Medaillenspiegel (Endstand nach 46 Entscheidungen)PlatzLand G S B Gesamt 1 8 7 1 16 2 7 7 5 19 3 3 3 2 8 4 3 2 2 7 5 3 1 3 7 6 2 1 2 5 7 2 1 1 4 2 1 1 4 9 2 1 – 3 10 1 1 3 5 Vollständiger Medaillenspiegel mini|hochkant=1.5| mini|hochkant=1.5| Die 9. Leichtathletik-Weltmeisterschaften (offiziell: 9th IAAF World Championships in Athletics Paris 2003) fanden vom 23. bis 31. August 2003 in der französischen Stadt Saint-Denis statt.

Überblick Abgesehen von den Straßenwettbewerben wurden die Wettkämpfe im größten und modernsten Stadion Frankreichs, dem Stade de France ausgetragen, in dem fünf Jahre zuvor das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 stattgefunden hatte.

Die beiden Marathonläufe am Schlusswochenende sowie die drei Gehwettbewerbe wurden in der Innenstadt entlang der Avenue des Champs-Élysées ausgetragen. Es war jeweils ein Rundkurs mehrfach zu absolvieren, das Ziel befand sich abschließend jeweils im Stade de France.

Insgesamt nahmen an den neunten Welttitelkämpfen 1679 Athleten aus 197 Ländern teil. Die Weltmeisterschaften von Paris stellten für viele Beteiligte auch eine Standortbestimmung dar für die Olympischen Spiele 2004 in Athen.

Wettbewerbe Das Wettbewerbsprogramm blieb wie schon bei den letzten Weltmeisterschaften unverändert.

Für die Frauen gab es noch ein paar wenige Defizite im Vergleich zu den Männer-Wettbewerben. Bereich Lauf: Es fehlte noch der 3000-Meter-Hindernislauf, der 2005 ins Frauen-WM-Programm aufgenommen wurde. Bereich Gehen: Es fehlte das 50-km-Gehen, das 2017 ins Frauen-WM-Programm kam.

Sportliche Leistungen Die neunte Austragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften war wie die Veranstaltungen zuvor von einem hohen Leistungsniveau geprägt. Besondere Höhepunkte waren zwei Weltrekorde: 20-km-Gehen Männer – 1:17:21 h: Jefferson Pérez (Ecuador) 50-km-Gehen Männer – 3:36:03 h: Robert Korzeniowski (Polen) In acht Disziplinen gab es neun neue Weltjahresbestleistungen: 400 Meter Hürden Männer – 47,25 s: Félix Sánchez (Kuba), Finale 400 Meter Frauen – 48,89 s: Ana Guevara (Mexiko), Finale 4-mal 100 Meter Frauen – 41,78 s: Frankreich (Patricia Girard, Muriel Hurtis, Sylviane Félix, Christine Arron), Finale 4-mal 400 Meter Frauen – 3:24,57 min: USA (Me’Lisa Barber, DeeDee Trotter, Sanya Richards, Jearl Miles Clark), Vorlauf 4-mal 400 Meter Frauen – 3:22,63 min: USA (Me’Lisa Barber, Demetria Washington, Jearl Miles Clark, Sanya Richards), Finale 20-km-Gehen Frauen – 1:26,52 h: Jelena Nikolajewa (Russland) Hochsprung Frauen – 2,06 m: Hestrie Cloete (Südafrika), Finale Speerwurf Frauen – 66,52 m: Mirela Maniani (Griechenland), Finale Siebenkampf Frauen – 7001 P: Carolina Klüft (Schweden) Es wurden vier Kontinentalrekorde in vier Disziplinen neu aufgestellt: 10.000 Meter Männer – 27:18,28 min (Asienrekord): Ahmad Hassan Abdullah (Katar), Finale 10.000 Meter Frauen – 30:37,68 min (Ozeanienrekord): Benita Johnson (Australien), Finale Dreisprung Frauen – 15,06 m (Afrikarekord): Françoise Mbango Etone (Kamerun), Finale 20-km-Gehen Frauen – 1:33:42 min (Südamerikarekord): Geovana Irusta (Bolivien), Finale Es gab neun Weltmeisterschaftsrekorde in neun Disziplinen. Außerdem waren in 27 Disziplinen 58 Landesrekorde zu verzeichnen.

