Poeciliopsis ist eine Gattung der Lebendgebärenden Zahnkarpfen (Poeciliidae). Die Fische kommen vor allem auf der pazifischen Seite Mittel- und des nördlichen Südamerikas vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom mexikanischen Bundesstaat Sonora bis nach Kolumbien. Fast im gesamten Verbreitungsgebiet der Gattung kommt der Mittelamerika-Kärpfling (Poeciliopsis turrubarensis) vor, der damit die größte natürliche Nord-Süd-Verbreitung aller Lebendgebärenden Zahnkarpfen besitzt. Eine Art kommt auch im Gila River in Arizona vor. Den Namen Poeciliopsis wählte der britische Ichthyologe Charles Tate Regan wegen der mit Poecilia ähnlichen Bezahnung der Gattung.
Merkmale Poeciliopsis-Arten erreichen Längen zwischen 3 cm und 13 cm. Es sind mehr oder weniger gestreckte Fische von bräunlicher Färbung, meist mit einem Mittelstreifen auf den Körperseiten, einer Querstreifung oder mit schwarzen Punkten. Der Geschlechtsdimorphismus in Bezug auf die Färbung ist gering, Weibchen werden aber größer. Männchen haben ein sehr langes Gonopodium.
Lebensweise Poeciliopsis-Arten leben meist in ruhig fließenden oder stehenden Gewässern. Sie sind sehr salztolerant, leben auch im Brackwasser und haben sich offenbar über das Meer in benachbarten Flusssystemen ausgebreitet. Sie ernähren sich von wirbellosen Tieren und pflanzlicher Kost. Die Kenntnisse zur Lebensweise und Ethologie der einzelnen Arten sind gering. Bei Poeciliopsis entwickeln sich oft mehrere Altersgruppen von Embryonen gleichzeitig (Superfötation).
Fortpflanzung: Gynogenese und Hybridogenese
In einigen Flusssystemen im Westen Mexikos gibt es unisexuelle Formen, die auf natürlichem Weg aus Kreuzungen verschiedener Poeciliopsis-Arten entstanden sind und nur als Weibchen vorkommen. Sie pflanzen sich mit Männchen verschiedener kompatibler Arten fort, von denen sie jedoch kein Erbgut übernehmen oder dieses nur für jeweils eine Generation „ausleihen“. Ersteres wird als Gynogenese bezeichnet, letzteres als Hybridogenese. In allen Fällen war Poeciliopsis monacha die mütterliche Ausgangs-Art. Die gynogenetischen Formen sind triploid, d. h. sie besitzen drei Chromosomensätze, die von zwei oder drei verschiedenen Arten stammen können. Dagegen sind die hybridogenetischen Formen diploid und zeigen auch phänotypische Merkmale der jeweiligen Väter, eliminieren jedoch deren Chromosomen vor der Bildung der Eizellen.J. M. Quattro, J. C. Avise, R. C. Vrijenhoek: Molecular evidence for multiple origins of hybridogenetic fish clones (Poeciliidae:Poeciliopsis). In: Genetics. Band 127, Nummer 2, Februar 1991, S. 391–398, . PMID 2004710. M. Mateos, R.C. Vrijenhoek: Independent origins of allotriploidy in the fish genus Poeciliopsis. In: Journal of Heredity, Band 96, S. 32–39 (2005).Michael C. Cimino: Egg-production, polyploidization and evolution in a diploid all-female fish of the genus Poeciliopsis. In: Evolution. Band 26, 1972, S. 294–306. (PDF)
Arten Die Gattung Poeciliopsis umfasst folgende 25 ArtenEschmeyer's Catalog of Fishes: https://researcharchive.calacademy.org/research/ichthyology/catalog/fishcatmain.asp Eschmeyer's Catalog of Fishes in drei Untergattungen: Aulophallus , 1926 Poeciliopsis elongata (, 1866) Poeciliopsis paucimaculata , 1967 Poeciliopsis retropinna (, 1908) Poeciliopsis s.s. , 1913 Poeciliopsis baenschi , 1986 Poeciliopsis catemaco , 1975 Poeciliopsis fasciata (, 1904) Poeciliopsis gracilis (, 1848), Seitenfleckkärpfling Poeciliopsis hnilickai , 1981 Poeciliopsis latidens (, 1895) Poeciliopsis lutzi (, 1902), Schwarzstrichkärpfling Poeciliopsis pleurospila (, 1866) Poeciliopsis presidionis (, 1895) Poeciliopsis santaelena , 2008 Poeciliopsis scarlli , 1985 Poeciliopsis turneri , 1975 Poeciliopsis turrubarensis (, 1912), Mittelamerika-Kärpfling Leptorhaphis , 1913 Poeciliopsis balsas , 1926 Poeciliopsis infans (, 1894) Poeciliopsis jackschultzi , 2019 Poeciliopsis lucida , 1960 Poeciliopsis monacha , 1960 Poeciliopsis occidentalis (, 1853), Arizonakärpfling Poeciliopsis prolifica , 1960 Poeciliopsis sonoriensis (, 1859) Poeciliopsis viriosa , 1960
Bei der fossilen Art Poeciliopsis maldonadoi , 1957 handelt es sich möglicherweise um P. turrubarensis.Dieter Gentzsch: Poeciliopsis. 2004, S. 796.
Literatur Günther Sterba (Hrsg.), Gert Brückner: Enzyklopädie der Aquaristik und speziellen Ichthyologie. Neumann-Neudamm, Melsungen u. a. 1978, ISBN 3-7888-0252-9. Helmut Stallknecht: Lebendgebärende Zahnkarpfen. Neumann Verlag, 1989, ISBN 3-7402-0055-3. Dieter Gentzsch: Poeciliopsis. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 795–799.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Lebendgebärende Zahnkarpfen Kategorie:Poeciliidae