John Shirwood (auch Sherwood) († 14. Januar 1493 in Rom) war Bischof von Durham. Er verfasste eine Abhandlung über das Zahlenkampfspiel. Bekannt ist er heute vor allem durch die von ihm gesammelten Handschriften und Inkunabeln. Er gilt als erster Botschafter Englands am Heiligen Stuhl.

Leben Der Sohn eines Stadtschreibers von York gleichen NamensTestamenta Eboracensia. A Selection of Wills from the Registry at York. Band 3. Durham 1865 (Publications of the Surtees Society, Band 45), S. 206–208 Nr. 61 (), vgl. P.M. Tillott (Hrsg.): A History of the County of York. The City of York. London 1961, S. 69–75 (British History Online). erlangte an der Universität Cambridge die akademischen Grade eines Magister artium und eines Baccalaureus der Theologie. An dieser Universität übte Shirwood 1450/1451 das Amt eines Senior Proctor aus. Im Herbst 1456 erhielt er in Oxford die Erlaubnis, dort den Grad eines Doktor der Theologie zu erwerben. Eine Zeitlang beabsichtigte Shirwood in den Kartäuserorden einzutreten.J. A. Twemlow (Hrsg.): Calendar of Papal Registers Relating to Great Britain and Ireland. Band 11. A.D. 1455–1464. London 1921, S. 366–367 (British History Online), hier Chiellod geschrieben. Vermutlich in Oxford lernte er den jungen Hochadeligen George Neville, Elekt von Exeter, kennen, welcher ihn in den folgenden Jahren protegierte. So erhielt Shirwood auch eine Pfründe in Exeter.Joyce M. Horn: Fasti Ecclesiae Anglicanae 1300–1541. Band 9. Exeter diocese. London 1964, S. 53–60 (British History Online). In einem Brief an Bischof Neville wurde Shirwood als Kanzler der Kathedrale von Exeter erwähnt.Henry Anstey (Hrsg.): Epistolae Academiae Oxon. Teil II (1457–1509). Oxford 1898 (Oxford Historical Society, Band 36), S. 362–363 Nr. 242 (), zur Datierung vgl. Joyce M. Horn: Fasti Ecclesiae Anglicanae 1300–1541. Band 9. Exeter diocese. London 1964, S. 8–10 (British History Online).

Er verfasste ein Versepitaph zum Gedenken an John Sowthel, Nevilles Seneschall, der unter diesem Namen sonst nicht nachweisbar ist. Das Epitaph wurde wahrscheinlich Anfang 1462 anlässlich des Begräbnisses oder der Jahrzeit John Sowthels verfasst und wohl auf Pergament in der Nähe seines Grabes in der Kathedrale von Exeter angebracht. In diesem Gedicht lässt Shirwood den auf dem Sterbebett liegenden Sowthel von der Nichtigkeit weltlicher Würden und Reichtümer sprechen (contemptus mundi). Einige Verse spielen propagandistisch auf politische Ereignisse an, welche kurz zuvor das Haus York in den Rosenkriegen begünstigten, andere preisen den Bischof George Neville. Eine Abschrift des Epitaphs ist in einer im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts vermutlich im Umfeld einer englischen Kartause entstandenen Sammelhandschrift, heute in der Princeton University Library unter der Signatur Taylor Ms. 22 aufbewahrt, erhalten.Don Skemer: Words Not Written in Stone: John Shirwood's Verse Epitaph for a Canon of Exeter Cathedral, c. 1462. In: Colum Hourihane (Hrsg.): Manuscripta Illuminata. Princeton 2014, S. 108–143, mit Edition und Übersetzung des Textes auf S. 136–143; vgl. auch David Rundle: Up for auction: new light on John Shirwood and English humanism. Auf: bonaelitterae.wordpress.com vom 27. November 2011 (besucht am 13. August 2013); Sotheby’s London, Auktion vom 6. Dezember 2011, Western and Oriental Manuscripts, Los 45 = Sotheby’s: Western Manuscripts and Miniatures. Auction in London Tuesday 6 December 2011. (L11241), S. 36–38. John Leland berichtete, er habe in Fountains Abbey ein Shirwood zugeschriebenes Gedicht gelesen und ihm sei zugetragen worden, dass dieser auch ein Werk zum Lobe Englands verfasst habe. Diese Werke sind jedoch verschollen.John Leland: Commentarii de scriptoribus Britannicis, ed. Anthony Hall. Band 2. Oxford 1709, S. 262 (), Thomas Hearne (Hrsg.): Joannes Lelandi antiquarii de rebus Britannicis collectanea. Band IV. 2. Auflage. London 1774, S. 41 (), Don Skemer: Words Not Written in Stone: John Shirwood's Verse Epitaph for a Canon of Exeter Cathedral, c. 1462. In: Colum Hourihane (Hrsg.): Manuscripta Illuminata. Princeton 2014, S. 108–143, hier S. 126, Roberto Weiss: Humanism in England during the Fifteenth Century. 4. Auflage. Oxford 2010, S. 229.

