Madonna del Monte ist eine unbewohnte Insel in der Lagune von Venedig. Sie liegt an einem Kanal zwischen Mazzorbo und San Giacomo in Paludo, der weiter Richtung Murano führt. Dieser nördlich des historischen Zentrums von Venedig beginnende Kanal heißt Scomenzera San Giacomo. Die Doppelinsel Madonna del Monte hat eine Fläche von 5.722 m². Zur Insel gehört eine kleinere Insel, die mit der Hauptinsel durch eine Landzunge verbunden war, die jedoch inzwischen unter Wasser liegt. Von 1303 bis 1432 bestand dort ein Kloster der Benediktinerinnen, dann eine Einsiedelei, schließlich entstand 1712 eine kleine Kirche, die der Insel den Namen gab. Mit Napoleon ging die Insel an das Militär, sie wurde zum Munitionslager mit einem Wachposten. Die Kirche verfiel, die Insel zerbrach in zwei Teile. Die Ruinen sind Reste des besagten Lagers und des Postens, von den Bauwerken aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert existieren nur wenige Spuren.

Geschichte Römerzeitliche Besiedlung Ausgrabungen erwiesen, dass die Insel schon in römischer Zeit bewohnt war. So fand man Überreste eines Holzgebäudes sowie eine mehr als 10 m lange Reihe von Amphoren.Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 276. Die Siedlung aus dieser Zeit bestand im Kern vom 1. bis zum 3. Jahrhundert. Dabei handelte es sich um ein bedeutendes Wohn- oder Handelszentrum.Nasir Mokhtari: The Island of Madonna del Monte: A 3D Historical Reconstruction and Digital Analysis of an Abandoned Venetian Island, Master Degree in Archaeological Sciences, Padua 2026, S. 13 f. Damit endete für rund ein Jahrtausend die Besiedlung.

Benediktinerinnenkloster (1303–1432) Auf der Insel bestand von 1303 bis 1432 ein kleines, dem Hl. Nikolaus von Bari geweihtes Benediktinerinnenkloster, das den Namen San Nicolò della Cavana erhielt. Es befand sich am Nordostrand der heutigen Insel.Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 275 f. Cavane sind die für Venedig typischen Unterstellplätze für Boote, etwa unter Brücken, aber auch an den Stellen, an denen die Traghetti den Canal Grande überqueren.Giuseppe Boerio: Dizionario del dialetto veneziano, Venedig 1829, S. 115. Die Nonnen gingen auf der Grundlage eines Dekrets von Filippo Paruta, des Bischofs von Torcello, vom 15. Juli 1432, nach Santa Caterina auf Mazzorbo. Zu den archäologischen Überresten zählen die Fundamente von Klostergebäuden, ein gemauertes Grab und der viereckige Sockel eines Glockenturms.Nasir Mokhtari: The Island of Madonna del Monte: A 3D Historical Reconstruction and Digital Analysis of an Abandoned Venetian Island, Master Degree in Archaeological Sciences, Padua 2026, S. 15 f.

Religiose (ab 1648) Die Insel, schon Mitte des 16. Jahrhunderts kaum mehr bewohnbar, wurde wieder zu einer palude, bis 1648 Santa Catarina das Land einigen Religiosen überließ, die der Regel des hl. Paulus folgten, des ersten Eremiten. Doch gaben auch diese Männer, die ihre Heimstatt Paulus von Theben geweiht hatten, die Insel später auf.

Madonna del Monte (ab 1712) mini|links|Stich nach einer Zeichnung von Francesco Tironi, 1779 mini|links|Giacomo Guardi: Kirche Madonna del Rosario auf Madonna del Monte, 1770er Jahre Erst 1712 entstand durch den Senat auf Anregung des Venezianers Piero Tabacco wieder eine durch Almosen finanzierte kleine Kirche, die er der Santa Maria del Rosario widmete.Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica da S. Pietro sino ai nostri giorni, Bd. XCI, Venedig 1858, S. 576. Auch eine kleine Brüdergemeinde siedelte sich dort an, die Tabacco gegründet hatte.

In dieser Zeit erhielt die Insel den Namen Monte del Rosario oder Madonna del Monte. Eine Karte von 1726Staatsarchiv Venedig, Savi ed esecutori alle acque, Atti, busta 1, dis. 2. zeigt, im Gegensatz zu der von Angelo Minorelli erstellten von 1712,Staatsarchiv Venedig, Ufficio del Genio civile, Disegni, serie I, dis. 34. auf der Insel eine Reihe von in der Zwischenzeit entstandenen Gebäuden.Nasir Mokhtari: The Island of Madonna del Monte: A 3D Historical Reconstruction and Digital Analysis of an Abandoned Venetian Island, Master Degree in Archaeological Sciences, Padua 2026, S. 18. Im Süden der Insel befand sich demnach die Kirche, im Norden ein Brunnen (pozzo, eine Art Zisterne), hinzu kam ein Haus der Bruderschaft. Der Maler Giacomo Guardi zeichnete eine Vedute um 1750;Heute im New Yorker Morgan Library & Museum. ebenso Giovanni Antonio FaldoniHeute im Museo Correr, FSR cart. 4, 100.. Francesco Tironi zeichnete die Insel mit ihrer Kirche im Jahr 1779, Antonio Visentini hatte die Insel mit ihrer Kirche bereits 1738 skizziert.Nasir Mokhtari: The Island of Madonna del Monte: A 3D Historical Reconstruction and Digital Analysis of an Abandoned Venetian Island, Master Degree in Archaeological Sciences, Padua 2026, S. 23, Figure 12. Dabei zeigt Tironis Bild von 1779 eine Bebauung an, die bereits eine gewisse Komplexität erreicht hatte. Dort erscheint nicht nur links der Kirche ein niedriger baulicher Komplex, sondern auch rechts. Ein höherer Glockenturm gibt dem nahezu symmetrischen Bauwerk eine vertikale Ausrichtung. Mehr Fenster ließen zusätzliches Licht in das Gebäude.

Auflösung des Klosters (1806), Munitionslager, Rettungsversuch (1977/1978), Verfall 1806 löste Napoleon die Klöster in Venedig auf, die Insel gelangte 1808 in die Hände der Armee. Nach dem napoleonischen Kataster von 1809, das auch zahlreiche Karten enthält, waren die Bauwerke bereits verschwunden, selbst der verbliebene Holzbau. Die Karten zum österreichischen Kataster von 1841 zeigen, dass die religiösen Gebäude, aber auch der verbliebene Holzbau, vollständig verschwunden waren. Die Insel war vollständig leer.

Vielleicht Mitte des 19. Jahrhunderts, jedenfalls nach 1841 und vor 1931, entstand ein Munitionslager. Inzwischen hat die Erosion die Insel in zwei Teile zerrissen. Heute ist sie in Privatbesitz. Auf einer Mauer entstand in Erinnerung an die Vergangenheit ein kleiner Altar mit einem Marienbildnis. Die heutigen Bauwerke sind keine Relikte der ältesten Besiedlungsversuche, sondern Überreste des 19. Jahrhunderts, vor allem einer polveriera, eines Munitionslagers. Die Brücke und ein schmaler Landstreifen, die die beiden Inselteile verbanden, gingen in einem Sturm Mitte des 20. Jahrhunderts unter. Auf der kleineren Insel befinden sich Überreste eines Wachtpostens, der um 1900 entstanden ist.

1977/78 entstand ein Dossier, nach dem die polveriera auf der südlichen Hauptinsel und der ex corpo di guardia auf der nördlichen Nebeninsel restauriert werden sollten. Doch kam es nie zur Ausführung dieses Vorhabens. Die Architekten Dimitri und Claudio Manjuff hatten die Pläne für ein Privatunternehmen ausgearbeitet. Es sollte eine Ausstellungshalle nebst Verwaltungszentrum entstehen, die durch einen kleinen Garten in Verbindung stehen sollten.Nasir Mokhtari: The Island of Madonna del Monte: A 3D Historical Reconstruction and Digital Analysis of an Abandoned Venetian Island, Master Degree in Archaeological Sciences, Padua 2026, S. 30.

Literatur Nasir Mokhtari: The Island of Madonna del Monte: A 3D Historical Reconstruction and Digital Analysis of an Abandoned Venetian Island, Master Degree in Archaeological Sciences, Padua 2026. (online)

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Anmerkungen

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