Die FIDE, , für Internationaler Schachverband, ist die Dachorganisation der nationalen Verbände der Schachspieler. Die deutsche Bezeichnung lautet Weltschachverband oder selten Weltschachbund, die englische .

Sitz ist Lausanne, das Sekretariat befindet sich in Athen.FIDE-Handbuch A.01.12 (englisch), abgerufen am 5. Mai 2010. Weitere Büros der FIDE befinden sich in Singapur und Elista. Der lateinische Wahlspruch der FIDE lautet („Wir sind eine Familie“). Zum offiziellen Logo gehört neben einem weißen Springer auf schwarzem Hintergrund auch das Motto unterhalb des Logos.Auch bei der FIDE selbst wird das Logo im praktischen Gebrauch oft farblich variiert oder um den Wahlspruch reduziert.

Der Verband ist Mitglied des Verbandes der vom IOC anerkannten Sportarten, des allgemeinen Verbandes internationaler Sportverbände Sportaccord (früher GAISF) und des Internationalen Denkspielverbandes.

Geschichte + Liste der FIDE-Präsidenten Liste der FIDE-Präsidenten Name von-bis Land Alexander Rueb 1924–1939 Augusto de Muro 1939–1946 Alexander Rueb 1946–1949 Folke Rogard 1949–1970 Max Euwe 1970–1978 Friðrik Ólafsson 1978–1982 Florencio Campomanes 1982–1995 Kirsan Iljumschinow 1995–2018 Arkadi Dworkowitsch 2018–2026 Timur Turlov seit 2026

Anfänge 1924 bis 1946 Parallel zu den Olympischen Sommerspielen 1924 fand vom 13. bis 24. Juli im Pariser Hotel Majestic ein französisch als Tournoi international d’amateurs à l’occasion de la VIIIe Olympiade (Internationales Amateurturnier anlässlich der 8. Olympischen Spiele) bezeichnetes Turnier statt,La Stratégie Juli 1924, S. 169 ff. das von Hermanis Matisons sowie der tschechoslowakischen Mannschaft gewonnen wurde.Inoffizielle Schacholympiade 1924 bei Olimpbase, abgerufen am 7. Mai 2010.

Gründung Im Rahmen dieses Turniers wurde am 20. Juli 1924André Schulz: 90 Jahre Weltschachbund In: de.chessbase.com, 20. Juli 2014, abgerufen am 25. August 2019. durch den Franzosen Pierre Vincent die Gründung der FIDE bekannt gegeben, die von den Delegierten aus fünfzehn Nationen beschlossen worden war. Zugleich wurde ein Komitee gebildet, das die Statuten ausarbeiten sollte. Dieses bestand aus dem Präsidenten Alexander Rueb aus den Niederlanden, der den Koninklijke Nederlandse Schaakbond (KNSB) vertrat, den ältesten bis heute bestehenden nationalen Schachverband,Stefan Löffler: Schach. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juni 2023, S. 9. dem Sekretär Leonard Percy Rees (England) und dem Kassierer Marc Nicolet (Schweiz). Die Gründungsmitglieder der FIDE waren Argentinien, Belgien, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Kanada, Niederlande, Polen, Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei und Ungarn.Bill Wall: FIDE-Geschichte (englisch), abgerufen am 5. Mai 2010. Unterzeichner der Gründungsurkunde für die einzelnen Staaten waren:André Schulz: Die Geburt der FIDE In: de.chessbase.com. 29. Juli 2020, abgerufen am 25. Oktober 2020. Ignacio de Peñalver y Zamora (1857–1933) aus Spanien Florenziano Marusi (1860–1936) aus Mailand, Italien Francis Hooper Rawlins (1861–1925) aus Bath, England Steven Francis Smith (1861–1928) aus British Columbia, Kanada Anatol A. Tscherpurnoff (1871–1942) aus Helsinki, Finnland Marc Nicolet (1876–1942) aus Biel, Schweiz Jakov Ovadija (1878–1941) aus Belgrad, Jugoslawien Pierre Vincent (1878–1956) aus Frankreich Alexander Rueb (1882–1959) aus Den Haag, Niederlande István Abonyi (1886–1942) aus Budapest, Ungarn Leon Willem Weltjens (1887–1975) aus Anvers, Belgien Ion Gudju (1897–1988) aus Bukarest, Rumänien Karel Skalička (1896–1979) aus Prag, Tschechoslowakei Izaak Towbin (1899–1941) aus Korets, Polen Roberto Grau (1900–1944) aus Buenos Aires, Argentinien

Der 20. Juli als Gründungstag wurde 1966 zum Internationalen Schachtag erklärt.

Schacholympiade Beim dritten Kongress der FIDE 1926 in Budapest wurde die Einführung eines Tournament of Nations beschlossen, das heute als Schacholympiade bekannt ist. Beim folgenden Kongress 1927 in London wurde dieses Turnier erstmals ausgetragen. Parallel dazu fand die erste Schachweltmeisterschaft der Frauen statt.

