mini|Das ehemalige Hauptgebäude (Baujahr 1903) Die Eika Kerzen GmbH (früher Eika Wachswerke Fulda GmbH kurz auch Eika, als Marke auch Eika Kerzen Manufaktur) war ein deutscher Kerzenhersteller mit Sitz in Fulda. Das Unternehmen galt in dieser Branche als einer der größtenEika-Wachswerke: Gläubiger stimmen Verkauf zu FAZ, 28. April 2008, abgerufen am 12. Januar 2013 in Europa und belieferte alle großen Handelsketten. Nach zwei Insolvenzverfahren und Übernahme durch die Bolsius Gruppe wurde das Stammwerk in Fulda 2015 geschlossen und das Produktprogramm unter Weiterführung der Marke EIKA bei Bolsius integriert.

Geschichte Eika wurde 1824 von dem aus einer italienischen Einwandererfamilie abstammenden Handelskaufmann und Lichtziehermeister Franz Berta (1805–1871) unter dem Firmennamen Berta in Fulda gegründet. Als einer der ersten Hersteller nutzte sie die neuentdeckten Rohstoffe Stearin und Paraffin zur industriellen Produktion von Kerzen. , Handelsblatt.com vom 12. Januar 2012 Franz Emil Berta (1838–1897) nahm 1889 seinen Schwiegersohn Max Eickenscheidt aus Kray als Teilhaber auf. Im Jahre 1921 erfuhr die Firma Franz Emil Berta eine Trennung. Die Firmen „Bertas Wachswarenfabrik Robert Berta“ und die „Fuldaer Wachswerke Eickenscheidt AG“ (1935 mit der Marke Eicka) entstanden. Mit der wirtschaftlichen Krise im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen an den Neusser Öl- und Fettehändler Leo Brand verkauft. Dieser behielt den Markennamen bei, vereinfachte aber 1963 die Schreibweise zu „Eika“. 1959 erfolgte die Umfirmierung zur Fuldaer Wachswerke Eickenscheidt GmbH. Über drei Generationen wurde Eika als familiengeführtes Unternehmen der Familie Brand betrieben.

2001 galt das Unternehmen mit einem Umsatz von etwa 70 Millionen D-Mark als einer der drei führenden Unternehmen in der deutschen Kerzenbranche und produzierte mit etwa 170 Mitarbeitern ca. 20.000 Tonnen Wachswaren jährlich., Fuldaer Zeitung vom 27. August 2001 2007 plante Eika nach jahrelanger Forschung, das wegen des steigenden Rohöl-Preises teurer werdende Paraffin für die Kerzenherstellung durch nachwachsende Rohstoffe wie Kokosfett und Palmöl zu ersetzen.Jörn Perske: Geheime Rezeptur für Bio-Kerzen. In: Berliner Morgenpost, 17. Dezember 2007, online erschienen 10. Juni 2008, abgerufen am 5. Mai 2011 Für diese Produkt-Innovation sollte auch ein neues Werk gebaut werden. Doch die Preise für die pflanzlichen Rohstoffe stiegen ebenfalls erheblich. Anfang 2008 musste Eika Insolvenz anmelden. Mit dem Schweizer Investor Cukierman Rasenberger Toschek AG wurde ein Käufer gefunden, der die Produktion fortsetzte. Finanziert werden sollte die Eika-Übernahme über einen Fonds.Schweizer Investmenthaus führt EIKA-Werke in die Zukunft Eika-Pressemitteilung auf Anleger-Nachrichten.de, 5. Mai 2008 Neuer Geschäftsführer wurde Mark Toschek. In der Interims-Phase wurde die einseitige und saisonale Abhängigkeit vom Weihnachtsgeschäft gelöst. Für den Vertrieb von Eika-Produkten an bestimmte Kunden wurde 2008 die Juwel Kerzen Ltd. & Co. KG gegründet, eine 100-prozentige Tochter mit Sitz in Fulda.Eika Jahresabschluss zum 31. Dezember 2008 im Elektronischen Bundesanzeiger Zwischenzeitlich beschäftigte Eika wieder rund 160 MitarbeiterClaudia Obmann, Tanja Kewes: Manager auf Zeit. In: Der Tagesspiegel, 26. September 2010, abgerufen am 5. Mai 2011 und eröffnete im Oktober 2010 als zusätzlichen Vertriebskanal einen Online-Shop.

