Sant’Ambrogio della MassimaDiözese Rom Patrozinium: Hl. Ambrosius Weihetag: Pfarrgemeinde: Santa Maria in Campitelli Anschrift: Via di Sant’Ambrogio, 3 00186 Roma mini|Blick auf das Tor und den oberen Teil der Fassade am Hof

Sant’Ambrogio della Massima (lat.: Sancti Ambrosi de maxima) ist eine kleine Kirche in Rom. Sie ist Klosterkirche und Sitz der Generalkurie der Benediktinerkongregation von Subiaco. In ihrer heutigen Gestalt stammt sie aus dem frühen 17. Jahrhundert, steht aber auf antiken Gebäuderesten. Sie enthält einige bedeutende Kunstwerke. Seit 2023 ist die Kirche Titeldiakonie eines Kardinaldiakons.

Lage Die Kirche liegt im XI. römischen Rione Sant’Angelo, an der nach ihr benannten Via di Sant’Ambrogio etwa 80 Meter südöstlich des Schildkrötenbrunnens.

Name Der Name der Kirche bezieht sich auf den heiligen Ambrosius von Mailand. Die Herkunft des Beinamens della Massima bzw. de maxima ist nicht geklärt, möglicherweise trug eine der Gründerinnen des Klosters den Namen Maxima. Möglich ist auch eine Verbindung zur Cloaca Maxima, die in der Nähe in den Tiber mündet, oder zu einer Porticus Maxima. Francesca Cappelletti: Roma Sacra, S. 6.

Geschichte Die Kirche liegt auf dem Gelände, das in der Antike zur Porticus Philippi gehörte. Die Kirche und die angrenzenden Klostergebäude stehen über dem Tempel des Hercules Musarum, der sich in der Porticus befand.

Der Überlieferung nach soll hier das Haus gestanden haben, in dem der heilige Ambrosius von Mailand lebte, bevor er zum Antritt seiner Präfektur nach Mailand wechselte.Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms, S. 308. Er soll zusammen mit seiner Schwester, der heiligen Marcellina, hier aufgewachsen sein, die danach in diesem Haus eine klösterliche Gemeinschaft gründete. Ob sich die Erwähnung im Liber Pontificalis aus der Zeit des Papstes Leo III. monasterium S. Mariae quae appellatur Ambrosii auf diese Kirche bezieht, ist ungeklärt.Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms, S. 308/309. Wahrscheinlicher ist, dass ein erster Kirchenbau an dieser Stelle im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Im Inneren des Campanile ist noch romanisches Mauerwerk zu erkennen. Dazu passt, dass im Kirchenkatalog des späteren Papstes Honorius III. von 1192 ein monasterium Maxime erwähnt ist. Der Katalog von Turin von etwa 1320 hat einen Eintrag Monasterium sancte Mariae de Maxima und berichtet über zwölf Ordensleute.Hülsen: Le Chiese di Roma nel Medio Evo, S. 344. Der heutige Bau entstand im Auftrag der Äbtissin Beatrice de Torres unter der Mithilfe ihres Bruders Kardinal Ludovico de Torres von 1606 bis 1634 durch Carlo Maderno. Francesca Cappelletti: Roma Sacra, S. 7.

Vom 13. Jahrhundert bis 1809 gehörten Kirche und Kloster den Benediktinerinnen. Dann wurden diese 1828 von einer Gemeinschaft der regulierten Franziskanerinnen abgelöst. Nach dem Inquisitionsprozess (siehe unten) wurde dieser Konvent aufgelöst; der Komplex kam 1861 in den Besitz der Benediktiner von Subiaco. Nach der Beschlagnahme durch den italienischen Staat 1870 wurden die Gebäude später zurückgegeben. 1959 bis 1964 und 1992 bis 1994 fanden Restaurierungen statt.

Seit dem Konsistorium vom 30. September 2023 ist die Kirche Titeldiakonie. Erster Kardinaldiakon wurde mit gleichem Datum Claudio Gugerotti.

Inquisitionsprozess Das Kloster war vor allem in den 1850er Jahren Schauplatz von teilweise skandalösen Ereignissen, die ab 1859 von der Inquisition untersucht wurden; auf Basis der Gerichtsakten veröffentlichte Hubert Wolf 2013 das Buch Die Nonnen von Sant'Ambrogio, das einige Aufmerksamkeit erregte.Hubert Wolf: Die Nonnen von Sant’Ambrogio. Eine wahre Geschichte. C.H. Beck Verlag, München 2013Theresa Hüther: „Die Vergiftungs-Geschichte der Prinzessin von Hohenzollern, bei welcher der Jesuit P. Kleutgen betheiligt war.“ Ein Skandal in Rom und seine publizistischen Nachwehen während des Kulturkampfes. In: Alt-Katholische und Ökumenische Theologie 3 (2018) (= Jahresheft des Alt-Katholischen Seminars der Universität Bonn), S. 25–44 (online).

Gegenstand der Untersuchung war die Verehrung der Gründerin des Konventes in Sant'Ambrogio: Die Mystikerin Maria Agnese Firrao († 1854) hatte sich schon zu Lebzeiten im Konvent und außerhalb desselben als Heilige verehren lassen, was 1816 zu einer Verurteilung wegen ‚angemaßter Heiligkeit‘ führte. Trotz Aufhebung des Klosters und Verlegung der Gründerin in eine andere Gemeinschaft bestand der Konvent aber faktisch weiter. Schon 1819 widerrief Papst Pius VII. die Aufhebung des Klosters, 1828 übergab Papst Leo XII. dem Konvent das Kloster Sant’Ambrogio. Im Jahr darauf bestätigte er zudem seine Regel und befreite die Schwestern und den Konvent von allen kirchlichen Strafen.

In den 1850er Jahren wurde der Kult der Gründerin von der jungen Novizenmeisterin Maria Luisa Ridolfi gepflegt. Sie ließ sich auch selbst als Heilige verehren, die von Agnese Firrao und verschiedenen Heiligen regelmäßig Visionen empfing. Zur Bekräftigung ihrer Heiligkeit und zur Durchsetzung ihrer Interessen fertigte sie zahlreiche (angeblich von Maria Agnese Firrao, der Heiligen Maria oder Christus selbst gesandte) Himmelsbriefe an. Ein solcher Brief an Pierre Jean Beckx soll diesen dazu gebracht haben, den Theologen Clemens Schrader von der Gregoriana nach Wien zu versetzen. Ridolfi wurde von Karl August von Reisach und ihrem Beichtvater protegiert; auch Josef Kleutgen, der auf Vermittlung von Reisachs als zweiter Beichtvater im Kloster fungierte, unterstützte sie.

Ridolfi unterhielt mit mehreren Männern sowie zahlreichen Frauen im Kloster sexuelle Beziehungen, die sie religiös überhöhte. Auch Kleutgen ging mit ihr ein sexuelles Verhältnis ein, förderte ihre Verehrung als Heilige und deckte zahlreiche Verstöße gegen das Kirchenrecht, die Ridolfi beging.

Die Verhältnisse kamen ans Licht, nachdem 1858 Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen als Novizin in das Kloster eingetreten war und hinsichtlich der sexuellen Beziehungen der Novizenmeisterin Verdacht schöpfte. Nach mehreren auf sie verübten Giftanschlägen verließ sie das Kloster 1859 fluchtartig und veranlasste eine Untersuchung durch die römische Inquisition, welche von 1859 bis 1862 andauerte. Kleutgen nutzte seine Position als Beichtvater, um der Äbtissin und den Schwestern im Rahmen der Beichte Schweigegebote gegenüber der Inquisition aufzuerlegen; die Himmelsbriefe (die zahlreiche belastende Passagen über Ridolfi und ihn selbst enthielten) vernichtete er.

Die Untersuchungen der Inquisition mündeten in einem Prozess, an dessen Ende der Kult der Agnese Firrao durch Aufhebung des Klosters, Verlegung von Gräbern und Vernichtung von Dokumenten dauerhaft unterbunden werden sollte (damnatio memoriae). Die Hauptangeklagte Ridolfi wurde zu zwanzigjähriger Klosterhaft verurteilt, ihr Beichtvater und die Äbtissin zu geringeren Strafen. Auch Kleutgen wurde in zahlreichen Punkten schuldig gesprochen, allerdings nur zu einer auffällig geringen Strafe verurteilt, von der er etwa anderthalb Jahre unter angenehmen Bedingungen verbrachte, ehe er begnadigt wurde.

Das Gebäude

Fassade Die Fassade liegt an einem kleinen Hof, den ein Besucher durch ein mit schmalen Pilastern mit Kapitellen toskanischer Ordnung versehenes Portal betritt. Zum Zeichen der bischöflichen Würde sind oberhalb der Kapitelle jeweils zwei Quasten aufgesetzt. Die Fassade hat eine Vorhalle mit drei Arkadenbögen, die Pfeiler sind ebenfalls nach toskanischer Ordnung gestaltet. Der Mittelteil der Fassade ist nur mit drei Rundbogenfenstern gegliedert, von denen das mittlere als Blindfenster eingefügt ist. Die Fassade wird oberhalb des Gesimses von einem einfachen Dreiecksgiebel abgeschlossen.

Inneres und Ausstattung Die Kirche ist einschiffig, je zwei Seitenkapellen flankieren das Langhaus. Über der Vierung erhebt sich eine Kuppel. Diese verfügt über keinen Kuppeltambour und wird von einer Laterne gekrönt. Der Chor der Kirche ist rechteckig und schließt gerade ab. Im Langhaus sind die Wände zwischen den Kapellen mit Pilastern gegliedert, die Kapitelle folgen ionischer Ordnung mit Festons. Der Innenraum ist dem Geschmack des Barock folgend reich mit Goldstuck verziert. Die Kirche wird von Tonnengewölben gedeckt, im Langschiff mit Stichkappen. Die Pendentifs der Vierung sind freskiert, es handelt sich um vier Darstellungen von Tugenden, geschaffen von Francesco Cozza im 17. Jahrhundert.

Die in Richtung Chor erste Kapelle rechts enthielt früher ein Pietro da Cortona zugeschriebenes Altarbild, heute befindet sich hier eine Darstellung Ambrosius und Marcellina aus dem 19. Jahrhundert. In der zweiten Kapelle rechts, die dem heiligen Benedikt gewidmet ist, befindet sich eine Statue des Heiligen von Orfeo Boselli im Stil von François Duquesnoy aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im Bogen befindet sich ein Fresko Flucht nach Ägypten aus dem 17. Jahrhundert. Francesca Cappelletti: Roma Sacra, S. 8.

Das Oberbild über dem Hochaltar im Chor stellt Maria mit Kind, Josef und einen weiteren Heiligen dar, ebenfalls eine Arbeit des 17. Jahrhunderts. Auf der Mensa des Hochaltars befindet sich ein Reliquienkästchen mit Reliquien des heiligen Polykarp von Smyrna,Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms, S. 310. eine Kosmatenarbeit. Das Vorsatzbild des linken Querschiffs stellt Maria mit Kind dar, es ist ein Tafelbild und wurde im 15. Jahrhundert geschaffen. Gegenüber hängt eine Kopie der Kreuzigung von Francesco Trevisani. Die erste Kapelle links enthält auf dem Altar eine Mariendarstellung mit unsichererBuchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms, S. 311. Zuschreibung an Giuseppe Cesari in einer Marmorfläche. Die Kapelle ist auch mit Szenen aus dem Leben Marias freskiert. In der zweiten linken Kapelle, die dem heiligen Maurus gewidmet ist, hängt ein Gemälde von Ciro Ferri, das den Heiligen darstellt, der einen Gelähmten heilt. Francesca Cappelletti: Roma Sacra, S. 9.

Vom linken Querschiff aus erreichbar ist die Sakristei, die Pilaster hier sind nach korinthischer Ordnung gestaltet. Das Altarretabel enthält eine Darstellung Christus am Kreuz, eine Arbeit des 17. Jahrhunderts.

Einige wichtige Kunstwerke befinden sich außerdem im Refektorium des Klosters, so die Kreuzabnahme von Antoniazzo Romano. Francesca Cappelletti: Roma Sacra, S. 10.

Literatur Walther Buchowiecki: Handbuch der Kirchen Roms, Bd. 1. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1967. Mariano Armellini: Le Chiese di Roma. Roma 1891. Christian Hülsen: Le Chiese di Roma nel Medio Evo. Firenze 1927. Francesca Cappelletti, Paolo Galeotti (Hrsg.): Roma Sacra, 15. Itinerario. Elio de Rosa Editore, Pozzuoli 1999. Hubert Wolf: Die Nonnen von Sant’Ambrogio. Eine wahre Geschichte. C.H. Beck Verlag, München 2013, ISBN 978-3-406-64522-8.

Weblinks Sant’Ambrogio della Massima bei www.romeartlover.it (englisch)

Einzelnachweise

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