mini|George Augustine Taylor, der als erster Australier einen Fluggleiter steuerte, im Jahr 1909 mini|Maschine von Qantas, dem größten Flugunternehmen Australiens, 2009 Die Geschichte der Luftfahrt in Australien ist eng mit der australischen Geschichte verknüpft. Wie überall in der Welt gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Bewegung von technikbegeisterten Pionieren. Im Ersten Weltkrieg kämpften australische Piloten auf der Seite des Britischen Empires und wechselten in den 1920er Jahren oft in die zivile Luftfahrt. Da Australien von großen Distanzen zwischen Siedlungen und Städten geprägt ist, spielte der Ausbau eines dichten Flugnetzes eine wichtige Rolle bei der Erschließung des Kontinents im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Die Flying Doctors sind ein typisches Beispiel dafür.
Pionierzeit Ballons Ballonfahrten gab es in Europa bereits ab 1783. Ballons wurden aber lange nicht nach Australien verschifft und blieben dort bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur theoretisch bekannt. 1851 erdachte der nach Australien deportierte englische Arzt und Politiker William Bland eine luftschiffsartige Vorrichtung. Das Atmotic ship sollte ähnlich einem Zeppelin gesteuert fliegen können. Entwürfe schickte er zu den Weltausstellungen 1852 und 1855 nach London und Paris. In die Praxis umgesetzt wurden die ungenau ausgearbeiteten Pläne des vielseitig beschäftigten Erfinders nicht.Luftschiffsehre für Australien – Blands bemerkenswerte Erfindung vor mehr als 70 Jahren. The Argus, 13. September 1924
Nachdem im Dezember 1856 die Vorstellung eines französischen Ballons durch Pierre Maigre gescheitert war, hob am 1. Februar 1858 der Engländer William Dean nahe Richmond mit dem Gasballon Australasia ab und fuhr mehrere Kilometer weit, was den ersten bemannten Flug in der Geschichte Australiens darstellt. Sein Partner C. H. Brown musste abspringen, damit der Ballon abheben konnte. Zwei Wochen später fuhr auch Brown mit dem Ballon, es folgten Nachtfahrten, und Ballonfahrten bei Sydney. Weitere Ballonfahrer tourten in den Folgejahren durch Süd- und Ostaustralien. Am 14. April 1879 stürzte der Ballon des Artisten Henri L’Estrange bei Melbourne ab, woraufhin dieser den ersten dokumentierten erfolgreichen Fallschirmsprung Australiens überlebte. 1901 demonstrierte die Britische Armee einen Militärballon in Australien.
Segelflug Der reiche Entdecker, Astronom und Erfinder Lawrence Hargrave experimentierte auf seinem Gelände nahe Sydney um 1890 mit verschiedenen Flugmodellen, darunter unbemannte Ornithopter und Flugdrachen, wobei sich der von ihm erfundene Kastendrachen als stabile Plattform erwies, und ihn im November 1894 etwa 5 Meter über den Boden hob. Hargrave erfand ferner einen primitiven Umlaufmotor. Er führte Versuche mit geschwungenen Tragflächenprofilen durch und publizierte seine Forschungen, jegliche Form von Patenten lehnte er aber ab.Biographie von Lawrence Hargrave (englisch) Das Prinzip des Kastendrachens wurde bald darauf für (unbemannte) meteorologische Messungen verwendet, und lässt sich auch in späteren frühen Flugzeugen erkennen, auch in denen der Brüder Wright, die 1903 in den USA den ersten Motorflug durchführten. Auf Hargraves Erkenntnissen aufbauend, konstruierte der australische Journalist und Hobbytechniker George Augustine Taylor ein SegelflugzeugBiographie George Augustine Taylors, das er am 5. Dezember 1909 vorstellte. Unter den zahlreichen Personen, die den Einsitzer testeten, war auch seine Frau Florence Mary Taylor, die damit die erste Fliegerin Australiens wurdeBiographie Florence Mary Taylors. Seine Pläne, auch ein Motorflugzeug zu bauen, gab er allerdings auf.
