Das Polizei-Bataillon 322 war eine militärische Einheit der Ordnungspolizei im Zweiten Weltkrieg. Das Bataillon war aktiv am Holocaust und anderen Verbrechen beteiligt.

Geschichte Vorgeschichte Nach Kriegsbeginn und Zustimmung der Wehrmacht (OKW Az 12a AHA/AG/E (1d) Nr. 9371/39 vom 5. Oktober 1939) wurden mit Runderlass des Reichsinnenministers vom 11. Oktober 1939 (Pol.O.-Kdo.g.4 (P 1a) Nr. 28/39)Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Oberpräsidium der Provinz Sachsen, C 20 I b, Nr. 4164 (Aktenkonvolut „Personalvermehrung und -verminderung“, 1-9) 26.000 ungediente Wehrpflichtige als Polizeirekruten angeworben. Die Rekruten waren nur für den auswärtigen Einsatz vorgesehen und sollten den erwarteten Bedarf an Ordnungskräften in den von der Wehrmacht zu erobernden Gebiete sicherstellen. Dieser Dienst in der Schutzpolizei wurde daher auch als Wehrdienst anerkannt („Verordnung über die Aufnahme von ungedienten Wehrpflichtigen in die Schutzpolizei des Reiches“ v. 31. Oktober 1939, RGBl. Nr. 219/2137). Zwischen März 1940 und März 1941 stellte die Ordnungspolizei 31 Polizei-Ausbildungs-Bataillone auf. Wehrpflichtige der älteren Jahrgänge 1909–1912 bildeten die Mannschaft der späteren Polizei-Bataillone Nr. 301 bis Nr. 325. Die Männer waren bereits zwischen 27 und 30 Jahre alt, ihnen wurden vier Dienstjahre erlassen (daher „Wachtmeisterbataillone“) und nach einem Jahr eine Beförderung zum Oberwachtmeister versprochen. Die Führungspositionen in den Bataillonen stellten Berufspolizisten und auch einige Polizeireservisten.

Polizei-Bataillon 322 Das Polizei-Bataillon 322 war eines der letztaufgestellten Wachtmeisterbataillone. Es wurde am 15. April 1941 aus dem Polizei-Ausbildungs-Bataillon „Wien-Kagran“ in Wien-Kagran gebildet. Obwohl in Wien aufgestellt, kamen die Offiziere auch aus dem „Altreich“ (Deutschland), ebenso zwei Drittel der Mannschaft.Vgl. hierzu und zum Folgenden auch: Stefan_Klemp: „Nicht ermittelt“. Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz. Ein Handbuch. 3. Auflage, Klartext Verlag, Essen 2022, ISBN 978-3-86331-588-7, S. 349 ff. Vom 6. bis 10. Juni 1941 wurde das Bataillon nach Warschau verlegt, sodann ab dem 2. Juli 1941 nach Ostrów Mazowiecka, wo es tags darauf eintraf. Es wurde dem Polizei-Regiment Mitte unter Max Montua unterstellt, das dem HSSPF Russland-Mitte Erich von dem Bach-Zelewski zugeordnet war.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, Schöningh-Verlag Paderborn, 2. Auflage 2006, S. 545 f. Das Polizei-Bataillon 322 bestand aus einem Stab und drei Kompanien, welche wiederum aus vier Zügen gebildet wurden. Zusätzlich existierte u. a. ein Nachrichtenzug und eine Kraftfahrzeugstaffel. Die Mannschaftsstärke betrug über 550 Mann, wobei zusätzlich 12 Offiziere, ein Arzt, fünf Verwaltungsbeamten, 101 Unterführer und 435 Wachtmeister hinzukamen. Später wurde das Bataillon zu einem Radfahrbataillon gemacht.

