Die Shōkaku-Klasse (jap. Shōkaku-gata kōkubokan) war eine Klasse von zwei Flugzeugträgern der Kaiserlich Japanischen Marine. Bei dieser Klasse wurden die vorherigen Erfahrungen aus dem japanischen Kriegsschiffbau vereint, so dass die Schiffe eine bisher nicht erreichte Synthese aus Geschwindigkeit, Panzerschutz und Flugzeugkapazität erhielten. Bis zur Einführung der amerikanischen Essex-Klasse im Jahr 1943 galten die Schiffe der Shōkaku-Klasse als die leistungsfähigsten Flugzeugträger im Pazifikkrieg.Kaigun: Strategy, Tactics, and Technology in the Imperial Japanese Navy, 1887–1941 S. 319
Entwicklungsgeschichte mini|hochkant|Die Shōkaku und ihre Konstrukteure vor ihrem Stapellauf. Der Ansatz ihres Wulstbuges ist hinter den Männern zu erkennen. mini|Der kleine Brückenturm der Zuikaku mit einem Typ 21-Radar auf seinem Dach. Ein Teil des ausgeklappten Windschutzes ist links zu sehen.
Das Fehlen des Typ 13-Radars am Mast deutet auf eine Aufnahme hin, die vor 1944 entstand.
1934 kündigte die Regierung des japanischen Kaiserreichs an, die internationalen Flottenverträge aufzukündigen. Folglich mussten die Tonnagebegrenzungen beim Bau von Flugzeugträgern durch die Planer der Marine nicht mehr beachtet werden.
Das bisher erfolgreichste Design war die Sōryū-Klasse. Ihr zweites, überarbeitetes Schiff, die Hiryū, bildete die Grundlage für die neue Flugzeugträgerklasse. Die Geschwindigkeit der Hiryū sollte beibehalten werden, aber die Flugzeugkapazität sollte der der größeren Akagi entsprechen. Das Experiment mit dem an Backbord positionierten Brückenaufbau der Hiryū sollte jedoch nicht wiederholt werden.
Der 227 m lange Rumpf der Sōryū-Klasse wurde für die neue Schiffsklasse auf 257,50 m verlängert, die Breite wuchs um knapp 5 m auf 26 m. Die Länge an der Wasserlinie erreichte 250 m.
Antriebsanlagen Die Antriebsanlage bestand aus vier Dampfturbinen, die von acht Dampfkesseln gespeist wurden. Die Dampfkessel verbrannten Schweröl. Jeder Kessel war in seinem eigenen, wasserdichten Abteil untergebracht.
Die Turbinen übertrugen rund 160.000 SHP auf vier Propeller. Die Shōkaku-Klasse erreichte so eine Geschwindigkeit von bis zu 34 Knoten. Bei einem Belastungstest der Maschinenanlagen auf der Shōkaku wurden sogar 161.280 SHP und 34,5 Knoten erreicht.
Die Abgase der Kessel wurden über Rohrleitungen an der Steuerbordseite unter dem unteren Hangardeck hindurch geführt und schließlich auf Höhe des oberen Hangardecks über zwei Schornsteine aus dem Schiff geleitet. Mit 18 Knoten konnten die Schiffe so Reichweiten von bis zu 10.000 Seemeilen erreichen.
Eine rudimentäre Form des Wulstbugs wurde in die Rümpfe der Schiffe der Shōkaku-Klasse integriert. Er reichte nicht über das vordere Lot hinaus, so dass sein genauer Wirkungsgrad unbekannt ist. Ähnliches gilt für das Ersatzruder, das, ähnlich dem auf der Yamato-Klasse eingebautem Ersatzruder, vor dem Hauptruder installiert war.
Bewaffnung und Feuerleitsystem Schwere Flugabwehrwaffen Jedes Schiff erhielt acht Zwillingslafetten mit der Typ 89 12,7-cm-Flugabwehrkanone, vier auf jeder Schiffsseite. Die beiden Steuerbordlafetten an achtern, hinter den Schornsteinauslässen, waren vom Typ 89 A1 Modell 2 und mit einem Gehäuse zum Schutz der Geschützmannschaften vor Abgasen ausgestattet, während die übrigen sechs Lafetten keinen solchen Schutz besaßen. Die Geschütze wurden mit drei Typ 94 Feuerleitgeräten gesteuert.
Ein Typ-94 Leitgerät stand auf dem Dach des Brückenaufbaus, zwei an der Backbord und zwei weitere auf der Steuerbordseite.
Leichte Flugabwehrwaffen Die Flugabwehrbewaffnung für den Nahbereich der Shōkaku-Klasse bestand aus 36 Typ 96 25-mm-Maschinenkanonen. Sie waren in zehn offenen und zwei geschlossenen Lafetten verbaut. Nur die beiden Drillingslafetten hinter dem Schornstein der Steuerbordseite besaßen ein Gehäuse zum Schutz der Mannschaft vor Abgasen.
Die leichten Flugabwehrwaffen wurden durch sechs Typ-95-Leitgeräte gelenkt, von denen jeweils drei an den Schiffsseiten aufgestellt waren.
Einrichtungen für den Flugbetrieb Das hölzerne Flugdeck auf beiden Schiffen waren knapp 242 Meter lang bei einer maximalen Breite des Decks von 29 Metern. Um moderne und damit schwere Flugzeuge starten zu können, musste der Träger gegen den Wind fahren, so dass der Fahrtwind unter die Tragflächen der Flugzeuge griff und schon beim Start Auftrieb erzeugte. Die Strecke für den Startlauf eines B5N2 Bombers betrug beispielsweise 226 Meter bei WindstilleUSNTMJ A-11 S. 16 und die Flugzeuge konnten im Einsatz naturgemäß nicht die gesamte Länge des Decks für den Start nutzen, so dass eine gewisse Windgeschwindigkeit als Starthilfe zwingend erforderlich war. Bei Windstille mussten die Schiffe der Shōkaku-Klasse demnach mit mindestens 26 Knoten laufen, um den gleichen Effekt und die dafür benötigten 13 Meter pro Sekunde Fahrtwind künstlich zu erzeugen und den Start ihrer Flugzeuge zu ermöglichen.
Die Schiffe hatten drei Aufzüge, um Flugzeuge aus den beiden übereinanderliegenden Hangars an Deck zu heben oder abzusenken. Die beiden hinteren Aufzüge waren mit 13 × 12 Metern etwas kleiner als der vordere mit 13 × 16 Metern, sie waren sämtlich ins Flugdeck integriert und nicht an den Schiffsseiten angebracht. So konnten die hinteren Aufzüge beziehungsweise der vorderen Aufzug nur verwendet werden, wenn kein Lande- oder Startbetrieb stattfand.USNTMJ A-11 S. 8
An mitgeführten Flugzeuge wurden pro Schiff 72 einsatzbereite und 12 Reservemaschinen gefordert. Diese Zahlen wurden umgesetzt und so trugen die Schiffe 1941 je: 18 (+ 2 Reserve) Mitsubishi A6M2 – Typ 0 Modell 21 27 (+ 5 Reserve) Nakajima B5N2 – Typ 97 Modell 12 27 (+ 5 Reserve) Aichi D3A1 – Typ 99 Modell 22 Während der größte dieser Flugzeugtypen, der B5N2 Torpedobomber, mit 15,51 Metern Spannweite im Hangar durch Hochklappen der Tragflächen auf nur noch 7,5 Meter Breite verkürzt werden konnte, konnten bei den Flügeln der kleineren D3A1 Sturzkampfflugzeuge und der A6M2 Jagdmaschinen nur die Flügelspitzen umgeklappt werden, so dass sie in den Hangars noch immer knapp 10 Meter breit waren.
Umbauten und Modernisierungen auf Flugzeugträgern der Shōkaku-KlasseZeichnung der Shōkaku im Bauzustand von 1942. Die Flugabwehrbewaffnung war zu diesem Zeitpunkt bereits auf vier 25-mm-Typ-96-Drillinge am Bug und Heck verstärkt worden und das Schiff war im Juni 1942 mit einem Typ-21-Radar auf dem Brückenturm ausgerüstet worden. Auf dem Flugdeck sind 10 Fangseile, zwei eingeklappte Netzfanganlagen und der aufklappbare Windschutz zu erkennen, der bei Startvorbereitungen, wenn der Träger gegen den Wind lief, die Decksmannschaft schützte.
Drei rechteckige Abdeckungen für versenkbare Scheinwerfer sind im Flugdeck eingelassen. Das Holzdeck ist durch acht Dehnungsfugen unterbrochen, um es zu stabilisieren. Die drei Flugzeugaufzüge und die Spitze des Decks sind nicht mit Holz beplankt, sondern bestanden aus Stahl, das mit einem Anstrich aus rutschhemmender Farbe gestrichen war. Kurz hinter der Spitze des Flugdecks ist das Katakana Schriftzeichen für „Shi“ zur Identifikation des Schiffs für eigene Piloten aufgemalt. Die Zuikaku hatte zu diesem Zeitpunkt den Buchstaben „SU“ auf ihrem Deck aufgebracht.300pxZeichnung der Zuikaku im Bauzustand vom Oktober 1944. Die massive Aufrüstung mit Maschinenwaffen und den Tarnanstrich erhielt sie vor ihrem letzten Einsatz. Zusätzlich wurde an der Steuerbordseite des Vorschiffs und an der Backbordseite des Achterschiffs je eine Plattform für je vier 28-rohrige Raketenwerfer installiert, die ungelenkte Raketen mit einem Kaliber von 12 cm verschossen. Der Suchscheinwerfer Nummer 3 wurde entfernt und an seiner Position ein weiteres Typ 21 Radar eingebaut. Ein Typ-13-Radar zur Suche nach Luftzielen ist ebenfalls 1944 nachgerüstet worden, dessen Yagi-Uda-Antenne am Hauptmast montiert ist. Zehn Typ-96-25-mm-Einzellafetten und zahlreiche Maschinengewehre wurden vor ihrem letzten Einsatz zusätzlich an Bord genommen, so dass schließlich 96 25-mm-Kanonen an Bord aufgestellt waren. Die Kaiserlich Japanische Marine hatte im März 1944 mit Experimenten begonnen, um effektive Tarnanstriche für Flugzeugträger zu entwickeln. Das Muster sollte von der Seite gesehen den Umriss eines Frachtschiffs vortäuschen, und in der Draufsicht das auffällige Flugdeck unkenntlich machen. Die Maßnahme wurde von der Marine selbst als nicht sonderlich wirksam bewertet, war aber nach ihrer Einschätzung besser als kein Tarnanstrich.USNTMJ, X-32, Camouflage of Japanese Ships and Naval Installations, S. 17 und Folgende300px
Schutzsysteme Panzerschutz Die Konstrukteure der Shōkaku-Klasse wurden angewiesen, den Panzerschutz der Schiffe so zu konstruieren, dass die Maschinenanlagen vor Treffern von 250 kg schweren Fliegerbomben und Geschützfeuer vom Kaliber 5 Zoll (12,7 cm) geschützt sein sollten.
