mini|Gefangene bei ihrer Ankunft im Januar 2002 Das Gefangenenlager Guantanamo gehört zur Guantanamo Bay Naval Base, einem Marinestützpunkt der US Navy in der Guantánamo-Bucht auf Kuba. Die Bereiche zur Unterbringung der Gefangenen sind Camp Iguana und Camp Delta (mit dem Sonderteil Camp Echo). Letzteres ersetzt das mittlerweile geschlossene Camp X-Ray. Im Januar 2002 wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem darauf folgenden Krieg in Afghanistan begonnen, den Stützpunkt um ein Internierungslager für Gefangene zu erweitern. Damit war sowohl der Schutz der Vereinigten Staaten vor Terroristen als auch die Gewinnung geheimdienstlicher Erkenntnisse beabsichtigt. Die Rechtslage der Gefangenen, deren Haftbedingungen, die verwendeten Verhör- und Foltermethoden und die Verstöße gegen die Menschenrechte dort führen international zu scharfer Kritik und zu Forderungen nach Schließung. Nachdem seit 2002 insgesamt 779 Gefangene dort inhaftiert worden waren, betrug deren Zahl Anfang Januar 2025 noch 15.
Ende Januar 2025 gab US-Präsident Donald Trump die Erweiterung des bestehenden Gefangenenlagers um eine Einrichtung mit einer Kapazität von bis zu 30.000 Migranten bekannt. Wenige Tage später kamen neue Häftlinge in Guantánamo an.
Gliederung mini|Eingang zum Camp Delta mini|Ein Arrestblock für 48 Personen im Camp Delta, Januar 2003 mini|Gefangener im US-Militärgefängnis
Die Camp-Namen entstammen teilweise der NATO-Buchstabiertafel (Buchstaben des ICAO-Alphabets). Die Lager werden durch die Joint Task Force Guantanamo betrieben. Die Gefangenenlager sind wie folgt gegliedert:
Camp X-Ray (geschlossen) Camp X-Ray war das erste errichtete Lager: es war von Januar 2002 bis 29. April 2002 in Betrieb, hatte eine Kapazität von 320 Gefangenen und bestand zum größten Teil aus Käfigen. Diese standen in der prallen Sonne, sodass die Insassen wie auch die WärterVICE News: der jeweiligen Witterung schutzlos ausgesetzt waren. Da die Käfige von allen Seiten frei einsehbar waren, wurden die Gefangenen auch vollständig ihrer Privatsphäre beraubt. Nachdem Bilder der Internierten um die Welt gingen, wurden die Zäune des Lagers mit Tüchern verhängt, angeblich zum Schutz der Häftlinge vor Fotografen.
Camp Delta Weil Camp X-Ray nicht genug Kapazität hatte, wurde es 2002 durch das größere Camp Delta ersetzt. Dort wurden insgesamt 779 Personen völkerrechtswidrig festgehalten und gefoltert. Das Lager besteht noch immer und ist in sieben Lager unterteilt – die Gefangenenlager 1 bis 6 und das Camp Echo: Lager 5 (Echo): Hier befinden sich kleine Isolationszellen.Katja Schlesinger: Obamas gebrochenes Versprechen – Zehn Jahre Guantanamo und kein Ende, Deutschlandfunk – „Hintergrund“, 10. Januar 2012 (14. Januar 2012) Lager 6: In diesem Hochsicherheitsgefängnis befanden sich Ende 2011 die meisten der noch im gesamten Lager verbliebenen 171 Gefangenen in großräumigen Gemeinschaftszellen. Camp Platinum/Camp 7 ist ein weiterer Ausbau des Gefangenenlagers. Es befindet sich außerhalb von Camp Delta und wird von der US-Militärpolizei bewacht. Anders als in Camp X-Ray befinden sich Toiletten in den Zellen, und die Insassen haben die Möglichkeit, mit ihren Anwälten zu sprechen. Es wird für spezielle Gefangene, aber auch für Befragungen und Anwaltskontakte der Insassen genutzt. 2021 erklärte das US Southern Command, Camp 7 sei aufgelöst und die Insassen ins Camp 5 verlegt worden.AP via Al-Arabiya: Among those held at Camp 7 were the five prisoners charged with war crimes for their alleged roles planning and providing logistical support for the Sept. 11, 2001, terrorist attacks.
Camp Iguana Auch das Camp Iguana ist ein ausgelagerter Komplex. Hier wurden ursprünglich Terrorverdächtige unter 18 Jahren interniert. Mittlerweile sind dort Gefangene untergebracht, deren Unschuld die USA anerkannt haben und deren Überführung in ihre Heimatländer derzeit als nicht möglich angesehen wird.
