiel ein geschliffener Pflugkeil, der im Ortsteil Hengsen gefunden wurde und heute (2004) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund aufbewahrt wird.
Etwa um die Zeitenwende besetzten römische Truppen neben anderen strategisch wichtigen Punkten zwischen Ruhr und Lippe auch die Landskrone in Holzwickede. Zwischen 300 und 400 n. Chr. haben der Sage nach die Nibelungen den Römerweg auf der Höhe des Ardeygebirges (durch Hengsen und Opherdicke) auf ihrem Zug nach Soest benutzt. mini|Blick auf die Kirchtürme in Holzwickede Über den Kamm des Ardeygebirges führte etwa ab dem Hochmittelalter auch ein Abschnitt des berühmten Jakobswegs nach Santiago de Compostela. Die Pilger kamen vom Hellweg in Unna aus auf den sogenannten kleinen Hellweg zwischen Opherdicke und Ostendorf. Von hier aus ging es durch Opherdicke und Hengsen nach Breckerfeld, wo sich die Pilger zur Weiterreise in größeren Gruppen gesammelt haben. In Hengsen soll zu der Zeit auch eine Kapelle mit einer Statue des Jakobus gestanden haben.
Die erste bekannte urkundliche Erwähnung findet sich 1100 für Opherdicke in einem Besitzverzeichnis und 1150 für Hengsen (als Hegeninchusen) in Urkunden des Klosters Werden (bei Essen). 1176 wird ein Schloss in Opherdicke erstmals erwähnt.
Die ersten Kohlefunde sind für 1575 in Opherdicke nachgewiesen. Holzwickedes Bergbaugeschichte währt bis zum 31. Mai 1951, als die Zeche Caroline endgültig stillgelegt wird und fast 500 Bergleute ihre Arbeit verlieren (bzw. teilweise auf andere Schachtanlagen verlegt werden).
Im Jahre 1825 schlossen sich die vier Bauerschaften Dudenroth, Rausingen, Holzwickede und Natorp offiziell zur Gemeinde (dem heutigen Ortsteil) Holzwickede zusammen. 1929 wurde Holzwickede im Rahmen der kommunalen Neuordnung in der preußischen Provinz Westfalen um einen Teil von Sölde erweitert. Dazu gehörte vor allem das Gelände der Zeche Freiberg (heute V.W. Werke Vincenz Wiederholt). In der heutigen Form entstand Holzwickede erst durch die kommunale Neuordnung 1968, als die bis dahin selbständigen Gemeinden Hengsen, Holzwickede und Opherdicke zu einer Großgemeinde zusammengeführt wurden.
Am 15. Dezember 1860 wurde Holzwickede Bahnstation an der Eisenbahnstrecke Dortmund – Soest. Die Strecke wurde von 1853 bis 1855 gebaut, in Holzwickede hielten die Züge zunächst aber nicht. Ein Jahr nach dem Bahnhof erhielt Holzwickede 1861 das erste Postamt. 1867 wurde Holzwickede durch die Inbetriebnahme einer weiteren Bahnstrecke von Hengstey über Schwerte nach Holzwickede ein überregional bedeutsamer Eisenbahnknotenpunkt mit einem heute fast vollständig abgebrochenen Rangierbahnhof. Auch die Eisenbahnstrecke von Schwerte an der Ruhr entlang nach Warburg führt durch Holzwickeder Gebiet; das heutige Naturschutzgebiet Bahnwald beheimatete früher den östlichen Teil des an dieser Strecke gelegenen und bereits vollständig abgebrochenen Rangierbahnhofes Geisecke (Ruhr). Der Anschluss der privaten Haushalte und der Holzwickeder Straßenbeleuchtung an das öffentliche Stromnetz erfolgte 1907, der Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung ebenfalls Anfang des 20. Jahrhunderts.