Motorflug mini|Colin Defries bei seinem Flug am 9. Dezember 1909. Teilweise sind die Beschädigungen am Flugzeug nach der Landung erkennbar. mini|Harry Houdini in seiner Voisin Standard (1910) Nach den ersten Flugerfolgen in Europa setzte die australische Regierung 1909 einen Preis von 5000 Dollar für die Erfindung eines Flugzeugs, welches militärischen Zwecken genügte, aus. Die Bedingungen waren hoch: Es sollte in Australien gebaut werden, zwei Personen tragen, mindestens 20 Meilen pro Stunde zurücklegen, mindestens 5 Stunden in der Luft bleiben, und zumindest in einem weiten Bogen wenden können. Zahlreiche Erfinder, sowohl aus Australien wie auch aus anderen Ländern, scheiterten an diesen Aufgaben oder ihre Ergebnisse wurden für ungültig erklärt.
Das erste flugfähige australische Motorflugzeug wurde schließlich von dem Ingenieur John Robertson Duigan erbaut, der es aber nicht für die Ausschreibung anmeldete, somit wurde das Preisgeld nie eingefordert. Sein erster Flug fand am 16. Juli 1910 statt; er hatte den Zweisitzer selbst gebaut, nur die Antriebsmaschine stammte von einem anderen Melbourner Ingenieur. Duigan, der nach England zurückkehrte, um dort seinen Pilotenschein zu machen, wurde später Kampfflieger im Ersten Weltkrieg.Biographie von John Robertson Duigan (englisch)rekonstruierte Ansichten von Duigans „Pusher Biplane“
Schon vor Duigans Flug fanden die ersten Flüge und Flugversuche auf dem australischen Kontinent mit getesteten Importmaschinen von weit besserer Qualität als Duigans Amateurarbeit statt: Der flugerfahrene Brite Colin Defries war im Dezember 1909 in Sydney mehrmals abgehoben und war damit der erste Mensch in Australien, der sich am 9. Dezember 1909 mit einem motorgetriebenen Fluggerät, einer Wright Model A, erfolgreich in die Luft erhob. Da es mehrere vergebliche Starts und Bruchlandungen gab, wurde ihm die entsprechende Anerkennung nicht zuteil. Der Australier Ralph Banks erwarb die Wright-Maschine von Defries, am 1. März 1910 überlebte er jedoch seinen ersten Start nur knapp. Der südaustralische Geschäftsmann Frederick H. Jones hatte eine Blériot XI importiert und die Techniker Bill Wittber und Frederic C. Custance mit dem Zusammenbau bei Bolivar in der Nähe von Adelaide beauftragt. In seiner Mannschaft hatte aber niemand Flugerfahrung, und Wittber hob am 13. März wegen einer Störung nicht ab. Sein Assistent Custance absolvierte angeblich einen unbeobachteten Nachtflug, eine Wiederholung am 17. März unter Zeugen gelang, endete jedoch mit einer Bruchlandung. Später beanspruchten auch Wittber sowie Jones selbst den Flug für sich., (PDF; 109 kB)
Unstrittig ist jedoch, dass der Zauberkünstler Harry Houdini am 18. März 1910 eine Voisin Standard vor großem Publikum in Victoria flog und dies mehrfach wiederholte. Dies ging als erster kontrollierter australischer Motorflug in die Geschichte ein.
In den Folgejahren produzierten zahlreiche australische Tüftler ihre eigenen, in der Mehrzahl jedoch fluguntüchtigen Flugzeuge, außerdem kamen weitere Importeure ins Land (darunter Blériot oder die British and Colonial Aeroplane Co.), die mit der Regierung oder anderen Geschäftspartnern lukrative Geschäfte abzuschließen hofften. Neben den Technikbegeisterten waren Kunstflieger und Flugartisten ein wesentlicher Bestandteil der Szene, die auch als Barnstormers (etwa: Scheunenstürmer) bezeichnet wurden. Bei solchen artistischen Flugshows und Wettrennen kam es immer wieder zu Unfällen, was die Presse nach früheren Jubelartikeln eher kritisch kommentierte.Einrichtung der Zivilen Luftfahrtbehörde
1911 versuchte der Australier Douglas Mawson, mit einem einmotorigen Fluggerät in der Antarktis zu fliegen, einer Vickers REP Monoplane. Das Flugzeug wurde allerdings bereits in Australien zerstört und in der Commonwealth Bay in der Antarktis lediglich als Transportschlitten eingesetzt.antarctica.gov.au: History of Australian Antarctic aviation. Aviation: 1947, in englischer Sprache, abgerufen am 9. November 2011
Erste Flugschulen und Pilotenlizenzen Ab 1911 setzte sich die Erkenntnis durch, dass für die Steuerung und Wartung der störungsanfälligen Maschinen formelle Ausbildungen nötig waren, und viele Flugbegeisterte besuchten englische Flug- und Ingenieurschulen. Der erste Australier mit offiziellem Pilotenschein war Arthur Longmore, der seine Prüfung am 25. April 1911 in England ablegteBiographie von Sir Arthur Longmore. In Australien selbst wurde unterdessen eine Flieger-Liga gegründet, die den Zahnarzt und Privatpiloten William E. Hart im November 1911 prüfte und ihm ein Pilotenzertifikat verlieh. Dieses wurde im März 1912 in England anerkannt, womit Hart als erster Pilot eine Ausbildung in Australien genossen hatte, und der insgesamt vierte Australier mit einem Pilotenschein warBiographie von William E. Hart. Hart hatte da bereits eine eigene Flugschule gegründet und einen Wettflug gewonnen, zu dem er herausgefordert worden war. Im September 1912 wurde er allerdings bei einem Absturz schwer verletzt, gab die Fliegerei auf und setzte seine Tätigkeit als Zahnarzt wieder fort. Seine Flugschule wurde später von dem französischen Piloten Maurice Guilleaux genutzt. Guilleaux stellte im Juli 1914 einen Rekord auf, als er den bis dato längsten Postflug von Flemington (Melbourne) nach Sydney durchführte.Robert Lee, 2003: Linking a Nation: Australia's Transport and Communications 1788–1970. University of Western Sydney
Ebenfalls 1914 kehrten Harry HawkerBiographie von Harry Hawker und Harry KauperBiographie von Henry Alexis Kauper nach Australien zurück, nachdem sie drei Jahre in England Piloten- und Mechanikerausbildungen genossen hatten. Sie boten im Februar 1914 gegen Bezahlung Passagierflüge mit ihren zwei Sopwith Tabloids in Melbourne an. Zu diesen gehörte auch Senator und Verteidigungsminister Edward Millen, der damit der erste Politiker Australiens in der Luft war.
Es folgten die Gründung weiterer Flugschulen, etwa in Brisbane im November 1914 die Queensland Volunteer Flying Civilians und in New South Wales die NSW School of Aviation 1916. Im November 1917 führte William Stutt einen Flug von Sydney nach Melbourne und zurück durch, um die Sicherheit des Flugzeugs unter Beweis zu stellen.
Erster Weltkrieg mini|Ross Smith (links) mit einer Bristol F. 2B Fighter in Palästina im Februar 1918 Das Rüsten in Vorbereitung auf den Ersten Weltkrieg forcierte in Europa die Luftfahrtindustrie, und auch in Australien wurden Piloten rekrutiert. Bereits 1911 hatte der Segelflugpionier Taylor für Militärflugzeuge geworben. Am 22. Oktober 1912 wurde das Australian Flying Corps mit fünf Maschinen gegründet. Die erste und bis 1925 einzige Militärflugschule Australiens nahm im August 1914 in Point Cook nahe Melbourne ihren Betrieb mit vier Flugschülern auf. Die Fluglehrer waren die Piloten Henry Petre und Eric Harrison, die von vier Mechanikern unterstützt wurden. Die Flugschüler waren Richard Williams, der später als Luftmarschall auch als „Vater der RAAF“ genannt wurde, sowie T. White, D. Manwell und G. Merz. Damit war Australien nach Großbritannien das zweite Land des britischen Commonwealth mit einer Flieger-Truppe, dem Australischen Flug-Korps (AFC).
Nach Ausbruch des Weltkriegs forderte die britische Regierung in Indien im Februar 1915 erstmals das AFC an. Vier Piloten unter dem Kommando von Petre brachen nach Basra auf trafen dort Ende Mai ein. Mit dort gestellten Farman-Flugzeugen sollte die Truppe die türkischen Linien durchbrechen und Erkundungs- sowie Sabotagemission durchführen. Das australisch-indische Kommando wurde als Mesopotamia Half Flight bekannt – Halb-Flug deshalb, weil die Flugzeuge nur mit günstigen Winden wieder auf ihre Ausgangsposition zurückkehren konnten. Die Flieger waren dem Wüstenklima des heutigen Iraks kaum angepasst, und vier der fünf Piloten wurden im Laufe eines Jahres von deutschen und türkischen Truppen gefangen genommen oder getötet und die Maschinen für das deutsche Militär requiriert. Der erste abgeschossene Pilot war Captain Merz.