Im Jahre 1928 fand in Den Haag zeitgleich zu den Olympischen Sommerspielen 1928 im benachbarten Amsterdam das Zweite olympische Schachturnier statt.British Chess Magazine September 1928, S. 328. Sieger im Einzelwettbewerb wurde Max Euwe.

Weltmeisterschaft Mindestens ebenso wichtig war es der FIDE jedoch, auch die Kontrolle über die Weltmeisterschaft zu übernehmen. Im Frühjahr 1928 hatte Efim Bogoljubow einen Wettbewerb gegen Max Euwe um die Meisterschaft des Weltschachbundes mit 3:2 Siegen gewonnen.Deutsche Schachzeitung Mai 1928, S. 132.Bogoljubow: The Fate of a Chess Player von Sergei Soloviov, Chess Stars, Sofia 2004, S. 130. Der Sieger sollte der offizielle Herausforderer der FIDE im Kampf um die Weltmeisterschaft sein.British Chess Magazine Juni 1928, S. 238. Weltmeister Alexander Aljechin willigte beim FIDE-Kongress 1928 in Den Haag ein, unter der Federführung der FIDE den Weltmeistertitel zu verteidigen. Lediglich eine etwaige Revanche gegen José Raúl Capablanca sollte unter denselben Bedingungen stattfinden wie der Titelkampf von 1927.

Auf dem Kongress in Warschau 1935 wurde die Einrichtung eines Komitees beschlossen, zu dem auch Weltmeister Aljechin gehörte. Dieses sollte jährlich eine Liste von Kandidaten für die Herausforderung zusammenstellen. Spieler, die binnen sechs Jahren dreimal Sieger eines internationalen Turniers mit mindestens vierzehn Teilnehmern wurden (von denen wiederum mindestens 70 Prozent internationale Meister sein mussten) sollten auf der Liste geführt werden.Compte-rendu du XIIe congrès, Varsovie, 28-31 août 1935, S. 10. Beim Kongress in Luzern vom 24. bis 26. Juli 1936 wurde festgelegt, dass die Schach-Weltmeisterschaft im Wettkampf entschieden werden solle und nicht im Turnier.Compte-rendu du XIIIe congrès, Lucerne, 24.–26. Juli 1936, S. 5 und 9. Die Kontrolle hatte die FIDE jedoch immer noch nicht.

Der niederländische Vorschlag, 1938 ein Kandidatenturnier auszuspielen, hatte viele Anhänger. Daran sollten der Verlierer des WM-Kampfes von 1937, Botwinnik, Capablanca, Fine, Flohr, Keres, Reshevsky, und eventuell ein weiterer Meister teilnehmen.Tjdschrift van den Koninklijken Nederlandse Schaakbond Juli 1937, S. 171. Beim Stockholmer Kongress 1937 verspielte die FIDE die Möglichkeit, die Weltmeisterschaft zu organisieren. Zunächst wurde der niederländische Vorschlag eines Kandidatenturniers abgelehnt. Für Empörung sorgte die Entscheidung, Salo Flohr zum offiziellen Herausforderer des Weltmeisters zu küren.Schweizerische Schachzeitung Oktober 1937, S. 145 ff.Chess 14. September 1937, S. 3 f. Auch Aljechin merkte an, dass die Kommission, der er selber angehörte, Capablanca, gefolgt von Botwinnik, als die geeigneten Kandidaten sah.Chess 14. Oktober 1937, S. 45 f.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machte alle Pläne obsolet, die FIDE war in dieser Zeit einige Jahre lang inaktiv.

Etablierung 1946 bis 1970 Dass die FIDE schließlich doch noch die Kontrolle über die Weltmeisterschaft übernehmen konnte, lag zum einen am durch den Tod des Weltmeisters Alexander Aljechin bedingten Interregnum, zum anderen am Beitritt der Sowjetunion mit ihren rund 600.000 registrierten Spielern. Für den Beitritt des sowjetischen Verbandes, der 1947 erfolgte, „opferte“ man das FIDE-Gründungsmitglied Spanien.