mini|Katholische Pfarrkirche von 1904 im neugotischen Baustil, 1991 und 1993 umfassende Innenrenovierung
Im Frühjahr 1966 wurden in Opherdicke Flugabwehrraketen des Flugabwehrraketenbataillons 21 der Bundeswehr stationiert. Für dieses Waffensystem waren auch Nuklearsprengköpfe vorhanden. Sie standen unter Bewachung des 66th US Army Artillery Detachment (66th USAAD). Die Stationierung fand nicht den ungeteilten Beifall der Holzwickeder Bevölkerung. 1987 wurde das Nike-Herkules Waffensystem durch das mobile Flugabwehr-Raketensystem Patriot ersetzt. 2004 wurde der Standort aufgelöst.
Im Jahr 1987 hatte die Gemeinde Holzwickede 15.878 Einwohner.
Eingemeindungen Am 1. August 1929 wurde Holzwickede um einen Teil der aufgelösten Gemeinde Sölde (östliches Rausingen) erweitert. Am 1. Januar 1968 wurden Hengsen und Opherdicke eingemeindet.
Ritter- und Adelsgüter Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Holzwickede befanden sich folgende Herrensitze: Haus Opherdicke in Opherdicke, Haus Dudenroth in Holzwickede, Haus Ruhr/Lappenhausen, Haus Vierbecke, Rittergut Hegeninghusen und Haus Linscheid in Hengsen.
Erhalten ist von diesen Gütern einzig Haus Opherdicke. Vom Haus Ruhr existiert noch ein Mauerfragment im Wald an der Ruhr, Haus Dudenroth wurde im 20. Jahrhundert abgerissen und von Haus Vierbecke sind nur noch die Gräften auf dem Gelände des Standortübungsplatzes zu erahnen.
Geschichte Hengsens Nach Inkrafttreten der Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen (am 31. Oktober 1843) gab es in Hengsen bis zum Zusammenschluss 1968 folgende Gemeindevorsteher / Bürgermeister:Willy Timm: Geschichte der Gemeinde Holzwickede. Mit ihren Ortsteilen Hengsen, Holzwickede und Opherdicke, Holzwickede 1988. 1844–1850: Strenge (Landwirt) 1850–1851: Schulte-Hengsen (Landwirt) 1851–1854: Flunkert (Landwirt) 1854–1859: Fiene (Landwirt) 1859–1871: Wilhelm Westermann (Landwirt) 1871–1887: Friedrich Schulte-Hengsen († 1887, Landwirt) 1887–1893: Wilhelm Westermann (Landwirt) 1893–1917: Heinrich Kissing (Schmied) 1917–1923: Karl Schulze-Braucks 1923–1924: Wilhelm Riedel 1924–1929: Hugo Strenge (Landwirt) 1929–1933: Wilhelm Adrian (Bergmann, SPD) 1933–1933: Wilhelm Riedel (Berginvalide, von NSDAP ernannt) 1933–1939: Fritz König (NSDAP) 1939–1945: Wilhelm Riedel 1945–1945: Rabe (NSDAP) 1945–1958: Ludwig Adrian († 1958) 1958–1963: Gustav Brauckmann (SPD) 1963–1968: Heinrich Beining (SPD)
Geschichte Holzwickedes Nach Inkrafttreten der Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen (am 31. Oktober 1843) gab es in Holzwickede bis zum Zusammenschluss 1968 folgende Gemeindevorsteher / Bürgermeister: 1843–1850: Middelschulte (Landwirt) 1850–1859: Friedrich Stehfen (Landwirt) 1859–1881: Gottfried Hiddemann (1812–1893; Landwirt) 1881–1893: Wilhelm Barenbräucker (Landwirt) 1893–1911: Ludwig Büddemann (Landwirt) 1911–1914: Wilhelm Schröer (Landwirt) 1914–1924: Karl Luicke (Kaufmann) 1924–1929: Theodor Rieke (Kaufmann) 1929–1931: Karl Luicke 1931–1933: Theodor Rieke 1933–1939: Friedrich Wilhelm Spring (1895–1970; Gutsbesitzer, NSDAP) 1939–1941: Paul Geldmacher (als Stellvertreter, NSDAP) 1941–1945: Wellemeyer (als Stellvertreter, NSDAP) 1945–1946: Josef Kiel (ernannt von britischer Besatzung, SPD) 1946–1968: Erwin Heller (SPD)
