Das Objekt 09 war ein Gewinnungsobjekt und als selbständige Struktureinheit innerhalb der Wismut AG/SDAG Wismut direkt der Hauptverwaltung unterstellt. Das Grubenfeld des Objektes 09 im Raum Niederschlema-Aue-Alberoda hatte eine Ausdehnung von circa 22 km² und wurde durch insgesamt 9 Stolln, 21 Schächte und 30 Blindschächte auf 60 Sohlen erschlossen. Die größte Teufe im Grubenfeld wurde mit −1482,60 m NN am Blindschacht 383IIIbis erreicht. Das entspricht einer Gesamtteufe, bezogen auf den Nullpunkt der Marx-Semler-Stollnsohle, von 1812,60 m. Alle Teufenangaben bezogen sich dabei in +m oder −m auf das Niveau des Marx-Semler-Stollns. Der mit dafür festgelegte Messpunkt liegt zwischen den Lichtlöchern 12a und 14a, direkt unter dem Oberschlemaer Bahnhof. Im Objekt waren bis zu 13.000 Arbeiter gleichzeitig beschäftigt. Die Gesamtproduktion von Uran belief sich zwischen 1949 und 1991 auf 73.125 t. Es war damit der größte Bergbaubetrieb der Wismut.

Geologie Die Lagerstätte Niederschlema-Alberoda ist Teil des Erzfeldes Schneeberg-Schlema-Alberoda. Sie befindet sich am Kreuzungsbereich der WSW-ONO verlaufenden Lößnitz-Zwönitzer Zwischenmulde und der NW-SO-streichenden Gera-Jachymov-Störungszone. In der Lößnitz-Zwönitzer Zwischenmulde sind silurisch-devonische Gesteine in ordovizische Schiefer eingebettet. Die hier auftretenden dunklen Schiefer, dunkle Glimmerfelsen, Metadiabase und Skarne bilden die so genannte produktive Serie, in der etwa 95 Prozent der Uranvorräte der Lagerstätte konzentriert sind. Die produktive Serie befindet sich innerhalb des etwa 1 km mächtigen Kontakthofes des in den Schieferkomplex intrudierten Auer Granits und ist durch diesen kontaktmetamorph verändert worden.

Begrenzt wird die Lagerstätte Niederschlema-Alberoda im Süden durch den Granit vom Gleesberg und Aue, im Norden und Osten durch die äußere Kontur des Kontakthofes und im Westen durch die administrative Grenze der NW-streichenden Störung Schwerin. In der Teufe keilen die Gesteine der produktiven Serie bei etwa 2200 m aus. Die Erzgänge setzen sich teilweise in den Granit fort, vertauben aber hier. Es handelt sich bei der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda um eine verdeckte Lagerstätte, da ein Großteil der Erzgänge nicht über Tage ausstreicht. Die ausstreichenden Erzgänge sind an der Erdoberfläche von Lockermassen bis 12 m Mächtigkeit überdeckt. In der Teufe treten auch vermehrt blinde Erzgänge auf, die die Erdoberfläche ebenfalls nicht erreichen.

mini|Der Rote Kamm in Oberschlema – zentrales Element der Gera-Jachymov-Störungszone

Die mit dem Verlauf der Lößnitz-Zwönitzer Zwischenmulde streichenden Hauptstrukturen Union, Erna, Sinaida, Inge und Gera erreichen Längen bis 6 km bei einer Mächtigkeit bis 10 m. Die gleichnamigen Erzgänge dieser Gangstrukturen gehören zum System der Morgengänge. Das Einfallen der Gänge liegt zwischen 45° und 65°. Weitere wichtige Gänge dieses Systems sind die Morgengänge Elbe, Egon, Elfriede, Leonid, Oderbruch, Regen, Ilm und Inn. In diesen Gängen waren etwa 15 Prozent des Uraninhaltes der Lagerstätte konzentriert.

Die im Verlauf der NW streichenden Gera-Jachymov-Störungszone auftretenden Gangstrukturen erreichen Längen bis zu 8 km bei einer Mächtigkeit bis zu 25 m. Das Einfallen liegt zwischen 50° und 90°. Ihre Hauptvertreter gehören zu den Flachen Gängen und sind die Strukturen Schwerin, Ruhmvoll, Seim, Nelson und Dürre Henne. Weitere wichtige Gänge sind Freital, Araqui, Babelsberg, Kamenz, Kosmos, Olivin, Beryll, Ferrit, Leucit, Kristall und Luppe. In diesen Gängen waren etwa 35 Prozent des Uraninhaltes der Lagerstätte konzentriert.

Neben den Gängen der Hauptstreichrichtungen gibt es auch noch Spatgänge mit der Streichrichtung WNW. Ihr Streichen beträgt mehrere 100 m und die vertikale Erstreckung 500 m. Das Einfallen liegt zwischen 70° und 90° bei einer Mächtigkeit der Gänge zwischen 0,5 m und 1 m. Bedeutende Gänge sind Bad Elster, Borna, Freundschaft, Astra, Sophie, Bozen, Jatu, Tiber, Saar, Natascha und Valentina. In diesen Gängen waren etwa 35 Prozent des Uraninhaltes der Lagerstätte konzentriert.

