mini|Sonthofen von Nordwesten mini|Sonthofen von Südwesten mini|Marktstraße in Sonthofen mini|Sonthofen – Stadtmitte mini|Altstädten mit Hörnergruppe

Sonthofen ist die Kreisstadt des schwäbischen Landkreises Oberallgäu in Bayern. Sie wurde zur Alpenstadt des Jahres 2005 gekürt. Sie ist die südlichste Stadt Deutschlands.

Geografie Lage Das Stadtgebiet liegt in einem Bereich von etwa 750 bis am Nordrand der Allgäuer Alpen. Durch die Stadt fließen die Flüsse Iller und Ostrach. Sonthofen ist etwa 60 Kilometer vom Bodensee und 150 Kilometer von München entfernt und die am südlichsten gelegene Stadt Deutschlands. Nach den Eingemeindungen von 1976 grenzt der Grünten an das Gemeindegebiet Sonthofens.

Stadtgliederung Es gibt 20 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Geschichte Bis um 1900 Am Fuße des Kalvarienberges lag vermutlich eine alamannische Siedlung, mit der die Ortsgeschichte begann. Auf der Kuppe vermutet man eine alte Thingstätte. Hier wurde ab 1120 alljährlich ein Frongericht abgehalten. In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 839 wird erstmals der Ort „Nordhovun in Pago Albegauge“ (Nordhofen) erwähnt, zu dem es vermutlich bereits das Gegenstück „Sunthovun“ (Südhofen) gegeben hat. Nordhofen lag ungefähr im Gebiet zwischen der heutigen B 308 und der Ostrach. Das größere Sunthovun umfasste das Gebiet der heutigen Marktstraße. Mit der wachsenden Population ging Nordhovun in Sunthovun auf und der Ort wurde fortan Sunthoven genannt, welcher 1145 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Aus Sunthoven wurde Sundhof, was bis ins späte Mittelalter blieb und später wurde der Ort zu Sonthofen.

Im Jahre 1429 verlieh König Sigismund von Luxemburg auf Vorschlag des Landesherrn und Bischof von Augsburg Kardinal Peter von Schaumberg den Orten Bad Hindelang, Nesselwang und Sonthofen das Recht, jährlich einen fünftägigen Jahrmarkt und einen Wochenmarkt abzuhalten. 1544 genehmigte das Hochstift Augsburg zwei Markttage pro Jahr: den Magnus-Markt am 14. September und den Gallus-Markt am 15. Oktober. Mit dem Marktrecht waren Schutzrechte für Marktbesucher und Händler verbunden sowie die Gerichtsbarkeit. Der Blutbann brachte das Recht mit sich, über Leib und Leben zu richten. Der Reichsvogt, gleichzeitig Vorsitzender des Blutgerichtes, war berechtigt, über die vier todeswürdigen Verbrechen (Mord, Raub, Notzucht, Brandstiftung) abzuurteilen. Der Gedenkstein in der Nordstraße erinnert an den bis 1817 dort existierenden Galgen des Hochgerichtes Sonthofen. Die letzte Hinrichtung in Sonthofen fand 1944 statt. Die Stadt Sonthofen entwickelte sich ab 1812 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum des Viehhandels für die Alpenländer Bayern, Italien, Frankreich, Österreich und Schweiz, und hatte auch internationale Bedeutung für Händler aus Russland, Schweden und Ungarn. Dreimal jährlich, im März, September und Oktober, kamen Tausende Händler und Schaulustige zusammen und handelten bis zu 6000 Stück Vieh. Ab 1873 konnte für den Transport der Tiere die Eisenbahn genutzt werden.

Am 14. Februar 1525 versammeln sich aufständischen Bauern aus dem Allgäu in Sonthofen, was als Auftakt zum Bauernkrieg als „Sonthofner Tag“ in die Geschichte einging. Vor 1800 war Sonthofen Pflegeamt und gehörte zum Hochstift Augsburg. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam Sonthofen zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Die Bahnstrecke Immenstadt–Sonthofen wurde 1872/73 gebaut und 1888 nach Oberstdorf verlängert. Als zweite Buslinie in Bayern entstand 1905 eine Omnibusverbindung nach Bad Hindelang.

20. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg sowie im Zweiten Weltkrieg war Sonthofen Garnison. Das NS-Regime ließ während der Aufrüstung der Wehrmacht vor dem Zweiten Weltkrieg 1936 die Jäger-Kaserne und 1938 die Grünten-Kaserne für die Gebirgstruppe errichten.

Überregionale Bedeutung erhielt Sonthofen zur Zeit des Nationalsozialismus durch Stationierung von Wehrmacht und SS-Verbänden. Die NS-Ordensburg diente der NSDAP als Adolf-Hitler-Schule. Nach dem Krieg zählten große Teile Bayerns zur US-Besatzungszone. US-Streitkräfte nutzten die Ordensburg. Diese wurde 1956 von der 1955 gegründeten Bundeswehr übernommen und in Generaloberst-Beck-Kaserne umbenannt. Die Jäger-Kaserne und die Grünten-Kaserne in Sonthofen werden bis heute genutzt.

Sonthofen wurde im Zweiten Weltkrieg zweimal bombardiert: Das erste Mal am 22. Februar 1945; dabei wurden das Käslager, die Spitalkirche und die Genossenschaftsbank getroffen. Der zweite Angriff erfolgte am 29. April 1945; dabei wurde die katholische Pfarrkirche St. Michael getroffen. Einen Tag später wurde Sonthofen von französischen Soldaten besetzt. Sie wurden im Juli 1945 von US-Truppen abgelöst und zogen in die Französische Besatzungszone.

Am 18. August 1963 wurde der bisherigen Marktgemeinde Sonthofen die Bezeichnung „Stadt“ verliehen; 1972 wurde sie zur Kreisstadt des neuen Landkreises Oberallgäu.

1975 geriet Sonthofen in die Schlagzeilen mit dem Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauss, durch eine veränderte Oppositionsstrategie einen Wahlsieg bei der Bundestagswahl 1976 vorzubereiten. Dieser Vorschlag ist als Sonthofen-Strategie bekannt.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1976 wurde im Rahmen der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Altstädten mit Hinang, Beilenberg und Hochweiler eingegliedert.

21. Jahrhundert Wie bereits 1999 richtete auch 2005 eine Hochwasserkatastrophe große Schäden im Stadtgebiet an (Siehe auch Alpenhochwasser 2005). Im selben Jahr erhielt Sonthofen die Auszeichnung „Alpenstadt des Jahres“. Das Amtsgericht Sonthofen wurde 2008 von Kempten gelöst und eine selbständige Justizbehörde.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 20.037 auf 21.541 um 1.504 Einwohner bzw. um 7,5 %.

Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche (Stand: 1987). Jahr Einwohner 1840 2.698 1900 4.460 1939 11.154 1950 11.175 1961 14.257 1970 17.958 1987 20.025 1991 20.916 Jahr Einwohner 1995 21.379 2000 21.319 2005 21.213 2010 20.874 2011 20.756 ¹ 2015 21.300 2016 21.529 2019 21.589 400px|links|mini|Einwohnerentwicklung von Sonthofen von 1840 bis 2016 ¹ Volkszählungsergebnis

Politik Stadtrat Der Stadtrat hat 30 Mitglieder. Sie verteilen sich nach der Kommunalwahl am 8. März 2026 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien und Wählergemeinschaften: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 28,0 % 8 Grüne 18,7 % 6 SPD 11,1 % 3 FDP 6,3 % 2 FW 24,1 % 7AfD11,7 %4 Wahlbeteiligung 58,3 %

Bürgermeister Erste Bürgermeisterin ist seit 1. Mai 2026 Martina Neusinger (Freie Wähler).

Zweiter Bürgermeister ist Florian Schwarz (CSU), 3. Bürgermeister ist Thomas Jortzig (Grüne).

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Sakralbauten hochkant|mini|Katholische Pfarrkirche St. Michael Die katholische Pfarrkirche St. Michael liegt unterhalb des Kalvarienbergs. Vorgängerbauten dürften schon im 9. Jahrhundert existiert haben. Bis 1377 gehörte das Tannheimer Tal und bis 1471 auch Hindelang mit zu dieser Pfarrei. 1449 und 1540 brannte die Kirche ab und wurde jeweils wieder aufgebaut. Die barocke Kirche besaß einst einen eigenen Leprosenkoben für die Leprakranken sowie Deckengemälde von Waldemar Kolmsperger, der auch den Hochaltar gestaltete. Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde sie jedoch schwer beschädigt und verlor auch ihre 400 Jahre alten Glocken. Die Deckenfresken wurden 1988 bis 1991 durch Malereien Arnulf Heimhofers ersetzt. Auf der Südseite von St. Michael befindet sich die Frauenkapelle, die aus der gleichen Zeit stammt und ebenfalls den beiden Bränden zum Opfer fiel und wieder neu errichtet wurde. Sie enthält ein Fresko aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, das möglicherweise von Franz Anton Weiß stammt, sowie einen Hochaltar von 1704/1705. 1499 wurde die Spitalkirche Heilig Kreuz erbaut, die zu einer Augsburger Spitalstiftung gehörte. Nach der Zerstörung durch Luftangriffe 1945 wurde sie 1967 originalgetreu wieder aufgebaut. Die Friedhofskapelle St. Sebastian und Afra wurde mit der Verlegung des Friedhofs von St. Michael auf das heutige Gelände im Jahr 1583 notwendig. 1827 wurde sie neu errichtet und Mitte des 20. Jahrhunderts renoviert. Die aus dem 14. Jahrhundert stammende und im 18. Jahrhundert umgebaute Kapelle St. Leonhard im Gemeindeteil Berghofen beherbergt als Besonderheiten neben volkstümlichen Votivtafeln und Schnitzfiguren aus dem Umkreis von Hans Multscher einen bedeutenden Flügelaltar aus der Werkstatt Hans Strigels des Älteren. Die Kriegergedächtniskapelle auf dem Kalvarienberg geht auf ein Bauwerk von 1650 zurück, das als Erinnerungsstätte für die Pesttoten errichtet und 1924 als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges neu erbaut wurde. Ein Deckenfresko zeigt einen Soldaten im Schlachtfeld in der zeittypischen Montur. Die Kapelle bildet den Endpunkt eines Kreuzweges, der von der Stadt den Kalvarienberg hinaufführt. Hier beginnt ein Kreuzweg. Die evangelische Täufer-Johannis-Kirche wurde ab 1911 erbaut. Seit 1923 gibt es in Sonthofen eine selbständige evangelische Gemeinde. Im Gemeindeteil Imberg steht die Kapelle St. Katharina und St. Silvester, deren Madonna dem Kreis um Hans Multscher zugeschrieben wird. Auch die Neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas und die Siebenten-Tags-Adventisten besitzen Versammlungsgebäude in Sonthofen.

Profanbauten Die Alte Schule am oberen Ende der Fußgängerzone wurde 1472 durch den Fürstbischof von Augsburg zum Rathaus gemacht. Nach 1544 wurde, nachdem das Rathaus schon vorher den Sitz gewechselt wurde, ein Neubau errichtet. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude um eine hölzerne Theaterbühne ergänzt, die jedoch wegen Feuergefahr bald wieder abgerissen wurde. Das Haus wurde unter anderem als Korn- und Waaghaus und als Feuerwehrhaus genutzt. Zwischen 1821 und 1919 war es eine Schule, danach wieder Rathaus. Heute sind in dem Gebäude die Musikschule und die Stadtbücherei untergebracht. Die Giebelgemälde zeigen das Wappen Sonthofens, die Erhebung des Ortes zum Markt und eine Szene vom Beginn des Bauernkrieges 1525.

Das einstige Spital mit Spitalkirche wurden von der Spitalstiftung des Rats von Sigmund von Tirol und Domherr in Brixen Conrad Wenger (1425 – 1501) und des Hochstifts Augsburg im ausgehenden 15. Jahrhundert begründet und diente bis 1920 auch als Krankenhaus von Sonthofen. Nach der Zerstörung durch einen Bombenangriff 1945 wurde das Ensemble wieder originalgetreu aufgebaut und beherbergt heute ein Altersheim. 2010 wurde mit der Neugestaltung der Fußgängerzone auf dem Spitalplatz die Skulptur Mitanond des Hintersteiner Bildhauers Willi Tannheimer errichtet.

Das Leprosenhaus wurde 1584 durch den Bischof von Augsburg für zunächst zehn Aussätzige gebaut. Im 18. Jahrhundert diente das Gebäude als Armenhaus; 1916 ging es in Privatbesitz über. Heute wird es als Wohnhaus genutzt. Vom Leprosenhaus führte der Leprosenweg zur Pfarrkirche St. Michael, in der die Kranken am Gottesdienst teilnehmen konnten.https://www.stadt-sonthofen.de/stadtinfos/stadtrundgang/inforundgang/leprosenhaus/ Eine Leprarätsche, mit der sie auf dem Weg in die Kirche vor ihrem Herannahen warnen mussten, ist im Heimathaus Sonthofen ausgestellt. Der Leprosenkobel in der Kirche existierte bis ins 20. Jahrhundert.

Rätsel gibt das Möggenried-Haus auf, das um 1586 erbaut wurde, aber auf vermutlich noch deutlich älteren Kellerfundamenten steht. Möglicherweise ist es der Nachfolger des einstigen „Hengstehauses“.

Das heutige Amtsgericht stammt aus dem Jahr 1912.

Das Krankenhaus wurde 1914 erbaut, um das alte Spitalgebäude zu entlasten, diente aber zunächst als Kaserne. Es wurde 1998 erweitert.