mini|367x367px|Historisches Hauptgebäude der Universität, das mit seinen Arkaden im Mittelbau die Formensprache der ersten italienischen Universität in Bologna zum Vorbild trägt Die Universität Basel (lateinisch: Universitas Basiliensis) wurde im Jahr 1460 gegründet und ist somit die älteste Universität der Schweiz.

Sie gilt unter anderem auch aufgrund des geistigen Erbes des hier wirkenden Erasmus von Rotterdam als eine der Geburtsstätten des europäischen Humanismus. Im 19. Jahrhundert zählte dann neben dem Kunsthistoriker Jacob Burckhardt zu den berühmtesten Personen, die an der Universität lehrten, auch der Philosoph und Dichter Friedrich Nietzsche (Professor für griechische Sprache und Literatur). Insgesamt haben an der Universität bis dato zehn Nobelpreisträger und zwei Schweizer Bundespräsidenten studiert respektive gelehrt.

Die dazugehörende Universitätsbibliothek Basel ist eine der bedeutendsten Bibliotheken der Schweiz und die älteste weltliche Bibliothek des Lands (1471). Die universitären Einrichtungen, die sich in sieben Fakultäten gliedern, sind über die gesamte Innenstadt verteilt. Das Kollegienhaus aus dem Jahr 1939, nach den Formen und Linien des Neuen Bauens errichtet, mit mehreren Hörsälen und einer Aula mit Platz für 500 Personen sowie Arbeits- und Verwaltungsbüros liegt auf der Südseite des Petersplatzes.Dorothee Huber: Das Kollegienhaus der Universität Basel. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 449). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2003, ISBN 3-85782-449-2.

Geschichte Gründungsjahre mini|Bild der Gründungsfeier am 4. April 1460 im Basler Münster. Bischof Johann von Venningen ernennt den Dompropst Georg von Andlau zum ersten Rektor und gibt die Stiftungsurkunde Bürgermeister Hans von Flachslanden. Moderne Phantasiezeichnung nach der Wurstisen-Chronik|283x283pxBereits während des Basler Konzils (1431–1449) bestand eine Konzilsuniversität. Die Stiftungsurkunde für eine permanente Universität in Form einer päpstlichen Bulle von Papst Pius II. stammt allerdings vom 12. November 1459, die Gründungsfeier fand am 4. April 1460 statt. Den Betrieb nahm die Universität am Folgetag auf. Erster Rektor war der von Fürstbischof Johann von Venningen eingesetzte Dompropst Georg von Andlau. Ursprünglich verfügte die Universität Basel über vier Fakultäten – und zwar jene der Artisten, eine medizinische, eine theologische und eine juristische. Die Artistenfakultät (artes liberales) diente dabei bis zum Jahr 1818 als Grundlage für die drei anderen Studienfächer. Ursprünglich lagen sämtliche Hörsäle der Universität in Gebäuden am Rheinsprung.

Basel war schon wegen der Strahlkraft des Bischofs und der verschiedenen Orden seit langer Zeit Anziehungspunkt und Durchgangsort für Kleriker, Mönche und Intellektuelle und damit Ort der intellektuellen (theologischen, philosophischen und juristischen) Debatte und qualifizierte sich nicht zuletzt dadurch (nicht nur wegen der geografischen Lage an der Sprachgrenze und im Zentrum Europas und der guten Erreichbarkeit) als Austragungsort für das Basler Konzil. Dieses prägte die Stadt entscheidend und nachhaltig, sodass es zur Gründung der Universität Basel durch Papst Pius II., der früher als junger Kleriker als Schreiber am Konzil mitgearbeitet hatte, kam. Somit konnte der intellektuelle Austausch auch nach dem Konzil institutionalisiert und weitergeführt werden.

Unmittelbar in den ersten hundert Jahren erfuhr die Universität einen grossen Aufschwung, kamen doch sofort grosse Gelehrte in die Stadt, was Basel zu einem Zentrum der frühen Buchdruckerkunst (etwa die Offizinen der Amerbach, Froben und Petri) und des Humanismus (v. a. durch den Kleriker und Augustiner-Chorherren Erasmus von Rotterdam) machte. Die erste Erwähnung der Universitätsbibliothek Basel datiert von 1471.

16. Jahrhundert Auseinandersetzungen um die Reformation und interne Konflikte zwischen ihren Anhängern und Gegnern führten die Universität zu Beginn des 16. Jahrhunderts in eine ernsthafte Krise. Kurz vor dem Durchbruch der Reformation in Basel verliessen 1529 zahlreiche Professoren und Studenten die Stadt und zogen nach Freiburg im Breisgau. Daraufhin wurde die Universität vom Rat der Stadt Basel suspendiert und erst 1532 nach einer Revision der Statuten wiedereröffnet. Dennoch fallen in diese Zeit auch wissenschaftliche Fortschritte: 1531 führte der Mediziner Oswald Bär an der medizinischen Fakultät die erste öffentliche anatomische Sektion durch.Die Reformation als Einschnitt und Aufbruch unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023.

In den folgenden Jahrzehnten zog die Universität renommierte Dozenten an, wozu auch das Buch- und Druckwesen in Basel sowie ein vergleichsweise tolerantes religiöses Klima beitrugen. 1588 wurde der «hortus medicus», der spätere Botanische Garten der Universität Basel, eingerichtet. Die Universitätsbibliothek gewann durch den Aufschwung des humanistischen Buchdrucks und durch die Eingliederung von Bücherbeständen aus Klöstern, die nach der Reformation aufgelöst und verstaatlicht worden waren, stark an Umfang und an Bedeutung. Mit seiner internationalen Ausstrahlung zog Basel zunehmend ausländische Studierende an und entwickelte sich zu einer beliebten Ausbildungsstätte für Mediziner und Juristen.Aufschwung und Internationalisierung im 16. Jh. unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023.

17. und 18. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert erlebte die Universität eine verstärkte Regionalisierung. Familien der städtischen Elite übten einen massgeblichen Einfluss auf die Universität aus, was Klientelismus und Vetternwirtschaft begünstigte. Dennoch waren in dieser Zeit auch namhafte Akademiker von europäischer Geltung an der Universität Basel tätig. Beispielhaft dafür steht die Gelehrtendynastie der Bernoulli, die zahlreiche berühmte Wissenschaftler hervorbrachte.Der Streit um die Privilegien: Das 17. Jahrhundert unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023.

Im Lauf des 18. Jahrhunderts verlor die Universität zunehmend an Bedeutung, was zu langwierigen Reformdiskussionen führte. Diese Phase wurde erst mit dem Erlass des Universitätsgesetzes von 1818 beendet, das die Universität vollständig unter die Kontrolle des Staates stellte.Reformdiskussionen ohne Ende: Das 18. Jahrhundert unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023.

19. Jahrhundert

Die Basler Kantonstrennung von 1833 führte zu internen Spannungen und stellte Stadt und Universität vor grosse ökonomische Herausforderungen. Gleichzeitig löste sie auch ein verstärktes Engagement der städtischen Trägerschaft aus und markierte den Beginn einer Modernisierung, von der vor allem die aufstrebenden Naturwissenschaften profitieren konnten.Die Existenzkrise von 1833 unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023.

20. und 21. Jahrhundert Mit der wachsenden Bedeutung der Naturwissenschaften wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere neue Fächer geschaffen. „Einen Höhepunkt (in dem sich aus der Allgemeinchirurgie herausbildenden Fach der Urologie) bildete die überhaupt erstmalig [sic!] am Menschen durchgeführte Peritonealdialyse, die zahlreichen anurischen Kranken das Leben gerettet“Universität Basel: Lehre und Forschung an der Universität Basel zur Zeit der Feier ihres fünfhundertjährigen Bestehens. Birkhäuser Verlag 1960, S. 175 hat.

Im Jahr 1937 wurden die Naturwissenschaften offiziell in der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zusammengefasst.Erfolgreiche Emanzipation: Die Geschichte der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023. Ein Chemiker war denn auch der erste Nobelpreisträger der Universität Basel: Tadeus Reichstein, seit 1938 Professor für Pharmazeutische Chemie in Basel, erhielt 1950 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Isolierung der Steroide der Nebennierenrinde.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahr 1933 emigrierten zahlreiche renommierte deutsche Akademiker aufgrund der politischen Lage in die Schweiz nach Basel, wobei auch einige Schweizer Wissenschaftler wieder zurückkehrten. Zu nennen sind hier unter anderem die Namen des Rechtsprofessors Arthur Baumgarten (1933), der Theologen Karl Barth (1935) und Fritz Lieb (1937), des Biochemikers und Philosophen Jeschajahu Leibowitz (1934) und nach Ende des Zweiten Weltkrieges des Philosophen und Psychiaters Karl Jaspers von der Universität Heidelberg (1948) sowie des Chirurgen Rudolf Nissen (1952).

Als pionierhaft galt 1971 die Errichtung des Biozentrums der Universität Basel, mit dem eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung geschaffen wurde, die die verschiedenen biologisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen zusammenführte. Zu seinen Gründervätern zählt der Mikrobiologe Werner Arber, der 1978 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde.

Die Zusammenlegung der wirtschaftswissenschaftlichen Fächer führte 1988 zur Bildung des Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrums, das 1997 in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät aufging.Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023. Als siebte Fakultät der Universität Basel erfolgte 2003 die Gründung der Fakultät für Psychologie.Die Fakultät für Psychologie unigeschichte.unibas.ch — das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. Abgerufen am 28. Juli 2023.

Frauen an der Universität Basel Im Jahr 1890 wurde an der Universität das Frauenstudium eingeführt, innerhalb der Schweiz praktisch zeitgleich mit der Universität Freiburg im Üechtland (1889). Die erste Studentin war die spätere Medizinerin Emilie Louise Frey, die sich 1890 immatrikulierte. Die erste Basler Professorin war die Slawistin Elsa Mahler, die 1938 zur ausserordentlichen Professorin ernannt wurde. Der Anteil Frauen bei den Studierenden und Doktorierenden lag im Herbstsemester 2025 bei 58,4 Prozent.

Organisation Die Universität wird von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft gemeinsam getragen, womit sie die einzige Schweizer Hochschule darstellt, die von mehr als einem Kanton finanziert wird. Die Basis dafür legte der Universitätsvertrag von 1995, in dem die beiden Kantone eine wesentliche Beteiligung von Baselland an der Führung und Finanzierung der Universität vereinbarten. Mit dem Inkrafttreten eines neuen Universitätsgesetzes 1996 wurde die Universität gleichzeitig aus der staatlichen Verwaltung herausgelöst und als öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und weitgehender institutioneller Autonomie neu organisiert. Seither ist der Universitätsrat das oberste Leitungsgremium, dessen Mitglieder von den Regierungen der Trägerkantone gewählt werden. Die gemeinsame Trägerschaft wurde 2007 in einem Staatsvertrag zwischen den beiden Kantonen bekräftigt.Mario_König: In eigener Sache. Die Universität Basel unterwegs zu Autonomie und neuer Trägerschaft 1985–2010 (= Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel-Landschaft. Band 89). Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2010, ISBN 978-3-85673-282-0.

Die Universität ist Mitglied von Swissuniversities sowie des trinationalen Hochschulverbunds Eucor – The European Campus.

Fakultäten Die Universität Basel gliedert sich in sieben Fakultäten:

Theologische Fakultät Juristische Fakultät Medizinische Fakultät Philosophisch-Historische Fakultät Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Fakultät für Psychologie