Der Silberpreis ist auf dem Silbermarkt der Marktpreis des Handelsobjekts Silber und wird vorwiegend in US-Dollar notiert. Der Preismechanismus entsteht an Rohstoffbörsen durch das weltweite Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.
Wichtige Einflussfaktoren sind der Dollarkurs, Zinssätze und der Ölpreis sowie die Preise anderer Edelmetalle (z. B. Gold-, Platin- und Palladiumpreis) und (Halbedel-)Metalle (z. B. Kupfer und seltene Erden). Auch Emotionen spielen an den Rohstoffbörsen eine Rolle, z. B. Inflationsängste, politische Ereignisse, Spekulationen und langfristige Erwartungen.
Der Silberpreis und die Silbermenge bestimmen den Metallwert, den ein Silber enthaltendes Handelsobjekt (Schmuck, Silberbarren, Silbermünzen oder Kunstgegenstände) besitzt.
Geschichte Antike mini|Erste römische Silbermünze, 281 v. Chr. Auf etwa 4000 v. Chr. werden die ersten Silberfunde aus ägyptischen Königsgräbern datiert. In den Gesetzbüchern des ägyptischen Königs Menes (um 3000 v. Chr.) war festgelegt, dass „ein Teil Gold soviel wert ist wie zweieinhalb Teile Silber“.Hans Peter Latscha, Martin Mutz: Chemie der Elemente: Chemie-Basiswissen IV. Springer Verlag, Berlin 2011, ISBN 3-642-16914-7.
Die ersten Münzen wurden im Reich der Lyder zwischen 650 und 600 v. Chr. als Zahlungsmittel herausgegeben (siehe auch: Krösus). Dabei handelte es sich um unförmige Brocken aus Elektron, einer natürlich vorkommenden Gold-Silber-Legierung, zuerst bildlos. Bildliche Darstellungen auf Münzen kamen um 600 v. Chr. auf. Die ersten Silbermünzen wurden um 550 v. Chr. in Kleinasien und auf der griechischen Insel Ägina geprägt. Bis etwa 400 v. Chr. setzte sich die Münze in ganz Griechenland gegenüber dem Tauschhandel durch.
In China war während der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) Silber Bestandteil der offiziellen Währung, ihre Verwendung war der königlichen Familie vorbehalten. Der Münzwert entsprach weitgehend dem Metallwert (Kurantmünze).Heinz-Wilhelm Kempgen: Frühe chinesische Münzgeschichte – Zur Chronologie der Spatenmünzen (7. bis 3. Jahrhundert v. Chr.). Stuttgart 1993.
Punische Münzen gab es ab etwa 410 v. Chr. Einige von ihnen waren aus Silber, andere aus Elektron, wieder andere aus Gold.
Das Römische Reich nahm 269 v. Chr. Silber in die Standard-Münzprägung auf. Um 211 v. Chr. setzte die Silberprägung im großen Stil mit dem Denarius ein. Julius Caesar war der erste Lebende, der auf einer römischen Münze im vollen Kopfprofil als Gott abgebildet wurde (44 v. Chr.). In der Zeit der Soldatenkaiser setzte sich langsam der silberne Antoninian gegen den Denar durch.
Infolge weiterer Expansion – um 117 n. Chr. erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung – flossen große Silbermengen nach Rom, sodass ein Großteil der staatlichen Ausgaben durch das Neuprägen von Silbermünzen finanziert wurde, was in den folgenden Jahrhunderten zunächst zur Geldentwertung und im 3. Jahrhundert n. Chr. zum völligen Zusammenbruch der römischen Silberwährung führte. So besaßen in zunehmendem Maße auch die römischen Bürger kein Vertrauen mehr in immer neue Münzformen, die einen tendenziell immer geringer werdenden Silberanteil besaßen. Die Folge war, dass insbesondere ältere Münzen gehortet beziehungsweise eingeschmolzen wurden. Das Geld verlor dadurch stark an Bedeutung, so dass zum Beispiel der Sold der römischen Soldaten direkt in Getreide ausgezahlt wurde. Als Reaktion ersetzte Kaiser Konstantin der Große (war von 306 bis 337 römischer Kaiser; ab 324 regierte er als Alleinherrscher) die Silberwährung durch eine stabile Goldwährung namens Solidus.
Mittelalter mini|Chinesische Silbermünze – Ji Lin Chang Ping Eine Zeit der Vorherrschaft auf Silber gestützter Währung war das Frühmittelalter, als der Silberdenar den noch aus der Römerzeit übernommenen Goldsolidus ablöste und im europäischen Bereich ein Wertverhältnis beider von 12:1 festgelegt wurde.
Um 775 gaben die Könige von Sachsen Silbermünzen heraus, die als Sterlingsilber bekannt wurden. Aus einem Pfund Silber wurden 240 Münzen hergestellt. Karl der Große führte vor 800 eine Münzreform durch, die von der Gold- und Silberwährung hin zur einheitlichen Silberwährung führte (siehe Schilling). Es wurde der Denar oder Pfennig als die nahezu ausschließlich geprägte Münze neu eingeführt. Zwischen 750 und 1200 wurden in Mitteleuropa Silbervorkommen entdeckt, darunter im slowakischen Schemnitz (heute Banská Štiavnica) und am Rammelsberg im Harz, südlich der Stadt Goslar. Um 800 begann im Erzgebirge und in Böhmen der Silberabbau.Günther Ludwig, Günther Wermusch: Silber, aus der Geschichte des Edelmetalls. Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1988, ISBN 3-349-00387-7.
In China begann 1024 die Zentralregierung der Song-Dynastie monopolisiert offizielle staatliche Banknoten in Umlauf zu bringen. Sie waren durch kaiserliches Gold und Silber gedeckt und konnten sich im 12. Jahrhundert als wichtigstes Zahlungsmittel etablieren. Die mongolische Yuan-Dynastie schaffte die Edelmetalldeckung ab und führte damit die weltweit erste Fiat-Währung ein. Der Besitz von Gold und Silber war verboten, beide Metalle mussten restlos der Regierung übergeben werden. Übermäßiger Banknotendruck führte immer wieder zu erheblicher Inflation, denen 1287 und 1309 nur mit einer Währungsreform begegnet werden konnte.
Ab dem 15. Jahrhundert strömte verstärkt Silber aus Japan und anderen überseeischen Staaten nach China und gewann bald erhebliche Bedeutung als Zahlungsmittel. In Guangdong konnte schon früh die Steuer in Silber bezahlt werden; für 1423 ist der allgemeine Gebrauch für das Yangzi-Delta belegt. Ab 1465 bezahlten die Provinzen ihre Tribute an die Zentralregierung in Silber, ab 1485 Bauern und Handwerker ihren Loskauf von öffentlichen Arbeiten. Das Kaiserreich China besaß eine der ältesten Silberwährungen. Münzeinheit war das Tael, chinesisch auch Liang genannt. Von der Ming-Dynastie bis zum Ende der Qing-Dynastie 1911 waren Silberbarren die am meisten im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel.Wilhelm Patalas: Chinesische Münzen. Von ihrem Ursprung bis 1912. Ein Bestimmungsbuch. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1965.
Frühe Neuzeit mini|Durch die Entdeckung Amerikas 1492 und dem massenhaften Import von Silber aus Südamerika nach Spanien durch die Konquistadores sank der Silberwert Nach 1492 brachten die Spanier große Mengen von Gold und Silber aus Amerika, unter anderem aus der sagenumwobenen Mine von Potosí, nach Europa. Aus den Minen in Mexiko, Bolivien und Peru kamen über 85 Prozent der weltweiten Silberproduktion. Auch Japan war im 16. Jahrhundert Silberexporteur. Durch das gestiegene Angebot sank der Silberwert in der alten Welt. Die Zunahme der Gold- und Silbermenge blieb nicht ohne Folgen für die Volkswirtschaften der Erde. Die Preise begannen weltweit zu steigen. In Spanien betrug die Inflation im gesamten 16. Jahrhundert 400 Prozent. Das sind 1,6 Prozent pro Jahr. Die Preisrevolution breitete sich von dort über ganz Europa und bis nach Asien aus. Das Phänomen der stetigen Inflation, wie es heute als normal gilt, hatte es in Europa vor dem 16. Jahrhundert so nicht gegeben.Friedrich-Wilhelm Henning: Das vorindustrielle Deutschland 800 bis 1800. Uni-Taschenbücher, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-0398-0, S. 184.
Die Münzgeschichte Deutschlands zeigt eine fortwährende Münzverschlechterung. Diese Entwertung verlief meist schleichend über Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Der Münzherr bereicherte sich durch Münzverschlechterung zu Lasten seiner Bürger. In Norddeutschland stieg beispielsweise der Preis für eine Silbermark vom 13. bis zum 16. Jahrhundert in Schilling (Kurantmünze) um 694 Prozent.
Tragen mussten die Folgen der Münzentwertung (Inflation) alle Geldbesitzer. Die einfachen und ungebildeten Volksschichten (siehe Schinderlinge, Kipper- und Wipperzeit, Ephraimiten) traf es meist härter als diejenigen, die sich in kaufmännischen Dingen auskannten bzw. die auch nennenswerten Sachbesitz hatten, aus dem sie regelmäßige Einkünfte erzielen konnten (z. B. durch Vermietung oder Verpachtung).
+ Preis einer Silbermark in SchillingAdolf Soetbeer: Beiträge und Materialien zur Beurtheilung von Geld- und Bank-Fragen: mit besonderer Rücksicht auf Hamburg. Herold Verlag, Hamburg 1855. Jahr Schilling(Kurantmünze) 1226 34 1325 47 1353 58 1403 81 Jahr Schilling(Kurantmünze) 1451 160 1506 208 1524 235 1546 270 mini|Die Münze in Philadelphia prägte 1794 den ersten US-Silberdollar
Im Heiligen Römischen Reich war der Reichstaler, als Nachfolger des Joachimstalers, von 1566 bis 1750 offizielle Währungsmünze. Österreich prägte im 18. Jahrhundert den Maria-Theresien-Taler, auch „Levantiner Thaler“ genannt, der sich in orientalischen Ländern bis weit ins 20. Jahrhundert als zwar inoffizielles, aber anerkanntes Zahlungs- und von Silberpreisveränderungen unangefochtenes Wertaufbewahrungsmittel, hielt.
In Großbritannien basierte das Münzwesen bis Anfang des 18. Jahrhunderts wesentlich auf Silber. Am 21. September 1717 legte Isaac Newton, Leiter des königlichen Münzamtes, den Preis für ein Guinee in Silber fest, wobei er ein Verhältnis von 21 Schilling zu einem Guinee fixierte. Der Kurs für den Umtausch von Pfund Sterling in Gold betrug 3,89 Pfund pro Feinunze. Newton setzte einen zu niedrigen Goldpreis für Silber fest und somit den „Grundstein“ des Goldstandards, der für rund 200 Jahre Bestand haben sollte. Silber war nun im Verhältnis teurer als Gold und wurde deshalb mit der Zeit aus dem Geldumlauf verdrängt.Ulrich van Suntum: Die unsichtbare Hand. Ökonomisches Denken gestern und heute. Springer-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-540-25235-5.
Die 1776 gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika wählten in Anlehnung an den Taler den US-Dollar als Silbermünze zu ihrer Währung. 1792 schlug Alexander Hamilton als erster US-Finanzminister die Schaffung eines auf Gold und Silber basierten Währungssystems vor. Der Silberpreis lag bei 1,293 US-Dollar pro Feinunze (inflationsbereinigt US-Dollar). Am 2. April 1792 beschloss der Kongress der Vereinigten Staaten, eine Silbermünze mit dem Namen Dollar zu schaffen. Am 15. Oktober 1794 wurde der erste offizielle US-Silberdollar von der Münzprägeanstalt in Philadelphia geprägt. Die Anzahl der hergestellten Münzen fiel in den ersten Jahren aufgrund der Knappheit des Silbers relativ gering aus. So wurden vom ersten US-Silberdollar nur etwa 1750 Münzen geprägt.
19. Jahrhundert mini|links|Die „Panik von 1893“ an der New York Stock Exchange führte zu einem Zusammenbruch des Silberpreises In den meisten Ländern bestand im 18. und frühen 19. Jahrhundert ein sogenannter Bimetallismus; die Währungsgesetze erlaubten die gleichzeitige Prägung und Zirkulation von Gold- und Silbermünzen. Grundlage des eigentlichen Bimetallismus war die vertragsmäßige oder gesetzliche Festschreibung eines festen Wertverhältnisses zwischen den verwendeten Münzmetallen innerhalb eines Landes oder den finanzstärksten Ländern einer Währungsunion.
Landspekulationen im amerikanischen Westen und mangelndes Vertrauen in die Papierwährung waren die Ursache der Panik von 1837 an der New York Stock Exchange (NYSE). Die Blase platzte am 10. Mai 1837 in New York, als alle Banken die Konvertibilität von Papiergeld in Gold und Silber einstellten. Es folgten sechs Jahre Wirtschaftskrise (Depression), eine dauerhafte Zahlungsunfähigkeit vieler Banken und rekordhafte Arbeitslosigkeit. Der Silberpreis erreichte 1837 mit 1,419 US-Dollar pro Feinunze ein Rekordhoch. Inflationsbereinigt mussten damals US-Dollar gezahlt werden.Global Financial Data:
Der Kalifornische Goldrausch zwischen 1848 und 1854 führte zu einem Verfall des Goldpreises. Dies führte dazu, dass das (deshalb unterbewertete) Silber aus Westeuropa nach Fernost abfloss, wo eine Silberwährung vorherrschte. Wenige Jahre später, 1858, wurde in Nevada Silbererz entdeckt. Dieser Fund sorgte, ähnlich wie beim kalifornischen Goldrausch, für einen großen Ansturm.