mini|Die neue Boxenanlage mit Tribüne im Jahr 2009 mini|Luftbild der Strecke im Juni 2008 Der Circuit de Spa-Francorchamps ist eine Motorsport-Rennstrecke in der Wallonischen Region in Belgien. Sie liegt in den Ardennen, im Dreieck zwischen den Städten Stavelot (zu deren Gemeindegebiet der Kurs gehört), Spa und Malmedy – knapp 20 km entfernt von der deutsch-belgischen Grenze bei Monschau. Der Start-Ziel-Bereich der Strecke liegt nahe der zu Stavelot gehörenden Ortschaft Francorchamps, worin auch der Name des Kurses begründet liegt.
Wegen der Höhendifferenz im Streckenverlauf von insgesamt 97 m und der zahlreichen Kurven, in denen hohe Fliehkräfte auftreten, trägt die Strecke auch den Beinamen „Ardennen-Achterbahn“; die höchste Stelle liegt im Südosten der Rennstrecke am Ende der Kemmel-Geraden in der Kurve Les Combes () und die niedrigste () im Südwesten in der Kurve Paul-Frère nach zweitem und zugleich letztem Überqueren des Bachs Eau Rouge; die Start-/Ziel-Linie liegt auf Höhe.Circuit de Spa-Francorchamps: Streckenskizze (mit Höhenangaben), auf formel3guide.com
Seit 1925 wird auf der Rennstrecke mit einigen Unterbrechungen der Große Preis von Belgien ausgetragen; seit 1950 als Formel-1-Weltmeisterschaftslauf.
Geschichte Ursprünglicher Streckenverlauf Bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 gehörte der Ostteil der Rennstrecke zum Deutschen Reich. Das Gebiet von Eupen-Malmedy wurde als Ergebnis einer umstrittenen Volksbefragung nach einer fünfjährigen Übergangszeit in den belgischen Staat eingegliedert.
Die ursprünglich 14,863 km lange Strecke wurde 1921 eröffnet und bestand weitgehend aus sonst öffentlichen Landstraßen im Dreieck zwischen den Ortschaften Francorchamps im Norden, Malmedy im Südosten und Stavelot im Südwesten. Zum ersten geplanten Autorennen erschien jedoch nur ein Teilnehmer, so dass es abgesagt wurde und der Kurs stattdessen mit einem Motorradrennen eröffnet wurde.
Kurz nach der Kurve Eau Rouge in der Senke () bei erstem Überqueren des gleichnamigen Bachs bog die ursprüngliche Strecke scharf links ab, um dann in einer Haarnadelkurve rechts bergauf zu führen. Diese Kurve wurde Virage de l’Ancienne Douane (Kurve an der alten Zollstation) genannt, da dort die ehemaligen belgisch-deutschen Grenzanlagen standen. Erst 1939 wurde als steil bergauf führende Abkürzung die später berühmt gewordene Mutkurve Raidillon geschaffen, um die Durchschnittsgeschwindigkeit des Kurses zu erhöhen. Der öffentliche Straßenverkehr, der bis 2001 als Umleitung des noch nicht fertiggestellten Abschnitts der Autobahn 27 über die Strecke führte, wurde hinter den Tribünen über die alte Haarnadelkurve geführt. In der Senke trafen die beiden Richtungsfahrbahnen wieder aufeinander. Die zweite deutsch-belgische Grenzstation lag hinter der langgezogenen Rechtskurve durch Bürnenville am Anfang der langen Masta-Geraden von Malmedy nach Stavelot entlang der damaligen Bahnstrecke Waimes–Stavelot. Um die enge Kurve in der Ortsdurchfahrt von Stavelot zu umgehen und um die Durchschnittsgeschwindigkeit des Kurses zu erhöhen, wurde auch dort eine Abkürzung in Form einer langgezogenen leicht überhöhten Rechtskurve eingefügt.
Sonst bestand die dreiecksförmig angelegte Strecke aus langen Geraden und nur wenigen, aber meist sehr schnellen Kurven. Die berühmte Ausnahme von dieser Regel bildet die Spitzkehre La Source im Norden, die nicht durch eine weitere Maßnahme umgangen wurde. Die Spitzkehre war einst die letzte Kurve vor der ursprünglichen Start-Ziel-Anlage in der Mitte des Bergabstücks zu Eau Rouge und bei Starts fuhr das gesamte Feld mit hoher Geschwindigkeit auf diese Engstelle zu. Für die Formel 1 wurde eine zusätzliche Boxenanlage sowie Start-Ziel auf dem ebenen Teilstück vor La Source gebaut, so dass das Starterfeld erst diese Spitzkehre umrunden muss, wonach die Wagen meist einzeln und somit sicherer durch Eau Rouge fahren.
Eine schnelle Streckenführung und die schlechte Absicherung – Laternen, Straßenschilder, Bäume und Gebäude standen ungesichert nahe an der Strecke, Gullydeckel in der Fahrbahn sorgten für überraschende Rutschpartien –, sondern auch das unberechenbare Wetter machten Spa-Francorchamps lebensgefährlich. Wegen der Länge der Strecke kam es vor, dass es bei Start und Ziel trocken war, während es einige Kilometer weiter in Strömen regnete. Beim Formel-1-Grand-Prix 1966 fuhren die Wagen nach dem Start mit hoher Geschwindigkeit in den nassen Streckenabschnitt bei Burnenville ein und verunfallten teilweise, was im Film Grand Prix aus der Hubschrauberperspektive dokumentiert wurde.
Das erste Autorennen fand 1922 statt, das erste 24-Stunden-Rennen 1924. (französisch)
Verbannung aus dem Formel-1-Rennkalender Der Circuit de Spa-Francorchamps wurde nach 1970 aus dem Grand-Prix-Kalender verbannt, weil er aufgrund der hohen Geschwindigkeiten als zu gefährlich eingestuft wurde. Zuletzt erzielte der Mexikaner Pedro Rodríguez auf der zu dieser Zeit noch 14,099 km langen Strecke mit seinem BRM P153 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 240 km/h. Einen guten Eindruck von den Streckenverhältnissen und Gefahren in den 1960er Jahren lieferte 1966 der Film Grand Prix, der zum Teil in Spa-Francorchamps gedreht wurde.
Umbaumaßnahmen mini|Die legendäre Kurvenkombination Eau Rouge/Raidillon 1999 mit Kies-Auslaufzone vor dem Umbau 2001 alternativtext=|mini|Die neu gestaltete Kombination Eau Rouge/Raidillon mit großer Asphalt-Auslaufzone Die Strecke wurde bis 1979 auf etwa die Hälfte verkürzt. Der neue Streckenteil zweigt nach der Kemmel-Geraden ab, führt bergab und mündet in der Stavelot-Kurve in die bestehende Straße. Dieser Umbau erhöhte die Sicherheit durch das Auslassen der temporären Hochgeschwindigkeits-Streckenabschnitte. 1983 wurde Spa nach langwierigen Umbaumaßnahmen wieder an Stelle des Kurses in Zolder in den Formel-1-Kalender aufgenommen.
Seit Frühjahr 2001 sind die Teile der nun 6,976 km langen Strecke, die noch reguläre Landstraßen waren, permanent für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Im Osten wurde dazu eine neue Umgehungsstraße (N62c) von Francorchamps nach Les Combes bzw. Burnenville erbaut. Der alte Strecken-Abschnitt vom Ort Stavelot bis zur Einmündung der neuen Kurve Stavelot wurde zur Sackgasse bzw. zur südlichen Zufahrt ins Fahrerlager. Seither ist der Circuit de Spa-Francorchamps eine permanente Rennstrecke.
Nach der Saison 2005 forderte die Formel-1-Administration (FOA) umfangreiche Umbauarbeiten an der Strecke, vor allem im infrastrukturellen Bereich. Anfang 2006 war mit den Bauarbeiten noch nicht begonnen worden, so dass eine Fertigstellung zum geplanten Rennen nicht gewährleistet war und der belgische Grand Prix gestrichen wurde. In der Folge übernahm die FOA unter Leitung des Formel-1-Promoters Bernie Ecclestone die Federführung für die Umbauarbeiten und die Zukunft des Kurses und verpflichtete sich vertraglich, ab 2007 für mindestens fünf Jahre jeweils einen Formel-1-Grand-Prix in Spa-Francorchamps auszurichten.Daniel Bour: In: caradisiac.com, 9. Februar 2006 (französisch).
