Michael «Mike» von Grünigen (* 11. April 1969 in Schönried, oft auch MvG genannt) ist ein ehemaliger Schweizer Skirennfahrer. Von Mitte der 1990er Jahre bis 2003 gehörte er zu den besten Läufern im Riesenslalom. Er dominierte diese Disziplin fast nach Belieben und ist, gemessen an der Anzahl Siege, der fünfterfolgreichste Athlet nach Ingemar Stenmark, Marcel Hirscher, Marco Odermatt und Ted Ligety. Von Grünigen gewann vier Weltmeisterschaftsmedaillen (davon zwei goldene) und eine Olympiamedaille. Darüber hinaus entschied er viermal die Riesenslalom-Disziplinenwertung des Alpinen Skiweltcups für sich. In seiner zweiten Disziplin, dem Slalom, gehörte er zeitweise zur erweiterten Weltspitze. Mit seiner zurückhaltenden Art galt er als einer der Ruhepole im sonst hektischen Weltcup. Seine fünf Jahre ältere Schwester Christine von Grünigen war ebenfalls im alpinen Skisport erfolgreich.

Biografie Von Grünigen wuchs in einfachen Verhältnissen in Schönried im Saanenland auf. Als Dreijähriger erlernte er das Skifahren. Früh verlor er seine Eltern: Die Mutter starb an einem Hirnschlag, als er sechs Jahre alt war, der Vater verunglückte drei Jahre später tödlich bei einem Traktorunfall. Als Vollwaise wurde von Grünigen von seinen älteren Geschwistern aufgezogen. Nachdem er 1985 die obligatorische Schulzeit beendet hatte, absolvierte er eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Nach zahlreichen Rennen auf Juniorenstufe ging er 1987 nach Sälen an die Juniorenweltmeisterschaften, wo er im Slalom die Silbermedaille gewann. Wenig später gelang ihm die Aufnahme in die Schweizer Nationalmannschaft.

Am 10. Januar 1989 bestritt von Grünigen sein erstes Weltcup-Rennen, den Riesenslalom in Kirchberg. Einige Monate später, am 23. November 1989, holte er als Sechster des Riesenslaloms in Park City die ersten Weltcuppunkte. Auch in der nächsten Saison blieb ein sechster Platz sein bestes Ergebnis. Im Riesenslalom der Weltmeisterschaften 1991 in Saalbach-Hinterglemm fuhr er auf Platz 7. Während der Saison 1991/92 näherte er sich weiter der Weltspitze an, mit einem vierten Platz als bestes Ergebnis. Bei den Olympischen Spielen 1992 klassierte er sich als Siebter des Slaloms.

Den ersten von insgesamt 23 Weltcupsiegen konnte von Grünigen am 19. Januar 1993 in Veysonnaz feiern. Der neuen Favoritenrolle konnte er bei den Weltmeisterschaften 1993 in Morioka zunächst nicht gerecht werden, da er im Riesenslalom ausschied. Dasselbe Missgeschick in seiner Paradedisziplin passierte ihm bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer, wo er im zweiten Lauf mit intakten Chancen auf einen Medaillengewinn ausschied. Im November 1994 gelang ihm in Val-d’Isère der zweite Weltcup-Sieg. Einen Monat später zog er sich eine Schulterverletzung zu, doch konnte er mit einer besonderen Armfixierung weiterhin Rennen fahren.

Nach zwei Siegen zu Beginn der Saison 1995/96 avancierte von Grünigen zum Favoriten bei den Weltmeisterschaften 1996 in der Sierra Nevada, musste sich aber mit der Bronzemedaille zufriedengeben. Eher überraschend kam hingegen der dritte Platz im Slalom. Die Saison beendete er als Sieger des Riesenslalom-Weltcups; in der Gesamtwertung erreichte er Platz 3. Sein Ausnahmetalent bestätigte er in der Saison 1996/97 mit vier Siegen, dem erneuten Gewinn des Riesenslalom-Weltcups und dem fünften Platz in der Gesamtwertung. Bei den Weltmeisterschaften 1997 in Sestriere gewann er mit über einer Sekunde Vorsprung auf Lasse Kjus die Goldmedaille im Riesenslalom; den Slalom beendete er als Siebter.

Aufgrund der Dominanz der Österreicher konnte er den Riesenslalom-Weltcup in der Saison 1997/98 nicht verteidigen; gleichwohl gelangen ihm zwei Siege. In Nagano gewann er bei den Olympischen Winterspielen 1998 die Bronzemedaille im Riesenslalom, wobei er sich den Österreichern Hermann Maier und Stephan Eberharter geschlagen geben musste. In der Saison 1998/99 konnte sich von Grünigen im Riesenslalom-Weltcup wieder durchsetzen, bei den Weltmeisterschaften 1999 blieb er jedoch ohne Medaille. Die Carving-Skitechnik begann ab der Saison 1999/2000 den Weltcup zu dominieren. Von Grünigen blieb erstmals seit 1994 ohne Sieg. Um den Anschluss nicht zu verlieren, wechselte er die Skimarke (von Rossignol zu Fischer Sports) und passte seinen Fahrstil an.