Die Magazine der Schiffe, in denen die Bomben und Torpedos für die Flugzeuge gelagert wurden, sollten sogar gegen Treffer von Bomben von bis zu 800 kg, abgeworfen von einem Horizontalbomber, und 20,3 cm (8 Zoll)-Granaten, abgefeuert aus bis zu 20 km Entfernung, geschützt werden.Sunburst: The Rise of Japanese Naval Air Power, 1909–1941, S. 60
Das Flugdeck selbst erhielt keine Panzerung und bestand, wie zu dieser Zeit fast durchgehend üblich, aus Holz.Eine Ausnahme von dieser Regel war der britische Flugzeugträger Ark Royal von 1938, der ein Flugdeck aus Stahl besaß.
Zur Umsetzung ihres Panzerungskonzepts wählten die Entwickler folgende Stahlsorten:
NVNC – New Vickers Non Cemented, von den Japanern auch als nitsukeru kurōmu kō (gehärteter Chrom-Stahl)Artikel von Kent G. Budge auf kgbudge.com, gesichtet am 3. Januar 2010 bezeichnet, war die Standardstahlsorte für Panzerungen im japanischen Schlachtschiffbau und wurde auch für den Gürtelpanzer und das Panzerdeck der Shōkaku-Klasse verwendet. Der Gürtelpanzer war über den lebenswichtigen Schiffssystemen 21,6 cm (8,5 Zoll) stark und dünnte sich über den anderen Bereichen auf 15 cm aus. Das Panzerdeck war 17 cm dick.in der Übersetzung von Kojinsha Nummer 6 bei combinedfleet.com wird eine Dicke von 132 mm für das Panzerdeck angegeben.
DS – Ducol Steel war kein echter Panzerstahl, sondern Stahl mit hoher Streckgrenze, der ursprünglich in Großbritannien für den Maschinenbau entwickelt wurde. Es waren homogene Stahlplatten ohne Einsatzhärtung, deren Herstellung nicht sehr rohstoffintensiv und damit preiswert war, die sich aber dennoch als brauchbar in der Rolle der Panzerung erwiesen hatten.USNTMJ, Japanese Heavy Armor, O-16, S. 7Nathan Okun ARMOR PROTECTION OF THE BATTLESHIP KM BISMARCK auf combinedfleet.com, gesichtet am 16. April 2011 Er wurde für das strukturelle Schutzsystem verwendet.
Struktureller Schutz Die Shōkaku-Klasse erhielt ein integriertes, strukturelles Schutzsystem ohne zusätzliche Torpedowülste. Das System war dennoch tief gestaffelt und reichte in der Schiffsmitte je etwa 5 Metern von jeder Seite nach innen. Die exakten Anforderungen der Kaiserlichen Marine an die Konstrukteure für dieses Schutzsystem sind umstritten. Sie reichen vom Schutz vor den Auswirkungen einer 200 kg TNT Unterwasserexplosion, bis zu einer 450 kg TNT Explosion.so in der Übersetzung von Kojinsha Nummer 6 bei combinedfleet.com, gesichtet am 14. April 2011 Das wirksamste strukturelle Schutzsystem, das hatten Experimente mit dem Schlachtschiff Tosa von 1924 ergeben, bestand aus einer Mischung aus leeren Räumen (zum Abschwächen der Druckwelle einer Unterwasserexplosion) und solchen, die mit Flüssigkeit (Wasser oder Öl) gefüllt waren (zum Verlangsamen der Splitter, die bei einer solchen Explosion ebenfalls entstanden). Diese Erkenntnisse wurden bei der Shōkaku-Klasse umgesetzt, so dass ein System entstand, das wie folgt aufgebaut war: