Die Operation Oasis war 1947 eine britische Operation, um illegale Einwanderer aus Palästina in die europäischen Länder ihrer Abreise zurückzubringen. Erste und einzige Aktion war die Rückführung der Passagiere der Exodus. Durch die Weigerung der Passagiere, in Frankreich an Land zu gehen und den Beschluss der britischen Regierung, die Exodus-Passagiere in der Britischen Besatzungszone in Deutschland zu internieren, erhielt die Operation eine unvorhergesehene politische Tragweite, die bedeutende Auswirkungen auf das Ende des britischen Mandats in Palästina und auf die Gründung des Staates Israel hatte.
Vorgeschichte Das britische Weißbuch von 1939 begrenzte sehr drastisch die legale Einwanderung von Juden nach Palästina; es war damit einer der Auslöser der als Alija Bet bezeichneten illegalen Einwanderung. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg kam diese zwischen 1940 und 1945 nahezu zum Erliegen, lebte jedoch nach Kriegsende verstärkt wieder auf. Verschiedene jüdische Organisationen wie Jewish Agency, Mossad le Alija Bet, Hagana und der Palmach mit seiner Untergruppe Palyam organisierten die Flucht europäischer Juden und die illegale Einwanderung nach Palästina. Sie konnte dank starker finanzieller Unterstützung, vorwiegend durch amerikanische Juden, in großem Stil durchgeführt werden.
Die britische Mandatsverwaltung versuchte mit großem Aufwand, die illegale Einwanderung zu unterbinden. Aufgegriffene Flüchtlinge wurden deshalb in Internierungslagern, vorwiegend in Atlit, inhaftiert. Die Lage in den Internierungslagern in Palästina war zusätzlich angespannt, da durch die Auseinandersetzungen zwischen der britischen Mandatsmacht, jüdischen und arabischen Gruppierungen zahlreiche Bürger des Mandatsgebiets verhaftet wurden und in den Lagern einsaßen (siehe z. B. Operation Agatha). Um die Situation in Palästina zu entspannen und in der Hoffnung, damit den Strom der Flüchtlingsschiffe über das Mittelmeer einzudämmen, wurde mit der Regierungserklärung zur Deportation illegaler Einwanderer nach Zypern 1946 die Inhaftierung der Flüchtlinge auf Britisch-Zypern beschlossen. Entgegen den Erwartungen hatte diese „Operation Igloo“ genannte Aktion keinen Einfluss auf den Flüchtlingsstrom. Stattdessen wurden zunehmend sehr große Flüchtlingsschiffe mit Platz für weit über 1000 Passagiere eingesetzt, was die Zahl der Einwanderer noch weiter steigerte. Die Lage in den Internierungslagern auf Zypern war daher auch zunehmend angespannt.
Seit der La-Spezia-Affäre wurde die britische Mandats- und Judenpolitik von der Weltöffentlichkeit mit erhöhter Aufmerksamkeit beobachtet.
Operation Oasis mini|Die Exodus bei der Ankunft in Haifa mini|Die von den Briten aufgebrachte Exodus im Hafen von Haifa. Deutlich erkennbar die britischen Soldaten auf dem Oberdeck und die bei den Übernahmekämpfen stark beschädigte Seitenwand. mini|Gedenktafel an den Landungsbrücken mini|Ehem. Bahnhofsgebäude Lübeck-Kücknitz mini|Lageplan des Waldhusener Forstes. 1=Bahnhof Kücknitz, 2=Forsthaus Waldhusen, 3=Lager Pöppendorf. mini|Straße vom Forsthaus Waldhusen durch den Waldhusener Forst nach Pöppendorf. Der Nadelwald rechts der Straße bedeckt das Gelände des ehemaligen Lagers Pöppendorf. mini|Auf dem ehemaligen Lagergelände mini|Ab dem 6. Oktober wurden für die Exodus-Passagiere neue Papiere ausgestellt, mit denen sie die Lager verlassen durften Mit der Operation Oasis, der Rückführung der illegalen Einwanderer in das Land ihrer Abreise, sollte die untragbare Lagersituation auf Zypern entschärft werden. Gleichzeitig erhoffte man sich in der britischen Administration einen zusätzlichen Abschreckungseffekt und damit endlich die erhoffte Auswirkung auf den Flüchtlingsstrom. Das erste und letztlich einzige durch die Operation Oasis betroffene Flüchtlingsschiff war die Exodus.