Die Umstellung zahlte sich aus: In St. Anton am Arlberg gewann von Grünigen bei den Weltmeisterschaften 2001 zum zweiten Mal die Goldmedaille im Riesenslalom. Im Weltcup siegte er in drei Rennen, musste jedoch Hermann Maier den Sieg in der Disziplinenwertung überlassen. Die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City endeten für von Grünigen erfolglos, ebenso die Weltmeisterschaften 2003 in St. Moritz. Hingegen konnte er in seiner letzten Saison nochmals den Riesenslalom-Weltcup für sich entscheiden. Bei seinem letzten Weltcuprennen am 16. März 2003 absolvierte er den zweiten Lauf des Slaloms mit einer historischen Skiausrüstung.

Von Grünigen trat Ende März 2003 nach den Schweizer Meisterschaften in Verbier zurück. Seither ist er in verschiedenen Funktionen für seinen ehemaligen Ausrüster Fischer tätig (Rennsportkoordinator, Materialtests, Entwicklung neuer Ski, Marketing und Verkaufsförderung). Daneben nimmt er verschiedene Mandate für Sponsoren und in der Nachwuchsarbeit von Swiss-Ski wahr. Von Grünigen ist seit 1994 verheiratet und Vater dreier Söhne. Sein ältester Sohn Noel von Grünigen war ebenfalls Skirennfahrer.

Trivia 1997 wurde von Grünigen bei der Fernsehshow Wetten, dass..? mit einer Wette von Peter Bauer herausgefordert. Bauer wettete, dass er auf seinem Snowboard über einen parallel ausgeflaggten Kurs in zwei Läufen schneller sei als von Grünigen. Bauer verlor die Wette hauptsächlich deswegen, weil er unmittelbar nach dem Start keine Skating-Technik anwenden konnte.

Erfolge Olympische Spiele Albertville 1992: 7. Slalom, 13. Riesenslalom Lillehammer 1994: 15. Slalom Nagano 1998: 3. Riesenslalom, 19. Slalom Salt Lake City 2002: 11. Riesenslalom, 14. Slalom

Weltmeisterschaften Saalbach 1991: 7. Riesenslalom Morioka 1993: 16. Slalom Sierra Nevada 1996: 3. Riesenslalom, 3. Slalom Sestriere 1997: 1. Riesenslalom, 7. Slalom Vail/Beaver Creek 1999: 7. Riesenslalom, 12. Slalom St. Anton 2001: 1. Riesenslalom, 22. Slalom St. Moritz 2003: 7. Riesenslalom

Weltcupwertungen Saison Gesamt Riesenslalom Slalom Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte 1989/90 46. 25 19. 18 30. 7 1990/91 49. 24 21. 14 23. 10 1991/92 28. 302 14. 183 20. 119 1992/93 20. 313 6. 236 24. 77 1993/94 19. 441 6. 351 20. 90 1994/95 9. 578 5. 296 7. 282 1995/96 3. 880 1. 738 13. 142 1996/97 5. 867 1. 660 11. 207 1997/98 6. 746 2. 560 16. 157 1998/99 8. 705 1. 483 9. 222 1999/00 15. 545 3. 466 31. 79 2000/01 5. 743 2. 612 17. 131 2001/02 15. 410 6. 356 28. 54 2002/03 15. 542 1. 542 - -

Weltcupsiege Von Grünigen gewann 23 Weltcuprennen (alle Riesenslalom). 14 Mal wurde er Zweiter, 9 Mal Dritter. Im Slalom erreichte er zweimal den zweiten Platz (jeweils in Wengen). Datum Ort Land 19. Januar 1993 Veysonnaz Schweiz 18. Dezember 1994 Val-d’Isère Frankreich 12. November 1995 Tignes Frankreich 17. November 1995 Vail USA 25. November 1995 Park City USA 19. Januar 1996 Adelboden Schweiz 10. Februar 1996 Hinterstoder Österreich 22. Dezember 1996 Alta Badia Italien 5. Januar 1997 Kranjska Gora Slowenien 8. März 1997 Nagano Japan 15. März 1997 Vail USA 26. Oktober 1997 Tignes Frankreich Datum Ort Land 14. Dezember 1997 Val-d’Isère Frankreich 28. Februar 1998 Yongpyong Südkorea 20. Dezember 1998 Alta Badia Italien 14. März 1999 Sierra Nevada Spanien 17. November 2000 Park City USA 17. Dezember 2000 Val-d’Isère Frankreich 6. Januar 2001 Les Arcs Frankreich 10. März 2002 Flachau Österreich 22. November 2002 Park City USA 15. Dezember 2002 Val-d’Isère Frankreich 1. März 2003 Yongpyong Südkorea

Juniorenweltmeisterschaften Sälen 1987: 2. Slalom, 5. Riesenslalom

Sonstige Erfolge Schweizer Meister Slalom: 1996, 1997, 2001 Schweizer Meister Riesenslalom: 1997, 2001

Quelle

Weblinks Website von Michael von Grünigen

Einzelnachweise

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