Juan Carlos (Amat), katalanisch Joan Carles i Amat, (* 1572 in Monistrol de Montserrat; † 10. Februar 1642 ebenda) war ein spanischer Arzt und Musiker. Er verfasste die erste bekannte Gitarrenschule für die fünfchörige Barockgitarre.
Leben Juan Carlos studierte an der Universität von Valencia und wurde dort um 1595 promoviert. Er heiratete im Jahr 1600, wurde 1618 Gemeinde- und Armenarzt und war bis zu seinem Tod Mitglied des Stadtrats von Monistrol. Am 1. Januar 1642 war er noch zum Bürgermeister seiner Stadt ernannt worden.Joan Carlos: „GUITARRA ESPAÑOLA mit fünf Chören ...“. Übersetzt und herausgegeben von Wolf Moser. In: Gitarre & Laute Band 3, 1981, Heft 3, S. 23.
Veröffentlichungen Juan Carlos, wie er sich auch selbst nannte, der aber in Fachkreisen häufig unter dem Namen seiner Mutter als Amat zitiert wird (sein Vater hieß Joan Carles, seine Mutter Joana Amat)Joan Carlos: „GUITARRA ESPAÑOLA mit fünf Chören ...“. Übersetzt und herausgegeben von Wolf Moser. In: Gitarre & Laute Band 3, 1981, Heft 3, S. 22., veröffentlichte als Arzt mehrere medizinische Schriften, so ein heute nicht mehr näher belegbarer Pesttraktat und ein in Latein verfasstes Werk mit dem Titel Fructus Medicinae, ex variis galeni locis decerpti (Lyon 1627)BNE Biblioteca Nacional de España: Fructus Medicinae, ex variis galeni locis decerpti [Texto impreso] / Auctore Ioanne Carolo Amato; Quellenbeschreibung der Ausgabe von 1627 und Link zum Digitalisat (lateinisch).. Besonders erfolgreich war er als Literat: seine Sammlung von katalanischen Aphorismen erfuhr bereits zu Lebzeiten mindestens 20 Auflagen und wurde als Schulbuch bis ins 19. Jahrhundert immer wieder aufgelegtJoan Carlos: „GUITARRA ESPAÑOLA mit fünf Chören ...“. Übersetzt und herausgegeben von Wolf Moser. In: Gitarre & Laute Band 3, 1981, Heft 3, S. 23..
Das Lehrwerk für Barockgitarre Sein zweites Werk, das die Zeiten überdauern konnte, war der 1596 erstmals veröffentlichte Traktat für die fünfchörige Barockgitarre,Juan Carlos Amat: Guitarra española de cinco ordenes la qual enseña de templar, y tañer rasgado todos los puntos […]. [Barcelona 1596] Lérida 1626.Joan Carlos: „GUITARRA ESPAÑOLA mit fünf Chören ...“. Übersetzt und herausgegeben von Wolf Moser. In: Gitarre & Laute Band 3, 1981, Heft 3, S. 54–55, Heft 4, S. 6–7, Band 4, 1982, Heft 1, S. 8–9, Heft 2, S. 94–95, und Heft 5, S. 294. das erste Gitarrenlehrbuch in spanischer Sprache.Wolf Moser (1982), S. 317 Das Buch wurde mehrfach in Spanisch, Katalanisch und Valencianisch aufgelegt.Joan Carles Amat: Guitarra española, y vandola en dos maneras de guitarra, castellana y valenciana, de cinco ordenes. Gerona um 1761. Facsimile-Nachdruck, eingeleitet von Monica Hall, Éditions Chanterelle, Monaco 1980.
Erhaltene Ausgaben Die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus den Jahren 1626 (heute in der Newberry Library, Chicago) und 1627 (BNE, Biblioteca Nacional de EspañaBNE Biblioteca Nacional de España: Quellenbeschreibung der Ausgabe von 1627 und Link zum Digitalisat (spanisch).), die letzte nachweisbare Auflage erschien 1758 (BNE: Signatur MC/3602/28).BNE Biblioteca Nacional de España: Quellenbeschreibung der Ausgabe von 1758 und Link zum Digitalisat (spanisch).
mini|Guitarra Española, y Vandola. Ausgabe von 1639 Ab 1639 erscheinen die Ausgaben nicht nur mit Anhängen in katalanischer Sprache bzw. valencianischem Dialekt, sondern auch unter einem erweiterten Titel, so z. B. 1701 bzw. 1758BNE Biblioteca Nacional de España: Quellenbeschreibung der Ausgabe von 1758 und Link zum Digitalisat (spanisch). als Guitarra española, y vandola en dos maneras de guitarra, castellana, y cathalana [1758: valenciana] de cinco ordenes […].
Die Erweiterungen des ursprünglichen Titels beziehen sich einerseits auf die lautenartige Bandola (vandola), deren Saitenintervalle der Stimmung der Renaissancelaute entsprachen (4-4-3-4-4), andererseits auf zwei unterschiedliche Spielarten der Gitarre, der kastilischen (castellana) und der katalanischen (cat[h]alana), auf die der Autor im weiteren Verlauf aber nicht eingeht, und bei denen es sich möglicherweise lediglich um zwei unterschiedliche Methoden der Akkordbezifferung handelt.Wolf Moser: Der Traktat „Guitarre Española“ und sein Verfasser Joan Carlos Amat. (Werkbeschreibung, Kommentar und Übersetzung) In: Gitarre & Laute. Band 3, Heft 3, 1981, S. 24
Beschreibung des Werks Das Werk selbst besteht aus neun Kapiteln, deren Inhalt sich trotz der Beschränkung auf elementare Akkordgriffe mit Anschlägen im Rasgueadostil keinesfalls nur an weniger ambitionierte Liebhaber richtet, da die Intention des Autors auf eine Hilfestellung zur leichteren Ausführung auch schwierigerer, also anspruchsvoller Musik abzielt.Wolf Moser: Der Traktat „Guitarre Española“ und sein Verfasser Joan Carlos Amat. (Werkbeschreibung, Kommentar und Übersetzung) In: Gitarre & Laute. Band 3, Heft 3, 1981, S. 47
Zunächst beschreibt der Autor die Besaitung der fünfchörigen Gitarre, deren 1. Chor nur einsaitig ist, während die restlichen Chöre jeweils doppeltsaitig bespannt werdenS. 15 der Ausgabe von 1627 (Digitalisat der BNE). Im weiteren Verlauf erläutert er die Funktion der Bünde (2. Kapitel) und beschreibt die Griffbrettpositionen der Dur- und Mollakkorde (3. und 4. Kapitel), gefolgt von der Darstellung eines vom Autor entwickelten, ausgeklügelten Systems zum Auffinden und Transponieren der Akkordgriffe in alle Tonarten, bestehend aus einem kreisförmigen DiagrammS. 27ff der Ausgabe von 1627 (Digitalisat der BNE) und einer Ziffernnotation. Das Werk endet mit einer Demonstration seiner Notationmethode anhand der damals populären Romanesca Guardame las vacas in zwölf Tonarten (8. Kapitel) und einem kurzen Exkurs zur vierchörigen Gitarre im 9. Kapitel. In diesem letzten Kapitel ist die Überschrift guitarra de siete ordenes (siebenchörige Gitarre) als siete cuerdas (siebensaitige, also vierchörige Gitarre) zu lesen,S. 47 ff. der Ausgabe von 1627 (Digitalisat der BNE) wie es auch im Inhaltsverzeichnis des Buches korrekt vermerkt ist. Dieser offensichtliche Fehler wurde ungeprüft in alle nachfolgenden Ausgaben übernommen.
Die musikgeschichtliche Bedeutung des Lehrwerks Aus heutiger Perspektive bietet das Lehrwerk von Juan Carlos Amat zwar kaum Informationen zur Spieltechnik der Barockgitarre, dafür erweist es sich aber in seiner theoretischen Konzeption als frühe, und daher historisch bedeutsame Quelle zur Entwicklungsgeschichte der Dur-Moll-Tonalität. So kommt Ruben Melendez in der Zusammenfassung seiner Masterarbeit aus dem Jahre 2019 zu folgendem Schluss (Übersetzung nach dem englischen Original):
Literatur Wolf Moser: Der Traktat „Guitarre Española“ und sein Verfasser Joan Carlos Amat. In: Gitarre & Laute. Band 3, Heft 3, 1981, S. 22–28 und 46–48, sowie Heft 5, S. 44 f. (mit Leserbrief von Brian Jeffery dazu: S. 70), und Band 4, Heft 6, 1982, S. 317 f.
Konrad Ragossnig: Handbuch der Gitarre und Laute. Schott, Mainz 1978. Harvey Turnbull: The Guitar from the Renaissance to the Present Day. The Bold Strummer 1992.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (16. Jahrhundert) Kategorie:Barockgitarrist Kategorie:Sachbuchautor (Musik) Kategorie:Bürgermeister (Katalonien) Kategorie:Person (Katalonien) Kategorie:Spanier Kategorie:Geboren 1572 Kategorie:Gestorben 1642 Kategorie:Mann