Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) gehört zur Gattung der Paläarktischen Landschildkröten (Testudo). Der größte Teil ihres riesigen Verbreitungsgebietes liegt in Asien und Nordafrika, zwei der sechs Unterarten kommen jedoch auch im europäischen Mittelmeerraum vor.U. Fritz, A. K. Hundsdörfer, P. Široký, M. Auer, H. Kami, J. Lehmann, L. F. Mazanaeva, O. Türkozan, M. Wink: Phenotypic plasticity leads to incongruence between morphology-based taxonomy and genetic differentiation in western Palaearctic tortoises (Testudo graeca complex; Testudines, Testudinidae). In: Amphibia-Reptilia. 28 (1), 2007, S. 7–121 () Die Maurische Landschildkröte ist als kleine bis mittelgroße, pflanzenfressende Landschildkröte im deutschsprachigen Raum ein beliebtes Heimtier, in vielen ihrer angestammten Heimatgebiete aber im Bestand bedroht. Der private Import dieser Schildkröten ist deshalb (je nach Unterart) illegal und wird mit Geld- oder Freiheitsstrafe bestraft.

Beschreibung mini|Artmerkmal: grobe, überlappende Schuppen auf einer Seite der Vorderbeine mini|Artmerkmal:Hornkegel (Oberschenkelsporne) Geschlechtsmerkmal: kurzer Schwanz beim Weibchen mini|Geschlechtsmerkmal: längerer Schwanz beim Männchen mini|Geschlechtsmerkmal:Weibchen (links) sind meist größerMännchen (rechts) längerer Schwanz mini|Artmerkmal: Verdickter Plastronvorderlappen Unterartmerkmal: gelbe Kopfzeichnung (T. g. g., Sardinien) Die Maurische Landschildkröte ist eine kleine bis mittelgroße Landschildkröte. Ausgewachsene Exemplare der osteuropäischen Testudo graeca ibera erreichen bis zu 35 cm Länge (SCL, Stockmaß des Rückenpanzers) und ein Gewicht von mehr als 5 kg (Beshkov 1997). Tiere westmediterraner Unterarten bleiben deutlich kleiner. Für Südostspanien wird eine durchschnittliche Länge von 11,2 cm bei Männchen und 12,6 cm bei Weibchen angegeben (Pérez 1998). Der Rückenpanzer (Carapax) ist hoch gewölbt, mit dem höchsten Punkt im Bereich der dritten Vertebrale, und besitzt relativ breite Vertebralschilde. Der Bauchpanzer (Plastron) ist am Vorderlappen deutlich verdickt und besitzt bei erwachsenen Tieren am hinteren Ende ein schwach bewegliches Scharnier. Wie bei den meisten Schildkröten wird die aus Knochenplatten bestehende Panzerkapsel von dünnen Hornschilden bedeckt, wobei der so genannte Schwanzschild bei Testudo graeca meist ungeteilt ist. Die Vorderbeine der Maurischen Landschildkröte sind an der Außenseite mit vier bis sechs Querreihen von sich überlappenden, großen Hornschuppen bedeckt und besitzen meist fünf Krallen. An den Hinterbeinen befinden sich außer bei einer nordafrikanischen Lokalform zwei typische Hornkegel, symmetrisch rechts und links vom Schwanz angeordnet. Die Färbung und Zeichnung des Panzers ist individuell und unterartbedingt sehr verschieden ausgeprägt. Jungtiere schlüpfen meist mit einer deutlichen und kontrastreichen Zeichnung des Panzers aus dem Ei, bei einigen nordafrikanischen Lokalformen aber auch nahezu einfarbig hellbraun. Bei älteren Tieren wird die Färbung und Zeichnung zunehmend verwaschen. Auch die Farbe der Weichteile schwankt je nach Klimabedingungen stark von hellgelbbraun bis nahezu schwarz. Bei einigen Lokalformen zeigt sich eine charakteristische helle Fleckung an der Oberseite des Kopfes.

Unterscheidungsmerkmale zu anderen Arten der Gattung Gegenüber der Griechischen Landschildkröte Testudo hermanni unterscheidet sich Testudo graeca durch ihre fast immer vorhandenen Oberschenkelsporne und das Fehlen eines Hornnagels am Schwanzende. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind vier bis sechs auffällige Querreihen grober, sich überlappender Schuppen an den Außenflächen der Unterarme und das bei erwachsenen Tieren immer vorhandene Scharnier am Hinterlappen des Bauchpanzers. Von der Breitrandschildkröte Testudo marginata lässt sich die Maurische Landschildkröte durch ihre rundlichere Panzerform und die fehlende dreieckige Plastronzeichnung abgrenzen. Die Ägyptische Landschildkröte Testudo kleinmanni ist deutlich kleiner und heller gefärbt als Testudo graeca und hat ebenfalls eine dreieckige Plastronzeichnung. Die Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii) besitzt nur vier, die Maurische Landschildkröte dagegen fünf Krallen an den Vorderfüßen.

