Die Bahnstrecke Germersheim–Landau – gelegentlich auch als Untere Queichtalbahn bezeichnet – ist eine stillgelegte Eisenbahnstrecke von Germersheim nach Landau in der Pfalz in Rheinland-Pfalz, die unter anderem über Westheim, Lustadt und Zeiskam führte. Sie wurde 1872 eröffnet. In der Folgezeit war sie Teil einer bedeutenden Abfuhrstrecke für Kohle in West-Ost-Richtung. Zusätzlich war sie Teil einer überregionalen Fernverkehrsverbindung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie schrittweise zur Nebenbahn degradiert und 1998 stillgelegt, nachdem der Personenverkehr 1984 und der Güterverkehr 1991 zum Erliegen gekommen waren. Seit 2006 erlebt die Bahnstrecke eine Renaissance als Touristenattraktion. Seither ist auf einem Streckenabschnitt ein Draisinenverkehr eingerichtet, der als Südpfalz-Draisinenbahn oder kurz Südpfalzdraisine bezeichnet wird.

Geschichte Vorgeschichte Nachdem 1855 die Bahnstrecke Neustadt–Wissembourg über Landau eröffnet worden war, wurde eine Zweigstrecke geplant, die primär dem Kohletransport aus dem Saarland ins benachbarte Baden dienen sollte. Die Stadt Germersheim verfocht in diesem Zusammenhang eine Bahnstrecke von Landau über ihr Gebiet bis nach Bruchsal. Diese Bestrebungen standen in Konkurrenz mit der geplanten Bahnstrecke Winden–Karlsruhe. Aus diesem Grund setzte Germersheim sämtliche Hebel in Bewegung, um das Zustandekommen letzterer zu verhindern und schickte eine Deputation zum Deutschen Bund nach Frankfurt. In einer Denkschrift argumentierte die Stadt- und Festungskommandantschaft ferner, dass bei einer Strecke von Winden nach Karlsruhe im Gegensatz zu einer Variante über das Gebiet der Festung keine militärische Sicherung bestehe und es strategisch wichtig sei, eine Verbindung mit anderen Festungen Koblenz, Landau, Mainz und Rastatt herzustellen. Die pfälzische Regierung erteilte den Germersheimer Bestrebungen jedoch eine Absage, so dass ab 1862 die Verbindung von Winden nach Karlsruhe realisiert wurde.

Als 1864 die Stichbahn Schifferstadt–Speyer bis nach Germersheim verlängert wurde, liefen Planungen, eine strategische Querverbindung zwischen den Festungen in Germersheim und Landau zu schaffen. Insgesamt vier Varianten wurden untersucht: Zwei sollten nördlich der Queich verlaufen und zwei südlich davon über Offenbach an der Queich und Bellheim. Vor allem der Landauer Stadtrat plädierte für eine Trasse über Bellheim, was in einer Komiteezuschrift an das Bürgermeisteramt Landau vom 4. Oktober 1869 zum Ausdruck kam.

Planung, Bau und Eröffnung mini|Bahnhof Landau im Jahr 1870 Bereits zum 1. Januar 1870 hatten sich die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft, die Pfälzische Maximiliansbahn-Gesellschaft, die Gesellschaft der Pfälzischen Nordbahnen und die Neustadt-Dürkheimer Eisenbahn-Gesellschaft zu den Pfälzischen Eisenbahnen zusammengeschlossen. Mit Ausnahme letzterer behielten sie jedoch ihre Selbständigkeit bei. Zu den Bahnprojekten, zu deren Realisierung die Maximiliansbahn-Gesellschaft verpflichtet wurde, gehörte neben einer Bahnstrecke von Germersheim nach Wörth ebenso die Errichtung einer Strecke, die Germersheim mit Landau verbinden sollte.

Ein Regierungsreskript vom 20. Mai 1870 sah die letztendlich realisierte Variante über Westheim, Ober- und Niederlustadt und Zeiskam vor, obwohl die Verwaltung der Pfälzischen Maximiliansbahn-Gesellschaft, die als Betreiberin für die Strecke vorgesehen war, eine Linienführung über Knöringen nach Lingenfeld favorisiert hatte. Vor allem Bewohner aus Ober- und Niederlustadt sowie Zeiskam hatten jedoch erfolgreich wiederum gegen eine solche Linienführung gekämpft. Die Gemeinde Essingen veranlasste außerdem, dass die geplante Strecke lediglich den Südosten ihrer Gemarkung beim Dreihof tangiert, da sie befürchtete, dass durch die Dampflokomotiven entstehender Funkenflug ihre Häuser und landwirtschaftliche Flächen in Brand setzen könnte.

Am 17. April 1871 folgte schließlich die Konzession für den Bau der Bahnstrecke. Die Entwürfe wurden von zwei Büros ausgearbeitet, die sich unter der Leitung der Ingenieure Millet und Mühlhäusser befanden. Am 22. September desselben Jahres wurden diese Entwürfe zur Genehmigung eingereicht. Nochmal einen Monat später, am 28. Oktober 1871, wurde für sie schließlich grünes Licht gegeben.

Aufgrund des ebenen Geländes erwies sich der Bau der Strecke als relativ problemlos, da sie auf ihrer ganzen Länge von insgesamt 20,950 Kilometern meistens gerade oder in sehr großzügigen Kurven verlief. Die Baukosten bezifferten sich auf insgesamt 2,5 Millionen Gulden. Auch wenn die Ausführung der Strecke zunächst eingleisig war, wurde die Option eines zweiten Gleises während der Bauarbeiten von vornherein berücksichtigt. Die Strecke wurde schließlich am 16. Mai 1872 eröffnet. Eigens hierfür mussten die Bahnanlagen in den Bahnhöfen von Landau und Germersheim erheblich erweitert werden.

Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg Nachdem die Bruhrainbahn Bruchsal–Rheinsheim 1877 bis nach Germersheim durchgebunden worden war und zwei Jahre später als Verlängerung der Würzbachbahn eine Verbindung von St. Ingbert nach Saarbrücken hergestellt worden war, wurde die Strecke in Kombination mit diesen sowie der Bahnstrecke Landau–Rohrbach Teilstück der überregionalen Magistrale Saarbrücken–Zweibrücken–Biebermühle–Landau–Germersheim–Bruchsal, die primär der Abfuhr der Saarkohle diente. Um die Kapazität zu erhöhen, wurde die Bahnlinie ab 1888 auf zwei Streckengleise ausgebaut. Auf Betreiben des Militärs wurde die Maximiliansbahn nördlich von Landau 1897 etwas nach Osten verlegt, um eine niveaufreie Kreuzung mit der Strecke nach Germersheim zu ermöglichen; seither unterquert letztere die Maximiliansbahn in diesem Bereich. Die alte Trasse blieb als Ausziehgleis bestehen. Zusammen mit weiteren, ebenfalls zweigleisig ausgebauten Strecken bildete die Strecke eine militärische Nachschublinie von Nürnberg über Ansbach, Crailsheim, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Eppingen, Bretten, Bruchsal, Germersheim, Landau und Zweibrücken nach Saarbrücken und Saargemünd.

Um 1900 entstand zwischen Landau und Dreihof der neue Bahnhof Dammheim. Anfang des 20. Jahrhunderts richteten die Pfälzischen Eisenbahnen Streckenfernsprecher ein, die von Germersheim über Landau und Zweibrücken bis nach Saarbrücken reichten. Ab 1. Oktober 1909 waren die Bayerischen Staatseisenbahnen für den Betrieb der Strecke zuständig, nachdem die Maximiliansbahn-Gesellschaft und die anderen Bahngesellschaften der Pfalz in dieser aufgegangen waren. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der größte Teil der Strecke unter der Verwaltung der Betriebs- und Bauinspektion Landau. Lediglich für die letzten knapp drei Kilometer kurz vor Germersheim war die Inspektion Ludwigshafen zuständig. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 fuhren zwischen dem 9. und 16. August pro Tag 50 Militärzüge von Germersheim aus über die Strecke einschließlich ihrer Fortsetzung nach Zweibrücken, 30 von ihnen fuhren anschließend über die Bliestalbahn nach Saargemünd, die restlichen über Rohrbach bis nach Saarbrücken. Ab 1917 existierten Pläne, in Germersheim ähnlich wie in Landau eine niveaufreie Kreuzung mit der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth zu schaffen. Da dafür dort jedoch das gesamte Eisenbahngelände hätte verlegt werden müssen, scheiterte dies an den zu erwartenden hohen Kosten.

Zum 1. April 1920 wurde die Strecke in das Eigentum der Deutschen Reichsbahn überführt. 1922 erfolgte die Eingliederung in die neu gegründete Reichsbahndirektion Ludwigshafen. Im Zuge der Auflösung letzterer zum 1. April 1937 kam sie zur Reichsbahndirektion Mainz. Die Strecke gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Betriebsamt (RBA) Landau.Karte der Reichsbahndirektion Mainz vom 1. Januar 1940. Im Zweiten Weltkrieg entstand 1940/41 unmittelbar westlich von Dammheim eine Verbindungskurve zur Strecke nach Neustadt. Deutsche Reichsbahn (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 7. Dezember 1940, Nr. 56. Bekanntmachung Nr. 948, S. 414. Vor allem der Bahnhof Dreihof war in der Endphase des Zweiten Weltkrieges mehrfach Schauplatz von Kampfhandlungen. So wurde am 22. November 1944 ein Personenzug von Jagdbombern beschossen, wobei vier Personen starben. Nur zwei Wochen später wurde dort ein Güterzug von Jagdbombern angegriffen, wobei eine Bombe das Bahngleis traf. Im Januar 1945 wurde am Dreihof per Bahn Benzin für die Wehrmacht verladen. Aus diesem Grund wurde er am 26. Januar heftig bombardiert, und dabei vollständig zerstört. Nachdem die größeren Schäden beseitigt worden waren, wurde er am 1. und 2. März 1945 erneut Ziel von Bombenangriffen. Im März 1945 wurde die Rheinbrücke bei Germersheim gesprengt, was sich in einem nicht unerheblichen Maße auf die künftige Bedeutung der Bahnstrecke Germersheim–Landau auswirken sollte.

Nachkriegszeit und Stilllegung (1945–2006) Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstand die Bahnstrecke der Betriebsvereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnen (SWDE), die 1949 in die neu gegründete Deutsche Bundesbahn (DB) überging. Letztere gliederte die Bahnlinie in die Bundesbahndirektion Mainz ein, der sie alle Bahnlinien innerhalb des neu geschaffenen Bundeslandes Rheinland-Pfalz zuteilte. In den Folgejahren verlor die Bahnstrecke im überregionalen Verkehr an Bedeutung; so wurde beispielsweise Ende 1946 das zweite Gleis aufgrund von Reparationskosten, die Deutschland an die Siegermächte zahlen musste, abgebaut. Hinzu kam die Tatsache, dass die 1945 gesprengte Rheinbrücke bei Germersheim erst 1967 wieder hergestellt war. Dadurch wurde sie de facto zur Nebenbahn degradiert. Ebenfalls 1967 wurde damit begonnen, die Telegrafen-Freileitung durch Fernmeldekabel zu ersetzen.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 27. Januar 1967, Nr. 4. Bekanntmachung Nr. 45, S. 15; ebd. vom 17. Oktober 1969, Nr. 48. Bekanntmachung Nr. 351, S. 297. Vom Bund erhielt die DB finanzielle Zuwendungen, die im Rahmen des Kalten Kriegs auf den Erhalt der Strecke aus strategischen Gründen abzielten. Am 1. Juni 1971 gelangte die Strecke im Zuge der schrittweisen Auflösung der Bundesbahndirektion Mainz in den Zuständigkeitsbereich ihres Karlsruher Pendants.

mini|Umgeleiteter Schnellzug 1987 bei der Durchfahrt durch Westheim

Die Strecke wurde am 1. Juni 1984 im Personenverkehr stillgelegt; bereits vorher waren die Unterwegshalte Dammheim, Dreihof und Hochstadt wegen ihrer teilweise ortsfernen Lage und der entsprechend schwachen Nachfrage aufgegeben worden. 1987 wurde für den Bau der Bundesautobahn 65 die im Zweiten Weltkrieg errichtete Verbindungskurve zur Strecke nach Neustadt samt ihrem Bahndamm abgetragen. In der Folgezeit wurden die Bahnhofsgebäude verkauft sowie alle Bahnübergänge zurückgebaut. Da die Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth am 9. Juni 1987 durch ein Schiffsunglück schwer beschädigt wurde, mussten die damals verkehrenden Schnellzüge der Relation Saarbrücken–Zweibrücken–Landau–Wörth–Karlsruhe für vier Wochen über die Bahnstrecke Germersheim–Landau umgeleitet werden. Der Güterverkehr wurde am 31. Dezember 1991 ebenfalls eingestellt.

Im Zuge der Bahnreform ging die Strecke zum 1. Januar 1994 in das Eigentum der Deutschen Bahn über. In den Folgejahren verkehrten gelegentlich noch einige Ausflugs- und Präsentationszüge über die Strecke. Die Stilllegung erfolgte am 27. September 1998. Mitte der 1990er Jahre gab es vereinzelt Pläne, die Strecke im Personenverkehr zu reaktivieren. Diese blieben angesichts der zu erwartenden Umbaukosten jedoch erfolglos. Zwischenzeitlich war ein Gutachten zur Reaktivierung der Strecke im Personenverkehr in Auftrag gegeben worden, das jedoch negativ ausgefallen war, was vor allem an ihrer ortsfernen Lage im Westen begründet war. Da sie jedoch durch einen Trassensicherungsvertrag geschützt ist, wurde ein möglicher Streckenabbau verhindert.

Draisinenverkehr (seit 2006)