Das Gangsystem der NNW-streichenden Gänge (Flache Gänge) war schwach ausgebildet und vor allem an der Südflanke auf tieferen Sohlen (ab −990-m-Sohle) anzutreffen. Ihr Streichen beträgt bis 100 m und die vertikale Erstreckung 500 m bis 1000 m bei einem Einfallen zwischen 60° und 75°. Wichtige Gänge sind Plauen, Oschatz, Cubanit, Kassiterit, Brookit, Hämatit, Zink, Brillant, Tokio, Quarz, Isar und Columbia. In diesen Gängen waren etwa 15 Prozent des Uraninhaltes der Lagerstätte konzentriert.

Stehende Gänge (Streichrichtung NO) spielen in der Lagerstätte keine Rolle. Sie sind meist von geringer Mächtigkeit und kurzer Erstreckung. Vertreter sind z. B. die Gänge Kongo und Zufall. Eine Vererzung der Gänge wurde hier nicht nachgewiesen.

Edle-Quarz-Formation eq Diese Formation wurde nur auf den tiefen Sohlen der Südflanke in der Nähe zum Granit angetroffen. Die Gänge bestehen aus Quarz. Die dort angetroffenen Vererzungen mit Wolframit, Scheelit und Molybdänit waren nicht bauwürdig.

Kiesige-Blei-Formation kb Diese Formation trat auf den NW- und ONO-streichenden Gängen auf. Die Gänge bestehen vorwiegend aus Quarz. Die Vererzung dieser Gänge besteht aus Chalkopyrit, Sphalerit, Arsenopyrit, Galenit, Pyrit, Bornit sowie Tennantit und war in den meisten Fällen nicht bauwürdig. Nur vereinzelt wurden aber auch bauwürdige Konzentrationen von Blei-, Zink- und Kupfererzen angetroffen, die gewonnen wurden.

Kammquarz-Calcit-Pechblende-Formation kku Diese Formation wurde auf allen Gängen der Lagerstätte angetroffen. Die Gänge bestehen vorwiegend aus Quarz, Fluorit und Calcit. Die Vererzung dieser Gänge besteht aus Pechblende, Coffinit, Chalkopyrit, Pyrit, Galenit, Sphalerit, Hämatit, Lepidokrokit sowie Löllingit und war repräsentativ für die primäre Uranvererzung der Lagerstätte.

Magnesium-Karbonat-Pechblende-Formation mgu mini|Uranerz der mgu-Formation

Diese Formation ist eine metasomatische Umwandlung der Gänge der Kammquarz-Calcit-Pechblende-Formation und war der Haupt-Uranträger der Lagerstätte. Die Gänge bestehen vorwiegend aus Dolomit und schwarzem Fluorit (Stinkspat). Die Vererzung besteht aus Pechblende, Chalkopyrit, Hämatit, Lepidokrokit, Clausthalit, Umangit, Naumannit, Tennantit, Bornit, Chalkosin und Markasit.

BiCoNi-Formation Diese Formation besitzt nur untergeordnete Bedeutung, ist aber über die gesamte Lagerstätte verbreitet. Die Gänge bestehen aus Dolomit, Quarz, Fluorit, Baryt und Calcit. Die Vererzung der Gänge besteht vorwiegend aus gediegen Wismut, Skutterudit, Rammelsbergit, Safflorit, gediegen Silber, Nickelin, Löllingit, Chalkopyrit, Pechblende, Sphalerit, Bismuthinit, Coffinit und gediegen Arsen. Gelegentlich traten auch Erzlinsen bis zu einer Fläche von 100 m² auf.

Silber-Sulfid-Arsenid-Formation ags Die Vererzungen dieser Formation besitzen nur untergeordnete Bedeutung. Oftmals tritt sie als jüngere Bildung in den Gängen der BiCoNi-Formation auf. Die Vererzung besteht aus Scherbenkobalt (ged. Arsen), Löllingit, Proustit, Argentit, gediegen Silber, Pyrit, Markasit, Chalkopyrit, Pyrargyrit, Argentopyrit, Xanthokon und Realgar. Gangarten sind Calcit und Baryt.

Die Lagerstätte Niederschlema-Alberoda ist mit einem erkundeten Vorrat von rund 100.000 Tonnen Uran eine der größten Uranerz-Ganglagerstätten der Welt.

