Der Felsen-Seidelbast (Daphne petraea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Seidelbast (Daphne) innerhalb der Familie der Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae). Dieser Endemit der Südalpen kommt nur im Gardaseegebiet und dessen Umgebung vor.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Atlas der Alpenflora mini|Habitus und vierzählge Blüten

Habitus Der Felsen-Seidelbast ist ein polsterbildender immergrüner Zwergstrauch mit zahlreichen kurzen, kräftigen, gewundenen, aufsteigenden, gabelig verzweigten Stämmen. Er erreicht Wuchshöhen von 8 bis 15 Zentimetern. Die Rinde junger Zweige ist grünlich-braun und spärlich flaumig behaart. Ältere Stämme sind mit zahlreichen hervorstehenden Blattnarben bedeckt und besitzen eine braune bis graubraune Borke.

Blatt Die immergrünen, derb lederigen Laubblätter des Felsen-Seidelbasts sitzen an den Enden der Zweige gehäuft. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 8 bis 12 Millimetern sowie einer Breite von 2 bis 3 Millimetern breit lineal-spatelförmig mit stumpfem oberen Ende. Die Blattoberseite zeigt eine glänzend grüne Färbung, die Blattunterseite ist weiß punktiert und durch einen annähernd dreikantigen Mittelnerv stark gekielt.

Blütenstand und Blüte Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis Juli. In den endständigen, büscheligen Blütenständen sind drei bis fünf, selten bis zu zehn sitzende Blüten zusammengefasst. Am Grund der Blütenstände befinden sich 4 Millimeter lange, spatelförmig gestaltete, trockenhäutige, behaarte Hochblätter.

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier kräftig rosafarbenen, kronblattähnlichen Kelchblätter bilden an ihrer Außenseite eine flaumige Behaarung aus und sind zu einer etwa 1,5 Zentimeter langen Röhre verwachsen die in vier kurze Kelchzipfeln endet.

Frucht Die giftigen, spärlich behaarten, korallroten, beerenartigen Früchte ähneln mit ihrem schwarzen Steinkern einsamigen Steinfrüchten. Da an ihrer Bildung sowohl die Fruchtblätter als auch die Blütenachse beteiligt sind, werden sie neben Steinfrucht auch als Scheinfrüchte bezeichnet.

Vorkommen und Schutz Der Felsen-Seidelbast ist ein Endemit der beiden italienischen Provinzen Trient und Brescia. Er besiedelt die Gebirge vom Ledro- und Idrosee ostwärts bis zum Nordende des Gardasees.

Der Felsen-Seidelbast kommt relativ selten vor und wurde deshalb unter nationalen und internationale gesetzlichen Schutz gestellt. Er zählt zu den in den Anhängen II und IV der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) aufgeführten Arten und steht als Art von gemeinschaftlichem Interesse unter besonderem Schutz.

Der Felsen-Seidelbast wächst in Höhenlagen von etwa 700 bis 2000 Metern. Er besiedelt Felsritzen in steilen Dolomitwänden sowie vorübergehend ruhenden Steinschutt.

Systematik Daphne petraea wurde 1852 von Friedrich Leybold entdeckt und im Folgejahr erstbeschrieben. Francesco Facchini hatte diese Art schon 1846 gefunden, der von ihm gebrauchte Name Daphne rupestris ist jedoch ein nicht gültig veröffentlichtes Synonym.

Mit Daphne alpina bildet Daphne petraea die Hybride Daphne ×reichsteinii (1981).

Nutzung Als Zierpflanze findet der Felsen-Seidelbast vor allem in Stein- und Alpengärten Verwendung.

Quellen

Einzelreferenzen Friedrich Leybold: Daphne petraea, eine neue Pflanze der Tyroler Alpen. In: Flora Band 36, Nr. 6, 1853, S. 81–82, (online). D. A. Webb, I. K. Ferguson: Daphne. In

Marinella Zepigi: Daphne petraea Leyb. In: Forum Acta Plantarum, 2010, .

(it.) Steckbrief mit Fotos u. a. Liste von Pflanzenarten, die sich besonders für einen Steingarten eignen.

Weblinks

Datenblatt mit Verbreitung in Italien. Thomas Meyer, Michael Hassler: Mittelmeer- und Alpenflora.

Kategorie:Seidelbastgewächse Kategorie:FFH-Arten (Anhang II) Kategorie:Alpenflora