Das Bataillon nahm von den ersten Tagen am Überfall auf die Sowjetunion teil. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 1941 rückte die Einheit in die Stadt Białystok ein, in der wenige Tage zuvor bereits das Polizei-Bataillon 309 gewütet hatte. Das Bataillon hatte zunächst das Dulag (Durchgangslager) 185, 4 Kilometer außerhalb der Stadt, zu bewachen. Dabei wurden zwischen dem 11. und 14. Juli 73 Kriegsgefangene und Juden getötet. Ab dem 8. Juli 1941 begann das Bataillon mit der systematischen Durchsuchung der jüdischen Viertel der Stadt. Dabei wurden 22 Menschen sofort erschossen und weitere 16, die zunächst gefangen genommen worden waren, später hingerichtet. Darüber hinaus war vom 6. Juli bis 17. Juli 1941 das Bataillon für Straßensicherungen im Raum Białystok verantwortlich. Insgesamt hatte das Bataillon bis zum 14. Juli bereits 105 Menschen getötet.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 549.

Am 11. Juli 1941 erging der Befehl, alle jüdischen Männer von 17 bis 45 Jahren zusammenzutreiben und anschließend außerhalb der Stadt zu erschießen. Das Bataillon durchkämmte gemeinsam mit dem Polizei-Bataillon 316 die jüdischen Viertel und transportierte die Festgenommenen zu einem Hinrichtungsplatz. Dort ermordeten die Polizeitruppen etwa 3.000 jüdische Opfer.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 532.

Vom 17. bis 19. Juli 1941 wurde das Gebiet zwischen Białystok und Bereza-Kartuska vom Bataillon durchkämmt, um versprengte Einheiten zu zerschlagen und Soldaten der Roten Armee gefangen zu nehmen.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 550.

Am 23. Juli 1941 wurde die Polizeieinheit nach Białowieża zurück verlegt und direkt dem HSSPF Russland-Mitte unterstellt. Hier sollte das Bataillon ein Jagdgebiet für den „Reichsjägermeister“ Hermann Göring räumen. Die Polizeitruppe vertrieb zwischen dem 25. und 31. Juli 1941 insgesamt 6.446 Menschen aus 34 Dörfern. Zahlreiche Ortschaften wurden niedergebrannt. Während dieser Zeit bis einschließlich 2. August 1941 wurden 163 bis 166 Menschen, darunter insbesondere streikende Zwangsarbeiter, Kommunisten und Juden ermordet.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 550f.

Während am 2. August 1941 die 1. und 2. Kompanie nach Baranawitschy verlegt wurden, trieb die 3. Kompanie in Białowieża weiter ihr Unwesen. So erhielt sie den Befehl, alle Juden im Ort zu liquidieren. Am 5. und 6. August wurden 54 Menschen getötet, am 8. August weitere 19 an einem Ort östlich von Białowieża. Am 9. August wurden dann alle restlichen Juden festgenommen, 77 von ihnen in den folgenden Tagen erschossen. Bis auf zehn Juden wurden alle übrigen Juden nach Kobryn verschleppt. Schließlich wurden am 11. August noch ein Jude und zwei polnische Bauern getötet.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 552.

In Narewka Mala erschoss das Bataillon am 15. August 1941 282 jüdische Männer. 259 Frauen und 162 Kinder wurden wieder nach Kobryn verschleppt. Am 17. August 1941 übergab das Bataillon Unterkünfte in Białowieża an das Polizei-Bataillon 323 aus Tilsit und zog am 19. August 1941 aus dem Ort ab. Noch am 18. August 1941 tötete die 3. Kompanie in Narewka Mala 26 Kommunisten, darunter 5 Juden.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 552–554.

Vom 14. bis 16. August 1941 war die erste Kompanie in Minsk für Bewachungsaufgaben und Absicherung eines Besuches von Heinrich Himmler eingesetzt. Während des Einsatzes in Baranawitschy vom 5. bis 25. August 1941 fanden Einzelerschießungen statt, denen jüdische Männer, Frauen und Kinder, sowie Kommunisten zum Opfer fielen.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 553f.

III. Bataillon des Polizei-Regimentes Mitte Am 22. August 1941 wurde das Polizei-Bataillon 322 in III. Bataillon des Polizei-Regimentes Mitte umbenannt.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 554.

Am 25. und 26. August 1941 durchsuchte das Bataillon in Pinsk jüdische Häuser. Zu einer Massenerschießung kam es nicht.

Demgegenüber wurden am 28. August 1941 in Antopal 257 Juden vom Polizeiverband ermordet. Am selben Tag führte das Bataillon in Bereza-Kartuska einen Sondereinsatz durch, bei dem eine unbekannte Zahl an Menschen Opfer der Polizeieinheit wurde.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 554f.

Am 31. August und 1. September 1941 war das Bataillon an der Festnahme von Juden in Minsk und deren Hinrichtung beteiligt. Insgesamt wurden 2.278 Juden in der Minsker Heide getötet.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 555ff.

An dieses Massaker schloss sich ein Einsatz gegen Partisanen in Usda an, bei dem 7 von ihnen erschossen wurden. Am 7. und 8. September 1941 verlegte das Bataillon nach Mahiljou/Mogilew. Im Gebiet um Klitschew, einer Stadt nordöstlich von Babrujsk erfolgte im Verband mit dem Polizei-Regiment Mitte, dem Sicherungs-Regiment 2 der 286. Sicherungs-Division und der 221. Sicherungs-Division vom 10. bis zum 12. September 1941 einen Einsatz zur „Bandenbekämpfung“ durch. Ab 15. September folgten weitere Einsätze im Raum Mogilew als „Befriedungsaktionen“. Hierbei fanden Einzelerschießungen statt, denen vom 16. bis 18. September 62 Menschen zum Opfer fielen, insbesondere Kommunisten, Juden und Personen ohne Ausweispapiere. Am 22. September wurden in Barsuki, 27 Kilometer südöstlich von Mogilew, 13 Menschen getötet, 2 weitere in Batunj. Zwei Tage später erschossen Angehörige des Bataillons vier sowjetische Kriegsgefangene.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 557f.

Der Ort Knjaschizi, 15 Kilometer nordwestlich von Mogilew an der heutigen M4, wurde am 25. September im Rahmen einer „Übung“ vom Polizeiverband umstellt, 51 jüdische Menschen zusammengetrieben und 32 von ihnen erschossen. Zwei Tage später wurden 3 „Rädelsführer“ einer „Meuterei“ vom Bataillon ermordet. Am 29. September 1941 tauchte der Polizeiverband in Daschkowka, 19 Kilometer südlich von Mogilew, an der Bahnlinie nach Bychau gelegen, auf. Dort wurden bei einer „Befriedungsaktion“ 65 Partisanen und 14 Juden getötet. Am 1. und 2. Oktober 1941 erschoss das Bataillon 13 weitere Kommunisten und Partisanen in der Region um Mogilew. Dabei wurden die Häuser der Ermordeten niedergebrannt.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 559. Am 2. Oktober 1941 wurden jüdische Viertel in Mogilew durchsucht, über 2.000 Personen gefangenen genommen und 2.208 schließlich am folgenden Tag in der Nähe der Stadt hingerichtet.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 560–562.

Vom 4. bis 22. Oktober 1941 verlegte der Bataillonsstab seinen Sitz nach Stary Bychau. Hier wurde die Einheit zum Kampf gegen Partisanen eingesetzt. Insgesamt tötete das Bataillon 378 Partisanen und 285 sonstige Personen. Auf Anforderung der Feldkommandantur in Propoisk wurde am 22. Oktober 1941 in Krasnopolje, 90 Kilometer südöstlich von Mogilew, 121 Juden wegen angeblicher Unterstützung von Partisanen erschossen. Am folgenden Tag fielen 219 Menschen, nahezu allesamt jüdische Frauen, am selben Ort dem Bataillon zum Opfer.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 563f.

Bis 28. Oktober 1941 wütete das Bataillon noch im Raum um Stary Bychau, wo es bei der Wahrnehmung von „Sicherungsaufgaben“ weitere 47 Menschen ermordete. Am 29. Oktober erfolgte die Verlegung des Verbandes nach Smolensk, wo er ebenfalls zur Bewachung und Sicherung in der Stadt eingesetzt war.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 564. Im Zeitraum zwischen dem 17. Dezember 1941 und dem 4. Januar 1942 erschossen Angehörige des Bataillons in Mogilew 250 Patienten einer psychiatrischen Klinik außerhalb der Stadt sowie die Bewohner eines Waisenhauses.Wolfgang Curilla, Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland, S. 565.