Im November 2012 musste das Unternehmen trotz schwarzer Zahlen erneut Insolvenz anmelden, weil ein Gericht der Forderung eines früheren Investors nach sofortiger Rückzahlung seiner Mittel überraschend stattgegeben hatte.Kerzenhersteller Eika abermals pleite FAZ, 8. November 2012Thomas Ruhmöller: , Frankfurter Neue Presse, 21. Dezember 2012 (mit Photos von Peter Rasenberger, Markus Toschek und Robin Lohmann) Der Gütersloher Unternehmer Robin Lohmann beziehungsweise dessen Fonds ACI Real Estate hatte sich 2008 mit 12,7 Millionen Euro an dem Übernahmefonds beteiligt, forderte aber nach der Lehman-Pleite sein Geld zurück.Leoni Rehnert: , Fuldaer Zeitung, 5. Januar 2013 Der Rechtsstreit dauert auch nach dem Untergang des Unternehmens 2015 an., Fuldaer Zeitung vom 9. April 2015

Das Unternehmen wurde zum 1. April 2013 durch die Bolsius Deutschland GmbH aus Essen übernommen. Zu diesem Zweck wurde die Eika Kerzen GmbH als hundertprozentige Bolsius-Tochter gegründet. , Fuldaer Zeitung vom 5. März 2013Insolvente Eika-Kerzen gerettet - Bolsius-Gruppe aus Essen übernimmt, osthessen-news.de vom 6. März 2013 Das Eika-Werk mit dem ursprünglichen Stammsitz in Fulda wurden zum 1. April 2015 geschlossen und die EIKA Kerzen GmbH in der Folge liquidiert.Schock in Kerzenfabrik: Traditionsbetrieb Eika Kerzen GmbH stellt Betriebstätigkeit ein, osthessen-news.de, 14. November 2014 Die Produktion wurde in Bolsius-Produktionsstätten in den Niederlanden und in Polen verlagert, der Markenname wird von Bolsius weitergeführt., Fuldaer Zeitung, 18. November 2014

Zwei ehemalige Eika-Mitarbeiter gründeten im Oktober 2015 in Fulda mit der A & K Kerzenverkauf Fulda GmbH, einem Groß- und Einzelhandel mit Ladengeschäft für Kerzen, in dem sie EIKA-Produkte anboten.Stefan Schoder: , Fuldaer Zeitung vom 18. Oktober 2015 Dieses Handelsgeschäft wurde 2019 wieder liquidiert.

Produktion Die Produktpalette der EIKA Kerzen GmbH umfasste seinerzeit rund 1.000 verschiedene Produkte aus Wachs, Paraffin und Stearin und reichte von Dekorations- und Duftkerzen bis hin zu Grab- und Teelichtern.Peter Dietz: Fuldaer-Kerzenhersteller Eika: Nicht mehr abgebrannt Frankfurter Rundschau, 23. Dezember 2008, abgerufen am 5. Mai 2011 Eika-Kerzen trugen das „Gütezeichen Kerzen“ des RAL.Gütegemeinschaft Kerzen e.V.: , abgerufen am 5. Mai 2011

Literatur Michael Mott: Gestatten: mein Name ist Baltzer Berta von "Bünden bei Mayland" / Die ab 1708 in Fulda nachweisbare italienische Einwandererfamilie Berta ... gründete u. a. eine Wachsfabrik, die über Deutschland hinaus – auch als "Hoflieferant" ihre Erzeugnisse vertrieb. In: Jahrbuch des Landkreises Fulda 2015/2016, 43. Jahrg., S. 55–72. Eika – die Kerze, in: Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. Die Königsklasse deutscher Produkte und Dienstleistungen in Wort und Bild – von Aspirin bis Zeiss. Mit Texten von Bea Becher; Deutsche Standards Editionen, Köln, Gabler, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-8349-0436-2, S. 154 .

Weblinks

Offizielle Website Eika – Die Kerze, Unternehmensprofil im Handelsblatt, Quellenauszug aus „Marken des Jahrhunderts“, herausgegeben von Florian Langenscheidt Eika-Land ist abgebrannt, Thomas Ruhmöller in Frankfurter Neue Presse

Einzelnachweise

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