Corps Altsachsen zentriert|230px|Wappen des Corps Altsachsen zu Dresden Universitäten Technische Universität Dresden Dresden International University HTW Dresden Gestiftet 31. Oktober 1861 in Dresden Dachverband Weinheimer Senioren-Convent Wahlspruch Wissenschaft und Freundschaft Waffenspruch Nil nisi officium. Farben 65px|links Fuchsfarben 64px|links Zirkel 40px Mitglieder Mensurstandpunkt pflichtschlagend (Mitteldeutscher CSC), 2 Pflichtpartien Adresse Weißbachstraße 1 01069 Dresden Homepage www.altsachsen.de
Das Corps Altsachsen ist ein Corps (Studentenverbindung) im Weinheimer Senioren-Convent (WSC), dem zweitältesten Dachverband deutscher Studentenverbindungen. Das Corps vereint Studenten und Alumni der Technischen Universität Dresden und anderer Hochschulen in Dresden.Dresdner Hochschulen Die Dresdner Altsachsen stellten vier Rektoren der heutigen TU Dresden und haben in der universitären Geschichte der Stadt zentrale Bedeutung.Corps Altsachsen: Hundert Jahre Corps Altsachsen. 1. Auflage. Köln 1961Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 3-933892-24-4
Grundsätze
Im Corps Altsachsen gilt das Toleranzprinzip. Nach Eigenvorgabe zählt nicht, woher man kommt oder woran man glaubt; was zählt, ist wohin man möchte.Corps Altsachsen Dresden: Philosophie. Zuletzt gesichtet im August 2018 Das Corps zählt Mitglieder unter anderem aus Belgien, Bolivien, Bulgarien, Deutschland, Eritrea, Frankreich, Italien, Kolumbien, den Niederlanden, Österreich, Russland, der Schweiz, Spanien, Südafrika, und den USA. Die Verbindung nimmt zu allen politischen Themen eine neutrale Haltung ein und vertritt als Personenvereinigung keinerlei politische Richtung.Studentenrat der TU Dresden: AUSGEFUXT – Kritik an studentischen Verbindungen. Teil 2: Dresdner Verbindungen. Dezember 2017, überarbeitet März 2018. Das einzelne Corpsmitglied kann sich unabhängig davon privat politisch betätigen. Damit bekräftigt das Corps, dass jeder an einer Dresdner Hochschule immatrikulierte männliche Student ungeachtet von Ethnie, Nationalität, Religion und politischer Weltanschauung Mitglied werden kann. Was laut Eigenvorgabe zählt, sind Persönlichkeit und Charakterstärke.
Mitglieder des Corps studieren mit dem akademischen Leistungsprinzip, was bedeutet, dass jedes Vollmitglied einen universitären Abschluss vorweisen muss, um nach Erfüllung seiner Pflichten im Corps in den Altherrenverband der Verbindung aufgenommen zu werden. Dieser als „Philistrierung“ bezeichneter Schritt stellt sicher, dass dem Grundsatz „Wissenschaft und Freundschaft“ genüge getan wurde.
Dem Gesellschaftsprinzip entsprechend wird von jedem Mitglied „angemessenes Auftreten, Anstand, Etikette“ erwartet und bei Bedarf weiter verfeinert. Dies wird unter anderem durch regelmäßige Seminare zum gesellschaftlichen Anstand und angemessenem Gentlemen-Verhalten sowie Übungen im Gesellschaftstanz unterstützt.
Jedes Mitglied dieser pflichtschlagenden Verbindung muss die Herausforderung der Mensur bewältigen. Die Mensur wird als Extremsituation verstanden, in der ein Corpsstudent mit kühlem Kopf einen klaren Standpunkt behält. Die Vorbereitung und Austragung einer solchen dient der Stärkung und Prüfung der Charakters eines jeden Mitglieds, woraus sich die Pflicht zur erfolgreichen Bewältigung mehrerer Mensuren ergibt, bevor ein Vollmitglied den Status eines Alten Herren (Alumnus) erreichen kann.
Entscheidungen werden im Corps demokratisch und gemeinsam auf regelmäßigen Zusammenkünften, sogenannten Konventen getroffen. Diese Konvente sichern und vermitteln als Meinungsfindungs- und Entscheidungsplattform das Demokratieverständnis und Toleranzprinzip eines jeden Corpsmitgliedes im täglichen Zusammenleben. Beschlüsse werden von allen getragen und vertreten. Konvente fördern und fordern die Fähigkeit klarer Stellungnahme, Kritik positiv an der Sache und nicht der Person zu äußern, sowie selbige entsprechend anzunehmen, um als gewählter Vertreter für die Gemeinschaft Verantwortung tragen zu können.
Couleur und Wahlspruch
Das Corps ist eine farbentragende Verbindung. Vollmitglieder sind äußerlich am Band in den Verbindungsfarben „grau-wettinergrün-gold mit goldener Perkussion“ zu erkennen. Mitglieder auf Prüfungszeit, Füchse genannt, tragen ein Fuchsenband in „grau-wettinergrün mit goldener Perkussion“.Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der freischlagenden Verbindung „Polyhymnia“ an der Technischen Hochschule zu Dresden. Technische Hochschule Dresden, 1911.
Die Farben von Altsachsen haben keine – wie sonst üblich – heraldische, sondern eine literarische Vorlage. Sie entstammen dem Zitat aus dem Faust I von Goethe . Daher auch die heraldisch höchstens in Spanien vorkommende, sonst eher sehr seltene Farbe Grau.
Der Wahlspruch des Corps unterstreicht die Verbundenheit der Mitglieder untereinander und zur allgemeinen wie universitären Bildung. Der Waffenspruch bekräftigt, dass jedes Mitglied als Corpsstudent eine Verpflichtung zur Mensur hat, diese aber nicht übertreiben möge. Die Mensur wird als Teil der corpsstudentischen Ausbildung verstanden, nicht jedoch als Zentrum derselbigen.
Geschichte mini|Entstehung der Corps in Europa
Gründung als Verein zur Pflege der freien Rede Das Corps Altsachsen geht auf den am 31. Oktober 1861Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 135. gegründeten Verein zur Pflege der freien Rede in den Räumlichkeiten des Italienischen Dörfchens zurück.P. Gladen (1981) Der Initiative des Zivilingenieurs Freiherr Carl von Wagner folgend, beteiligten sich der Geheime Regierungsrat Prof.-Dr.-phil, Dr.-Ing e. h. Theodor Albrecht, Bauinspektor Rudolph Benkert, sowie Finanz- u. Baurat Zivilingenieur Rudolph Reiche-Eisenstuck im Langen Pavillon des Italienischen Dörfchens, welcher „Helbig’s Etablissement“ hieß. Die Verbindung gab sich eine Satzung und war mit einigen Mitgliedern von 1868 an freischlagend, bevor sie im Folgejahr in Akademische Verbindung Polyhymnia umbenannt wurde. Der Wahlspruch „Litteris et amicitiae“ (Wissenschaft und Freundschaft) wurde am 25. Juni 1880 auf Antrag Victor Zeuners’ angenommen. Mit der Formulierung eines Wahlspruchs und der Annahme der Trikolore war der Weg für die Annahme eines eigenen Wappens geebnet.
Rolle der Altsachsen im Rahmen der Ernennung der Technischen Hochschule Dresden Mit einer Vielzahl an Geheimen Regierungs- und Lehrräten in ihren Reihen waren Mitglieder der Verbindung in den 1880er Jahren tragend in der Aufwertung des damaligen Polytechnikums zur Hochschule beteiligt: Nach Jahren des Werbens bei der Regierung des sächsischen Bundesstaates, welcher 1871 aus dem Königreich Sachsen gegründet worden war, erfolgte die Ernennung des Königlich-Sächsischen Polytechnikum Dresden zur Königlich-Sächsischen Technischen Hochschule Dresden im Jahre 1890.Corps Altsachsen: Hundert Jahre Corps Altsachsen. 1. Auflage. Köln 1961, S. 86. In diesem Zusammenhang wurde im selben Jahr bei Polyhymnia das akademische Prinzip auf Antrag des Ehrensenators der Technischen Hochschule Dresden, Fritz Zeuner, eingeführt. Fritz Zeuner war der älteste Sohn des Gustav Zeuner, nach welchem heute der Zeuner-Bau der TU Dresden benannt ist. Den maßgeblichen Einfluss bei der Umstellung auf das Wahlrektorat hatte der damalige Professor und letzter Direktor des Polytechnikums Gustav Zeuner. Mit dem Jahr 1900 erhielt die Hochschule zudem das Promotionsrecht und konnte neben regulären auch Ehrenpromotionen an verdienstvolle Wissenschaftler und Unternehmer verleihen. Auch an diesem Schritt hatten Mitglieder des Corps Altsachsen tragenden Anteil.Wissenschaftliche Zeitschrift Der Technischen Universität Dresden, Volume 18, Issue 5, Technischen Universität Dresden, 1969 Der erste Ehrenpromovend der Hochschule wurde Friedrich Siemens.