Geschichte Im Januar 2002 wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem darauf folgenden Krieg in Afghanistan begonnen, den Stützpunkt um ein Internierungslager für Gefangene zu erweitern, die von den US-Regierungen unter Bush und Obama bis März 2009 als ungesetzliche Kombattanten bezeichnet wurden. Damit war sowohl der Schutz der Vereinigten Staaten vor Terroristen als auch die Gewinnung geheimdienstlicher Erkenntnisse beabsichtigt. Das erste US-amerikanische Lager in Guantánamo hieß Camp X-Ray und bestand vom 11. Januar 2002 bis zum 29. April 2002. Es konnte maximal 320 Gefangene aufnehmen. Es wurde am 28./29. April durch das wesentlich größere Lager Camp Delta als Lager ersetzt. Misshandlungen von Gefangenen wurden am 12. März 2004 bekannt.. Netzeitung, 12. März 2004. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte am 30. November 2004 der Folter gleichkommende Behandlung in Guantánamo.IKRK wirft USA Folter vor. Frankfurter Rundschau (Quelle nicht mehr zugänglich.) Am 18. Mai 2006 brach nach mehreren Suizidversuchen eine Revolte der Gefangenen aus, die von den Wachen niedergeschlagen wurde.
Am 22. Januar 2009 unterschrieb US-Präsident Barack Obama ein Dekret zur Schließung der Gefangenenlager innerhalb eines Jahres.Executive Order 13492 Damals befanden sich auf Guantánamo noch 245 Gefangene in Gewahrsam.Eric Schmitt: Afghan Prison Poses Problem in Overhaul of Detainee Policy In: New York Times, 27. Januar 2009 (online), abgerufen am 30. Januar 2009 Unmittelbar nach dem Austausch von fünf Taliban gegen den in Afghanistan freigelassenen US-Soldaten Staff Sergeant Bowe Bergdahl Ende Mai 2014 belief sich die Zahl der verbleibenden Gefangenen im Lager auf 149. Im Juli 2021 betrug die Anzahl der Gefangenen noch 39, im Oktober 2022 noch 35.
Suizide, Suizidversuche und Todesfälle von Gefangenen 120 Häftlinge versuchten allein im Jahr 2003 sich umzubringen.
Am 10. Juni 2006 gab die Lagerleitung bekannt, dass drei Gefangene bei Suizid durch Erhängen gestorben seien. Laut BBC kommentierte Konteradmiral Harry Harris Jr., der Lagerkommandant, dies mit der Bemerkung: „Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem. Ich glaube, es war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt der asymmetrischen Kriegführung gegen uns.“Selbstmorde in Guantanamo. Tod im Lager der Schande. Süddeutsche Zeitung. Das Pentagon gab die Namen der Verstorbenen wie folgt bekannt: Mani bin Shaman bin Turki al-Habardi, 30, und Yasser Talal Abdulah Yahya al-Zahrani, 22 (beide Saudi-Arabien) sowie Ali Abdullah Ahmed, 33 (Jemen). Die Lagerleitung wies Vorwürfe mangelnder Aufmerksamkeit damit zurück, dass die Gefangenen ihre Aktion listig verborgen hätten. Eine ordnungsgemäße Obduktion der Toten konnte nicht durchgeführt werden. Bei der Obduktion aller drei Toten fehlten nämlich Teile des Rachens, des Kehlkopfes und der Luftröhre, Organe also, deren Prüfung bei Erhängen am wichtigsten ist. Außerdem wies der rechte Handrücken des Jemeniten blaue Flecken auf, die durch eine Injektion hervorgerufen worden sein konnten. Wegen dieser Indizien kann auch eine Ermordung durch das Lagerpersonal nicht ausgeschlossen werden.
Den Suiziden waren 41 Suizidversuche vorausgegangen, die von der Lagerleitung mit zum Teil bis zu 18-monatiger Verzögerung bekannt gegeben wurden. Am 30. Mai 2007 wurde der 34-jährige Saudi-Araber Abdul Rahman Maath Thafir al-Amri tot in seiner Zelle aufgefunden. Er war im November 2001 in den Bergen von Tora Bora gefangen genommen worden und war seit Februar 2002 in Guantánamo eingesperrt. Nach Angaben des US-Militärs starb er durch Suizid. Ein anderer Häftling, der aus Bahrain gebürtige Juma Mohammed Al Dossary, kündigte nach mindestens zehn Suizidversuchen an, dass er seinem Leben weiter ein Ende setzen wolle. „Ich will dieser psychischen und physischen Folter ein Ende setzen. Ich suche nach einem Ende für mein Leben“, heißt es in einem Brief des 33-Jährigen.
Am 1. Juni 2009 wurde der 31-jährige Mohammed Ahmad Abdallah Sali tot in seiner Zelle aufgefunden. Nach Angaben des US-Militärs hatte er sich selbst getötet. Er hatte seit Februar 2002 in dem Gefangenenlager eingesessen. Adnan Latif starb im September 2012 an einer Überdosis seines Anti-Psychose-Medikaments.Military faults guards in captive’s suicide by overdose. Miami Herald.
Am 30. Dezember 2007 wurde der 68-jährige afghanische Gefangene Abdul Razzak von einem Arzt für tot erklärt. Er befand sich wegen einer Darmkrebserkrankung in chemotherapeutischer Behandlung.Guantanamo prisoner dies of cancer, Reuters, 30. Dezember 2007 Anfang Februar 2011 starb der 48-jährige afghanische Häftling Awal Gul, der seit 2002 interniert war. Gemäß offiziellen Angaben verstarb er beim Sport, möglicherweise an einer Lungenembolie oder einem Herzinfarkt.Muere un preso en Guantánamo, El País, 3. Februar 2011 Eine Autopsie ergab Arteriosklerose als Todesursache.http://humanrights.ucdavis.edu/projects/the-guantanamo-testimonials-project/testimonies/prisoner-testimonies/autopsy_awal_gul.pdf
Aufnahme von Flüchtlingen Am 29. Januar 2025 gab US-Präsident Donald Trump ein Dekret zur Erweiterung des bestehenden Gefangenenlagers um eine Einrichtung mit einer Kapazität von bis zu 30.000 Migranten bekannt. Sechs Tage später kamen neue Häftlinge, welche vom US-Verteidigungsministerium als hochgefährlich eingestuft wurden, in Guantánamo an. Dabei handele es sich um zehn Mitglieder der transnationalen Bande Tren de Aragua aus Südamerika.
Rechtslage der Gefangenen mini|Skulptur von José Antonio Elvira über die Situation der Gefangenen im US-Lager
Den Gefangenen bleiben Rechte als Kriegsgefangene oder zivile Gefangene verwehrt. Stattdessen werden sie als so genannte unlawful combatants (ungesetzliche Kombattanten, sinngemäß ungesetzliche Kämpfer) in besonderen Lagern des Stützpunkts interniert. Die Einstufung als ungesetzliche Kombattanten wird mit Völkerrecht und Menschenrechten nach herrschender Meinung als nicht vereinbar angesehen. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten George W. Bush und seine engsten Mitarbeiter wussten nach Angaben des damaligen Stabschefs des damaligen US-Außenministers Colin Powell, Lawrence Wilkerson, von der Unschuld der meisten Guantanamo-Gefangenen, ließen diese aber aus politischen Gründen weiter in der Sonderhaftanstalt.
Im November 2003 kam in den internationalen Medien das mittlerweile bestätigte Gerücht auf, dass nach Guantanamo auch Kinder und Jugendliche, die während des Afghanistankrieges (2002) gefangen genommen wurden, verschleppt worden seien. Auch ihnen seien einige grundsätzliche Menschenrechte verwehrt geblieben. Im Januar 2004 wurden drei inhaftierte Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren nach Afghanistan zurückgebracht und freigelassen. Sie seien „keine Gefährdung mehr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten.“
Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts der USA im Juni 2004 müssen die Gefangenen die Möglichkeit haben, ihre Freiheitsentziehung überprüfen zu lassen. Bis zur Beendigung der Überprüfung Ende Januar 2005 wurde der Status in 327 Fällen bestätigt. Bei den restlichen Inhaftierten steht die Entscheidung noch aus.
Bewertung der Rechtslage, Schließungs- und Freilassungsforderungen Joyce Hens Green, Richterin am District Court für den District of Columbia, bezeichnete in ihrem Urteil vom 31. Januar 2005Urteil vom 31. Januar 2005 (PDF; 3,3 MB) die Praxis der Internierung ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren als illegal und als Verstoß sowohl gegen die Genfer Konventionen als auch gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten. Inzwischen erging auch in Sachen Hamdan v. Rumsfeld eine Grundsatzentscheidung des Supreme Court. Diese verbietet die Praxis der US-Regierung, die prozessualen und materiellen Rechte der Gefangenen massiv einzuschränken, und stellt fest, dass für Sondergerichte in Form von „Militärkommissionen“ keine Rechtsgrundlage besteht.