Shirwood hatte die Angewohnheit, in seinen Büchern, meist auf dem letzten Blatt, zu notieren, wo und wann er das betreffende Buch gekauft hatte. Im Sommer 1461 war Shirwood in London und erstand eine Handschrift aus dem 13. Jahrhundert mit dem Psalterkommentar des Petrus Cantor. Eine humanistische Sammelhandschrift aus Italien kaufte er im Dezember 1464.P. S. Allen: Bishop Shirwood of Durham and his Library. In: English Historical Review XXV (1910) XCIX, S. 445–456, hier S. 445 und 447. Roberto Weiss: Humanism in England during the Fifteenth Century. 4. Auflage. Oxford 2010, S. 230. Möglicherweise erwarb er in diesem Jahr auch eine humanistische Cicerohandschrift, British Library MS Burney 145. Für George Neville war er, wohl wegen seiner guten Lateinkenntnisse, in dieser Zeit als Sekretär tätig.James Tait: Letters of John Tiptoft, earl of Worcester, and Archbishop Neville to the University of Oxford. In: English Historical Review XXXV (1920) CXL, S. 570–574 doi:10.1093/ehr/XXXV.CXL.570. Dabei kam er vermutlich auch in Kontakt mit griechischen Emigranten und begann Griechisch zu lernen.Roberto Weiss: Humanism in England during the Fifteenth Century. 4. Auflage. Oxford 2010, S. 228f. Als George Neville Erzbischof von York wurde, folgte ihm Shirwood 1465 in die neue Diözese und wurde Archidiakon von Richmond.B. Jones: Fasti Ecclesiae Anglicanae 1300–1541. Band 6. Northern province (York, Carlisle and Durham). London 1963, S. 25–27 (British History Online). In York erwarb Shirwood im Oktober dieses Jahres eine Iustinushandschrift aus dem 12. Jahrhundert.P. S. Allen: Bishop Shirwood of Durham and his Library. In: English Historical Review XXV (1910) XCIX, S. 445–456, hier S. 447. Sein Einkommen wuchs in den folgenden Jahren weiter durch die Anhäufung von etlichen Pfründen. Meister der Hospitäler von St. Edmund the King in Gateshead und St. Nicholas in York war er seit 1467.Gateshead: William Page (Hrsg.): A History of the County of Durham. Band 2. London 1907, S. 124–125 (British History Online). York: William Page (Hrsg.): A History of the County of York. Band 3. Woodbridge 1974, S. 336–352 (British History Online).

Nachdem die Nevilles 1470 die Seiten gewechselt und kurz König Heinrich VI. aus dem Haus Lancaster wieder zum Thron verholfen hatten, erlangte Shirwood von dem siegreich zurückgekehrten Eduard IV. Ende Juni 1471 ein Generalpardon.Calendar of the Patent Rolls preserved in the Public Record Office. Edward IV. Henry VI. A.D. 1467–1477. London 1900, S. 267 (). Im gleichen Jahr erhielt Shirwood auch die besonders reiche Goldene Pfründe von Masham.B. Jones: Fasti Ecclesiae Anglicanae 1300–1541. Band 6. Northern province (York, Carlisle and Durham). London 1963, S. 66–68 (British History Online). Nun war er wohlhabend genug, um Bücher für sich abschreiben zu lassen, ein Terenz und Ciceros de Finibus gelangten so in seine Bibliothek. Seinen nächsten Bücherkauf tätigte Shirwood Anfang 1474 in Rom, Ciceros Reden gedruckt von Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz.P. S. Allen: Bishop Shirwood of Durham and his Library. In: English Historical Review XXV (1910) XCIX, S. 445–456, hier S. 447–448. Roberto Weiss: Humanism in England during the Fifteenth Century. 4. Auflage. Oxford 2010, S. 227. In diesem oder dem folgenden Jahr besuchte er seinen Gönner George Neville in dessen Exil in Calais. Um diesen aufzuheitern, brachte Shirwood ihm das Zahlenkampfspiel bei. Er selbst hatte es in der Jugend von seinem Dialektik- und Mathematiklehrer gelernt, vereinfachte und straffte das Regelwerk aber, als er es aus dem Gedächtnis niederschrieb.Arno Borst: Das mittelalterliche Zahlenkampfspiel. Heidelberg 1986 (Supplemente zu den Sitzungsberichten der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 5) ISBN 3-533-03751-7, S. 27–28, vgl. auch S. 243. Ann E. Moyer: The Philosophers' Game. Rithmomachia in Medieval and Renaissance Europe. Ann Arbor 2001, ISBN 0-472-11228-7, S. 65–67 ().

Im Jahr 1475 wurde Shirwood in die Bruderschaft des englischen Hospitals von St. Thomas in Rom aufgenommen, und im folgenden Frühjahr zum Kämmerer dieses Hospitals gewählt.B. Behrens: Origins of the Office of English Resident Ambassador in Rome. In: English Historical Review XLIX (1934) CXCVI, S. 640–656, hier S. 645. Brian Newns: The Hospice of St Thomas and the English Crown 1474–1538. In: The English Hospice in Rome. Leominster 2005, ISBN 0-85244-624-1 (zuerst erschienen als: The Venerabile Sexcentenary Issue 1962), S. 145–192, hier S. 152 (). Dies gab ihm einen Vorwand länger als die damals Gesandten erlaubten sechs Monate an der Kurie zu bleiben.Catherine Fletcher: Diplomacy in Renaissance Rome. The Rise of the Resident Ambassador. Cambridge 2015, ISBN 978-1-107-10779-3, S. 86. Etliche weitere Drucke antiker Autoren fanden in diesen Jahren durch Kauf den Weg in Shirwoods Bibliothek.P. S. Allen: Bishop Shirwood of Durham and his Library. In: English Historical Review XXV (1910) XCIX, S. 445–456, hier S. 449–450. Von Papst Sixtus IV. erhielt er im Herbst 1476 den Titel eines Protonotars beim Heiligen Stuhl.J. A. Twemlow (Hrsg.): Calendar of Papal Registers Relating to Great Britain and Ireland. Band 13. A.D. 1471–1484. London 1955, S. 208–209 (British History Online). König Eduard IV. akkreditierte seinen Kaplan John Shirwood im Dezember 1477 als seinen Prokurator in Rom.Calendar of the Patent Rolls preserved in the Public Record Office. Edward IV, Edward V, Richard III. A.D. 1476–1485. London 1901, S. 60 (). Als solcher nahm er in kirchlichen Dingen die Interessen seines Herren war und verfolgte auch die Geschäfte anderer Engländer an der Kurie.James Raine (Hrsg.): Historiae dunelmensis scriptores tres. London und Edinburgh 1839 (Publications of the Surtees Society, Band 9), S. 366–367 Nr. 282 () = Durham Cathedral Muniments Registrum Parvum III, f.185v-186r. Spätestens seit seiner Teilnahme an einer Sondergesandtschaft im Jahre 1479 galt Shirwood auch als orator (lat.= Redner), im kurialen Sprachgebrauch jener Jahre somit als Botschafter seines Königs. Da Shirwood diese Funktion eines ständigen Gesandten in den Jahren bis zu seinem Tod gleichsam ununterbrochen ausübte, gilt er heute als erster Botschafter des englischen diplomatischen Dienstes.Thomas Rymer: Foedera, conventiones, literæ, et cujuscunque generis acta publica, inter reges Angliæ, et alios quosuis imperatores, reges, pontifices (…). Band 12. 2. Auflage. London 1726, S. 108–109 (British History Online). Allen B. Hinds (Hrsg.): Calendar of State Papers and Manuscripts in the Archives and Collections of Milan 1385–1618. London 1912, S. 237 Anm. zu Nr. 356 (British History Online). B. Behrens: Origins of the Office of English Resident Ambassador in Rome. In: English Historical Review XLIX (1934) CXCVI, S. 640–656.