mini|Klosterkirche in Niederehe

Das Kloster Niederehe ist ein ehemaliges Prämonstratenserinnenkloster in Niederehe, einem Ortsteil der Gemeinde Üxheim (Landkreis Vulkaneifel) in Rheinland-Pfalz.

Lage Das Kloster steht im westlichen Bereich der Gemarkung auf einer Höhe von etwas über . Nördlich fließt der Niedereher Bach, der gut 1,6 km weiter östlich in den Ahbach mündet, einen rechten Zufluss der Ahr.. Von der nördlich gelegenen Nohner Straße führt in südöstlicher Richtung die Kerpener Straße auf das Kloster zu. Ebenfalls von der Nohner Straße aus, wenn auch einige Meter weiter östlich, verläuft die Loogher Straße in südwestlicher Richtung. Durch den Bach sowie die beiden Straßen wird eine dreiecksförmige Fläche aufgespannt, auf der in der Mitte das Kloster steht. Das Gelände wird von einer Mauer aus unbehauenen Steinen eingefriedet.

Geschichte 12. bis 14. Jahrhundert 1162 erhielten drei Herren von Kerpen vom damaligen Erzbischof von Köln Rainald von Dassel die grundsätzliche Zusage zum Bau eines Klosters. Die drei Brüder Albero (1158–1197), Alexander (1168–1197) sowie Dietrich (1173–1201) und ihre Schwestern begannen daher mit der Planung des Bauwerks. Sie sahen vor, auf ihrem Allod ein Kloster für adelige Jungfrauen nach der Augustinusregel im Tal des Niedereher Bachs zu errichten. Zwischen 1162 und 1175 errichteten Handwerker zunächst das südliche Nebenschiff der Klosterkirche, während die Brüder zahlreiche Grundstücke sowie weitere Einnahmequellen zusammenführten, um die dauerhafte Finanzierung des Stifts sicherzustellen. Philipp I. von Heinsberg bestätigte daraufhin die Planungen, sodass die Brüder ab 1175 mit dem Bau des Klosters „allodium in villa, qua dicitur Ye“ begannen. Es wurde aufgrund eines Erlasses von Erzbischof Adolf I. aus dem Jahr 1197 nicht von einer Äbtissin, sondern von einer Magistra geführt. Zur Begründung hieß es: „Damit sie nicht stolz werden.“ Sie erhielt 1218 das Kirchenpatronat und den Zehnt. Der Konvent wurde 1223 auf 25 Klosterfrauen festgelegt, um „die Überfüllung des Klosters mit unnützen Personen zu vermeiden.“ Aus diesem Jahr sowie aus den Jahren 1203 und 1218 sind weitere Schenkungen überliefert, darunter Grundstücke in Bachem sowie Weinberge in Ahrweiler. 1225 oder 1226Ferdinand Pauly: St. Leodegar Niederehe. Pfarrei Niederehe: Das Kloster St. Leodegar in Niederehe (Eifel); aktualisiert von I. Berens. Homepage des Pfarramts Üxheim-Niederehe. ordnete der Kölner Erzbischof Heinrich I. es der Abtei Steinfeld zu. Es war fortan den Regeln des Prämonstratenserordens unterstellt. Im Laufe der Jahre wurden Besitztum und Vermögen des Klosters durch (überwiegend) Schenkungen und Vermächtnisse seitens adeliger Stifter bzw. Bewohnerinnen gemehrt. Erzbischof Johann I. vermachte dem Kloster beispielsweise ein Ewiges Licht sowie fünf Pfund. Hinzu kamen Einnahmen aus dem Ablasshandel, die der Bischof Aegidius von Jerusalem dem Kloster bewilligte. Durch die Verehrung des heiligen Antonius setzte ein reger Zustrom von Pilgern und Wallfahrern ein, der dem Kloster weitere Einnahmen bescherte. Innozenz IV. stellte das Kloster in einer Bulle vom 30. März 1246 unter päpstlichen Schutz. Damit waren nicht nur sämtliche Privilegien und Indulte geschützt, sondern auch die Aufnahme und Austritte der Klosterschwestern geregelt.

