Die Allgäuer Alpen sind eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Ostalpen. Das Gebirge liegt östlich des Bodensees, prägt das Allgäu und hat eine Ausdehnung von etwa 75 km × 50 km.

Anteil an den Allgäuer Alpen haben die Länder Deutschland mit dem Bundesland Bayern sowie Österreich mit den Bundesländern Vorarlberg und Tirol. Auf der Staatsgrenze liegt der südlichste Punkt Deutschlands (Grenzstein 147) in der Nähe des Haldenwanger Ecks, der auch das Dreiländereck Bayern – Tirol – Vorarlberg bildet.

Einordnung Die Allgäuer Alpen stellen nach SOIUSA einen von sechs Unterabschnitten der Bayerischen Alpen dar, die dort ihrerseits ein Abschnitt der Nördlichen Ostalpen sind.

Einordnung nach SOIUSA Teil II Ostalpen Sektor II/B Nördliche Ostalpen Abschnitt 22 Bayerische Alpen Unterabschnitt 22.II Allgäuer Alpen

Charakteristik mini|„Aufzug auf die Alm“ (Ansichtskarte von Eugen Felle), im Hintergrund der Zentrale Hauptkamm der Allgäuer Alpen Die Gebirgsgruppe zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt im Gesteinsaufbau und daraus folgend durch ein vielfältiges Landschaftsbild aus. Bemerkenswert sind die steilen Grasberge der Allgäuer Alpen mit Neigungswinkeln von bis zu 70 Grad. Die Flora gehört zu den vielfältigsten der ganzen Alpen. Die Erschließung durch Seilbahnen und Wege ist überdurchschnittlich. Berühmt sind die Höhenwege von Hütte zu Hütte, bei denen der Bergwanderer sieben bis zehn Tage unterwegs sein kann, ohne in bewohnte Täler abzusteigen. Durch die Lage am Nordrand der Alpen ist das Gebiet relativ niederschlagsreich und das regenreichste von Deutschland. Im Winter sind die Allgäuer Alpen – zumindest in den höheren Lagen – vergleichsweise schneereich. Sogar ein kleiner Gletscher und einige Ewigschneefelder konnten sich bis heute erhalten.

Die Allgäuer Alpen und das Allgäu sind nicht deckungsgleich. Das Allgäu ist eine Landschaft, die sich nach heutigem Verständnis (fast nur, siehe Tannheimer Tal) auf das deutsche Staatsgebiet beschränkt. Die Allgäuer Alpen sind eine Gebirgsgruppe der Alpen. Ihre Definition erfolgte im Rahmen der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen in einzelne Gebirgsgruppen. Teile der Allgäuer Alpen sowie der höchste Gipfel liegen bereits auf österreichischem Staatsgebiet. Das Allgäu dagegen erstreckt sich im Norden und Nordwesten weit über den Bereich der Allgäuer Alpen hinaus.

Benachbarte Gebirgsgruppen Die Allgäuer Alpen grenzen an das Bregenzerwaldgebirge im Westen, an das Lechquellengebirge im Südwesten, an die Lechtaler Alpen im Süden und Südosten und an die Ammergauer Alpen im Osten. Alle diese Gebirgsgruppen gehören wie die Allgäuer Alpen selbst den Nördlichen Ostalpen an. Im Norden grenzen die Allgäuer Alpen an das Alpenvorland.

Umgrenzung Nur im Osten, Südosten und Süden ist die Begrenzung eindeutig und klar. Der Lech bildet hier die Grenze von seinem Austritt aus den Alpen ins Alpenvorland bei Füssen flussaufwärts bis zur Einmündung des Krumbach bei Warth (Vorarlberg). Der Krumbach führt die Grenze bis zum Hochtannbergpass. Die Grenze verläuft weiter entlang des Seebachs und der Bregenzer Ach bis Au-Rehmen.

Die Grenze der Allgäuer Alpen im Westen gegen das Bregenzerwaldgebirge ist orografisch nicht eindeutig. Die im Jahr 1984 veröffentlichte Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) zieht die Grenze wie folgt: von Au-Rehmen entlang des Rehmerbachs aufwärts bis zum Stoggersattel. Dann wieder abwärts über den Osterguntenbach, den Schönenbach und die Subersach bis zur Einmündung in die Bregenzer Ach und entlang dieses Flusses weiter bis zur Einmündung der Weißach oder sogar bis zum Bodensee. Die noch näherliegende Abgrenzung, die den Umweg über die Subersach ausließe und an der Bregenzer Ach bliebe, würde das nach dem deutschen Allgäu benannte Teilgebirge um Landschaften erweitern, die gänzlich im österreichischen Vorarlberg liegen.

Die Grenze der Allgäuer Alpen im Norden ist variabel. Bei einer engeren Grenzziehung verläuft die Grenze von der Einmündung der Weißach in die Bregenzer Ach entlang der Weißach bis Oberstaufen. Dort geht es weiter über die Konstanzer Ach und den Großen Alpsee nach Immenstadt und weiter über die Orte Rettenberg, Wertach, Nesselwang, Pfronten-Ried und den Weißensee bis schließlich zum Lech bei Füssen. Diese Grenze verwendet etwa Hansjörg Dongus in seiner Naturräumlichen Gliederung der Alpen auf den Blättern 187/193 Lindau/Oberstdorf und 188/194 Kaufbeuren/Mittenwald, wobei er zusätzlich noch die Bucht von Langenegg, Hittisau und Andelsbuch ausspart. Andere Gliederungen setzen weiter nördlich an und beziehen die südlicheren Höhenzüge der Nagelfluhhöhen zwischen Bodensee und Wertach mit ein; insbesondere der Pfänder (1062 m) nebst Hirschberg (1095 m), der Sulzberg (1041 m), die Salmaser Höhe (1254 m) und der Rottachberg (1115 m) werden oft noch zu den Alpen gerechnet.

Der Hochtannbergpass verbindet die Allgäuer Alpen mit dem Lechquellengebirge. Der Stoggersattel stellt die Verbindung zum Bregenzerwaldgebirge her.

mini|hochkant=3|zentriert|Relief der nordwestlichen Ostalpen mit den Allgäuer Alpen im Zentrum nebst Haupt-Naturraumgrenzen und Berghöhen (Legende siehe Bildbeschreibungsseite)

Topografie Die Gebirgsgruppen der Nördlichen Kalkalpen lassen sich hinsichtlich ihrer Geländeform in zwei Kategorien unterteilen: die Kettengebirge und die Plateaugebirge. Die westlichen Gebirgsgruppen und damit die Allgäuer Alpen sind mit Ausnahme des Gebiets um das Kalkplateau des Hohen Ifens Kettengebirge, in Abgrenzung von den östlich gelegenen Plateaugebirgen wie den Loferer Steinbergen.

Ein eigentlicher Hauptkamm zieht sich nur durch den südöstlichen und östlichen Teil der Allgäuer Alpen, d. h. im Grenzgebiet Deutschland-Österreich. Dieser Hauptkamm besteht, mit einer kurzen Unterbrechung in der Gegend des Rauheck, aus einem auch sonst weit verbreiteten Gestein, dem Hauptdolomit. Er beginnt bei der Einsattelung des Schrofenpass im hintersten Rappenalpental und zieht sich in weitgehend geradem Verlauf bis zum Oberjoch.

Vom Hauptkamm gehen eine Vielzahl von Seitenkämmen aus. Von Südwesten her kommend zweigen vom Hauptkamm ab: das Hohe Licht und die Peischelgruppe nach Süden und Osten, der Himmelschrofenzug nach Norden, die Hornbachkette nach Osten, der Fürschießer nach Nordwesten, die Kegelköpfe nach Nordwesten, die Höfatsgruppe nach Nordwesten, der Kanzberg-Höhenrücken nach Osten, die Daumengruppe mit ihren Verzweigungen nach Norden, die Rosskargruppe nach Osten und die Leilachgruppe mit ihren Verzweigungen nach Osten und Nordosten.

Der Hauptkamm der Allgäuer Alpen befindet sich nicht in der Mitte der Gebirgsgruppe, sondern am südlichen und südöstlichen Rand. Daraus folgt, dass die nach Norden und Nordwesten führenden Seitenkämme länger sind als die nach Süden und Osten führenden Kämme. Auch die Täler, die von Norden her zum Hauptkamm führen, sind länger als die Täler im Süden des Hauptkamms. Dies hat konkrete Auswirkungen auf den Bergtourismus. So sind weite Teile des Hauptkamms von Süden her schneller zu erreichen als von Norden, vor allem wenn man noch das Fahrverbot für private Kfz in einigen Tälern südlich von Oberstdorf und bei Hinterstein berücksichtigt. So ist es zum Beispiel vom Gipfel des Hohen Lichts nur 3,5 km Luftlinie nach Süden zur Lechtalstraße, nach Norden hingegen zum nächsten für den öffentlichen Kfz-Verkehr zugelassenen Punkt ist es 8,5 km Luftlinie. Beim Hochvogel sind die entsprechenden Werte 3 km in Richtung Süden, hingegen 11 km nach Norden. Zudem sind die Ausgangspunkte südlich des Hauptkamms oft höher gelegen als die nördlichen Ausgangspunkte. Trotz dieser eindeutigen Verhältnisse werden die Allgäuer Alpen einschließlich ihres Hauptkamms nach wie vor überwiegend von Norden, von der deutschen Seite her erwandert.

Im westlichen Teil der Allgäuer Alpen gibt es keinen durchgehenden Hauptkamm. Vom Fellhorn bis zum Widderstein gibt es einen dem Hauptkamm vorgelagerten Gebirgskamm. Dem schließt sich halbkreisförmig die Umgrenzung des hinteren Kleinen Walsertals an. Mit dem Hohen Ifen und dem Gottesackerplateau (Gesteine der Kreidezeit) wird der Kettencharakter der Allgäuer Alpen unterbrochen. Hier hat sich – einmalig für die Allgäuer Alpen und weit darüber hinaus – ein Karstplateau herausgebildet. Weiter im Norden bilden die Flyschberge erneut lokale Ketten. Daran schließen sich im äußersten Norden des Westflügels die Allgäuer Nagelfluh-Schichtkämme aus Nagelfluh-/Molassegesteinen an. Dies ist die am schönsten herausmodellierte Gebirgskette der Molasse in den gesamten Alpen. Auch die niedrigeren Berge noch weiter nördlich bilden lokale Ketten (Nagelfluhhöhen und Senken zwischen Bodensee und Wertach).

Die Tannheimer Gruppe wird in ihrem zentralen Teil aus Wettersteinkalk, einem Riffkalk, gebildet. Daraus kann bereits die isolierte Stellung dieser Berge ohne topografischen Zusammenhang mit dem Hauptkamm der Allgäuer Alpen abgeleitet werden. Innerhalb der Tannheimer Gruppe gibt es einen lokalen Hauptkamm zwischen Aggenstein und Hahnenkamm. Die Berge östlich und nördlich davon sind einzelne Bergstöcke.

Untergliederung nach SOIUSA Nach der Internationalen vereinheitlichten orographischen Einteilung der Alpen (SOIUSA) werden die Allgäuer Alpen in fünf Obergruppen und 14 Untergruppen eingeteilt. Die orographische Einteilung stimmt im Wesentlichen nicht mit der des aktuellen Alpenvereinsführers Allgäuer Alpen (18. Auflage) überein. Lediglich die SOIUSA-Gruppe "Daumengruppe" stimmt in ihren orographischen Grenzen mit der gleichnamigen Untergruppe nach Alpenvereinsführer überein. Weiterhin stimmt die SOIUSA-Obergruppe der "Tannheimer Berge" mit der gleichnamigen Untergruppe nach Alpenvereinsführer überein. Nach SOIUSA wird sie jedoch in zwei Gruppen weiter untergliedert.

Obergruppe Gruppe SOIUSA-Code Höchster Gipfel Höhe A Walsertaler Berge 1 Widderstein-Schafalpen-Kette II/B-22.II-A.1 Widderstein 2 Hoher Ifen-Heiterberg-Kette II/B-22.II-A.2 Hoher Ifen B Westliche Allgäuer Voralpen 3 Besler-Hittisberg-Kette II/B-22.II-B.3 Besler 4 Riedberg-Kette II/B-22.II-B.4 Riedberger Horn 5 Allgäuer Molasseberge II/B-22.II-B.5 Hochgrat C Allgäuer Alpen i. e. S. 6 Mädelegabel-Hochlicht-Kette II/B-22.II-C.6 Hohes Licht 7 Krottenspitze-Höfats-Kette II/B-22.II-C.7 Öfnerspitze 8 Krottenkopfgruppe II/B-22.II-C.8 Großer Krottenkopf 9 Hochvogel-Rosszahn-Kette II/B-22.II-C.9 Hochvogel 10 Daumengruppe II/B-22.II-C.10 Großer Daumen 11 Rauhorn-Leilachspitze-Kette II/B-22.II-C.11 Leilachspitze D Östliche Allgäuer Voralpen 12 Pfrontener Berge II/B-22.II-D.12 Übelhorn E Tannheimer Berge 13 Tannheimer Gruppe II/B-22.II-E.13 Kellenspitze 14 Westliche Tannheimer Gruppe II/B-22.II-E.14 Aggenstein

Untergruppen nach Alpenvereinsführer mini|Der Allgäuer Hauptkamm Die vergriffenen älteren Auflagen des Alpenvereinsführers Allgäuer Alpen teilen die Gebirgsgruppe auf in den Allgäuer Hauptkamm sowie in die Seitenkämme und übrige Gruppen.

Der Allgäuer Hauptkamm wird dort in acht Untergruppen unterteilt: Rappen-Alpen, Hochlicht-Gruppe, Peischelgruppe, Mädelegabel-Gruppe, Krottenspitz-Gruppe, Wilden-Gruppe, Hochvogel-Gruppe und Rauhhorn-Zug.

Die Seitenkämme und übrigen Gruppen bestehen aus zehn Untergruppen: Hornbachkette, Höfatsgruppe, Daumen-Gruppe, Roßzahn-Gruppe, Leilach-Gruppe, Berge zwischen Breitach und Stillach (Schafalpen und Warmatsgund), Walsertaler Berge links der Breitach, Vorberge westlich der Iller, Vorberge ostwärts der Iller, Tannheimer Berge.

Die aktuelle 16. Auflage des Alpenvereinsführers Allgäuer Alpen, dem wir nachstehend folgen, nimmt eine gröbere Unterteilung in nur noch zwölf Untergruppen vor. Ein direkter Vergleich zwischen den Untergruppen nach der älteren Einteilung und den Untergruppen entsprechend der neuen Einteilung ist nicht einfach, weil die Grenzen zwischen den Untergruppen teilweise neu gezogen wurden. In der Hauptsache wurden Seitenkamm-Untergruppen mit denen des Hauptkamms zusammengelegt und die Gruppe „Zentraler Hauptkamm“ aus gleich vier Untergruppen zusammengesetzt: