mini|hochkant=1.25|Wüstendrachen () von Samar in Westjordanien mini|hochkant=1.25|Satellitenbild und schematische Umzeichnung eines Wüstendrachens mit Schachtfallen Mit dem Begriff Wüstendrachen () werden in der Archäologie kilometerlange, trichterförmige Steinaufschüttungen bezeichnet, deren Ausmaß nur im Luftbild erkennbar ist.

Ihr Name rührt von der Ähnlichkeit zu lenkbaren Drachen im Luftbild. Sie ähneln spitz zulaufenden Dreiecken oder Hufeisen. Wüstendrachen stammen aus dem Epipaläolithikum und Neolithikum, ihre Verbreitung beschränkt sich auf die Wüstengebiete der Levante, das nordwestliche Saudi-Arabien, Nordafrika und Zentralasien. Sie werden von verschiedenen Archäologen in die Zeit zwischen 1000 und 8000 Jahren v. Chr. datiert.

Zweck Lange Zeit war der Zweck der offensichtlich von Menschenhand geschaffenen Strukturen unklar. Guy Bar-Oz von der Universität Haifa sieht in den nahe der 6000 Jahre alten Siedlung Tell Kuran im Nordosten Syriens entdeckten über 2500 Gazellenknochen eine Bestätigung der lange gehegten Vermutung, dass es sich um prähistorische Tierfallen handelt, mit denen im großen Stil Jagd auf Kropfgazellen gemacht wurde, womit die sich über Jahrtausende hinziehende Dezimierung der heute vom Aussterben bedrohten Art begann. Weltweit leben nur noch 100.000 Exemplare dieser asiatischen Gazellenart.

Entdeckung Die neu entdeckten Wüstendrachen wurden auf Satellitenbildern ausfindig gemacht. Etwa 65 % von ihnen hatten die bereits zuvor bei Wüstendrachen entdeckte Sternform, bei der durch trichterförmig zulaufende Mauern mehrere vertiefte Schächte als Auffangpunkte für die Jagdtiere gebildet werden. Bei vielen Sternformen handelte es sich um aufwendige Strukturen mit mehreren Zellen (meist 3 bis 10), die an den Eckpunkten sichtbar waren.

Datierung und Kulturelle Einordnung Ein internationales Forschungsteam datierte im Jahr 2023 zwei Wüstendrachenanlagen in Jordanien und Saudi-Arabien mitsamt der gefundenen Baupläne auf ein Alter von 8000 und 9000 Jahren.

Der Archäologe Wael Abu-Azizeh und seine Kollegen schlagen Ghassanien bzw. die Ghassanidische Kultur als Namensbezeichnung vor.ZDFinfo (1/2) Rätselhafte Wüstendrachen - Überleben in der Jungsteinzeit Dokumentation, ZDF 2025, Minute 43–44; abgerufen am 20. Februar 2026

Literatur Olivier Barge, Wael Abu-Azizeh, Jacques Élie Brochier, Rémy Crassard, Emmanuelle Régagnon et Camille Noûs: Desert kites et constructions apparentées. Découvertes récentes et mise à jour de l’extension géographique. Guy Bar-Oz, Melinda Zeder, Frank Hole: Role of mass-kill hunting strategies in the extirpation of Persian gazelle (Gazella subgutturosa) in the northern Levant. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Section B, Biological science. Allahabad 2011. Guy Bar-Oz, Dani Nadel, Uzi Avner, Dan Malkinson: Mass hunting game Traps in the southern Levante. Negev and Arabah “Desert Kites” In: Near Eastern Archaeology Bd. 74 Nr. 4 2011 David Kennedy: The “Works of the Old Men” in Arabia. Remote sensing in interior Arabia. Journal of Archaeological Science 38, 2011, 3185–3203.

Weblinks

Rätselhafte Wüstendrachen. 2 Teile. ZDF-Mediathek. Abruf: 30. Januar 2026. World History Encyclopedia - Desert Kites Kompakte Info über Aufbau, Funktion und Verbreitung von Desert Kites. Wüstendrachen von Zentralasien bis in die Sahara Umfangreiche Sammlung mit Satellitenbildern. Wüstendrachen: Gazellen-Jagd endete in Massenschlachtung. Miriam Jolien Blümel: Mit "Wüstendrachen" auf Gazellenjagd. In: EPOC.de Spektrumverlag, Heidelberg, abgerufen am 21. April 2011. Mit riesigen Drachen gingen Steinzeitleute auf die Jagd In: Welt.de Geschichte

Einzelnachweise

Kategorie:Archäologischer Fachbegriff Kategorie:Geschichte der Jagd Kategorie:Jagdart Kategorie:Fanggerät (Jagd) Kategorie:Wüsten Kategorie:Vor- und Frühgeschichte (Nordafrika) Kategorie:Vorgeschichte (Vorderasien) Kategorie:Vorgeschichte Zentralasiens Kategorie:Bauwerk (Ur- und Frühgeschichte) Kategorie:Bauwerk aus Stein Kategorie:Bauwerk in Afrika Kategorie:Bauwerk in Asien Kategorie:Umweltgeschichte