mini|Haarfärbung beim Friseur Eine Haarfärbung wird vorgenommen, um dem Haar andere Farbnuancen zu geben, das heißt die natürliche Haarfarbe zu verändern. Eine Haarfärbung ist meist auch noch nach mehrmaliger Haarwäsche mit tensidhaltigen Waschmitteln farbecht.
Farbänderungen des Haares kann man durch Blondiermittel oder Haarfärbemittel erreichen. Die Haarfärbung lässt sich in Bezug auf die Zahl der Haarwäschen nach der Färbung und der jeweiligen Haltbarkeit der Farbänderung in temporäre, semipermanente und permanente Färbungen einteilen.Wilfried Umbach: Kosmetik – Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1995. Eine temporäre Haarfärbung verschwindet nach dem ersten Waschen mit einem Haarshampoo. Sie basiert auf einer physikalischen Haftung eines Farbstoffes. Eine semipermanente Haarfärbung hält circa zwei bis zehn Haarwäschen aus. Eine permanente Färbung übersteht mehr als zehn Haarwäschen. Hierbei werden kosmetische Farbstoffe chemisch an bestimmte Aminosäuren im Haar gekoppelt oder beim Blondieren Pigmente des Haares oxidiert.
Es wird geschätzt, dass etwa die Hälfte der erwachsenen Frauen in den Industrieländern Haarfärbemittel nutzen. Die Farben sind stark von Modetrends abhängig und variieren von Kulturkreis zu Kulturkreis.
Geschichte Schon vor 3000–4000 Jahren war das Haarfärben mit den natürlichen Farbstoffen Henna, Indigo, später auch mit Rastik gebräuchlich. Die Römer färbten sich ihre Haare mit Bleikämmen, die in Essig eingetaucht wurden. Dabei gab es aus der Reaktion mit der Aminosäure Cystein im Haarkeratin blonde bis dunkle Farbtöne. Martial hielt fest, dass die germanischen Volksstämme der Chatten und Bataver einen rötlichen Schaum, die sog. spuma chattica, herstellten, der „teutonischem Haar Feuerfarbe“ gebe.Martial, Epigrammata 14,26. Dieser Schaum stellte im Handel mit den Römern ein gefragtes Tauschmittel dar.Armin Becker: Rom und die Chatten. Darmstadt und Marburg 1992, S. 69.
Von 1900 an bestanden die Färbemittel häufig aus anorganischen Silbernitratlösungen beziehungsweise anderen Metallsalzen, gemischt mit Pyrogallol-Lösung. Dabei reagierten die Silberionen mit der Aminosäure Cystein im Haar. Damit konnten Farbtöne zwischen Blond und Schwarz eingestellt werden.Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie. 3. Auflage. Band 10, S. 734. Der erste dauerhaft haltbare Azofarbstoff für Haare wurde 1883 entwickelt. Ein Haarfärbemittel für Menschenhaar aus dem Jahre 1895 bestand aus 1,4-Phenylendiamin, p-Aminophenol und Diaminophenol und wurde unter dem Namen „Chenie’s Haarfarbe Fo“ in den Handel gebracht; schon damals wurde auf die mögliche Gefahr einer Hautreizung beim Färbeprozess nachdrücklich hingewiesen.Chemisches Zentralblatt. 1898, S. 131.
Auf Basis von p-Phenylendiamin, dessen Eignung als Haarfärbemittel Ernst Erdmann 1888 bei Agfa erkannte, war auch das Haarfärbemittel Aureole von Eugène Schueller 1907 in Paris (dem Gründer von L’Oréal). 1947 brachte Therachemie, eine spätere Henkel-Tochter, eine Haarfärbemittelserie für Endverbraucher heraus (Polycolor).
Einteilung der Haarfärbemittel Haarfärbemittel können hinsichtlich ihrer Wirkweise wie Anfärbung, Haltbarkeit und chemischen Eingriffes zum Haar eingeteilt werden. Haare können in ihrer Farbtiefe von Schwarz bis Lichtblond und/oder in einer Farbrichtung wie z. B. Matt, Silber, Gold, Kupfer, Rot, Violett verändert werden. Auch der bestehende Strukturzustand des Haares wie unbehandelt, sonnengebleicht, gefärbt, hellergefärbt oder gesträhnt ist für das Farbergebnis entscheidend. Die Einteilung erfolgt grundsätzlich in zwei Rubriken:
Nicht oxidative Haarfärbemittel
Bei diesen Färbemitteln ist nur eine Anfärbung an der Oberfläche des Haares (temporäre Haarfärbung) bzw. in den Schichten der Schuppenschicht (semipermanente Haarfärbung) mittels fertiger Farbstoffe, sogenannte Direktfarbstoffe möglich. Die Produkte sind im Behältnis gebrauchsfertig und müssen nicht gemischt werden. Ausnahmen sind: Tonspülungen beim Friseur, diese werden mit Wasser gemischt und Pflanzenhaarfarben, die mit Wasser oder schwarzem Tee zubereitet werden. Die Naturfarbe kann nur nuanciert, intensiviert oder dunkler angefärbt werden.
Oxidative Haarfärbemittel
Um eine deutliche bzw. intensivere Veränderung der Haarfarbe zu erzielen, kommen hierbei sogenannte Oxidationsmittel in Kombination mit unentwickelten Farbstoffen, den Farbbildnern zum Einsatz, zusammen gemischt entwickeln sich diese dann erst gemeinsam im Haar zur eigentlichen Haarfarbe. Diese Produkte ermöglichen eine komplette Durchfärbung der Naturfarbe von deutlich dunkler bzw. je nach Intensität bis zu ca. 3 Töne heller. Im Gegensatz zu nicht oxidativen Haarfarben werden auch die Naturpigmente des Haares verändert bzw. oxidiert. Oxidative Färbemittel werden demipermanenten und permanenten Haarfärbungen zugeordnet.
Wirkweise nicht oxidativer Haarfärbungen mini|Elektrische Ladungen im Haar Das Haar besteht aus verhorntem Eiweiß, dem Keratin. In den Molekülgruppen des Keratins befinden sich jeweils eine gleiche Anzahl von positiv und negativ geladenen Teilchen, die Ladung befindet sich im Gleichgewicht. Im Haarinneren, der Faserschicht sitzen die positiv (+) geladenen Kationen, in der äußeren Schuppenschicht befinden sich die negativ (−) geladenen Anionen. Die Anfärbung des Haares mit Farbstoffen basiert bei temporären und semipermanenten Haarfärbeprodukten auf Anhaftung durch unterschiedliche elektrische Ladungen.
Kationische Haarfarbstoffe
Plus geladene Farbstoffe lagern sich an der minus geladenen Außenschicht des Haares an.
Nichtionische Haarfarbstoffe
besitzen keine Ladung, haften nicht nur oberflächlich am Haar, sondern dringen auf Grund ihrer geringen Molekülgröße in die Schuppenschicht ein und besitzen eine gute Anhaftung zum Haarkeratin.
Anionische Haarfarbstoffe
Bei diesem sehr neuen Färbeprodukt durchdringen die minus geladene Farbstoffe mit Hilfe von Penetrationsstoffen die Schuppenschicht und lagern sich an die plus geladene Faserschicht.
Temporäre Haarfärbung Wirkprinzip Temporäre (= vorübergehende) Färbeprodukte haften aufgrund ihrer positiven Ladung nur oberflächlich an der negativ geladenen Außenhülle des Haares, der elektrostatischen Anziehungskraft, man spricht auch vom „Aufziehen der Fertigfarbstoffe“, und wirken basisch zw. leicht quellend. Sie sind für eine Auffrischung, Vertiefung oder leichten Abänderung des natürlichen Farbtons geeignet und lassen sich meist nach einer Haarwäsche entfernen. Vorsicht ist bei naturblondem, sonnengebleichtem, porösem und blondiertem Haar geboten, da Farbstoffe in die Schuppenschicht eindringen können und somit unschöne Verfärbungen erzeugen können.
Produkte Produkte sind: Farbfestiger, Tönungen (Ein-Komponenten-Produkte)
Verwendung Die temporäre Haarfärbung dient dazu, die natürliche Haarfärbung leicht abzuändern. Diese Färbung lässt sich bei einmaliger Haarwäsche wieder vollständig entfernen. Für die Haarfärbung werden Azo-, Triphenylmethan oder Anthrachinon-Farbstoffe verwendet. Verkauft werden die temporären Färbemittel als wässrige, alkoholische Lösungen.
In Verbindung mit Haarlack können auch sehr kleine goldene oder silberne Glanzpigmente oder sogar fluoreszierende Stoffe ins Haar gebracht werden.Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie. 4. Auflage. Band 12, S. 439. Auch Wimpern- und Augenbrauenfärbemittel gehören zu den temporären Haarfärbemitteln. Als Farbmittel dienen zum Beispiel Ruß und Ocker.
Semipermanente Haarfärbung Wirkprinzip Semipermanent (= halb dauerhaft) Die nichtionischen Direktfarbstoffe bleiben nicht nur oberflächlich am Haar haften, sondern dringen teilweise aufgrund ihrer Größe auch in die übereinanderliegenden Schichten der Schuppenschicht bis zur Faserschicht vor, sie besitzen eine stärkere Anhaftung (Affinität) zum Haar. Diese Produkte halten bis zu 3 bis 5 Haarwäschen und sind für eine etwas stärkere Auffrischung, Vertiefung oder Abänderung des natürlichen Farbtons geeignet. Anionische (saure) Farbstoffe durchdringen mit Hilfe von Penetrationsstoffen die Schuppenschicht und lagern sich an die positiv geladene Fasersicht an. Wie bei den temporären Färbeprodukten ist bei naturblondem, sonnengebleichtem, porösem und blondiertem Haar Vorsicht geboten, es ist mit Farbrückständen zu rechnen.
Produkte
Produkte sind: Tonspülungen, Tönungen (Ein-Komponenten-Produkte), Saure Haarfarbe
Auch natürliche Haarfärbemittel wie Pflanzenhaarfarbe kann man dieser Gruppierung zuordnen.
Zur Nuancierung verwendet man semipermanente Farbstoffe. Sie haben eine hohe Affinität zum Keratin des Haares, die Bindung der Farbstoffe erfolgt physikalisch. Natürliche semipermanente Haarfärbemittel werden aus Henna, Reng, Kamille, Holz-, Rindenextrakten und Rastik gewonnen.
Henna Blätter und Stängel der Pflanze Lawsonia alba Lam. (oder auch L. inermis L.) enthalten als Farbkomponente 2-Oxy-1,4- naphthochinon. Die Gewinnung des Farbstoffes erfolgt über Trocknung von Blättern und Stängeln, Verpulverung derselben, Lösung des Farbstoffes mit heißem Wasser und dann Aufgabe auf das Haar.Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie. 3. Auflage. Band 10, S. 736. Der Henna-Farbstoff gibt dunklen Haaren eine kastanienfarbene Tönung.
Reng Kommt in Blättern der Indigopflanze vor. Es wird zusammen mit Henna verwendet. Mit Henna kann man Farbtöne zwischen rotblond – schwarz je nach Mischungsverhältnis erreichen.
Kamille Der Blütenfarbstoff Apigenin (5,7,4'-Trioxoflavon) der Kamille bewirkt eine Gelbfärbung des Haares.
Rastik Ist ein Gemisch aus Pyrogallol und Eisen-, Kupfersalzen. Pyrogallol wurde durch Rösten von Galläpfeln gewonnen. Das Haar wird von Rastik tiefschwarz gefärbt.
Als synthetische Haarfärbemittel werden Nitrophenyldiamine, Azo- und Chinonimin-Farbstoffe in Verbindung mit organischen Lösungsvermittlern wie Glycolether oder Polypropylen verwendet.
Demipermanente Haarfärbung Demipermanente Haarfarben, im Sprachgebrauch als „Intensivtönung“ oder „Coloration“ bekannt, zählen wie die permanenten Haarfarben (Zweikomponenten-Produkte) zu den oxidativen Haarfärbungen. Zweikomponenten-Produkte bedeutet: Komponente mit Haarfarbstoffen und eine dazugehörige Entwicklerkomponente mit Wasserstoffperoxid müssen immer zusammengemischt werden. Produkte dieser Kategorie werden mit verschiedenen pH-Wert-Ausrichtungen (sauer, neutral, mildalkalisch) angeboten. Zur Entwicklung der Farbbildner werden Entwicklerlotionen mit niedrigem Wasserstoffperoxid-Gehalt (etwa 1 bis 4 %) verwendet. Die Anfärbung des Haares erfolgt daher deutlich milder, als bei einer permanenten Haarfarbe; die Abdeckung bezüglich weißem Haar ist je nach Haar-Durchmesser gegebenenfalls weniger.
Produkte: Tönung, Intensivtönung, Coloration, Soft-Haarfarbe
Permanente Haarfärbung mini|Haare und Bart blau gefärbt Eine permanente Haarfärbung ist praktisch nicht entfernbar, das Haar wächst jedoch im Monat etwa 1 cm, sodass zumindest der Ansatz regelmäßig nachgefärbt werden muss, wenn man eine gleichmäßige Haarfärbung behalten will.
Bei empfindlichen Personen kann es bei Zweikomponenten-Haarfärbungen zu Hautreizungen kommen. Auch können durch Haarfärbung, Dauerwelle oder bei häufigem Waschen die Haare geschädigt werden, wodurch Glanz, Kämmbarkeit, Griff des Haares nachteilig beeinflusst werden. Diese Nachteile versuchen die Firmen durch kationische Tenside und Beigabe von Keratin abzuschwächen. Neuerdings werden auch Alkylguanidinverbindungen bei der Behandlung oder Nachbehandlung empfohlen. Auch recht milde Einkomponenten-Haarfarben auf Enzymbasis wurden entwickelt. Ein derartiges Haarfärbemittel muss jedoch vor der Auftragung auf das Haar gut vor Luftsauerstoff geschützt werden. Der Vorteil dieser Färbemittel ist, dass sie milder als Zweikomponenten-Färbemittel sind, der Nachteil liegt jedoch in einer schwächeren Färbung.Neuere Entwicklungen in der Haarkosmetik. In: SÖFW-Journal. 11-2006, S. 56.