Die Uranerzmächtigkeit in den Erzgängen lag im Durchschnitt bei 0,5 cm bis 3 cm. In einigen Gängen erreichte die Mächtigkeit auch einige Dezimeter, in Extremfällen sogar zwischen 1 m und 4 m. Die Uranerzlinsen innerhalb der Erzgänge konnten dabei Ausdehnungen bis 1000 m² erreichen. Die Zahl der mit Uran vererzten Gänge der Lagerstätte wird mit über 1000 angegeben, wobei die vererzte Fläche etwa 5 Prozent der aufgeschlossenen Gangfläche betrug. Das Erzausbringen nahm mit der Teufe zu und erreichte auf der −420-m-Sohle mit 81,4 t/m Teufe einen ersten Höhepunkt, wobei das höchste Ausbringen auf der −540-m-Sohle mit 103,4 t/m Teufe erreicht wurde. Unterhalb der −540-m-Sohle ging das Erzausbringen kontinuierlich bis zum Niveau der −940-m-Sohle zurück, um dann wieder anzusteigen und den letzten Höhepunkt mit 80,2 t/m Teufe auf der −1080-m-Sohle zu erreichen. Während unterhalb der −1080-m-Sohle das Gesamtausbringen durch das sich weiter verkleinernde Grubenfeld sowie die Abnahme der Gangdichte und Ganganzahl weiter abnahm, blieb das Ausbringen mit 3 kg Uran je Quadratmeter Gangfläche bis zur −1800-m-Sohle annähernd gleich. 50 Prozent der Erzvorräte der Lagerstätte befanden sich zwischen der −540-m-Sohle und der −1080-m-Sohle.

Neben Uran wurden zeitweise auch die in den Gängen angetroffenen „Nebenerze“ bei entsprechender Bauwürdigkeit gewonnen. Von 1957 bis 1978 erfolgte die Gewinnung dieser Erze bis zur −990-m-Sohle.

Abgebaut wurden die Erze der BiCoNi-Formation. Dabei handelt es sich um Kobalterze (Hauptkomponenten Skutterudit und Safflorit), Nickelerze (Hauptkomponenten Nickellin, Rammelsbergit und Nickel-Skutterudit) sowie Wismuterze (Hauptkomponente gediegen Wismut). Von 1957 bis 1978 wurden insgesamt 137 Tonnen Kobalt, 260 Tonnen Nickel und 90 Tonnen Wismut gewonnen.

Die Hauptverbreitung dieser Erze lag zwischen der −420-m-Sohle und der −855-m-Sohle. Abgebaut wurde auf den Gängen Schwerin, Freital, Maiskaja, Rostock, Seim, Bad Elster, Ruhmvoll, Tiber, Bautzen, Sinaida, Dürre Henne und Nelson.

Die im selben Zeitraum abgebauten Silbererze (Hauptkomponenten gediegen Silber, Argentit, Argentopyrit, Proustit und Pyrargyrit) erbrachten 2,3 Tonnen Silber. Silbererze waren auf den Gängen Bautzen, Nelson, Jubiläum, Seim, Löbau, Main, Freital und Brahmaputra verbreitet.

Die in der kb-Formation angetroffenen bauwürdigen Blei- und Zinkerze (Hauptkomponenten Galenit, Sphalerit, Chalkopyrit und Bornit) erbrachten 80 Tonnen Blei, 50 Tonnen Zink und 9 Tonnen Kupfer. Abgebaut wurden diese Erze auf den Gängen Galenit, Union West, Erna West, Dürre Henne und Karl-Marx-Stadt.

Nach dem ersten Fund von Selenerzen in der Lagerstätte im Jahr 1957 wurden im Jahr 1960 spezielle Untersuchungen zum Auffinden und Abbau dieser Erze unternommen. Hauptkomponenten waren Clausthalit, Umangit und Naumannit. Ein neu entdecktes Selenmineral wurde nach seinem Fundort Schlemait benannt. Abgebaut wurden die Selenerze zwischen 1960 und 1965. Dabei wurden 9 Tonnen Selen gewonnen. Die Selenerze waren weit verbreitet und wurden vorwiegend auf den Gängen Tiber, Brahmaputra, Nelson, Ruhmvoll, Babelsberg, Dürre Henne, Bad Elster, Alberoda, Gera, Halle, Seim, Bautzen und Egon gewonnen.

Nach dem Antreffen einer reichen Silbervererzung auf der −1395-m-Sohle an der Ostflanke der Lagerstätte wurde dieses Vorkommen auf Beschluss des Ministerrates der DDR vom 15. Juni 1984 zwischen der −1305-m-Sohle und der −1710-m-Sohle eingehend untersucht. Hauptkomponenten der Silbervererzung waren neben gediegen Silber auch Dyskrasit, Pyrargyrit, Stephanit und Proustit. Die Vererzung trat auf den Gängen Stephanit, Dyskrasit und Argentopyrit auf. Zwischen 1984 und 1988 wurden hier 3,9 Tonnen Silber gewonnen.

Nach der Einstellung des Bergbaues im Jahr 1991 verblieben in der Lagerstätte rund 2080 Tonnen Uran, 137 Tonnen Kobalt, 857 Tonnen Nickel, 350 Tonnen Wismut, 252 Tonnen Blei, 172 Tonnen Zink, 28 Tonnen Kupfer, 420 Tonnen Selen und 122 Tonnen Silber.