Geschlechtsunterschiede Maurische Landschildkröten besitzen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus. Männchen und Weibchen zeigen deutliche sekundäre Geschlechtsmerkmale, die sich mit etwa vier bis sechs Jahren ausprägen. Frisch aus dem Ei geschlüpfte Tiere sind nicht nach Geschlechtern unterscheidbar.

Erwachsene Männchen haben einen längeren Schwanz und eine dickere Schwanzwurzel, in der der Penis verborgen ist und nur zur Begattung ausgestülpt wird. Männchen tragen den Schwanz meist seitlich unter den Panzer geklappt, wogegen der kurze Schwanz der Weibchen ausgestreckt bleibt. Ihre Kloake liegt zudem näher am Körper. Der Bauchpanzer der Männchen ist leicht nach innen gewölbt (konkav). Der Schwanzschild deutlich nach innen gebogen. Weibchen sind dagegen insgesamt größer und schwerer als Männchen, wobei die Größen- und Gewichtsunterschiede teilweise beträchtlich ausfallen können.

Unterarten Lange Zeit galt die Maurische Landschildkröte trotz ihres riesigen Verbreitungsgebietes über drei Kontinente mit unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen als eine Art mit wenigen Unterarten. Seit einigen Jahren werden jedoch immer neue Varietäten entdeckt und als weitere Unterarten (z. B. Testudo graeca pallasi) beziehungsweise eigenständige Arten (z. B. Testudo perses) oder gar Gattungen (z. B. Furculachelys nabeulensis) beschrieben, aber zum Teil nicht allgemein anerkannt. Zwei neue, auf genetischen Untersuchungen basierende Studien geben folgende 10 Unterarten für die Maurische Landschildkröte an.James F. Parham, Oğuz Türkozan, Bryan L. Stuart, Marine Arakelyan, Soheila Shafel, J. Robert Macey, Yehudah L. Werner, Theodore J. Papenfuss: Genetic Evidence for Premature Taxonomic Inflation in Middle Eastern Tortoises. In: Proceedings of the California Academy of Sciences. Fourth Series, Band 57, Nr. 3, 2006, , S. 955–964Uwe Fritz, D. James Harris, Soumia Fahd, Rachid Rouag, Eva Graciá Martínez, Andrés Giménez Casalduero, Pavel Široký, Mohsen Kalboussi, Tarek B. Jdeidi, Anna K. Hundsdörfer (2009): Mitochondrial phylogeography of Testudo graeca in the Western Mediterranean: Old complex divergence in North Africa and recent arrival in Europe.- Amphibia-Reptilia 30 (2009): 63-80

