mini|Außenansicht der Kirche St. Katharina von Süden mini|Innenansicht gegen Osten St. Katharina (auch: Katharinenkirche) ist die ehemalige römisch-katholische Pfarrkirche von Garching bei München. Mit der Weihe der neuen Pfarrkirche St. Severin am 17. September 1967 wurde St. Katharina zur Nebenkirche abgestuft.

Während die ältesten Teile der Bausubstanz noch aus dem 13. Jahrhundert stammen, wurden Langhaus, Chor und Sakristei im 15. Jahrhundert in der heutigen Form erbaut. Die Ausstattung wurde im 18. Jahrhundert barockisiert. Das dem Erzbistum München und Freising zugehörige Gotteshaus mit dem Patrozinium der hl. Katharina von Alexandrien (Gedenktag: 25. November). Es ist als Baudenkmal mit der Nummer D-1-84-119-5 in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgeführt.

Lage mini|St. Katharina von Südosten, im Vordergrund Teile des kirchlichen Friedhofs Die Kirche liegt im alten Dorfzentrum Garchings nahe dem U-Bahnhof Garching an der Münchener Straße und ist von einem kirchlichen Friedhof umgeben, der 1955 nach Südosten hin deutlich erweitert wurde. Seit 1963 besteht zusätzlich ein städtischer Friedhof an der Freisinger Landstraße.

Geschichte Geschichte der Pfarrei Um 760 wurde erstmals eine Kirche in Garching erwähnt. Diese war dem Kloster Tegernsee zugehörig. Um 915 wurden Ort und Kirche dann säkularisiert und vom bairischen Herzog Arnulf dem Bösen beansprucht. Um 1020 oder etwas später (wahrscheinlich unter dem Weihenstephaner Abt Arnold I.) schenkte der Freisinger Bischof Egilbert die Pfarrei Garching dem Kloster Weihenstephan, wo es bis zu dessen Auflösung im Zuge der Säkularisation 1803 verblieb.Brenninger, S. 2.Kath. Pfarrgemeinde Garching: Die Alte Pfarrkirche von Garching, St. Katharina von Alexandrien – Ausführliche Beschreibung von Guido Anneser, Pfarrer (November 1990). Online auf www.st-severin-garching.de; abgerufen am 26. Juni 2021.

Im Jahr 1260 wurde die Kirche in einer Päpstlichen Urkunde als Pfarrkirche St. Maria Magdalena mit den zugehörigen Ortschaften Dirnismaning, Freimann, Fröttmaning, Lappen, Mallertshofen, Schleißheim und Wachrain beurkundet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass in der ältesten diözesanen Pfarrbeschreibung aus dem Jahr 1315 Mallertshofen als Pfarrkirche genannt wird und dort für das Jahr 1190 ein Pfarrer „Chunradus“ urkundlich belegt ist. Die Pfarrbeschreibung von 1524 spricht dagegen wieder von der Pfarrei Garching, wobei hier erstmals das Patrozinium St. Katharina genannt wird.

Um 1560 wurden in der Pfarrei 250 Kommunikanten gezählt, um 1740 bereits 586. Bis zum Jahr 1698 wurden häufig Benediktinermönche aus Weihenstephan als Pfarrvikare in Garching eingesetzt, seitdem wirken hier durchgehend Weltpriester. Dennoch übte das Kloster Weihenstephan bis zur Säkularisation in Bayern 1805 das Präsentationsrecht auf die Pfarrei aus, danach der bayerische König und seit 1837 der Erzbischof. Im Jahr 1880 lebten im Pfarrdorf Garching rund 450 Seelen, zum Zeitpunkt der Stadterhebung im Jahr 1990 wurden in der Pfarrei 7000 Katholiken gezählt.

Die oben aufgeführten Filialen wurden inzwischen überwiegend von der Mutterpfarrei losgelöst. Heute besteht dafür die in den Jahren 1969 bis 1971 erbaute Filialkirche St. Franziska Romana in Hochbrück. Bereits ab 1964 war in Garching, das als Standort neuer Forschungseinrichtungen zur damaligen Zeit ein enormes Wachstum erfuhr, etwa 300 Meter westlich der Katharinenkirche die neue moderne Pfarrkirche St. Severin erbaut worden. Mit deren Weihe am 17. September 1967 wurde St. Katharina zur Nebenkirche abgestuft.Kath. Pfarrgemeinde Garching: Kirchen/Pfarrgeschichte. Online auf www.st-severin-garching.de; abgerufen am 26. Juni 2021.

Baugeschichte Mit der frühen urkundlichen Nennung der Katharinenkirche geht deren ältester Vorgängerbau wahrscheinlich auf das 1. Jahrtausend zurück. Der älteste noch erhaltene Teil der Kirche, der romanische Turmunterbau, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Charakteristisch hierfür ist das Mauerwerk. So konnte die Treppe zum ersten Obergeschoss beispielsweise in der Mauerstärke untergebracht werden.

Im späten 15. Jahrhundert wurden Langhaus, Chor und Sakristei in der heutigen Form errichtet und der ursprünglich freistehende Turm mit dem Kirchenbau verbunden. Spätgotische Elemente, die aus dieser Zeit stammen, lassen sich heute u. a. noch im Netzgewölbe der Sakristei und in der südlichen Eingangshalle, deren Gewölberippen inzwischen abgeschlagen wurden, feststellen. Außerdem wurden die Seitenwände mit einem gemalten Leidenszyklus im spätgotischen Stil verziert. Dieser wurde durch die barocke Ausrundung der Fensteröffnungen größtenteils zerstört; lediglich an den Wänden im Dachboden sind noch Teile davon erhalten. Im Kirchenraum selbst wurde 1950 im Zuge der Restaurierung über dem Portal ein spätgotisches Fresko freigelegt.

Unter dem Weihenstephaner Abt Ildefons Huber erfolgte 1735/36 die Barockisierung der Kirche. Dabei wurde die Rippen des gotischen Gewölbes abgeschlagen und die Deckenzone mit reichem Stuck und Deckengemälden im Stil des frühen Rokoko verziert. Der Chorbogen und die Fensteröffnungen, die vormals spitzbogig ausgeführt waren, wurden barock ausgerundet. Außerdem erhielt die Kirche damals ihre prunkvolle, im Wesentlichen bis heute erhaltene Ausstattung im Stil des Spätbarock bzw. Frührokoko. Die Kanzel dagegen ist erst 1778 entstanden und stellt somit ein Spätrokokowerk dar.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche mehrfach restauriert. Besonders dringlich war die Erneuerung des Kirchendachs im Jahr 1894, da zuvor eindringende Feuchtigkeit die Stuckaturen und Fresken stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. 1892/93 war bereits eine neue Empore auf zwei Stützen eingezogen worden. 1895 wurde der Tabernakel durch den Münchner Architekten Joseph Elsner senior zur heutigen Gestalt umgebaut. In der Zeit von 1947 bis 1950 wurden die Kriegsschäden an der Kirche beseitigt. Dabei wurden die etwas trüben Farbfenster, die wahrscheinlich im Zuge der Renovierung von 1894 eingesetzt worden waren, gegen die heutigen klaren Sechseckgläser ausgetauscht. Außerdem wurde der Turm neu mit Kupfer eingedeckt sowie die Wand- und Deckengemälde restauriert und in ihrer ursprünglichen Farbgebung wiederhergestellt.

Nachdem man 1962 innerhalb von nur einem Monat die dringlichsten Renovierungsarbeiten im Innenraum durchgeführt hatte, wurde nach der Einweihung der neuen Pfarrkirche die Katharinenkirche in den Jahren 1973 bis 1976 einer umfassenden Außen- und Innenrenovierung unterzogen. Dabei wurde u. a. der Turm neu verputzt, ein neues Betonfundament mit Isolierung eingemauert, der Fußboden erneuert und isoliert, neues Gestühl unter Verwendung der barocken Wangen eingebaut, neue Beichtstühle angeschafft und eine Sicherheitsanlage eingebaut. Außerdem wurde aus Babensham bei Wasserburg am Inn eine barocke Figur des Geißelheilands aus der Zeit um 1720 erworben.

In den Jahren 1982 und 1983 wurde das Kirchendach neu gedeckt und die feuchten Mauern des Altarhauses getrocknet. In der Zeit von 1988 bis 1990 wurde eine aufwändige Innenrenovierung unter der Leitung der Firma Wiegerling aus Gaißach bei Bad Tölz durchgeführt. Dabei wurden u. a. die Altäre restauriert und weitgehend in ihren barocken Urzustand gebracht sowie ein moderner Volksaltar und ein entsprechendes Ambo im Chorraum aufgestellt. Zugleich erhielt die Stuckdekoration ihre ursprüngliche barocke Farbgebung. Der barocke Chorbogen musste statisch gesichert werden und wurde deshalb mit einer starken Holzkonstruktion neu vom Dachstuhl abgehängt. Schließlich wurden neue Schleierbretter für den Orgelprospekt angefertigt und am Zugang zur Orgelempore eine neue schmiedeeiserne Tür eingesetzt.

