Der Flugunfall der KLM bei Kopenhagen 1947 ereignete sich mit einer Douglas DC-3C (C-47) der KLM Royal Dutch Airlines am 26. Januar 1947. Die Linienmaschine aus Amsterdam mit dem Ziel Stockholm/Bromma stürzte kurz nach dem Start vom Zwischenlandeplatz Kastrup (Kopenhagen) ab. Alle 22 Insassen kamen ums Leben. Die Absturzursache war ein Strömungsabriss beim Steigflug, der durch einen Wartungsfehler am Höhenleitwerk der Maschine ausgelöst wurde.

Unter den 16 Passagieren befanden sich der schwedische Erbprinz Gustav Adolf sowie die US-amerikanische Opernsängerin und Schauspielerin Grace Moore. Bis heute handelt es sich um den viertschwersten Unfall in der dänischen Luftfahrtgeschichte. Gleichzeitig hatte der Absturz unmittelbare Auswirkungen auf die schwedische Thronfolge. Wegen seiner Tragweite wurde der Zwischenfall als außerordentliche Tragödie wahrgenommen und in der dänischen Presse auch () genannt.

Flugzeugtyp mini|hochkant|Douglas DC-3 Bei dem verwendeten Flugzeug handelte es sich um eine Douglas DC-3C (C-47A-30-DK). Die zweimotorige, auf Kurz- und Mittelstrecken zum Einsatz kommende MaschineBeschreibung der DC-3 (C-47) bei flugzeuginfo.net, abgerufen am 23. April 2011 war der meistgebaute und marktbeherrschende amerikanische Flugzeugtyp der 1930er- bis 1950er-Jahre. Die vielfach für militärische Zwecke genutzte DC-3 bildete nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstock vieler Nachkriegsfluggesellschaften und wurde teilweise über Jahrzehnte geflogen.Beschreibung der Douglas DC-3 (C-47) bei deutsches-museum.de, abgerufen am 24. April 2011 Bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM wurde die letzte DC-3 erst im Jahr 1965 außer Dienst gestellt.Bericht zum Flugunfall bei aviacrash.nl, niederländisch, abgerufen am 23. April 2011

Die Unfallmaschine (Luftfahrzeugkennzeichen PH-TCR) war 1943 von der Douglas Aircraft Company gebaut worden (Werknummer: 43-48218). Nachdem sie von den United States Army Air Forces im Zweiten Weltkrieg genutzt worden war, ging sie am 4. Juni 1946 in den Besitz der Fluggesellschaft KLM über. Die Überführung zum Heimatflughafen Amsterdam-Schiphol erfolgte durch den holländischen Flugzeugbauer Fokker, der das Flugzeug samt Kabineneinrichtung generalüberholte. Auch die Motoren und Propeller ließ die KLM überholen.Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 6 bei hdekker.info, niederländisch, abgerufen am 4. Mai 2011 Die Maschine verfügte seitdem über zwei Motoren des Typs Pratt & Whitney Twin Wasp T-1830 mit einer Leistung von je 1.200 PS. Die maximale Reisegeschwindigkeit der Maschine betrug 285 km/h, ihre maximale Reichweite lag bei 1.800 km. Der linke Motor (Seriennummer: CP-360458) war vor dem letzten Flug über 1.100 Flugstunden in Betrieb gewesen, der rechte (CP-359447) beinahe 1.300 Flugstunden.

Die PH-TCR war am 18. Oktober 1946 vom niederländischen Reichsluftfahrtdienst während eines Probeflugs abgenommen worden. Drei Tage später wurde die Maschine für den Flugbetrieb zugelassen und mit der Nummer 490 in das niederländische Luftfahrtregister eingetragen. Die Zulassung galt bis zum 21. Oktober 1947. Das Flugzeug konnte maximal 21 Passagiere befördern. Das höchstzulässige Abfluggewicht lag bei 12.712 kg, das höchstzulässige Landegewicht bei 11.800 kg. Die DC-3 war bis zu ihrem Absturz rund 1686,5 Flugstunden im Einsatz, davon 442 Flugstunden nach der Übergabe durch Fokker und etwa 35,5 Flugstunden seit der letzten Inspektion.

Diese DC-3 war im Gegensatz zu ihrem im Jahr 1946 verunglückten Schwesterflugzeug PH-TBV mit dem aktuellen Farbschema der KLM versehen. Dieses sah eine blau lackierte Nase vor, von der sich je ein blauer, verjüngender Seitenstreifen unter den Passagierfenstern bis zum Heck erstreckte. Die Rumpfunterseite war weiß, während auf der Oberseite jeweils der in Blau gehaltene, englischsprachige Schriftzug The Flying Dutchman (dt.: Der fliegende Holländer) prangte. Das Seitenleitwerk war gemäß den Farben der niederländischen Flagge in Rot, Weiß und Blau gehalten, wobei das KLM-Logo in der Mitte des weißen Farbfeldes platziert war.

Flugverlauf Besatzung mini|hochkant|Flugkapitän Gerrit J. Geysendorffer im Jahr 1945 Die diensthabende sechsköpfige Besatzung stammte aus den Niederlanden. Der Flugkapitän Gerrit Johannes Geysendorffer (* 1892) war in seiner Heimat ein bekannter Flugpionier und der erste Niederländer mit einer kommerziellen Pilotenlizenz. Er stand – mit Unterbrechungen – seit dem 1. März 1921 in den Diensten der KLM. Im Auftrag des US-amerikanischen Verlegers W. Van Lear Black aus Baltimore hatte Geysendorffer im Jahr 1927 mit einer Fokker F.VIIa (Kennzeichen: H-NADP) den ersten Flug nach Batavia in Niederländisch-Ostindien (heute Jakarta, Indonesien) durchgeführt und war bis 1930 dessen Privatpilot.Grace Moore and Heir to Throne Die in Crash. In: Los Angeles Times, 27. Januar 1947, S. 2. Geysendorffer flog über 50 Mal in die niederländische Kolonie und wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ritter des Ordens von Oranien-Nassau (Ridder in de Orde van Oranje Nassau) geschlagen. Seit 1937 besaß Geysendorffer die Musterberechtigung, die DC-3 zu fliegen. Zwischen 1921 und 1940 hatte er 14.000 Flugstunden für die KLM auf 31 verschiedenen Typen absolviert. Vom November 1945 an konnte er 1251 Flugstunden vorweisen, davon 300 auf der DC-3.Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 3–4 bei hdekker.info, niederländisch, abgerufen am 24. April 2011 Der Familienvater lebte in Amsterdam und war mit der Dänin Tofa Spandet verheiratet, die er als junger Flieger bei einer Notlandung in Dänemark kennengelernt hatte.Grace Moore dies in burning Plane. In: The New York Times, 27. Januar 1947, S. 3

Der Erste Offizier Gerrit Jan Rietman (* 1918) hatte 1937 seine Fluglizenz erhalten und 1939 erfolgreich die Kopilotenausbildung absolviert. Er stand seit dem 1. November 1940 im Dienst der KLM.Original-Luftfahrtuntersuchungsbericht, S. 4–5 bei hdekker.info, niederländisch, abgerufen am 24. April 2011 Der Bordmechaniker Willem Antonie van Bommel (* 1924) arbeitete seit 1945 für die Fluggesellschaft. Die beiden Funker Simon Martinus Antonius Pijnenburg (* 1915) und Willem Brandenburg (* 1920) sowie der Flugbegleiter Hugo Hoek (* 1917) standen seit 1946 in den Diensten der KLM.

Aufgenommene Passagiere in Amsterdam und Flug nach Kastrup mini|hochkant|Erbprinz Gustav Adolf bei seiner Hochzeit im Jahr 1932 mit der Deutschen Sibylla von Sachsen-Coburg und Gotha Der am Sonntag, dem 26. Januar 1947, stattfindende Linienflug von Amsterdam nach Stockholm mit einer geplanten Zwischenlandung in Kopenhagen wurde täglich von der niederländischen Fluggesellschaft KLM angeboten.Swedish Prince Killed In Air Wreck Crash After Taking Off At Copenhagen, Miss Grace Moore Among 22 Victims. In: The Times, 27. Januar 1947, Nr. 50669, S. 4 Die DC-3 (Kennzeichen PH-TCR) startete mit ihren sechs Besatzungsmitgliedern und sieben Passagieren vom Flughafen Schiphol. Zu den Fluggästen, welche die Maschine in Amsterdam bestiegen hatten, gehörte Prinz Gustav Adolf von Schweden, der von seinem Sekretär, dem gräflichen Adjutanten und Hofjägermeister Albert Gustav Hugo Stenbock (* 1899 bei gravar.se, schwedisch, abgerufen am 24. April 2011), begleitet wurde. Der 40-jährige Erbprinz war einer privaten Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande zur Wildschweinjagd gefolgt. Er hatte einige Tage im Palais Soestdijk verbracht und befand sich nun auf der Rückreise zu seiner Familie nach Schweden.Une série noire: A Copenhague, un avion s’ecrase au sol. In: Journal de Genève, 27. Januar 1947, S. 2

Fluggäste ab Kastrup mini|hochkant|Eine DC-3 der KLM in altem Farbschema mit geöffneter rechter Passagiertür (1939) Die PH-TCR erreichte um 14:58 Uhr Ortszeit den Flughafen Kastrup, der sich einige Kilometer südlich von Kopenhagen befindet. Drei Passagiere verließen hier die DC-3, während bei einer Routinekontrolle die Motoren überprüft wurden. Um 15:15 Uhr bestiegen zwölf weitere Passagiere vom Vilhelm-Lauritzen-Terminal aus die KLM-Maschine. Damit befanden sich für die letzte Teilstrecke des Fluges neben der sechsköpfigen Besatzung 16 Passagiere an Bord – elf Männer, drei Frauen und zwei Kinder. Sie stammten aus sechs Nationen; davon sieben aus Dänemark, vier aus Schweden, zwei aus Frankreich und eine Person aus den Vereinigten Staaten. Zwei Männer aus den niederländischen Kolonien bzw. Spanien waren mit Prinz Gustav Adolf und Graf Stenbock in Amsterdam zugestiegen.Grace Moore Dies in Crash: Swedish Royal Heir and 20 Others Killed in Dutch Airliner's Plunge. In: Los Angeles Times, 27. Januar 1947, S. 1

Reisegruppe um Grace Moore mini|links|hochkant|Grace Moore auf der Titelseite einer argentinischen Filmzeitschrift (1935) Am bekanntesten unter den in Kastrup zugestiegenen Passagieren war die US-amerikanische Opernsängerin und Schauspielerin Grace Moore. Die 48-jährige Sopranistin hatte im Juli 1946 die Vereinigten Staaten für eine Konzerttournee durch Europa sowie für Pflichtauftritte vor amerikanischen Soldaten verlassen. Am Tag vor dem Abflug nach Stockholm hatte Moore in der Kopenhagener KB Halle ein umjubeltes Konzert vor 4000 Zuschauern gegebenBogø, Dines: Flykatastrofen i Kastrup 1947, Bericht des Amager Bladet bei dinby.dk, 7. September 2009, dänisch, abgerufen am 24. April 2011 und als letztes Lied CiribiribinSchreibweise im WorldCat, abgerufen am 25. April 2011 angestimmt. Der folkloristisch angehauchte Titel war seit ihrer Oscar-nominierten Rolle in dem Musicalfilm Das leuchtende Ziel (1934) zu ihrer Erkennungsmelodie geworden.One Night of Love bei tcm.com, englisch, abgerufen am 25. April 2011 Moores Tournee durch Skandinavien sollte bereits am nächsten Tag mit einem Konzert in Stockholm sowie weiteren Auftritten in Schweden fortgesetzt werden.

Getrübt wurde die Europa-Tournee der Amerikanerin durch eine mehrmonatige Krankheit ihres Ehemanns Valentín Parera. Der spanische Schauspieler, der sie in der Vergangenheit bei ihren Konzertreisen begleitet hatte, blieb im gemeinsamen Anwesen in Mougins an der Côte d’Azur zurück. Moore hatte viel Zeit bei ihrem Ehemann in Südfrankreich verbracht und aufgrund seines Gesundheitszustands geplante Auftritte an der New Yorker Metropolitan Opera im Februar 1947 abgesagt. Wenige Stunden vor ihrem Abflug schickte sie ihrem Ehemann noch ein Telegramm, in dem sie seine Anwesenheit vermisste („Am longing awfully already. Today I go to Stockholm. I cannot be without you all these months.“).

Moore wurde auf ihrer Konzertreise von dem zwölfjährigen französischen Pianisten Jean-Loup Peltier (anderen Angaben zufolge „Jean Loup Peltier“,Bericht von Dines Bogø und Bilder zum Flugunfall bei sydamager.dk, dänisch, abgerufen am 25. April 2011 „Jean Louis Peltier“ oder „Louis Peltier“Tragique accident d’aviation au Danemark. In: Gazette de Lausanne, 27. Januar 1947, S. 6) begleitet. Peltier galt als hochtalentierter Musiker und hatte bereits den ersten Preis des Pariser Conservatoire gewonnen. Ebenfalls zum Mitarbeiterstab Moores gehörten der 41-jährige französische Impresario Roland Fernand Xavier Victor Malbecq (anderen Angaben zufolge „Roland Fernand Malbec“, „Roland Ferdinant Vickard Malbec“ oder „Malbeq“) sowie der 24-jährige Däne Hans Henning Thomsen (auch als „H. H. Thomsen“ sowie fälschlicherweise als „Hans Denning Thomsen“ geführt), der Moores Skandinavien-Tournee organisierte.Carstensen, Svend: Crash in Denmark: Grace Moore ; Plane Crash in Denmark Ends Brilliant Singing. In: The New York Times, 27. Januar 1947, S. 1/3

Gerda Neumann und weitere Passagiere + Nationalitäten der Passagiereund der Besatzung 7 7 4 2 1 1 Gesamt 22