Rückfahrt nach Europa In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 1947 wurde die Exodus etwa 20 km vor Gaza von den Briten aufgebracht und nach Haifa geführt. Mit dem Transfer der Passagiere der Exodus auf die drei Deportationsschiffe Ocean Vigour, Runnymede Park und Empire Rival begann am selben Tag die Durchführung der Operation Oasis. Obwohl auf den Deportationsschiffen wesentlich weniger Passagiere untergebracht wurden als auf der Exodus, herrschte auch dort drangvolle Enge. Viele Passagiere hatten kein Bett zur Verfügung und schliefen auf dem Boden. Die Juden rechneten damit, wie die Passagiere der vorangegangenen aufgebrachten Flüchtlingsschiffe in Internierungslager nach Zypern gebracht zu werden. Gerüchte über einen anstehenden Rücktransport nach Frankreich sorgten für zunehmende Unruhe unter den Passagieren. Als das Ziel der Fahrt Gewissheit wurde, machten sich die Juden mit lautstarker Empörung Luft.
Am 29. Juli erreichten die Schiffe Port-de-Bouc. Die Briten planten, die Flüchtlinge mit Gewalt von den Schiffen zu bringen, wogegen die französische Regierung intervenierte. So wurde versucht, die Juden zur freiwilligen Ausschiffung zu bewegen, indem die Bedingungen an Bord bei der zu dieser Zeit herrschenden Hitzewelle vorsätzlich verschlechtert wurden. Gleichzeitig lockte die französische Regierung mit Asyl, was Freiheit und Arbeit bedeutete. Die britischen Schiffe durften nicht unbegrenzt in französischen Gewässern ankern; daher wurde am 21. August mit dem Kommunique Nr. 127 ein Ultimatum gesetzt:
Doch auch diese Androhung bewog nicht viele Juden, die Schiffe zu verlassen. Sie konterten mit einem eintägigen Warn-Hungerstreik und der Parole „Entweder das Land Israel, oder der Tod auf den Schiffen“. Nach Ablauf der Frist hatten nur 130 (andere Quellen nennen 60 bzw. 103) vorwiegend alte und gebrechliche Personen das Asylangebot angenommen und die Schiffe verlassen. Am Abend des 22. August lichteten die Schiffe die Anker mit Kurs Hamburg. In Gibraltar wurde am 25. August die Fahrt unterbrochen, da durch den Druck der internationalen Medien das britische Parlament den Beschluss, die Juden in der Britischen Besatzungszone Deutschlands zu internieren, noch einmal diskutierten wollte. Nach fünftägiger Beratung wurde der Beschluss bestärkt und die Weiterfahrt der Schiffe angeordnet.
Am Morgen des 8. Septembers erreichten die Schiffe unter Begleitung von drei Zerstörern und mehreren Schnellbooten den Hamburger Hafen. Ein Schiff nach dem anderen legte – wahrscheinlich – am Petersenkai beim Schuppen 29 an, der mit Stacheldrahtbarrieren weiträumig abgeriegelt war. Dennoch wurde die Ankunft der Schiffe von rund zweihundert Journalisten beobachtet, die weltweit an Zeitungen berichteten. Die zum Teil gewaltsame Evakuierung der Schiffe Ocean Vigour und Runnymede Park durch annähernd eintausend britische Soldaten, durch die 24 Flüchtlinge ernstlich verletzt wurden, schürte das Entsetzen ob der Brutalität, mit der die Briten ihre Politik durchsetzten. Die Passagiere der Runnymede Park weigerten sich, von Bord zu gehen, und „verbarrikadierten sich in den Laderäumen. Ein Ultimatum der Briten, das Schiff freiwillig zu verlassen, wurde abgelehnt. Englische Soldaten gingen daraufhin an Bord, um mit Tränengasbomben und Wasserschläuchen zu erzwingen, was sonst nicht zu erreichen war.“ Das Erscheinungsbild der Flüchtlinge, die größtenteils seit 59 Tagen die extremen Bedingungen an Bord der verschiedenen Schiffe durchlebt hatten, ergänzte die Wirkung.
Zur allgemeinen Überraschung verließen alle Passagiere der Empire Rival das Schiff freiwillig. Bei einer anschließenden Durchsuchung des Schiffes wurde eine Bombe mit Zeitzünder entdeckt, die offensichtlich bereits in Frankreich an Bord geschmuggelt worden war. Damit sollte das Deportationsschiff nach der Evakuierung zerstört werden. Die Bombe wurde in nahegelegene Marinebaracken gebracht; doch noch vor dem Eintreffen des Kampfmittelräumdienstes löste der Zeitzünder die Detonation aus.
Aus Solidarität demonstrierten 4000 Bewohner des DP-Lagers Belsen-Hohne gegen die Ausbootung der Exodus-Juden in Hamburg. 400 weitere Lagerbewohner aus Belsen-Hohne reisten nach Hamburg und versuchten, auf den abgesperrten Petersenkai zu gelangen, woran sie von der deutschen Polizei gehindert wurden.
Die Juden wurden in Eisenbahnwagen gebracht, die zuvor als Truppentransporter eingesetzt worden waren; dabei wurde Musik über Lautsprecheranlagen übertragen. Die leeren Waggons mit vergitterten Fenstern sowie die Begleitmusik riefen vielfach Erinnerungen an die Judendeportation im Dritten Reich und die Ankunft in verschiedenen Konzentrationslagern hervor. Die Juden wurden mit der Eisenbahn nach Lübeck-Kücknitz transportiert. Im dortigen Bahnhof, der gleich wie der Petersenkai mit Stacheldrahtzäunen abgeriegelt war, mussten die Flüchtlinge auf LKW umsteigen und wurden weiter in die beiden Lager Pöppendorf und Am Stau befördert.
Das Medienecho war zweigeteilt. Während britische Medien und Zeitungen unter britischem Einfluss die Zurückhaltung, Fairness und Menschlichkeit der britischen Soldaten sowie den gewaltsamen Widerstand der Juden betonten, berichteten zahlreiche andere Journalisten über das brutale Vorgehen britischer Soldaten, den vielfachen passiven Widerstand der Juden und die Parallelen zwischen dem britischen Verhalten und Vorkommnissen im Nationalsozialismus. Auch sammelten amerikanische Journalisten Unterschriften für ein Protesttelegramm an Präsident Truman. Von britischer Seite wurde den kritisch berichtenden Medien gezielte antibritische Hetze vorgeworfen.
Lager Pöppendorf und Am Stau mini|links|Lager Pöppendorf auf dem Parkplatz im Waldhusener Forst an der Straße vom Forsthaus Waldhusen Richtung Pöppendorf. Erinnerungstafel und Straße. mini|Erinnerungstafel
Das Lager Pöppendorf im Waldhusener Forst lag 800 m vom Bahnhof Kücknitz entfernt, an der Straße vom Forsthaus Waldhusen nach Pöppendorf. Das Lager wurde im Juli 1945 als Internierungslager für Wehrmachtsangehörige errichtet. Danach wurde es ab November 1945 als Durchgangslager für deutsche Flüchtlinge aus den Ostgebieten genutzt. Mit insgesamt über 500.000 Ostflüchtlingen während der Existenz des Lagers war Pöppendorf das größte Lager in Schleswig-Holstein.
Das Lager Am Stau war ein ehemaliges SS- und Zwangsarbeiterlager auf der Herreninsel, das im Sommer 1947 für polnische Displaced Persons genutzt wurde.
Bereits am 19. August, und damit drei Tage bevor die drei Deportationsschiffe von Port-de-Bouc abfuhren bzw. zwei Tage bevor das Ultimatum gestellt wurde, wurden die Vorbereitungen eingeleitet, um die beiden Lager für die Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge vorzubereiten. Die Lagerinsassen wurden auf andere DP-Lager verteilt, und von britischen Pionieren wurden die Lager mit doppeltem Stacheldrahtzaun und Wachtürmen mit Scheinwerferanlagen umgeben. Neben den Lagerbaracken und Hütten wurden zusätzliche Zelte aufgebaut. Der Lübecker Senat protestierte am 23. August erfolglos gegen die zusätzliche Belastung für die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt.