Die Keihin Kyūkō Dentetsu (jap. , Keihin kyūkō dentetsu kabushiki-gaisha, engl. Keikyu Corporation), allgemein unter der Kurzform Keikyū () bekannt, ist eine japanische Bahngesellschaft mit Sitz in Yokohama. Sie ist das Kernunternehmen der aus über 50 Unternehmen bestehenden Keikyū Group, ihre Aktien werden an der Tokioter Börse gehandelt. Das in den Präfekturen Tokio und Kanagawa liegende Keikyū-Streckennetz umfasst die Hauptlinie von Tokio über Yokohama zur Miura-Halbinsel sowie vier davon abzweigende Nebenstrecken (unter anderem zum Flughafen Tokio-Haneda).
Streckennetz mini|hochkant=0.75|Streckennetz Die Keikyū betreibt ein 87,0 Kilometer langes Eisenbahnnetz im Südwesten des Großraums Tokio. Es besteht aus fünf Linien:
Name der Linie Strecke Länge Bahnhöfe Eröffnung Keikyū-Hauptlinie Sengakuji – Shinagawa – Yokohama – Uraga 56,7 km 50 1901 Keikyū Daishi-Linie Keikyū Kawasaki – Kojimashinden 4,5 km 7 1899 Keikyū-Flughafenlinie Keikyū Kamata – Haneda Airport Terminal 1·2 6,5 km 7 1902 Keikyū Kurihama-Linie Horinouchi – Misakiguchi 13,4 km 9 1942 Keikyū Zushi-Linie Kanazawa-hakkei – Zushi-Hayama 5,9 km 4 1930
Nicht mehr in Betrieb sind: Ōmori-Zweigstrecke: von Ōmorikaigan nach Ōmori-teishaba-mae (0,7 km) Daishi-Linie: von Kojimashinden nach Sakuramoto (3,5 km) Flughafenlinie: von Anamori-inari nach Anamori (1,3 km)
Eine Besonderheit des Keikyū-Streckennetzes ist die Spurweite, die durchwegs 1435 mm beträgt. Sie entspricht damit der europäischen Normalspur, die in Japan – abgesehen von den Shinkansen-Schnellfahrstrecken – sehr selten ist (der übliche Standard ist die Kapspur von 1067 mm). Die breitere Spurweite ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, die somit zu den höchsten im Tokioter Ballungsraum gehört.
Betrieb mini|hochkant=1.75|Übersicht des Zugangebots von Keikyū Auf dem Keikyū-Streckennetz verkehren Züge in einem dichten Takt. Das Angebot ist so konzipiert, dass es auf der Keikyū-Hauptlinie von Tokio her umsteigefreie Verbindungen zu fast allen Nebenstrecken gibt (einzige Ausnahme ist die Keikyū Daishi-Linie). Von besonderer Bedeutung sind die Schnellzüge, die Tokio und Yokohama mit dem Flughafen Haneda verbinden. Nördlicher Ausgangspunkt der Lokalzüge ist in fast allen Fällen der Shinagawa. Eil- und Schnellzüge hingegen werden im nachfolgenden Bahnhof Sengakuji überwiegend zur Asakusa-Linie der U-Bahn Tokio durchgebunden. Sie verkehren anschließend nach Oshiage oder weiter auf dem Streckennetz der Keisei Dentetsu zum Flughafen Narita oder nach Shibayama-Chiyoda.
Rollmaterial
Züge im Einsatz Keikyū-Baureihe 600 (seit 1994) Keikyū-Baureihe N1000 (seit 2002) Keikyū-Baureihe 1500 (seit 1985) Keikyū-Baureihe 2100 (seit 1998)
Ehemals eingesetzte Züge Keikyū-Baureihe 110 (ab 1904) Keikyū-Baureihe 120 (ab 1922) Keikyū-Baureihe 140 (ab 1924) Keikyū-Baureihe 230 (ab 1930) Keikyū-Baureihe 400 (ab 1965) Keikyū-Baureihe 500 (von 1951 bis 1986) Keikyū-Baureihe 700 (von 1956 bis 1986; 1966 in Baureihe 600 umbenannt) Keikyū-Baureihe 700 (II) (von 1967 bis 2005) Keikyū-Baureihe 800 (von 1978 bis 2019) Keikyū-Baureihe 1000 (von 1959 bis 2010) Keikyū-Baureihe 2000 (von 1982 bis 2018)
Logo
Das heute verwendete Unternehmenslogo wurde 2008 anlässlich des 110-jährigen Firmenjubiläums eingeführt. Es zeigt auf weißem Grund die Kurzbezeichnung „Keikyū“ in hellblauen lateinischen Großbuchstaben und darunter – zwischen zwei horizontalen Strichen – in schwarzen Kanji-Zeichen den Schriftzug („Keikyū Dentetsu“), was „elektrische Keikyū-Bahn“ bedeutet. Dieses Logo ist eine Weiterentwicklung von Vorgängerversionen aus den Jahren 1983 und 1998, bei denen der Keikyū-Schriftzug in weißer Farbe auf blauem Hintergrund erschien.
Zuvor verwendete das Unternehmen Abzeichen, die einem traditionellen Mon-Emblem nachempfunden waren. Das 1899 von der Daishi Denki Tetsudō eingeführte Abzeichen symbolisierte vier Daishi (Ehrentitel für einen hochrangigen buddhistischen Mönch), umgeben von drei unterbrochenen Kreisen. Nach der Umbenennung in Keihin Denki Tetsudō behielt das Unternehmen diese Symbolik fast fünf Jahrzehnte lang unverändert bei. Ein neues Abzeichen aus dem Jahr 1948 zeigte ein stilisiertes Flügelrad, wobei das K für die Keihin-Region, der Flügel für Geschwindigkeit und das Rad für die Eisenbahn standen. Da das Abzeichen mit der Zeit nicht mehr die Diversifikation des Unternehmens repräsentierte, wurde es 1964 ersetzt. Nun zeigte es das stilisierte Katakana-Zeichen ケ (für „ke“), das so platziert war, als würde es den umgebenden Kreis durchbrechen – als Symbol für die Kraft, die es braucht, um Schwierigkeiten zu überwinden.
Unternehmensgruppe Die Bahngesellschaft Keikyū ist der Kern der Keikyū Group, einer aus rund 50 Unternehmen bestehenden Holding. Diese sind in den Sparten Verkehr, Immobilien, Einzelhandel und Freizeitdienstleistungen tätig. Zu den wichtigsten Anteilseignern von Keikyū gehörten am 31. März 2021 folgende Unternehmen: The Master Trust Bank of Japan (6,31 %), Nihon Seimei Hoken (3,66 %), Custody Bank of Japan (3,09 %), Mizuho Bank (3,02 %), Bank of Yokohama (2,92 %), Sumitomo Mitsui Trust Bank (1,99 %), Seibu Tetsudō (1,95 %), Meiji Yasuda Seimei Hoken (1,82 %) und Mizuho Trust & Banking (1,71 %).
Geschichte
Von der Überlandstraßenbahn zur Vorortseisenbahn Am Anfang der Entwicklung stand die am 25. August 1898 gegründete Bahngesellschaft Daishi Denki Tetsudō (), die ihren Sitz in Kyōbashi hatte, einem Stadtteil von Tokio. Ihr erster Präsident war der Unternehmer Yūjirō Tachikawa, Gründer einer Vorgängergesellschaft von Toshiba. Am 21. Januar 1899 ging die Strecke von Rokugōbashi nach Kawasaki-Daishi in Betrieb, die erste Japans in Normalspur (1435 mm). Ihr Hauptzweck war es, Pilger von der Tama-Brücke zum bedeutenden buddhistischen Tempel Heiken-ji zu befördern; beide Ziele liegen heute in der Stadt Kawasaki. Das Unternehmen war Teil des Yasuda-Zaibatsu und benannte sich bereits am 25. April desselben Jahres in Keihin Denki Tetsudō (, „Elektrische Keihin-Eisenbahn“) um. Der Namensbestandteil Keihin leitet sich vom jeweils zweiten Kanji-Schriftzeichen von Tokio und Yokohama ab – die beiden Städte, die letztlich miteinander verbunden werden sollten. Die Eröffnung des ersten Abschnitts der späteren Keikyū-Hauptlinie erfolgte am 1. Februar 1901. Im August desselben Jahres begann das Unternehmen, die in seinem Wärmekraftwerk erzeugte überschüssige elektrische Energie zu verkaufen und förderte dadurch die Ansiedlung von Industriebetrieben. Ebenso stieg sie als erste Bahngesellschaft der Region Kantō in das lukrative Geschäft mit Grundstückserschließungen ein. Vor allem der Wirtschaftsboom in den Jahren des Ersten Weltkriegs führte zur Entstehung zahlreicher neuer Wohnviertel, deren Bewohner auf die Bahn angewiesen waren.
Die Strecken glichen zu Beginn eher Überlandstraßenbahnen. Als sich die Gelegenheit ergab, eine Durchbindung zur Straßenbahn Tokio einzurichten, beschloss das Unternehmen, seine eigenen Strecken auf die bei japanischen Straßenbahnen übliche „schottische Spur“ von 1372 mm umzuspuren; dies geschah am 1. März 1904. Der Übergang zum städtischen Straßenbahnnetz befand sich ab Mai desselben Jahres in Kitashinagawa. Ab Dezember 1905 bestand eine durchgehende Verbindung zwischen den damaligen Stadträndern von Tokio und Yokohama, ab Oktober 1909 auch eine Durchbindung zur städtischen Straßenbahn Yokohama. Im Januar 1921 begann die Keihin Denki Tetsudō auch Güterverkehr durchzuführen und im April 1923 verkaufte sie das Stromübertragungsgeschäft an die Gunma Denryoku (Vorgängerin von Tepco). Das Große Kantō-Erdbeben vom 1. September 1923 richtete Schäden am Streckennetz an, sodass der Betrieb zehn Tage lang vollständig ruhte.
Da die Vereinbarung zur Durchbindung von Zügen 1924 nicht erneuert worden war, verlegte die Keihin Denki Tetsudō ihre Tokioter Endstation ein Jahr später um einige hundert Meter nordwärts zur Haltestelle Takanawa, die sich auf dem Vorplatz gegenüber dem Haupteingang des Bahnhofs Shinagawa befand. Ebenfalls 1925 verkehrten erstmals Drehgestellwagen in Leichtbauweise, eine Premiere für Japan. Ab August 1927 betrieb das Unternehmen seine erste Buslinie. Zahlreiche lokale Busbetreiber versuchten daraufhin, die Bahn zu konkurrenzieren. Sie gerieten aber in finanzielle Schwierigkeiten und wurden durch die Keihin Denki Tetsudō übernommen, die dadurch vor allem um Kawasaki eine führende Stellung erlangte. 1929 erreichte die Keikyū-Hauptlinie den Bahnhof Yokohama, der ein Jahr zuvor an seinem heutigen Standort eröffnet worden war. Zwei Jahre später bot die Keihin Denki Tetsudō erstmals Schnellzüge an. 1933 gab sie die nördliche Endstation Takanawa wieder auf und verlegte sie in den Bahnhof Shinagawa. Die Ära als Überlandstraßenbahn endete im selben Jahr, als sämtliche Strecken wieder auf Normalspur (1435 mm) umgespurt wurden.
Expansion südlich von Yokohama Grund für die Umspurung war die immer enger werdende Zusammenarbeit mit der Bahngesellschaft Shōnan Denki Tetsudō. Diese Bahngesellschaft geht auf ein im Jahr 1917 gegründetes Komitee zurück, das eine Strecke von Yokohama zur Südspitze der Miura-Halbinsel errichten wollte. Das Einholen der erforderlichen Genehmigungen verzögerte sich jedoch mehrmals, zumal die geplante Streckenführung mehrmals geändert werden musste. Nur fünf Tage nach der formellen Gründung der Bahngesellschaft ereignete sich das Große Kantō-Erdbeben und das wirtschaftliche Umfeld verschlechterte sich zusehends. Yasuda Yasuyoshi, ein Großaktionär der Keihin Denki Tetsudō, rettete das Projekt, indem er eine enge Kooperation anregte. Nach der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens im Dezember 1925 stießen fünf Führungskräfte der Keihin Denki Tetsudō zum Management der Shōnan Denki Tetsudō. 1930 eröffnete sie die Strecke von Koganechō nach Uraga und den in Kanazawa-hakkei abzweigenden Streckenast nach Zushi. 1931 konnte die noch bestehende Lücke zwischen den Bahnhöfen Yokohama und Kogenechō geschlossen werden.
Beide Unternehmen führten in den 1930er Jahren gemeinsame Werbekampagnen durch. Deren Ziel war es, die landschaftliche Schönheit der Berge und Strände der Miura-Halbinsel hervorzuheben, um den touristischen Ausflugsverkehr anzukurbeln. Die Shōnan Denki Tetsudō übernahm ebenfalls mehrere lokale Busbetriebe, um noch mehr Fahrgäste zu den Bahnstrecken zu bringen. Von 1937 bis 1939 bot sie auch Dampfschifffahrten in der Bucht von Tokio an. Nach Ausbruch des Pazifikkriegs strebte die japanische Regierung danach, die Effizienz kleinerer privater Verkehrsunternehmen zu steigern. Zu diesem Zweck erließ sie 1938 das „Gesetz zur Koordination von Landverkehrsunternehmen“, was es ihr ermöglichte, insbesondere in den Ballungsräumen Fusionen zu größeren Einheiten anzuordnen. Auf dieser Grundlage ging die Shōnan Denki Tetsudō am 1. November 1941 vollständig in der Keihin Denki Tetsudō auf.
Zusammenschluss zu Daitōkyū und Neugründung Wenige Wochen nach der Fusion übernahm der Unternehmer Gotō Keita, der bereits mehrere Bahngesellschaften im Südwesten der Tokioter Metropolregion kontrollierte, die Geschäftsführung. Unter Ausnützung des Landverkehrsgesetzes von 1938 strebte er den Zusammenschluss dieser Unternehmen unter dem Dach der Tōkyū Dentetsu an. Dies gelang ihm schließlich am 1. Mai 1942, als die Keihin Denki Tetsudō zusammen mit der Odakyū Dentetsu und der Tōkyū Dentetsu im Daitōkyū-Konglomerat aufging. Dieses stand ebenfalls unter Gotōs Kontrolle und versuchte weiter zu expandieren, insbesondere durch die Übernahme von Busunternehmen. Am 31. Mai 1944 gelang auch die Übernahme der Bahngesellschaft Keiō Dentetsu, worauf das Konglomerat in seinem Einzugsgebiet beinahe eine Monopolstellung innehatte.東京急行電鉄50年史. S. 269–274.