mini|230px|Karte von Israel (und Ost-Jerusalem und der Golanhöhen) mit Anteilen der arabischen Bevölkerung, 2000
Arabische Israelis, Araber Israels, israelische Araber und Palästinenser in Israel sind Staatsbürger Israels mit arabisch-palästinensischer Nationalität/Herkunft. Im Unterschied zu den jüdischen Israelis ist deren ethnische und kulturelle Identität arabisch geprägt mit Arabisch als Mutter-/ Herkunftssprache.
In Israel lebten im Jahre 2011 rund 1.271.000 arabische Israelis; das sind knapp 20 % der israelischen Staatsbürger. Das Israelische Zentralbüro für Statistik schließt in seine Erhebungen auch das von den Palästinensern beanspruchte Ostjerusalem und die von Israel besetzten Golanhöhen ein. Im Jahre 2022 lebten etwa 2.038.800 Araber in Israel – einschließlich Jerusalem (Ost) und dem Golan – rechnet man zum Vergleich ohne diese Gebiete, gemäß dem Gebietsstand von 1949, so waren es 1.658.900 Araber. Das macht knapp 32 % mehr Personen arabischer Ethnizität auf israelischem Staatsgebiet aus als 1947, als 1.250.000 Araber auf dem Gebiet des späteren Israel lebten, als es noch Teil Mandats-Palästinas war.Muhammed Khalaily, Ahmad Badran und Arik Rudnitzky, Statistical Report on Arab Society in Israel 2023 / , Israel Democracy Institute (Hrsg.), Jerusalem: 2023. Seite wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. Und gegenüber den 156.000 arabischen Israelis des Jahres 1949 hat sich ihre Zahl bis 2023 auf 1063 % der Ausgangszahl erhöht, und das ohne nennenswerte Einwanderung, sondern weit überwiegend aus eigener Geburtenentwicklung.
Im Jahre 2008 erreichte der Anteil der arabischen Israelis etwas über 20 % der israelischen Bevölkerung (2008). Israelisches Zentralbüro für Statistik, 2008. Jüdische Araber, also sprachlich, kulturell wie auch in Küche, Musik und womöglich Kleidung arabisch geprägte Angehörige des Judentums, werden in Debatten, Forschung und Statistik meist nicht als arabische Israelis adressiert. Zudem ist die Assimilation geflüchteter jüdischer Araber in den hebräischsprachigen Jüdischen Sektor der israelischen Gesellschaft weit fortgeschritten. Das gilt noch vielmehr für deren Nachfahren, jüdische Israelis arabischen Herkommens, d. h. deren Vorfahren aus arabischen Ländern stammen.
Arabische Israelis sprechen unabhängig von ihrer Religion Arabisch, meist in Form einer palästinensisch-arabischen Mundart, wobei Beduinen den arabischen Lautstand, insbesondere die Aussprache des ‹ع› (ʿAin) wie im Ursprungsgebiet des Arabischen auf der Arabischen Halbinsel bewahrt haben. Verwaltungs- und Schulsprache ist in der Regel Hocharabisch. Als Zweitsprache beherrschen die meisten arabischen Israelis das moderne Hebräisch. Rund 84 % sind sunnitische Muslime, etwa 8 % Drusen und 8 % Christen. Letztere sind vor allem Mitglieder der griechisch-orthodoxen Kirche in Israel, aber auch Maroniten, melkitische, römische und syrische Katholiken sowie Protestanten, wobei die melkitische Konfession landesweit die größte Gruppe bildet. Etwa 75 % aller christlichen Israelis sind Araber. Auch die Kirchensprache ist in der Regel Arabisch. Die meisten arabischen Israelis betrachten sich selbst als Palästinenser oder Araber, hinsichtlich der Staatsbürgerschaft sind sie Israelis (siehe „Terminologie“).
Einen besonderen Aufenthaltsstatus als „ständige Einwohner“ besitzen die mehr als 278.000 Araber in Ostjerusalem und auf den Golanhöhen, die im Gegensatz zum Westjordanland und dem Gazastreifen von Israel annektiert wurden, womit das Angebot einherging Israelis zu werden. Ostjerusalem und die Golanhöhen wurden im Sechstagekrieg (1967) von Israel erobert. Danach haben die meisten der dort lebenden Araber aus Protest gegen die Besatzung die israelische Staatsbürgerschaft ausgeschlagen, allerdings lässt sich in dieser Hinsicht inzwischen ein pragmatisch motiviertes Umdenken feststellen.
Terminologie Die arabischen Staatsbürger Israels werden mit verschiedenen Benennungen bezeichnet. Arabische Israelis blickt dabei auf die von Kultur, Brauchtum, Geschichte und Muttersprache geprägten ethnischen Eigenheit dieser Israelis. Weitere Bezeichnungen sind „israelische Palästinenser“, „palästinensische Araber in Israel“, „palästinensische Araber“ und „israelische palästinensische Araber“.
Wie arabische Israelis sich selbst identifizieren, wurde wiederholt von Sammy Smooha (Universität Haifa) erhoben; Top 5 der letzten Erhebung (von 2019) waren: „Palästinensische Araber in Israel“ (27,1 %) – „Israelische Araber“ (14,9 %) – „Palästinensische Araber“ (12,8 %) – „Palästinenser in Israel“ (11 %) – „Araber“ (10 %). Allein als „Israelis“ oder „Palästinenser“ definierten sich nur 3,0 % respektive 2,1 %.
Benennungen, die Begriffe wie palästinensisch und Palästinenser einbeziehen, leiten sich vom Territorium Palästina her, wie es Briten und Franzosen 1918 durch völlig neue Grenzen zuschnitten und mit antikem lateinischen Namen belegten. Die Briten vereinigten das osmanische, der Hohen Pforte direkt unterstellt gewesene Mutesarriflik Jerusalem und die vorher zu Beirut gehörigen Sandschaks Nablus und Akkon sowie Gebiete des Vilâyet Syrien östlich des Jordans zu einem neuen Territorium, das sie Palästina nannten. Palästina, abgeleitet vom 125 n. Chr. neu geschöpften Namen der vergangene römischen Provinz Syria Palaestina, war vorher ein Begriff in der christlichen westlichen Forschung und Reisebeschreibung, der Zionismus, in seinen Äußerungen in Sprachen westlich-christlicher Länder, bezeichnete mit Palästina das Heilige Land.
Der Völkerbund konstituierte 1922 das neue Palästina als Mandatsgebiet. In Erfüllung arabischer nationaler Aspirationen, die die Briten mit der Hussein-McMahon-Korrespondenz 1915/1916 genährt hatten, trennten sie 1923 Transjordanien als arabisches Emirat ab. Die britische Mandatsverwaltung Government of Palestine erließ 1924 die Palestinian Citizenship Order (Verordnung die Palästinensische Staatsbürgerschaft betreffend), womit die Bewohner des Landes mit Wirkung ab 1. Januar 1925 erstmals Palästinenser mit eigener Staatsbürgerschaft wurden. Während der Mandatszeit betonten Anhänger einer arabischen politischen Souveränität eher ihre Zugehörigkeit zum Panarabismus, Palästina betrachteten sie als Konstrukt westlicher Hegemonie. Entsprechend hoben ihre Organisationen, wie das Arabische Hohe Komitee das Arabische, und nicht das Palästinensische in den Vordergrund.
Der Palästinensische Bürgerkrieg 1947/1948 und der Krieg um Israels Unabhängigkeit 1948/1949 brachten Kriegserfahrungen über alle Einwohner der Landes, 15.000 der 1,25 Millionen Araber und 6.000 der 630.000 Juden verloren ihr Leben, etwa 80 % der Araber verließen das Land. Palästinas Araber in Israel machten die spezifische Erfahrung der Niederlage, bis 1951 (Städter) bzw. (Dorfbewohner) 1966 eines Lebens unter Reise-, Aufenthaltsbeschränkungen und besonderen Ausweispflichten, knapp 20 % zudem als mittellose Binnenflüchtlinge in arabischen Orten, wo sie Zuflucht fanden, unter Nachbarn, die ihren Besitzstand wahren konnten. Aber Araber in Israel erhielten sämtlich die israelische Staatsbürgerschaft inklusive Wahlrecht von Beginn an. Unter den anderen Ländern der Region, wo nach 1949 Palästinenser lebten, folgte allein Jordanien diesem Beispiel und bürgerte ebenfalls alle Palästinenser auf seinem Territorium ein.
Palästinenser in den besetzten Gebieten (Westjordanland und Gazastreifen) bezeichnen diese Bevölkerungsgruppe als „Palästinenser in Israel“, oder auch als „Achtundvierziger“ und „Araber des Inneren/Binnenlands“ (), denn sie leben seit der Gründung Israels am 14. Mai 1948 auf dessen Staatsgebiet (inklusive der danach im Krieg um Israels Unabhängigkeit 1948/1949 gewonnenen Gebiete, die der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 für einen arabischen Staat bzw. internationalisierte Verwaltung vorsah).Sam Bahour: Don't Call Us 'Israeli Arabs': Palestinians in Israel Speak Out. In: Haʾaretz, 26. September 2016.
Juden arabischer Muttersprache im Heiligen Land wurden meist als sephardische Juden oder Misrachim, zusammen als alter Jischuv, aber selten als jüdische Araber bezeichnet. Juden arabischer Muttersprache im Heiligen Land assimilierten sich seit dem Einsetzen der zionistischen Einwanderung im späten 19. Jahrhundert sukzessive an die entstehende hebräische Kultur und Bevölkerungsgruppe des Landes (neuer Jischuv). Aus arabischen Ländern außerhalb des Heiligen Landes eingewanderte Juden werden in Israel verallgemeinernd Angehörige der „Gemeinden des Orients“ genannt oder nach ihrem oder ihrer Eltern oder Großeltern Herkunftsland als irakische oder babylonische Juden (oder einfach als Irakis), als marokkanische Juden (oder Marokkaner) etc. bezeichnet; bisweilen werden auch die Begriffe „arabische Juden“ und – selten – „jüdische Araber“ auf sie angewandt.
Politik und Gesellschaft: Überblick Arabische Israelis sind den Gesetzen nach gleichberechtigte Staatsbürger. Sie besitzen oft umfassendere bürgerliche Rechte als Palästinenser in den umliegenden Staaten wie dem LibanonVom Leben der Palästinenser im Libanon und Syrien, die ihnen trotz all der Nachteile als Staatenlose den Zugang zu ihren Staatsbürgerschaften verwehren, also auch Wahlrecht und weitere demokratisch-gesellschaftliche Freiheit. Insbesondere für arabisch-israelische Frauen gilt, dass sie rechtlich besser gestellt sind als Araberinnen in arabischen Ländern. Im Jahre 1972 wählte mit Kafr Jasif erstmals eine Gemeinde in Israel, und zwar eine arabische, eine Frau zur Bürgermeisterin, nämlich Violet Choury.
Die mehr als 278.000 Araber, die in Ostjerusalem und auf den Golanhöhen leben, haben einen besonderen Aufenthaltsstatus als „ständige Einwohner“. Seit Israel 1980 Ostjerusalem im Jerusalemgesetz de jure annektierte, können „ständige Einwohner“ Israelis werden, meist schlagen sie die Staatsbürgerschaft aus politischen Gründen aber aus. Wer es doch tut, gilt unter palästinensischen Nationalisten als Verräter der Sache. Arabische Bewohner Ostjerusalems haben oft enge Bindungen zum Westjordanland. „Ständige Einwohner“ können nur an den Kommunalwahlen in Jerusalem teilnehmen. Der Status geht verloren, sobald jemand (wenn auch nur temporär) den „Lebensmittelpunkt“ außerhalb Ostjerusalems hat und in allen sonstigen Fällen, wenn dies den israelischen Behörden sinnvoll erscheint. Das Dokument ist nur äußerlich mit dem israelischen Pass identisch.
Auch „ständige Einwohner“ der Golanhöhen können an den Kommunalwahlen dort teilnehmen. Auch die Golanhöhen annektierte Israel de jure durch Gesetz von 1981, womit auch dort die „ständigen Einwohner“ ein Recht auf Einbürgerung als Israeli erhielten. Die überwiegende Mehrheit der Bewohner hat die israelische Staatsbürgerschaft ausgeschlagen und sich entschieden, die syrische Staatsbürgerschaft zu behalten. Dagegen gibt Syrien palästinensischen Flüchtlingen und ihre Nachfahren auf seinem Territorium nicht die Option, syrische Staatsbürger zu werden.