Wolodarowka (, deutsch Jodlauken, 1938–1945 Schwalbental) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Tschernjachowsk im Rajon Tschernjachowsk.

Geographische Lage Wolodarowka liegt im Süden des Rajon Tschernjachowsk an der Regionalstraße 27A-037 (Teilstück der ehemaligen A197) von Tschernjachowsk (Insterburg) nach Krylowo (Nordenburg). Ein Bahnanschluss bestand bis 2009 über die 6 km entfernte Bahnstation Frunsenskoje (Bokellen) an der Tschernjachowsk–Schelesnodoroschny (Gerdauen).

Geschichte Bis 1945 war der damals Jodlauken bzw. Schwalbental genannte Ort eine Landgemeinde im Landkreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 11. März 1874 wurde es Sitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirks.Rolf Jehke, Amtsbezirk Schwalbental

Am 1. Dezember 1910 betrug die Zahl der Einwohner 368. Zum 1. Juli 1929 wurden die Nachbardörfer Daubarren und Radszuhnen eingemeindet, so dass die Einwohnerzahl anstieg: 1933 lebten hier 550, und im Jahr 1939 bereits 576 Menschen.

Am 3. Juli 1938 – mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli 1938 – erhielt Jodlauken aus politisch-ideologischen Gründen den Namen „Schwalbental“. Der durch den Ort fließende Bach hieß Jodupe und wurde gleichzeitig in „Schwalbe“ umbenannt, heute russisch Jutschinka.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort unter sowjetische Verwaltung. 1947 erhielt er den russischen Namen „Wolodarowka“ und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Swobodnenski selski Sowet im Rajon Tschernjachowsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947) Von 2008 bis 2015 gehörte Wolodarowka zur Landgemeinde Swobodnenskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Tschernjachowsk.

Amtsbezirk Jodlauken/Schwalbental Am 11. März 1874 bildeten 14 Landgemeinden bzw. Gutsbezirke den Amtsbezirk Jodlauken:

Name Name (1938–1946) Name (seit 1946) BemerkungenLandgemeinden:Berszienen,Ksp. Jodlaukenab 1936: Berschienen Birklacken Prudki Daubarren -- -- 1929 in die LandgemeindeJodlauken eingegliedertDraskinehlen Neu Lugau -- 1930 in den AmtsbezirkLugowen umgegliedertGravenort -- Repino 1930 in den AmtsbezirkLugowen umgegliedertJodlauken Schwalbental Wolodarowka Kamputschen Kampeneck -- Leputschen Oberschwalben Lermontowo Radszuhnen -- Korsakowo 1929 in die LandgemeindeJodlauken eingegliedertStagutschen Dallwitz Listowoje Triaken,Ksp. Jodlauken Schwerfelde SnamenskojeGutsbezirke:Davidehlen -- Saizewo 1928 in die LandgemeindeDreibrücken eingegliedertFriedrichshuld -- Pestschanaja (Adlig) Keppurren Kranichfelde Sibirskoje 1928 in die LandgemeindeDreibrücken eingegliedertOstlöpschen Ostilmen Kusnetschny 1928 in die LandgemeindeGravenort eingegliedert

Im Jahre 1908 gehörten insgesamt noch acht Gemeinden zum Amtsbezirk Jodlauken: Berszienen (Ksp. Jodlauken), Dreibrücken, Gandrinnen (1938–1946 Storchenfelde), Jodlauken, Kamputschen, Leputschen, Stagutschen und Triaken (Ksp. Jodlauken).

Am 13. September 1939 wurde der Amtsbezirk Jodlauken offiziell in „Amtsbezirk Schwalbental“ umbenannt, und am 1. Januar 1945 waren in diesen Amtsbezirk integriert: Birklacken, Dallwitz, Dreibrücken, Kampeneck, Oberschwalben, Schwalbental, Schwerfelde und Storchfelde.

Kirche Jodlauken Bei der heute zweckentfremdeten Kirche Jodlauken (Кирха Йодлаукеиа/Kirche Jodlauken bei prussia39.ru) handelt es sich um einen massiven rechteckigen BauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bildnisse ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 104 aus dem Jahre 1746 mit kleinem hölzernen Dachreiter. Der Innenraum ist flach gedeckt, und Altar und Kanzel bildeten ein Ganzes. Zur Ausstattung gehörten Reste eines gotischen Schnitzaltars (um 1520), die dem Meister der Wurzel Jesse in der St.-Georgs-Kirche in Friedland (heute russisch: Prawdinsk) zugeschrieben wurde. Die Kirche besaß eine Orgel sowie zwei Glocken.

Kirchengemeinde Seit 1718 war Jodlauken mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung Pfarrsitz und zentraler Ort für ein weitflächiges Kirchspiel. Die Kirchengemeinde gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Nach 1945 kam alles kirchliche Leben während der Zeit der Sowjetunion zum Erliegen. In den 1990er Jahren bildete sich in Wolodorowka eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde, die zur Kirchenregion der Stadt Tschernjachowsk gehört. Sie ist in die Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland eingegliedert .

Kirchspielorte Zum weitflächigen Kirchspiel Jodlauken resp. Schwalbental gehörten außer dem Pfarrort noch 44 Orte und kleinere OrtschaftenWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 481 (* = Schulorte): Name Name (1938–1946) Name (seit 1946) Name Name (1938–1946) Name (seit 1946) Alt Gudehlen *(Adlig) Keppurren Kranichfelde Sibirskoje Amalienhof Mühle Keppurren Friedrichsmühle Pereleski Andreashof Klein Jurlauken Baginski Freimannsdorf Klein Triaken Berszienen/Berschienen Birklacken Prudki Kranichbruch, Forst *Blockinnen Blocken Otradnoje *Leputschen Oberschwalben Lermontowo Dallwitz [Fh.] Saratowskoje Lugowen Groß Lugau Tschaikowskoje Daubarren *Muldszehlen/Muldschehlen Muldenwiese Medwedewka Davidehlen Lehmfelde Saizewo Nendrinnen Altlugau Draskinehlen Neu Lugau Neuhausen *Draupchen Friedenau Maloje Kruschinino Neusiedel Eschenwalde Neu Gudehlen Neumulden Friedrichsgabe Furmanowo Neu Lenkutschen Friedrichshuld Pestschanaja Nimmerfried Gandrinnen Storchfelde Ostlöpschen Ostilmen Kusnetschny Grabowen Roßweiden Sibirskoje *Potrempschen Kleinlugau Wolschskoje Gravenort Repino Radszuhnen Korsakowo *Groß Drutschlauken Hasenfeld Dubrowka Rudlacken Eichenwalde Grünheide Ruhendorf Kamputschen Kampeneck Stagutschen Dallwitz Listowoje Karlsdorf Triaken Schwerfelde Snamenskoje Karolinen Donskoje Warlin Sowjetskoje

Pfarrer (1718–1945) Von der Gründung des Kirchspiels Jodlauken im Jahre 1718 bis Kriegsende 1945 waren 20 Geistliche in Jodlauken/Schwalbental tätigFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 59:

Fabian Kalau, 1718–1723 Friedrich Pauli, 1723–1730 Conrad Wolfgang Schaar, 1731–1734 Daniel Simon Wilcke, 1734–1736 Johann Jacob Pauli, 1737–1753 Gottlieb Andreas Kahnert, 1748–1756 Christoph Albrecht Cramer, 1756–1763 Heinrich Bernhard Koppe, 1763–1780 Andreas Schmidt, 1781–1782 Daniel Friedrich Wüsthoff, 1782–1808 Johann Friedrich Hertell, 1808–1809 Carl Samuel Paarmann, 1809–1831 Johann Wilhelm A. Ziegler, 1831–1842 Theodor Wilhelm Leopold Weinreich, 1842–1853 Theodor Otto Pastenaci, 1853–1863Pastenaci († 1863) war Angehöriger des Corps Littuania. Heinrich Moritz Hirsch, 1863–1881 Georg Höning, 1882–1895Höning (1853–1895) war Angehöriger des Corps Masovia. Johann Gottlieb Heinrich Schundau, 1896–1904 Bruno Strehl, 1904–1927 Ernst Kucharski, 1927–1945

Persönlichkeiten Ernst Thomaschky (1895–1979), deutscher Fußballfunktionär und -schiedsrichter

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Tschernjachowsk