Geschichte Opherdickes Nach Inkrafttreten der Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen am 31. Oktober 1843 gab es in Opherdicke bis zum Zusammenschluss 1968 folgende Gemeindevorsteher/Bürgermeister: 1843–18??: Die ersten Gemeindevorsteher sind nicht bekannt, aufgrund der sichtbaren Praxis ab 1888 hatte das Amt vermutlich der jeweilige Hausherr auf Haus Opherdicke inne 18??–1888: Hermann von Lilien († 1888) 1888–1906: Franz Kaspar von Lilien († 1906) 1906–1921: Karl Saatmann (Landwirt) 1921–1935: Theodor Regenbogen (Rücktritt 1935) 1935–1945: Josef Höber (NSDAP) 1945–1948: Theodor Regenbogen 1948–1956: Fritz Kötter (Landwirt) 1956–1968: Josef Wortmann (CDU)
Demographie Einwohnerstatistik Nach den statistischen Daten des Demographie-, des Integrations- sowie des Sozialberichts, welche von Wegweiser-Kommune veröffentlicht wurden, ergeben sich für Holzwickede folgende Werte:Kommunale Berichte mit statistischen Daten (Bertelsmann Stiftung). In: wegweiser-kommune.de, abgerufen am 21. Mai 2024.
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 16,1 % (Stand: 2022) Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 25,2 % (Stand: 2022) Ausländeranteil: 10,2 % (Stand: 2022) Arbeitslosenanteil (im Verhältnis zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten): 5,9 % (Stand: 2022)
Die neueste Prognose von IT.NRW sagt einen Rückgang der Bevölkerung von 2021 bis 2050 um fast 10 Prozent voraus.
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 42,3 % der Einwohner evangelisch, 30,2 % römisch-katholisch und 27,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011. Die Zahl der Katholiken und vor allem die der Protestanten ist seitdem gesunken. Nach der Gemeindestatistik waren (Stand 31. Dezember 2018) 37,1 % (6.449) evangelisch, 28,7 % (4.978) katholisch und 35,2 % (5.942 Personen) waren Gemeinschaftslos bzw. ohne Angaben.Einwohnerzahl entwickelt sich im Jahr 2018 wieder positiv, emscherblog.de, abgerufen am 30. Januar 2020.
Politik und Verwaltung mini|Rathaus Holzwickede im Februar 2006
Ergebnisse der Kommunalwahlen 2020 in Holzwickede Die Sitze im Stadtrat verteilen sich nach dem Ergebnis der Kommunalwahl 2020 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: + Ratswahl 13.09.2020 Holzwickede Partei Stimmen % (2020) % (2014) +/− Sitze (2020) Sitze (2014) +/− SPD 2.098 26,6 % 35,0 % −8,4 % 9 14 −5 CDU 1.849 23,4 % 22,6 % +0,8 % 7 9 −2 Bürgerblock 1.689 21,4 % 19,2 % +2,2 % 7 8 −1 Bündnis 90/Die Grünen 1.256 15,9 % 12,5 % +3,4 % 5 5 ±0 FDP 610 7,7 % 10,7 % −3,0 % 2 4 −2 Die PARTEI 397 5,0 % 0,0 % +5,0 % 2 0 +2 Gültige Stimmen 7.899 Ungültige Stimmen 164 Stimmen Insgesamt 8.063 32 40 −8 Wahlberechtigte Insgesamt 14.402 56,0 % 55,6 % +0,4 %