Im Jahr 2006 wurde der Turm für rund 500.000 Euro umfassend saniert. Dabei wurde u. a. der Dachstuhl des Turms erneuert, um drei Meter angehoben und neu mit Schindeln aus Sibirischer Lärche (anstelle der Kupferdeckung von 1950) eingedeckt. Außerdem wurden der Putz, die Elektroinstallationen und das Uhrwerk erneuert sowie neue Glocken aufgezogen.Kath. Pfarrgemeinde Garching: Turmsanierung 2006. Online auf www.st-severin-garching.de; abgerufen am 26. Juni 2021.

Kurioses Am 30. Juni 1704 erlebte Garching einen barocken Festtag, als während des Spanischen Erbfolgekrieges das Ettaler Gnadenbild vor plündernden Soldaten über München nach Freising in Sicherheit gebracht wurde. Der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nahm das Bild in Garching in Empfang und ließ es einen Tag lang zur Verehrung in der Katharinenkirche aufstellen, bevor es in seine Freisinger Residenz verbracht wurde.

Architektur Außenbau St. Katharina ist eine barocke Saalkirche. Das Langhaus umfasst fünf Fensterachsen. Der Ostchor, der nur wenig schmäler als das Langhaus und mit diesem unter einem Satteldach vereinigt ist, umfasst zwei Joche und einen Schluss in drei Seiten des Achtecks. Der Außenbau ist bis auf die mit eingezogenen Rundbogen abschließenden Fensteröffnungen weitgehend ungegliedert. Dabei heben sich die gelb getünchten Fensterlaibungen deutlich von den weißen Außenwänden ab. Das einzige Portal befindet sich auf der Südseite im vierten Joch von Osten. Im Winkel zwischen Turm und Langhaus befindet sich eine kleine Vorhalle.Brenninger, S. 3–6.

Der an der südwestlichen Ecke des Langhauses angebaute, in das Kirchenschiff einspringende Turm besitzt durch sein dickes Mauerwerk einen wehrhaften Charakter. Der Unterbau, der durch Rundbogenblenden gegliedert wird, ist noch romanisch. Das ursprüngliche Satteldach wurde beim Bau der gotischen Kirche durch einen Spitzhelm ersetzt. Dieser erhebt sich über vier Dreiecksgiebeln, die das Glockengeschoss nach oben hin abschließen. An der Südseite des Turmes befindet sich eine Sonnenuhr. Auf der Südseite ist im Winkel zwischen Langhaus und Chor eine zweigeschossige Sakristei mit zwei Dreiecksgiebeln gen Süden und gen Osten angebaut.

Innenraum Das Langhaus enthält ein flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen, das aus Pilastern toskanischer Ordnung entspringt. Das Presbyterium ist dagegen von mit einem Gewölbe ausgestattet, das von Wandpfeilern mit reich profilierten Kapitellen getragen wird. Den Übergang zwischen Langhaus und Chor vermittelt der flache Chorbogen, dessen Scheitel von einer Kartusche mit der Inschrift VENl SPONSA CHRISTI ACCIPE CORONAM QUAM TIBI DOMINUS PARAVIT IN AETERNUM (lat. „Komme, Braut Christi, empfange die Krone, die der Herr dir auf ewig bereitet hat“) verziert wird. Letztere bezieht sich auf das Martyrium der Kirchenpatronin Katharina von Alexandrien, das in den Deckenfresken dargestellt wird. Im rückwärtigen Langhausjoch ist eine hölzerne Orgelempore auf zwei Stützen eingezogen.Kirchenführung St. Katharina. Online auf der privaten Website bauernfeind-web.de; abgerufen am 23. Juni 2022.

Ausstattung mini|Blick in das Langhausgewölbe mini|Kartusche mit Inschrift über dem Chorbogen

Wand- und Deckengemälde Zur ältesten Ausstattung der Kirche gehört ein 1950 freigelegtes Wandfresko aus der Zeit um 1540, welches sich innen über dem Portal befindet. Dabei handelt es sich um eine seltene Darstellung, die in der Diskussion der theologischen Rechtfertigungslehre auch reformatorisches Gedankengut einbezieht und beispielsweise auch in der Landshuter Martinskirche zu finden ist. Der Mensch, der durch die Person Adams repräsentiert wird, wird von Johannes dem Täufer auf den gekreuzigten Christus hingewiesen, dessen Tod laut Beschreibung „unser[e] Rechtfertigung“ ist. Eingebunden sind auch Szenen vom Beginn und Ende des Lebens Jesu, von der Verkündigung der Engel an die Hirten und der Auferstehung Jesu Christi. Durch die Einziehung des barocken Gewölbes wurden Teile des Gemäldes abgeschnitten.