Übernahme der Weltmeisterschaft Zunächst galt es jedoch, die Verbandsaktivitäten wiederaufzunehmen, die seit der Schacholympiade 1939 geruht hatten. Vom 25. bis 27. Juli 1946 fand in Winterthur der erste Kongress nach dem Krieg statt. Wegen finanzieller und logistischer Probleme waren nur neun Verbände vertreten, weshalb die gefällten Beschlüsse vom nächsten Kongress zu bestätigen waren. Beschlossen wurde hier ein WM-Turnier, das 1947 in den Niederlanden stattfinden sollte. Ein Teilnehmer sollte der Sieger des Staunton Memorial in Groningen oder des Treybal Memorial in Prag sein.Schweizerische Schachzeitung November 1946, S. 169 ff.

mini|hochkant|Michail Botwinnik (1933)

Darüber hinaus wurde die Struktur der künftigen dreijährlichen WM-Zyklen beschlossen, die für viele Jahre im Wesentlichen gelten sollten: Auf die regionalen Zonenturniere sollte jeweils ein Interzonenturnier mit 20 Teilnehmern folgen, darauf wiederum ein doppelrundiges Kandidatenturnier. Michail Botwinnik dagegen schlug Kandidatenwettkämpfe vor. Gleichzeitig kritisierte er den Verband für dessen Defizite im Hinblick auf Finanzen und Autorität.Chess März 1947, S. 168 f.

Kritischer für die FIDE waren die Konsequenzen eines niederländischen Zeitungsberichtes, in dem die sowjetischen Spieler Absprachen bezichtigt wurden. Wegen dieser Aussage weigerte sich Botwinnik zunächst, in den Niederlanden zu spielen.Chess Dezember 1946, S. 63.

Schließlich wurde auf dem Kongress in Den Haag vom 30. Juli bis 2. August 1947 die Entscheidung für ein WM-Turnier bestätigt, das nun 1948 in Den Haag und Moskau stattfinden sollte.Schweizerische Schachzeitung Oktober 1947, S. 154 f.

Titelvergabe Im Jahre 1950 vergab der Verband erstmals offizielle Titel. Für ihre Leistungen wurde an 27 Spieler der Großmeistertitel verliehen. Weitere 93 Spieler erhielten den Titel Internationaler Meister. Im Jahre 1957 wurden Normen definiert, nach denen die Titel vergeben werden.

Ärger um das Kandidatenturnier Im Anschluss an das Kandidatenturnier 1962 bezichtigte der junge Amerikaner Bobby Fischer seine sowjetischen Mitspieler, sich unlauterer Mittel zu bedienen. Als Konsequenz kündigte Fischer an, nie mehr an einem WM-Zyklus teilzunehmen.Der Spiegel 41/1962, S. 94 ff. Beim FIDE-Kongress im schwedischen Saltsjöbaden vom 25. August bis zum 5. September 1962 wurden die Regeln wegen dieser Vorfälle angepasst. Nun sollte das Kandidatenturnier in Wettkämpfen ausgetragen werden, wie es einst schon Botwinnik vorgeschlagen hatte.Deutsche Schachzeitung 10/1962, S. 307 und S. 368.

Weitere neue Wettbewerbe Seit der Verband auch für die Weltmeisterschaft verantwortlich zeichnete, war ihre Vormachtstellung in allen Schachbelangen unumstritten. Die Unterstützung des mit Abstand größten und einflussreichsten Verbandes, der Sowjetunion, war gewiss.

In dieser Zeit war der Schwede Folke Rogard Präsident der FIDE, der 1949 Alexander Rueb abgelöst hatte. Er etablierte weitere Wettbewerbe der FIDE, so beispielsweise die Schacholympiade der Frauen ab 1957.

Einführung der Elo-Zahlen Auf dem Kongress in Siegen 1970, auf dem Rogards Nachfolger gewählt wurde, beschloss man auch die Einführung der Elo-Zahlen. Diese hatte ihr Namensgeber Arpad Elo in den 1960er Jahren zunächst für den US-Verband entwickelt.

Expansion 1970 bis 1982 mini|400px|Mitgliedsländer der FIDE. Blau markierte Länder traten vor 1970 bei, grüne bis 1991, gelbe seit 1993, rot markierte Länder sind Nachfolgeverbände der Sowjetunion und Jugoslawiens.

1970 wurde der frühere Weltmeister Max Euwe zum Präsidenten der FIDE gewählt. Dessen oberstes Ziel war die Erweiterung des Verbandes. Während seiner achtjährigen Präsidentschaft stießen mehr als zwei Dutzend neue Verbände zur FIDE hinzu. Euwes Expansionspolitik wurde von seinen Nachfolgern Olafsson und Campomanes fortgesetzt.

Juri Awerbach, der Euwe als besten FIDE-Präsidenten aller Zeiten bezeichnete,Gennadi Sosonko: Remembering Max Euwe in via Internet Archive (englisch, PDF; 160 kB) S. 3 ff. sah dies später als kritisch an, da es das Stimmrecht vielen kleinen Verbänden ermöglichte, gegen große Verbände zu kämpfen.Taylor Kingston: Yuri Averbakh: An Interview with History Part 2 in via Internet Archive (englisch, PDF; 132 kB) S. 7 f. und 11. Auch Anatoli Karpow bemerkte später, Euwe habe mit den besten Absichten gehandelt, Schach überallhin verbreiten zu wollen, was aber zu einem Führungsvakuum in der FIDE geführt habe.