Erfolgreichste Sportler Ein Athlet errang zwei Goldmedaillen: John Capel, (USA) – 200 Meter, 4-mal 100 Meter Folgende Weltmeister waren bereits bei vorangegangenen Weltmeisterschaften siegreich: Allen Johnson, (USA) – 110 Meter Hürden: vierter Sieg nach 1995, 1997 und 2001 Hicham El Guerrouj, (Marokko) – 1500 Meter: dritter Sieg in Folge Maria de Lurdes Mutola, (Mosambik) – 800 Meter: dritter Sieg nach 1993 und 2001 Robert Korzeniowski, (Polen) – 50-km-Gehen, dritter Sieg nach 1997 und 2001 Félix Sánchez, (Kuba) – 400 Meter Hürden: zweiter Sieg in Folge Hestrie Cloete, (Südafrika) – Hochsprung: zweiter Sieg in Folge Tatjana Lebedewa, (Russland) – Dreisprung: zweiter Sieg in Folge Yipsi Moreno, (Kuba) – Hammerwurf: zweiter Sieg in Folge Mirela Manjani, (Griechenland) – Speerwurf: zweiter Sieg nach 1999 Eunice Barber, (Frankreich) – Sieg im Weitsprung nach ihrem Sieg im Siebenkampf 1999

Doping Auch bei diesen Weltmeisterschaften gab es wieder zahlreiche Aberkennungen von zunächst erzielten Resultaten, weil sich im Nachhinein herausstellte, dass die betreffenden Sportler gegen die Dopingregeln verstoßen hatten. Betroffen waren elf Sportler in insgesamt fünfzehn Disziplinen.

Die betroffenen Athleten gehörten folgenden Nationen an: USA: 8/Frankreich: 1/Großbritannien: 1/Ukraine: 1

Im Einzelnen handelte es sich um folgende Sportler: Dwain Chambers, Großbritannien – 100-Meter-Lauf, zunächst Vierter/4-mal-100-Meter-Staffel, zunächst Platz zwei. Er wurde positiv auf Tetrahydrogestrinon (THG) getestet und mit einer zweijährigen Sperre belegt. Seine Resultate von diesen Weltmeisterschaften wurden ihm aberkannt. Im Jahr 2010 legte Dwain Chambers ein Geständnis dazu ab.Eine gerechte, traurige Geschichte. In: Süddeutsche Zeitung. 9. Mai 2010, sueddeutsche.de, abgerufen am 5. September 2020 Tim Montgomery, USA –100-Meter-Lauf, zunächst Fünfter. Im Jahr 2008 gestand der mehrfache Medaillengewinner, Weltmeister und Olympiasieger aus dem Gefängnis heraus, wo er sich wegen Scheckbetrugs und Geldwäsche befand, die langjährige Einnahme verbotener Substanzen wie Testosteron und Wachstumshormonen (Somatropin). Seine davon betroffenen Resultate wurden allesamt annulliert.Olympiasieger Tim Montgomery gesteht Doping, Die Welt/n24, 24. November 2008, abgerufen am 31. August 2020 Jerome Young, USA – 400-Meter-Lauf/4-mal-400-Meter-Staffel, jeweils zunächst auf Rang eins. Er wurde als Mehrfachtäter im Jahr 2004 lebenslang gesperrt. Er war unter anderem positiv auf die verbotenen Mittel Erythropoetin (EPO) und Nandrolon getestet worden.WM-Medaillengewinne von Jerome Young annulliert, stimme.de, 26. Februar 2009, abgerufen am 7. September 2020 Calvin Harrison, USA – 400-Meter-Lauf, zunächst Sechster/4-mal-400-Meter-Staffel, zunächst Platz eins. Er wurde bei den US-Meisterschaften 2003 positiv auf Modafinil getestet und hätte bei diesen Weltmeisterschaften nicht starten dürfen. Weil es sich um ein Zweitvergehen handelte, gab es neben der Aberkennung seiner Resultate eine zweijährige Sperre für ihn. Fouad Chouki, Frankreich – 1500-Meter-Lauf, zunächst Achter. Ihm wurde Dopingmissbrauch mittels EPO nachgewiesen. Dabei hatte er noch versucht, seinen nach dem Wettbewerb durchgeführten Dopingtest hinauszuzögern.Zwei weitere Dopingfälle. In: Der Spiegel. 13. September 2003, spiegel.de, abgerufen am 2. September 2020 Chris Phillips, USA – 110-Meter-Hürdenlauf, zunächst Fünfter. In seiner Dopingprobe wurde Modafinil gefunden, was die Annullierung seines Resultats zur Folge hatte.Erneut Doping in der Leichtathletik. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. September 2003, nzz.ch, abgerufen am 4. September 2020 Kevin Toth, USA – Kugelstoßen, zunächst Vierter. Ihm wurde Dopingmissbrauch mittels Tetrahydrogestrinon und Modafinil nachgewiesen, er wurde disqualifiziert.Kevin Toth hatte THG und Modafinil im Blut. Doping: US-Kugelstoßer positiv getestet, RP Online, 16. Februar 2004, abgerufen am 10. September 2020 Kelli White, USA – 100-/200-Meter-Lauf, jeweils Rang eins. Bei einer Anhörung vor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) im Jahr 2005 gab sie zu, mit Modafinil, THG und EPO gedopt zu haben. Dies sei allerdings nicht wissentlich geschehen. Sie habe lediglich zugestimmt, verschiedene Mittel auf ihre Wirksamkeit hin bei ihr zu testen. Auf Nebenwirkungen sei sie nicht aufmerksam gemacht worden. Ihre beiden Goldmedaillen musste sie zurückgeben.Kelli White: "Ich war ein Versuchskaninchen". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 20. Mai 2005, faz.net. Abgerufen am 13. September 2020 Schanna Block, Ukraine – 100-Meter-Lauf, zunächst Dritte/200-Meter-Lauf, zunächst Fünfte. Ihr wurden – allerdings erst im Jahr 2015 – für die Jahre 2002 und 2003 Verstöße gegen die Doping-Regularien nachgewiesen. Ihre Resultate aus diesem Zeitraum wurden annulliert. Außerdem wurde sie mit einer zweijährigen Sperre belegt. Diese hatte jedoch nur symbolischen Wert, denn zu dem Zeitpunkt, zu dem die Sperre verhängt wurde, hatte Schanna Block ihre aktive Laufbahn längst beendet.Pintusewitsch-Block zwei Jahre gesperrt, Focus Online, 10. September 2015, abgerufen am 13. September 2020 Regina Jacobs, USA – 1500-Meter-Lauf, im Halbfinale ausgeschieden. Auch sie wurde positiv auf das verbotene Mittel THG getestet und folgerichtig disqualifiziert.Regina Jacobs läuft als Dritte ins Fahndungsnetz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 23. Oktober 2003, faz.net, abgerufen am 14. September 2020 Melissa Price, USA – Hammerwurf, zunächst Zwölfte. Sie wurde wie einige ihrer Teamkollegen auch positiv auf THG getestet und disqualifiziert. Außerdem wurde sie mit einer Sperre von zwei Jahren belegt.Sperre trotz Karriereendes, n-tv.de, 5. Mai 2004, abgerufen am 20. September 2020 In den Jahren nach den Weltmeisterschaften wurde immer deutlicher, welcher Dopingsumpf die Leichtathletik erreicht hatte und wie weit die Machenschaften gingen. Zahlreiche Presseveröffentlichungen beschäftigten sich mit diesem immer dringlicher werdenden Thema.Größter Dopingskandal der Geschichte. In: Berliner Morgenpost 18. Oktober 2003, morgenpost.de, abgerufen am 28. August 2020

Resultate Männer 100 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Kim Collins 10,07 2 Darrel Brown 10,08 3 Darren Campbell 10,08 4 Bernard Williams 10,13 5 Deji Aliu 10,21 6 Uchenna Emedolu 10,22 DOP Tim Montgomery Dwain Chambers Finale: 25. August, 22:10 Uhr

Wind: ±0,0 m/s

Hier gab es zwei Dopingfälle: Der zunächst viertplatzierte Brite Dwain Chambers wurde positiv auf Tetrahydrogestrinon (THG) getestet und mit einer zweijährigen Sperre belegt. Seine Resultate von diesen Weltmeisterschaften wurden ihm aberkannt. Im Jahr 2010 legte Dwain Chambers ein Geständnis dazu ab. Davon betroffen war auch sein zweiter Platz mit der britischen 4-mal-100-Meter-Staffel. Dem US-Amerikaner Tim Montgomery wurde sein fünfter Platz wegen Verstoßes gegen die Dopingregeln aberkannt. Er legte im Jahr 2008 aus dem Gefängnis heraus ein Geständnis dazu ab.

200 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 John Capel 20,30 2 Darvis Patton 20,31 3 Shingo Suetsugu 20,38 4 Darren Campbell 20,39 5 Stéphan Buckland 20,41 6 Joshua J. Johnson 20,47 7 Frank Fredericks 20,47 8 Uchenna Emedolu 20,62 Finale: 29. August, 21:00 Uhr

Wind: +0,1 m/s

400 m

Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Tyree Washington 44,77 2 Marc Raquil 44,79 3 Michael Blackwood 44,80 4 Leslie Djhone 44,83 5 Éric Milazar 45,17 6 Alleyne Francique 45,48 DOP Jerome Young Calvin Harrison Finale: 26. August, 21:50 Uhr

Der Wettbewerb war von zwei Dopingfällen überschattet: Der US-Amerikaner Jerome Young, der zunächst als Sieger geehrt worden war, wurde als Mehrfachtäter im Jahr 2004 lebenslang gesperrt. Er war unter anderem positiv auf die verbotenen Mittel Erythropoetin (EPO) und Nandrolon getestet worden. Youngs zunächst sechstplatzierter Landsmann Calvin Harrison wurde bei den US-Meisterschaften 2003 positiv auf Modafinil getestet und hätte bei diesen Weltmeisterschaften nicht starten dürfen. Weil es sich um ein Zweitvergehen handelte, gab es neben der Aberkennung seiner Resultate eine zweijährige Sperre für ihn. Betroffen von der Disqualifikation der beiden Athleten war auch die US-amerikanische 4-mal-400-Meter-Staffel. Sowohl Young als auch Harrison waren dort eingesetzt worden.

800 m

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Djabir Saïd-Guerni 1:44,81 2 Juri Borsakowski 1:44,84 3 Mbulaeni Mulaudzi 1:44,90 4 Wilson Kipketer 1:45,23 5 Andrea Longo 1:45,43 6 Justus Koech 1:45,63 7 Hezekiél Sepeng 1:45,74 8 Osmar dos Santos 1:46,28 Finale: 31. August, 17:30 Uhr

1500 m

Platz Athlet Land Zeit (min) 1 Hicham El Guerrouj 3:31,77 2 Mehdi Baala 3:32,31 3 Iwan Heschko 3:33,17 4 Paul Korir 3:33,47 5 Rui Silva 3:33,68 6 Reyes Estévez 3:33,84 7 Gert-Jan Liefers 3:33,99 8 Wjatscheslaw Schabunin 3:34,37