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Die Manufaktur Ulmer Keramik (UK) mit Sitz in Ulm, später Neu-Ulm, stellte ab 1947 unter anderem Gebrauchsgeschirr, Fliesen und Werbeartikel aus Keramik her. 1991 wurde der Betrieb geschlossen.
Unternehmensgeschichte mini|Ulmer Keramik: Lampenfüße und Kaffeebehälter mini|Ulmer Keramik: Teeservice Dekor Streublümchen mini|Ulmer Keramik: Bierkrüge mit Zinndeckel mini|Ulmer Keramik: Bodenvase handbemalt, Dekor „Rosen“ mini|Ulmer Keramik: Spirituosenflaschen, Siebdruckdekor
Die Manufaktur wurde von Heinz Saur (* 6. November 1916 in Essen; † 9. November 1962 in Neu-Ulm)Raberg, S. 552. gegründet und am 7. Juni 1946 im städtischen Gewerbeverzeichnis von Ulm eingetragen.W. Krichbaum: Ulmer Keramik – Die Manufaktur und ihre Fayencen. 1998, S. 5 ff. Nach Um- und Ausbau von Fort Prittwitz in Ulm wurde dort Anfang 1947 mit der Produktion von Gebrauchsgeschirr in rotbraunem Scherben begonnen. Am 19. Dezember 1947 wurde UK ins Handelsregister eingetragen.
Ab 1947/1948 wurden überwiegend handbemalte Majolika hergestellt. Laut IHK hatte UK am 13. Januar 1948 25 Beschäftigte, überwiegend Vertriebene aus Schlesien und Böhmen. Darunter war die Leiterin der Malerei, Baronin Sybille von Rotkirch,W. Krichbaum: Ulmer Keramik – Die Manufaktur und ihre Fayencen. 1998, S. 13. die in Berlin Kunst und Malerei studiert hatte. Bereits im April 1948 zählt das Städtische Gewerbeamt 50 bis 60 Mitarbeiter.Akte zur Gewerbean- und abmeldung der Stadt Ulm, Akte B121/003, Stadtarchiv Ulm, Stellungnahme zu einer Geschäftsgründung um Eigenprodukte zu vertreiben vom 21. April 1948. Nach der Währungsreform 1948 kam es zu ersten Absatzschwierigkeiten. Nach dieser Krise ging es mit dem Unternehmen wieder aufwärts. 1952 übernahm es den Maschinenpark der WMF Geislingen. 1954 wurden 200 Mitarbeiter beschäftigt, 60 Künstler bemalten täglich bis zu 1500 Stück der ca. 130 Artikel mit verschiedenen Dekors.O. Peter Bühler: Europas begehrtestes Majolika-Keramik – made in Ulm. In: Ulmer Nachrichten. 10. Dezember 1954. Die Motive waren volkstümlich: Fauna und Flora, Trachten, Landschaften um das Mittelmeer, aus Paris, dem Orient und Fernost. Fassaden und Innenwände von namhaften Brauereien, Gaststätten und Cafés wurden mit handbemalten Fliesen großflächig dekoriert. Hergestellt wurde fast alles für den täglichen Gebrauch und zur Verschönerung der Wohnung. 1954 war UK mit 15 modernen Brennöfen (elektrische Spiralöfen) eine der größten Majolikafabriken in der BRD. 40 % der Produktion wurden nach Europa, USA und Kanada exportiert. Erstmals erreichte ein deutscher Keramik-Hersteller die Weltmarktbelieferer Niederlande und Italien.
1956 hatte UK die Kapazität auf 17 Brennöfen ausgebaut. 260 Personen produzierten täglich 6.000 bis 10.000 Artikel; die UK war damit die größte Majolikafabrik der Bundesrepublik.Schwäbische Donauzeitung. 22. Dezember 1956. Ab Mitte der 1950er ließen bedeutende Firmen Werbeartikel in Auflagen bis zu 50.000 Stück herstellen. Die Dekorierung der Massenproduktion war in diesem Umfang nur mit Siebdruck möglich. Die Entwürfe hierfür kamen von Ernst Konrad, der von der Lehre bis zum Ruhestand bei der UK verblieb. Für kleinere Stückzahlen wurde die Handmalerei beibehalten.
UK musste betriebsbedingt erweitern. Da dies in Ulm nicht möglich war, wurde in Neu-Ulm gebaut. Am 11. Juli 1959 wurde das neue Werk eröffnet.Schwäbische Donauzeitung. 13. Juli 1959. Nach Saurs Tod am 9. November 1962Schwäbische Donauzeitung. und Neu-Ulmer Zeitung. 12. November 1962. erbten der Prokurist Albin Blechschmidt, der ehemalige Gesamtbetriebsleiter Rudolf Mezger und Hans Forstner aus Neu-Ulm – ein Kriegskamerad Saurs – zu gleichen Teilen das Unternehmen.W. Krichbaum: Ulmer Keramik – Die Manufaktur und ihre Fayencen. 1998, S. 81. Das Unternehmen wurde zum 30. August 1963 in eine KommanditgesellschaftAkte zur Gewerbean- und abmeldung der Stadt Ulm, Akte B121/003, Stadtarchiv Ulm, Auszug aus dem Amtsblatt Nr. 38 vom 19. September 1963. umgewandelt. Mezger schied 1964 aus und der Sitz der Gesellschaft wurde nach Neu-Ulm verlegt.Akte zur Gewerbean- und abmeldung der Stadt Ulm, Akte B121/003, Stadtarchiv Ulm, Auszug aus dem Amtsblatt Nr. 44 vom 29. Oktober 1964. In der Zeit von 1977 bis Ende der 1980er halbierte sich der Umsatz. 1985 verließ auch Forstner das Unternehmen, sein Sohn Johannes Forstner wurde Betriebsleiter. Im gleichen Jahr verkaufte Blechschmidt seinen Anteil an Dr. Erich Merckle aus Ulm. Dieser übernahm zusammen mit Johannes Forstner die Betriebsleitung.W. Krichbaum: Ulmer Keramik – Die Manufaktur und ihre Fayencen. 1998, S. 88. Zu diesem Zeitpunkt gab es bei UK noch 55 Beschäftigte. Durch konjunkturbedingten Rückgang der Werbeartikel und Importe aus Asien war der Umsatz stark rückläufig. 1990 entschloss sich die Betriebsleitung zur Betriebsaufgabe.
Vom 1. März bis zum 28. März 1991 fand ein Räumungsverkauf statt.Südwest Presse Ulm. 22. Februar 1991. Am 31. März 1991 endete die Betriebstätigkeit. Der Großteil der Betriebseinrichtung wurde an die Firma Elster-Keramik GmbH in Elsterwerda verkauft.W. Krichbaum: Ulmer Keramik – Die Manufaktur und ihre Fayencen. 1998, S. 133 f.
Weblinks
Quellen
Sachbuch 138 Seiten, Titel: Ulmer Keramik – die Manufaktur und ihre Fayencen; Erstausgabe Mai 2022; Eigenverlag; Autor: Wilhelm Krichbaum; das Buch liegt auf: im Stadtarchiv Ulm und Neu-Ulm, im Archiv der Hochschule für Keramik Höhr-Grenzhausen, im Archiv der Fachschule für Keramik Landshut, im Archiv der Südwest Presse Ulm, im Archiv des Museums Porzellanikon Selb; Saur, Heinz. In: Auskünfte des letzten Firmeninhabers Johannes Forstner, Ulm; der technischen Betriebsleiter Keramikmeister Herbert Häusler aus Friedberg und Keramik-Ingenieur Horst Geiger aus Pfaffenhofen an der Roth; des Designers Ernst Konrad aus Pfaffenhofen an der Roth, Spezialist für Stahlstich und Siebdruck; der Leiterin der Malerei Sybille Baronin von Rothkirch; der Designerin und Mustermalerin Frau Raab, der Mustermalerinnen Frau Jäntsch und Frau Hinrichsen sowie von Herr Supernok aus Ludwigshafen. Akte zur Gewerbean- und abmeldung der Stadt Ulm, B121/003, Ord. 131, 397; Stadtarchiv Ulm.
Zeitungen O. Peter Bühler: Europas begehrtestes Majolika-Keramik – made in Ulm. In: Ulmer Nachrichten. 10. Dezember 1954. Ulmer Keramik erlangt in 10 Jahren Weltruf (kp). In: Schwäbische Donauzeitung. 17. Dezember 1956. Größte Majolikafabrik der Bundesrepublik (kp). In: Schwäbische Donauzeitung. 22. Dezember 1956. Ulmer Keramik jetzt auch in Neu-Ulm (eh). In: Schwäbische Donauzeitung. 13. Juli 1959. Fabrikant Saur gestorben (zh). In: Schwäbische Donauzeitung. 12. November 1962. Fabrikant Heinz Saur † (sr). In: Neu-Ulmer Zeitung. 12. November 1962. Achim Feist: Zu geringe Marktchancen für Produkte der Firma Ulmer Keramik. In: Südwest Presse Ulm. 22. Februar 1991.
Anmerkungen
Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Ulm) Kategorie:Unternehmen (Neu-Ulm) Kategorie:Keramikhersteller Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Ulm) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Landkreis Neu-Ulm) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Landkreis Neu-Ulm) Kategorie:Unternehmensgründung 1947 Kategorie:Aufgelöst 1991