Die mit rund 18 Millionen Euro veranschlagten Arbeiten begannen Mitte November 2006 und wurden im Mai 2007 fertiggestellt. Unter anderem wurde die Bus-Stop-Schikane in eine enge Rechts-Links-Kombination umgewandelt, die La-Source-Haarnadelkurve modifiziert und mit einer größeren Auslaufzone ergänzt sowie eine neue Boxenanlage samt Fahrerlager gebaut. Dazu kamen der Bau neuer Tribünen im Bereich der Start- und Zielgeraden, bei La Source und Eau Rouge mit einer Erweiterung der Zuschauerkapazität von 70.000 auf 84.000. (9. Februar 2007, frz.) Die Doppellinkskurve Pouhon erhielt einen ebeneren Belag und eine asphaltierte Auslaufzone. Die aktuell 7,004 km lange Strecke wurde ab der Formel-1-Saison 2007 wieder in den Kalender aufgenommen. 2008 wurde die Kurve Nr. 15 (ehemals Stavelot) nach dem belgischen Rennfahrer Paul Frère benannt.
Besonderheiten Ein Kuriosum von Spa sind zwei Startvarianten und Boxenanlagen. Während sich die Start- und Ziellinie für die Formel 1 vor La Source befindet, werden andere Rennen noch auf der Bergab-Geraden vor Eau Rouge gestartet. Dort befindet sich auch noch die alte Boxenanlage. Diese wird zum Teil bei großen Veranstaltungen – etwa an den Formel-1-Wochenenden oder beim 24-Stunden-Rennen – zusätzlich zu den neuen Boxen genutzt. Die Teams der Rahmenrennen werden üblicherweise in der alten Boxenanlage untergebracht und auch der Rennstart dieser Fahrzeuge erfolgt auf der alten Start- und Zielgeraden.
Michael Schumacher feierte am 2. September 2012 in Spa seine 300. Grand-Prix-Teilnahme.Schumachers Anzahl an Grand-Prix-Teilnahmen wird in offiziellen Quellen nicht einheitlich angegeben. In der Wikipedia werden nur die Rennen gezählt, bei denen der jeweilige Fahrer zumindest zum ersten Start angetreten ist. Demnach wäre dieses Rennen Schumachers 299. Grand Prix gewesen.„300. Grand Prix: Fans stimmen Schumacher zu“ (Motorsport-Total.com am 3. September 2012) Dort war er am 25. August 1991 auch sein erstes Formel-1-Rennen gefahren und konnte ein Jahr später seinen ersten Sieg auf dieser Strecke feiern.
Weitere Rennsportserien Neben der Formel 1 finden in Spa-Francorchamps auch Rennen zahlreicher anderer Motorsport-Klassen statt; dazu gehören die Blancpain Endurance Series, die Formel 3, RCN, die Motorrad-Endurance, die ADAC GT Masters, sowie ehemals die DTM und die WTCC. Die bekanntesten in Spa ausgetragenen Langstreckenrennen bzw. Sportwagenrennen sind das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps und das 6-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). Des Weiteren gibt es auf dem Gelände eine Kart-Bahn und einen Motocross-Kurs.
Statistik Formel 1 Rundenrekorde Q = Qualifikation; R = Rennen + 14,12-km-Strecke (1950–1956) Q 4:09,8 min 203,49 km/h Ferrari 1956 R 4:14,7 min 199,58 km/h Maserati 1956
+ 14,10-km-Strecke (1958–1970) Q 3:28,0 min 244,04 km/h March-Ford 1970 R 3:27,4 min 244,74 km/h March-Ford 1970
+ 6,949-km-Strecke (1983) Q 2:04,615 min 200,75 km/h Renault 1983 R 2:07,493 min 196,22 km/h Alfa Romeo 1983
+ 6,940-km-Strecke (1985–1991) Q 1:47,811 min 231,74 km/h McLaren-Honda 1991 R 1:55,087 min 217,09 km/h Ferrari 1990
+ 6,974-km-Strecke (1992–1995) Q 1:47,571 min 233,39 km/h Williams-Renault 1993 R 1:51,095 min 225,99 km/h Williams-Renault 1993
+ 6,968-km-Strecke (1996–2002) Q 1:43,726 min 241,84 km/h Ferrari 2002 R 1:47,176 min 234,05 km/h Ferrari 2002
+ 6,976-km-Strecke (2004–2005) Q 1:46,391 min 236,05 km/h McLaren-Mercedes 2005 R 1:45,108 min 238,93 km/h McLaren-Mercedes 2004
+ 7,004-km-Strecke (seit 2007) Q 1:41,252 min 249,03 km/h Mercedes 2020 R 1:44,701 min 240,82 km/h Oracle Red Bull Racing 2024
Sieger