Östliche Unterarten Armenische Landschildkröte, Testudo graeca armeniaca, Chkhikvadze, Bakradze 1991 Diese Unterart ist gekennzeichnet durch eine niedrige, an Testudo horsfieldii erinnernde Panzerform und eine meist eher düstere Färbung mit wenig kontrastreicher Zeichnung. Die maximale Größe wird mit 20–23 Zentimeter angegeben. Nach genetischen Studien wurde die vormals als separate Unterart beschriebene Testudo graeca pallasi mit Testudo graeca armeniaca synonymisiert. Areal: westliches Küstengebiet des Kaspischen Meeres, östlicher bzw. Teile des Zentral-Kaukasus in Armenien und der Türkei Kaspische Landschildkröte, Testudo graeca buxtoni, Boulenger 1921 Eingegliedert in diese Unterart wurde Testudo perses. Areal: Nordwest- und Zentraliran, östlicher Kaukasus Eurasische Landschildkröte, Testudo graeca ibera, Pallas 1814 Hierbei handelt es sich um die größte Unterart. Einzelne Tiere erreichen Körpergrößen von über 30 Zentimeter. Die Panzerform ist etwas flacher als bei anderen Vertretern der Art und rundlich bis oval. Die Grundfärbung des Panzers ist in der Jugend oliv mit deutlich abgesetzter schwarzer Zeichnung. Mit zunehmendem Alter werden die Tiere meist dunkler, insbesondere an den Weichteilen. In diese Unterart wurden auch Testudo ibera racovitzai und Testudo graeca nikolskii eingegliedert, die bisher separat beschrieben waren. Biotop: Kulturlandschaft, offene Buschlandschaft und Wiesen, lichte Waldränder, sandige Küstenstreifen, Steppe und Halbwüste. Areal: Südosteuropa, westliches Kleinasien, russische und georgische Schwarzmeerküste, Zentralkaukasus. Namensherkunft: Der Unterartname "ibera" geht auf eine antike Bezeichnung des Kura-Tales in Georgien zurück (Iberien) und nicht auf die iberische Halbinsel (Spanien). Levantinische Landschildkröte, Testudo graeca terrestris Forskål 1775 Diese Tiere fallen durch die überwiegend helle, teilweise auffallend gelbe Färbung ("Golden Greek") von Panzer und Weichteilen auf. Dunkle Pigmentflecken sind selten schwarz, sondern meist eher braun und in der Ausbreitung reduziert. Die Tiere sind ausgesprochen hochrückig. Am Kopf zeigt sich eine charakteristische, gelbe Fleckenzeichnung. Als maximale Größe wird meist 16 Zentimeter angegeben. In diese Unterart eingegliedert wurden Testudo ibera var. bicaudalis, Testudo floweri, Testudo graeca anamurensis und Testudo antakyensis. Biotop: schwach bewachsene Steppe, Buschland, trockene Wälder Areal: südliches und östliches Kleinasien, Levante Persische Landschildkröte, Testudo graeca zarudnyi, Nikolsky 1896 Die längliche Panzerform mit gesägtem und verbreiterten Hinterrand ähnelt der Breitrandschildkröte Testudo marginata. Die Färbung der Tiere ist oliv bis braun, die klare Fleckenzeichnung des Jugendstadiums später nur noch verschwommen. Es ist eine große Unterart mit Panzerlängen über 20 Zentimetern. Biotop: Felsige Hügel und Ebenen bis in 2500 Meter Höhe Areal: Ost-Iran Herkunft des Namens: Diese Unterart wurde zu Ehren des russischen Zoologen Nikolai Alexejewitsch Sarudny benannt.

Westliche Unterarten Cyrenaika-Landschildkröte, Testudo graeca cyrenaica, Pieh and Perälä 2002 Die Cyrenaica-Landschildkröte besitzt schmale Vorderextremitäten mit nur schwachen Wehrschuppen. Der Panzer ist tailliert, weist eine schmale vordere Öffnung auf und nach oben geschürzte, hintere Marginalia. Die Supracaudalschuppe ist bei männlichen Tieren vergleichsweise stark nach innen gebogen. Areal: Libyen Holotypus: Museum für Tierkunde, Dresden, MTKD 31880 Terra typica: Derna 32°46'N, 22°39'E (Darnah, Cyrenaika, Ostlibyen) Namensherkunft: der Name bezieht sich auf die Region Cyrenaika im nordöstlichen Libyen Marokkanische Landschildkröte, Testudo graeca marokkensis, Pieh und Perälä 2002 Testudo graeca marokkensis besitzt einen vergleichsweise flacheren Rückenpanzer als die Nominatform. Zur ockerfarbenen bis gelben Grundfärbung des Rückenpanzers kontrastiert eine Vielzahl von feinen Strichen, Linien und Sprenkeln, außerdem besitzen die Schilde eine dunkle, teilweise zerrissene Umrandung und zentrale Areolflecken. Der Bauchpanzer ist heller als der Rücken, besitzt aber ebenfalls schwarze Zeichnungselemente. Der Kopf ist dunkel mit mehreren hellen Schuppen, die Extremitäten sind überwiegend dunkel mit einzelnen helleren Schuppen. Genetische Studien zeigten, dass Testudo graeca lamberti sehr eng mit Testudo graeca marokkensis verwandt ist und nicht als eigenständige Unterart aufzufassen ist. Biotop: aride Landschaft mit Steppenklima Areal: Nordmarokko, beiderseits des Rifgebirges Holotypus: Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart, SMNS 7602 Terra typica: Tarmilete, 33° 23' N, 06° 04' W, Nordwestmarokko Namensherkunft: Der Name geht auf das Verbreitungsgebiet in Marokko zurück. Maurische Landschildkröte, Testudo graeca graeca, Linnaeus 1758 Die Carapaxzeichnung von Testudo graeca graeca besteht aus soliden Zeichnungselementen auf gelbem Grund. Die Wirbelschilde besitzen einen dunklen Rand und ebenfalls dunkle Areolenflecken. Die als Testudo graeca whitei beschriebene Lokalform gehört genetisch in diese Unterart. Areal: Algerien, Ostmarokko, Spanien (hier vermutlich eingeführt) Terra typica: Oran (ca. 35°41'N 0°38'W), Algerien Sousstal-Landschildkröte, Testudo graeca soussensis, Pieh 2001