15. bis 18. Jahrhundert Im Zusammenhang mit dem wachsenden Wohlstand des Klosters wird in zeitgenössischen Quellen ein „Verfall der klösterlichen Zucht und der Sitten“ beschrieben, wobei Letzteres nicht näher ausgeführt wird. Die Verwaltung arbeitete zunehmend nachlässig und so sanken auch die Einnahmen des Klosters; es kam sogar zu Schulden. Aus dem Jahr 1460 ist beispielsweise überliefert, dass die Nonnen einem Pfarrer 34 Malter Früchte und 18 rheinische Gulden schuldeten. Reformversuche blieben ohne nachhaltigen Erfolg. Friedrich von Sombreff, ein Nachfolge der Stifterfamilie von Kerpen, schlug zu Beginn des 15. Jahrhunderts beispielsweise vor, das Kloster durch Prämonstratenser-Chorherren aus Steinfeld führen zu lassen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts – das genaue Jahr wird in den verschiedenen Quellen mit 1461, 1474 sowie 1475 genannt – verwüstete ein Feuer das Klostergebäude praktisch vollständig sowie Teile der Kirche. Für zahlreiche Gläubige war das ein Zeichen des Himmels, der die drängenden Reformen anschob. Nach etlichen Jahren des Wiederaufbaus wurde Kloster Niederehe 1505 auf Betreiben des damaligen Landesherren Graf Diedrich IV. von Manderscheid-Schleiden mit päpstlicher Zustimmung in ein Männerkloster umgewandelt, das jedoch weiterhin der Prämonstratenserabtei Steinfeld unterstellt war, somit nunmehr von Prämonstratenserchorherren bewohnt wurde und bereits seit 1504 dem ersten wiedereingesetzten Prior Heinrich Engelen unterstand. Alle vorhandenen Güter wurden auf das neue Kloster umgeschrieben, ebenso alle Erbschaften. Die Rekonziliation fand am 22. August 1505 im Beisein des Kölner Suffraganbischofs Theodorich statt. Dabei wurde der Hochaltar zu Ehren der Dreifaltigkeit, der heiligen Maria sowie zu Ehren von Johannes dem Täufer, Leodegar von Autun, Arnulf von Metz und den 10.000 Märtyrern konsekriert. Ebenso konsekriert wurden ein Altar in der damaligen Sakristei und ein weiterer Seitenaltar. Die Kirche verfügte nun über insgesamt sechs Altäre. Die Neustrukturierung bestätigte unter anderem Robert Graf von Virneburg aus der Grafschaft Virneburg, der zu dieser Zeit als Abt in Prüm wirkte, in einer Urkunde vom 8. September 1507. Wenige Wochen später, am 11. November 1507 erhielt das Kloster vom Grafen Dietrich und seiner Frau Margaretha 300 Gulden als Darlehen, die jährlich in Raten zu je 50 Gulden abgetragen werden mussten. Als Zins erhielten der Graf und seine Frau jährlich zwei Malter Früchte, gleichzeitig traten sie alle Gelder und Renten an das Kloster ab, die sie aus Berenbach bezogen. Die Leitung übernahm ein Prior aus Steinfeld. Die Umstrukturierung zeigte Wirkung: Es trat der beabsichtigte wirtschaftliche Aufschwung ein. 1514 gab es Einkünfte aus Gudenheim, Carlsberg, Nohn, Oberehe-Stroheich, Walsdorf und Arendorf. 1539 kam Leudersdorf hinzu. 1541 gab es Überlegungen, das Kloster nach Schleiden zu verlegen. Der Steinfelder Abt Jakob Panhausen (1540–1582) widersetzte sich jedoch diesen Plänen der Herren von Kerpen und so blieb das Kloster in Niederehe.

1567 konvertierten die Herren von Manderscheid-Schleiden im Zuge der Confessio Augustana zum Protestantismus. Während das Kirchenschiff nunmehr für evangelische Gottesdienste genutzt wurde, blieb der Chorraum der katholischen Gemeinde von Niederehe und dem Kloster, das nicht aufgelöst wurde, vorbehalten. Nach dem Tod des Grafen Diedrich IV. von Manderscheid-Schleiden 1593 wurde die Grafschaft wieder katholisch und 1595 übertrug Philipp von der Mark die Leitung des Klosters wieder der Abtei Steinfeld. Prior Eulenbroich konnte am 10. Oktober 1593 den Gottesdienst wiederaufnehmen. 1674 kam der Zehnte aus Nohn hinzu, 1720 aus Leudersdorf. 1752 und 1782 wurden umfangreiche Um- und Neubauten verwirklicht, wie zuletzt eine Neuerrichtung des Westflügels.

19. bis 21. Jahrhundert Das Ende des Klosters als geistliche Einrichtung kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach der Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch französische Revolutionstruppen während der Koalitionskriege und der Anerkennung der Annexion durch den Frieden von Lunéville 1801. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation unter Napoleon Bonaparte aufgelöst. Der letzte Prior des Klosters, Eberwin Eschweiler, wurde zum Pfarrer von Niederehe. Der Klosterbesitz fiel an den französischen Staat und wurde am 18. Juni 1804 für 1260 Taler versteigert, wobei die Kirche und Teile der Klostergebäude an die Pfarrei gingen. Das Brauhaus brachte einen Erlös von 245 Talern; die Klostermühle 360 Taler. Die zuvor kölnische Pfarrei wurde Hilfspfarrei des Kantons Lissendorf bei Hillesheim und gehörte damit zum Bistum Trier.

Seit 1991 ist Niederehe Sitz einer Pfarreiengemeinschaft, zu der auch die Pfarreien in Üxheim, Nohn, Oberehe und Walsdorf gehören. In der ehemaligen Klosterkirche finden regelmäßig Gottesdienste sowie etwa viermal jährlich Orgelkonzerte statt. Sie ist Pfarrkirche, dem heiligen Märtyrer Leodegar von Autun geweiht und tagsüber geöffnet. Führungen finden nur an bestimmten Terminen oder nach Absprache statt. In den ehemaligen Klostergebäuden befinden sich im 21. Jahrhundert Einrichtungen der Pfarrgemeinde und Privatwohnungen.

Baubeschreibung mini|Klosterkirche von Süden Südlich des Hauptschiffs befindet sich das deutlich niedrigere Seitenschiff. Es ist der älteste Teil der Kirche; seine Erbauung wird auf die Zeit zwischen 1162 und 1175 datiert und im Volksmund ahle Kirch (alte Kirche) genannt. Vermutlich als Grablege derer von Kerpen errichtet, lag das Patrozinium beim heiligen Leodegar. Um 1200 bauten Handwerker im Stil der Spätromanik nördlich des Bauwerks eine Saalkirche aus Bruchsteinen an. Die ahle Kirch wurde somit Seitenschiff und erhielt ein Kreuzgratgewölbe, dessen westlicher Teil von 1500 bis 1505 neu kreuzgewölbt wurde. Es ist 2,86 Meter breit und erhielt im 18. Jahrhundert große, rechteckige Fenster.

Der Chor ist geostet, nicht eingezogen und hat einen Fünfachtelschluss. Die Bruchsteine wurden mit einem weißen Putz versehen. Zur optischen Gliederung wurden einzelne Elemente mit einem rot-braunen Anstrich versehen, so etwa die Ecken des Chors, die wie Lisenen wirken. Im unteren Bereich ist in jedem der fünf Chorfelder je ein kleines Rundbogenfenster, dessen Laibung ebenfalls durch den Anstrich betont wird. In Höhe der Kämpfer verbinden Rundbögen die einzelnen Fassadenelemente.

An der Nordseite des Kirchenschiffs ist am östlichen Ende ein kleiner rechteckiger Anbau mit einem Ochsenauge an der östlichen Fassade. Darüber sind je zwei paarweise angeordnete Rundbogenfenster. Nach Norden erstreckt sich das Klostergebäude, das die letzten drei zugesetzten Fenster verdeckt. An der Südseite steht am Übergang zwischen Chor und Kirchenschiff der Kirchturm. Nach Westen bauten die Handwerker drei hochgesetzte Fenstergruppen mit je zwei paarweise angeordneten Rundbogenfenstern. In der Mitte ist eine rechteckige Pforte, nach Westen gerichtet sind seit 1905 zwei Rundfenster, die mit farbigen Emblemen des heiligen Leodegar verziert sind. Das Schiff ist einschließlich des Chors 33,5 Meter lang und etwa 6,5 Meter breit. Es hat vier Joche mit Kreuzgewölbe, dessen Gurtbögen reichhaltig verziert sind. Die westliche Wand ist vergleichsweise schlicht mit einer großen Pforte, die im 21. Jahrhundert als Zugang dient. Durch ein Fenster mit einem Vierpass fällt Licht auf die Empore. Das Schiff trägt ein Walmdach.

Der annähernd quadratische Turm hat vier Geschosse; im Glockengeschoss sind in einer Rundbogenöffnung je zwei gekuppelte Klangarkaden. Er schließt mit einem achtfach geknickten Zeltdach ab.

An der Nordseite der Kirche schließt sich der Klosterhof an, der im Norden und Westen von den rechtwinklig aneinandergebauten ehemaligen Klostergebäuden eingefasst wird und sich nach Osten zum Ort hin öffnet. Der Nordflügel wurde um 1650 errichtet. Der Westflügel wurde in den Jahren 1776 bis 1782 auf älteren Grundmauern fast völlig neu erbaut und schließt unmittelbar an die Kirche an. Beide Klosterflügel haben über dem Kellergewölbe zwei Vollgeschosse und ausgebaute Mansarddächer mit Dachgauben. Sie sind ebenso wie die Kirche aus Bruchsteinen erbaut und verputzt. Der gesamte Komplex ist im 21. Jahrhundert weiß getüncht, wobei die Fenster- und Türeinfassungen sowie sonstige Zierelemente wie Fensterrosetten oder Eckpilaster farblich abgesetzt sind, überwiegend in einem rotbraunen Farbton.

Ausstattung Altar und Gestühl 353x353px|mini|Blick in den Chor