Gründung der Freischlagende Verbindung Franconia Mit dem Eintritt einiger Dresdner Verbindungen in Dachverbände und dem Abbruch des „Pauk- und Gruß-Verhältnisses“ mit der „Burschenschaft Cheruscia Dresden“ im Jahre 1899 konnten die anstehenden Mensuren nicht mehr abgedeckt werden. Im Juli 1899 gründeten fünf inaktive Polyhymnier die „Freischlagende Verbindung Franconia“ (später „Corps Franconia Dresden“). Das Startkapital wurde von der AHV der „Freischlagenden Verbindung Polyhymnia Dresden“ gestellt. Die Farben der „Franconia“ waren „grün-weiß-schwarz“. Die „Freischlagende Verbindung Polyhymnia Dresden“ und die „Freischlagende Verbindung Franconia Dresden“ schlossen sich 1900 zum „Dresdner Verbindungs-Cartell“ (D.V.C.) zusammen.Hans Schüler: Weinheimer S.C.-Chronik, Darmstadt 1927, S. 434–454Michael Doeberl, Alfred Bienengräber: Das akademische Deutschland, Volume 2, C.A. Weller, 1931.
Beitritt zum Weinheimer Senioren-Convent und Umbenennung in „Corps Altsachsen“ Um seinen Mitgliedern ein stabiles Paukverhältnis garantieren zu können, trat Polyhymnia 1927 in den Weinheimer Senioren-Convent ein und wurde in Corps Altsachsen umbenannt.Karlheinz Blaschke, Holger Starke, Uwe John: Geschichte der Stadt Dresden, Volume 3, Theiss Verlag, 2006, S. 182. Die Namensänderung von Polyhymnia in Corps Altsachsen geschah auf Druck des WSC.Michael Doeberl, Alfred Bienengräber: Das akademische Deutschland, Volume 2, C.A. Weller, 1931. Viele der ortsansässigen Verbindungen schlossen sich in ähnlicher Form den erstarkenden Dachverbänden an und pflegten von nun an ausschließlich mit deren Mitgliedern Paukverhältnisse.
Während des Nationalsozialismus Die studentischen Corps litten in der Zeit des Nationalsozialismus unter der Überwachung durch den NS-Staat. Ereignisse wie das Heidelberger Spargelessen, eine öffentliche Verunglimpfung Adolf Hitlers durch Heidelberger Corpsstudenten, steigerten den Druck der NS-Diktatur auf Studentenverbindungen allgemein und die Corps im Speziellen. Hitler selbst sprach sich am 15. Juli 1935 für den „langsamen Tod“ der Verbindungen aus. In rascher Folge kam es danach zu Verboten und erzwungenen Selbstauflösungen von Verbindungen und ihren Dachverbänden.
Als das Corps Makaria Dresden (hervorgegangen aus dem Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Verein Makaria, seit 1929 Corps Makaria im Rudolstädter Senioren-Convent) im Zusammenhang mit steigendem Überwachungsdruck in personellen Schwierigkeiten stand, fusionierte es mit dem Corps Altsachsen 1934 unter Beibehaltung des Namens Corps Altsachsen Dresden. Im Jahr 1936 wurde das Corps Altsachsen schließlich unter dem Druck der Nationalsozialisten zur Selbstauflösung gezwungen. Dieses Schicksal teilten letztendlich alle Verbindungen.
Rekonstitution in der Nachkriegszeit mini|Altsachsenhaus zur Mitternacht im verschneiten Dresden der Adventszeit. 1950 wurde das Corps Altsachsen an der Universität zu Köln rekonstituiertUniversitätsführer. Universität zu Köln, Allgemeiner Studentenausschuss, 1972 und fusionierte 1953 mit dem Corps Gothia Dresden (gegründet als Gesangverein der Militär-Vetereinärmedizinischen Studenten der Tierärztlichen Hochschule Dresden am 8. Juli 1888, seit 1911 Corps Teutonia, ab 1913 im RSC). Die Altsachsen waren zunächst in Köln-Lindenthal, später in Köln-Marienburg ansässig. Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands kehrte das Corps Altsachsen 1994 mit Hilfe des Blauen Kartells, dem es 1993 beigetreten war, an die Technische Universität Dresden zurück. 1997 bezog die Verbindung ihr neues Corpshaus direkt auf dem Campus der TU Dresden.
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