Barth ist eine Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Rügen des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der staatlich anerkannte Erholungsort ist Sitz des Amtes Barth und bildet ein Unterzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Vorpommern (RREP) 2010 – zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015. () Die Stadt, Mitte des 13. Jahrhunderts mit entsprechenden Rechten ausgestattet, geht auf slawische Wurzeln zurück, war zeitweise Residenzstadt.

Geographie Geographische Lage mini|Fluss Barthe zwischen den Ortsteilen Tannenheim und Barth Barth liegt am südlichen Ufer des Barther Boddens und östlich des Flusses Barthe. Das Barther Stadtholz ist ein größeres Waldgebiet im Westen. Höchste Erhebung ist im Osten der Glöwitzer Berg mit . Auf der Halbinsel zwischen Barther Strom und Barther Bodden existiert das Feuchtgebiet Kuhwiese. Ein weiteres, teilweise unterhalb des Meeresspiegels liegendes Feuchtgebiet befindet sich östlich der Stadt. Hier gibt es auch einige kleinere Seen.

Stadtgliederung Zu Barth gehören fünf Ortsteile, nämlich Barth selbst, dann Tannenheim und Planitz im Westen und Südwesten, Glöwitz und Fahrenkamp im Osten und Nordosten.Hauptsatzung der Stadt Barth

Geschichte In der älteren Literatur wird die Stiftung der Stadt Barth in das Jahr 1079 gesetzt.Antoine Augustin Bruzen de la Martinière: Historisch-Politisch-Geographischer Atlas der gantzen Welt; Oder Grosses und vollständiges Geographisch- und Critisches Lexicon Verlag Johann Samuel Heinsius, Leipzig 1744, in: Bayerische Staatsbibliothek (Hbks/B 3-2), S. 327 und S. 328. Beschrieben ist auch eine Eroberung von Barth zum Zwecke der Bekehrung durch den bereits 1156 verstorbenen Fürsten Ratibor I.Johann Micraelius: Altes PommerLand. Teutsch. Wendisch. Sächsisch. Nebenst Historischer Erzehlung, dero in Nähisten Dreißig Iahren, biß auff des Letzten Hertzogen Bogißlai XIV. Todt, in Pommern Vorgegangenen Geschichten Verlag Bey vnd in Vorlegung Georg Rheten, Alten Stetin 1639, Österreichische Nationalbibliothek, S. 246. 1159 wurde in der provincia Barta von Kämpfen gegen die Slawen berichtet. Bardo bedeutete damals im Pommerschen oder in der polabischen Sprache kleine Erhöhung. 1256 war die Schreibweise dann Bard oder Barth und im 13. Jahrhundert auch Bart und Bardt.Ernst Eichler, Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.

Marktsiedlung, Stadtrechte (vor 1250), Niedergang (ab 1326) mini|Blick von Westen (2018)

Zwischen zwei slawischen Fischerdörfern, wohl Dorfstelle (heute dort befindlich die Dorfstellenstraße) und Trebin (heute die gleichnamige Straße), entstand wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf einer Erhebung eine deutsche Marktsiedlung. Sie wird 1255 in einer Urkunde des Jaromar II. erstmals als Stadt bezeichnet und mit dem Lübischen Stadtrecht versehen. Dies war auch die erste urkundliche Erwähnung der Stadt. Das Datum der Verleihung des Stadtrechts ist unbekannt, wird jedoch vermutlich um 1240/50 gelegen haben.

Eine alte Slawenburg befand sich südlich des heutigen Bahnhofes an Stelle der heutigen Anlagen und der Freilichtbühne Barth. Eine weitere slawische Burganlage lag im Nordwesten der Stadt. Diese Burganlagen mussten nach dem Willen der Barther Bürger abgebrochen werden.

Wizlaw III., der letzte Rügenfürst des Ranengeschlechts und wohl einzig bekannter Minnesänger des norddeutschen Raumes und erster pommerscher Dichter, ließ um 1315 in Barth ein Schloss errichten. Urkundlich wurde 1324 die Burg als Festung genannt.Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1993, S. 26. ISBN 3-88042-636-8. Wizlaw III. starb 1325 in seinem Barther Residenzschloss. Da sein Sohn bereits einige Monate zuvor verstorben war, erlosch damit das alte Rügensche Fürstenhaus. Barth verlor fortan ständig an Bedeutung und Reichtum. 1326 wurde Herzog Wartislaw IV. von Pommern durch Christoph II. auf dem Friedhof zu Barth mit dem Fürstentum Rügen belehnt.

In den folgenden Jahren litt die Stadt unter dem Rügischen Erbfolgekrieg mit Mecklenburg, dazu kamen Brände, Sturmhochwasser und die Pest. Die Seeräuber Klaus Störtebeker und Gödeke Michels, angeblich in der Nähe der Stadt beheimatet, fanden Unterstützung durch Barnim VI. und Wartislaw VIII. Herzog Barnim starb 1405 an der Pest und wurde im benachbarten Wallfahrtsort Kenz in der St.-Marien-Kirche vor dem Chor bestattet.

Pommersche Herrschaft (ab 1369), Residenzstadt (nach 1478 bis 1603), Hexenverfolgung Der Ribnitzer Frieden beendete 1369 die militärischen Auseinandersetzungen mit Mecklenburg und brachte Barth zum Herzogtum Pommern.Stadtentwicklung Barth Bogislaw X. vereinigte 1478 die pommerschen Lande in seiner Hand und residierte zeitweise in Barth. Am längsten (von 1570 bis 1603) residierte Herzog Bogislaw XIII. in Barth, er gehörte zu den bedeutendsten Pommernherzögen. mini|Frans Hogenberg: Bardum Pomeraniae, Radierung, 32,7 × 45,0 cm (Darstellung); 42,0 × 54,3 cm (Blatt), um 1580 Um 1570 begann er mit dem Ausbau Barths zur Hauptstadt seines Landes Barth/Neuenkamp (Neuenkamp wurde durch ihn in Franzburg umbenannt). Den alten Fürstenhof ließ er 1573 zu einem stattlichen Renaissance-Schloss umbauen. Bogislaw gründete 1582 eine fürstliche Hofdruckerei (förstlike Druckery) in BarthJürgen Hamel: Bibliographie der Drucke der Fürstlichen Druckerei Barth 1582–1604. In: Baltische Studien. N. F. 100 (2014), Verlag Ludwig, Kiel 2014, S. 83–127. und regte den Bau einer Apotheke, einer Seidenmanufaktur sowie einer Wasserkunst zur Versorgung mit Trinkwasser an. Durch den regen Schiffshandel wurde das Barther Bier überregional bekannt. Mit der Verlegung der Residenz Bogislaws nach Stettin im Jahr 1603 endete die Blütezeit Barths. Die in niederdeutscher Sprache verfasste Barther Bibel ist das bedeutendste Zeugnis dieser Periode.

In den Hexenverfolgungen 1578 bis 1653 sind 44 Verfahren wegen Hexerei und Zauberei belegt. Mindestens 15 Menschen im Amt Barth wurden in den Hexenprozessen hingerichtet. Im Ortsteil Planitz kam es 1649 bis 1653 zu vier Hexenprozessen mit zwei Hinrichtungen.

Schwedische Herrschaft und Niedergang (etwa 1648–1750), Prosperität durch Schiffbau und Handel (2. Hälfte 18. Jahrhundert) Nach dem Dreißigjährigen Krieg gehörte Barth zu Schwedisch-Pommern innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. 1710/11 bewohnte der geflohene polnische König Stanislaus I. Leszczyński das Schloss. 1722 hatte der Ort nur noch 76 Häuser. Das Schloss war verfallen. Nachdem der Schwedenkönig Friedrich I. 1733 den Grund und Boden der Ritterschaft Nordvorpommerns und Rügens geschenkt hatte, entstand an seiner Stelle das adlige Fräuleinstift.

Nach dem Siebenjährigen Krieg folgte eine erneute Blütezeit für den Schiffbau und die Segelschifffahrt. 1783 besaß Barth 40 Schiffe. 1795 gab es 520 Häuser und 3150 Einwohner. 1848 waren in Barth 67 Handelsschiffe beheimatet. Die Stadt hatte im Laufe der Zeit bis zu sieben Werften. Auch die Fischerei war eine der Einnahmequellen der Stadt. Ursprünglich hatten die Barther Fischer die Fischereirechte bis in den Saaler Bodden.

Industrielle Revolution, Bahnanschluss mini|Hafen Barth mit Altstadt mini|Werfthafen und Alte Zuckerfabrik

Das mittelalterliche Rathaus mit markantem Schmuckgiebel befand sich auf dem Marktplatz; es wurde 1871 abgebrochen.Altes Rathaus auf dem Marktplatz von Barth, stadt-barth.de, abgerufen am 19. Februar 2018.

Zwar wurde die Stadt in vielfacher Weise an die Verkehrssysteme angebunden, doch die meisten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgegeben. So wurde die Bahnstrecke Stralsund–Rostock 1888/89 eröffnet. Von Velgast aus wurde eine 11,4 km langer Stichstrecke nach Barth gebaut. Später entstand die 18,6 km lange Bahnstrecke Velgast–Prerow, auch als Darßbahn bekannt. Die sowjetische Besatzungsmacht ließ die Bahnstrecke nach 1945 demontieren und als Reparationsleistung in die Sowjetunion transportieren.

Ab 1895 betrieb die private Bahngesellschaft Franzburger Kreisbahnen (FKB) die Schmalspurbahnstrecke zwischen Stralsund, Barth und Damgarten über Saal. Ab dem 1. April 1949 wurde die Führung, wie auch die der übrigen ehemaligen Klein- und Privatbahnen im Lande, durch die Deutsche Reichsbahn übernommen. Die Stilllegung der Strecke für Barth erfolgte 1971. Um 1900 war zudem eine Eisenbahn-Fährverbindung Barth-Malmö geplant. Am windgeschützten Barther Bodden sollte ein Fährhafen entstehen, bei Zingst war ein mit Schleusentoren gegen Unwetter geschützter Durchstich durch die Halbinsel Darß geplant. Eisenbahnseitig sollte Barth in Grimmen eine Direktanbindung an die Bahnstrecke Berlin-Stralsund erhalten. Wegen Differenzen mit der Stadt Stralsund kam das Projekt nicht zustande.Heiko Bergmann, Achim Rickelt: Barth und seine Eisenbahn, Axel Dietrich, Peenemünde 1995, S. 57. ISBN 978-3-930066-35-3.

Zeit des Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Zwangsarbeiter und Todesmarsch Ab Juli 1940 wurde Am Vogelsang ein Stammlager (Stalag Luft I) für alliierte Kriegsgefangene eingerichtet, in dem insgesamt ca. 9.000 Gefangene untergebracht waren. Unter den Gefangenen befand sich auch der spätere britische Schauspieler Donald Pleasence, der 20 Jahre später eine wichtige Nebenrolle im Drama Gesprengte Ketten übernahm, einem Film, der ebenfalls in einem Kriegsgefangenenlager der deutschen Luftwaffe spielt.Martin Albrecht, Helga Radau: Stalag Luft I in Barth. Britische und amerikanische Kriegsgefangene in Pommern 1940 bis 1945. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2012. ISBN 978-3-940207-70-8.

mini|links|Häschendorfer Denkmal am Endpunkt des Todesmarsches: Ende April 1945 wurden die Häftlinge aus Barth vor der herannahenden sowjetischen Armee auf einen Todesmarsch in Richtung Rostock geschickt. Am Ende wurden 700 bis 800 Häftlinge bei Häschendorf befreit. Ein Gedenkstein am Abzweig nach Häschendorf von der Bundesstraße 105 erinnert an den Todesmarsch. 1943 wurde auf dem Gelände des Barther Fliegerhorstes das Außenlager Barth des KZ Ravensbrück errichtet, wo etwa 6.000 Häftlinge aus 18 Nationen in den Ernst Heinkel Flugzeugwerken unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten. Auf den Evakuierungstransporten bei Kriegsende kamen fast 200 Häftlinge zu Tode, die meisten wurden von der Roten Armee befreit.

DDR: Neue Industrialisierung, Bevölkerungswachstum mini|Blick von der Marienkirche zum Markt, 1966 In Barth waren zu Zeiten der DDR einige größere Industriebetriebe mit Tausenden von Arbeitsplätzen ansässig, wie der VEB Landmaschinenbau Barth (später Schiffsanlagenbau Barth), der VEG Saatzucht Barth, das Betonwerk, die Brauerei, die Zuckerfabrik, die Bootswerft und die Fischfabrik. Von 1970 bis 1985 entstand das Wohngebiet Süd mit 696 Wohnungen in Plattenbauweise.

Seit 1990: Deindustrialisierung und Bevölkerungsrückgang, Stadtsanierung, Tourismus Die Abwicklung der Großbetriebe nach 1990 mit der hieraus resultierenden Arbeitslosigkeit führte zur Abwanderung von Arbeitskräften und damit zur Abnahme der Einwohnerzahl der Stadt. Neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnete der Fremdenverkehr durch die Nähe Barths zur Ostsee und als östliches Eingangstor zur Halbinsel Zingst. Doch sank die Bevölkerungszahl von mehr als 11.500 im Jahr 1990 um fast 4.000 Bewohner in den 2020er Jahren.

Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR wurde ab 1991 der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Am Westhafen wurden neue Reihenhäuser, Restaurants und Läden erbaut; die ehemalige Fischfabrik wurde abgerissen, während der denkmalpflegerisch bedeutende Verwaltungstrakt erhalten blieb; die Hafenstraße wurde umgebaut.

2005 feierte Barth den 750. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechtes. 2015 wurde Barth staatlich anerkannter Erholungsort.Stadt Barth ist anerkannter Erholungsort – Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales.