mini|Porträt des Leonardo da Vinci,Rötel auf Papier, 27,5 × 19,0 cm,Francesco Melzi um 1510 Leonardo da Vinci (1452–1519) war einer der führenden Künstler der Renaissance.
Der Nachlass Die Anzahl der erhaltenen Gemälde Leonardo da Vincis ist gering. Zurzeit werden ihm lediglich fünfzehn erhaltene Gemälde, ganz oder teilweise zugeschrieben. Die Datierung der Werke ist oft unsicher. Die meisten von ihnen liegen als Ölgemälde vor, auf Holz als Bildträger. Erhalten ist aber auch das Wandbild im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie in Mailand: „Das letzte Abendmahl“.
Die Zuschreibung weiterer Bilder ist umstritten. Einige sind verschollen und auf ihre vormalige Existenz weisen heute nur Zeugenberichte hin, Kopien zeitgenössischer Künstler sowie Leonardos Studien und Entwürfe zur Vorbereitung der Gemälde. Man geht allerdings davon aus, dass nicht mehr als eine Handvoll Werke, die ausschließlich oder größtenteils von ihm selbst stammen, verlorengegangen sind. Und von jenen Gemälden, die heute als Hauptwerke Leonardos betrachtet werden, scheint er fünf oder sechs, darunter die „Mona Lisa“, niemals aus den Händen gegeben zu haben.Kemp, S. 20
Jüngstes Beispiel einer bisher umstrittenen Zuschreibung ist das Bildnis „La Bella Principessa“. Im Jahr 2009 erregte der britische Kunsthistoriker Martin Kemp Aufsehen mit der Neuzuschreibung des Gemäldes. Kemp begründete die Zuschreibung der „Bella Principessa“ durch forensische Untersuchungsmethoden.Tom O’Neill: La Bella Principessa - ein echter da Vinci? In: National Geographic Deutschland. Februar 2012, S. 122–129. Es wäre die erste Entdeckung eines zuvor unbekannten Leonardo-Werks seit 100 Jahren. In: Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2009.Da Vinci-Code entschlüsselt: Echtes Bild, falsche Frau?, von Ulli Tückmantel. In: RP Online, 15. Oktober 2009.
Die geringe Anzahl der Gemälde wird oft mit der langsamen Arbeitsweise Leonardos erklärt und seiner geradezu chronischen Gewohnheit, die Fertigstellung der Werke stets hinauszuzögern. Bisweilen wird ihm unterstellt, er sei unfähig gewesen, begonnene Projekte zum Abschluss zu bringen.Kemp, S. 7 Andererseits vermutet man, dass er als ideenreicher Ingenieur und erfinderischer Technologe nicht darauf angewiesen war, sein Einkommen aus dem Herstellen und dem Verkauf von Kunstwerken zu bestreiten.
Dennoch wurden die wenigen Werke Leonardos, gemeinsam mit seinen Notizbüchern, Skizzen, Zeichnungen und wissenschaftlichen Abhandlungen, wegweisend für spätere Generationen von Künstlern.
Die Werkstatt Leonardos Seine künstlerische Ausbildung erhielt Leonardo, etwa von 1470 bis 1477, als Schüler des Malers und Bildhauers Andrea del Verrocchio (1435/36–1488) in Florenz. Einigen Gemälden Verrocchios aus dieser Zeit, wie Tobias und der Engel (datiert um 1470–1475) und Die Taufe Christi (datiert um 1472–1475), wird eine Beteiligung Leonardos zugeschrieben.Kemp, S. 288Brown, S. 51Nicholl, S. 122 ff
Etwa ab 1477 führte Leonardo da Vinci in Florenz ein eigenes Atelier. In Mailand, wo er ab 1482 wirkte, gründete er erst Ende der 1480er Jahre eine Werkstatt (ital.: bottega), in der er Schüler ausbildete und Gesellen beschäftigte, aber auch Handwerker, wie den Metallurgen und Farbenmischer Tommaso Masini (1462/66 – um 1520). Ab 1490/92 befand sich die Werkstatt in der „Corte Vecchia“ (ital. für Alte Hofhaltung), an der Stelle des heutigen Palazzo Reale, im Süden der Piazza del Duomo.Nicholl, S. 323 Aus ihr gingen Künstler wie Ambrogio de Predis (um 1455– nach 1508), Giovanni Antonio Boltraffio (1467–1516), Cesare da Sesto (1477–1523) und Marco d’Oggiono (um 1475– um 1530) hervor.
Es wird berichtet, dass die Gesellen die Aufträge des Meisters nach dessen Anweisungen ausführten und Leonardo gelegentlich selbst Hand anlegte.Nicholl, S. 300 In späteren Epochen war es durchaus üblich, dass der Meister auch die Arbeiten seiner Mitarbeiter signierte. Die Künstler des 15. und 16. Jahrhunderts signierten ihre Arbeiten jedoch selten. Von Leonardos Gemälden oder jenen, die nachweislich in seiner Werkstatt entstanden, trägt keines eine Signatur.Angela Ottino della Chiesa (Hrsg.): The Complete Paintings of Leonardo da Vinci. Weidenfeld & Nicolson, London 1969, ISBN 0-297-17702-8
Leonardos wohl letztes Gemälde, Johannes der Täufer, wird um 1513–1516 datiert. Es wird angenommen, dass er in seinen letzten Lebensjahren an den Folgen eines Schlaganfalls litt, einer rechtsseitigen Hemiparese. Da Leonardo Linkshänder war und mit der linken Hand zeichnete und schrieb, war er weiterhin in der Lage, Zeichnungen und Skizzen anzufertigen. Gemälde aus den Jahren 1516 bis 1519 sind jedoch nicht bekannt.Nicholl, S. 600
Bekannte Werke und ihre Standorte
Die Gemälde befinden sich heute in verschiedenen Sammlungen Europas und Nordamerikas.
Das „Bildnis der Ginevra de’ Benci“ ist momentan das einzige Gemälde von Leonardo da Vinci, das sich derzeit in einer Sammlung außerhalb Europas befindet, in der National Gallery of Art in Washington D.C.
Die National Gallery of Art erwarb das Werk im Jahr 1967 für 5 Millionen US-Dollar.Ingeborg Walter, Roberto Zapperi: Das Bildnis der Geliebten: Geschichten der Liebe von Petrarca bis Tizian. C. H. Beck, München 2007, S. 57 ISBN 978-3-406-55502-2 Damit war das Bildnis der Ginevra de’ Benci das bis dahin am teuersten verkaufte Gemälde.
Im gleichen Museum befindet sich das Madonnenbild „Maria mit dem Kinde und einem Granatapfel“ (auch „Madonna Dreyfus“ genannt). Die Urheberschaft ist jedoch umstritten und wird heute Lorenzo di Credi (um 1459–1537) zugeschrieben.
Am 15. November 2017 wurde das Gemälde „Salvator mundi“ in einer Auktion des Auktionshauses Christie’s für den Rekordbetrag von 450,3 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 382 Millionen Euro) an einen unbekannten Bieter verkauft. Nach Angaben von Christie’s ist es damit das teuerste jemals versteigerte Kunstwerk.Da-Vinci-Gemälde für 450.312.500 Dollar versteigert, spiegel.de, 16. Oktober 2017.
Ausstellung Die National Gallery in London zeigte vom 9. November 2011 bis 5. Februar 2012 in der Ausstellung „Leonardo da Vinci - Painter at the court of Milan“ neun der fünfzehn erhaltenen Gemälde Leonardo da Vincis und eine große Zahl seiner Skizzen und Zeichnungen. auf der offiziellen Website der National Gallery (London)Da Vinci in London - Der Herrscher über die Seelen In: faz.net, 8. November 2011
Die folgende Liste bekannter Werke Leonardo da Vincis schließt verschollene Gemälde ein und Arbeiten, die ihm nicht zweifelsfrei zugeschrieben werden. Titel(Ausführung; Format) Datierung Museum/Sammlung Standort Zuschreibung Abbildung Tobias und der Engel(Tempera auf Holz; 66 × 84 cm) um 1470–1475 National Gallery London Andrea del Verrocchio, Beteiligung Leonardo da Vincis umstritten 75px Die Taufe Christi(Öl auf Holz; 152 × 180 cm) um 1472–1475 Uffizien Florenz Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci 75px Die Verkündigung(Öl und Tempera auf Holz; 98 × 217 cm) um 1472–1475 Uffizien Florenz gesichert 75px Die Anbetung des Kindes mit zwei Engeln in einer Landschaft(Tempera auf Holz; 47 × 60 cm) um 1473–1478 Institute of Arts Detroit Umkreis von Andrea del Verrocchio, Beteiligung Leonardo da Vincis umstritten 75px Madonna mit der Nelke(Öl auf Holz; 47,5 × 62 cm) um 1473–1478 Alte Pinakothek München gesichert 75px Bildnis der Ginevra de’ Benci(Öl auf Holz; 37 × 43 cm) um 1474–1478 National Gallery of Art Washington gesichert 75px Madonna Dreyfus(Öl auf Holz; 13 × 16 cm) um 1475–1480 National Gallery of Art Washington umstritten, vermutl. Lorenzo di Credi 75px Madonna Benois(Öl auf Leinwand; 31 × 48 cm) um 1475–1478 Eremitage St. Petersburg gesichert 75px Der heilige Hieronymus(Öl und Tempera auf Holz; 73,5 × 103 cm; unvollendet) um 1480 Vatikanische Museen Vatikan gesichertZur dargestellten Person, siehe Hieronymus (Kirchenvater). 75px Die Anbetung der Könige aus dem Morgenland(Öl auf Holz; 247 × 246 cm, unvollendet) um 1481 Uffizien Florenz gesichert.Zum dargestellten Sujet, siehe Heilige drei Könige. 75px Die Felsgrottenmadonna, 1. Version(Öl auf Holz; 122 × 199 cm) um 1483–1486 Louvre Paris gesichert 75px Dame mit dem Hermelin(Öl und Tempera auf Holz; 40 × 55 cm) um 1483–1490 Nationalmuseum Krakau gesichert 75px Bildnis eines Musikers(Öl und Tempera auf Holz; 32 × 45 cm) um 1485–1490 Pinacoteca Ambrosiana Mailand umstrittenZur Biografie der vermutlich dargestellten Person, siehe Franchino Gaffurio. 75px Madonna Litta(Öl und Tempera auf Leinwand; 33 × 42 cm) um 1490–1495 Eremitage St. Petersburg umstritten 75px La Belle Ferronnière(Öl auf Holz; 44 × 62 cm) um 1490–1496 Louvre Paris umstrittenZur Biografie der dargestellten Person, siehe La Belle Ferronière. 75px La Bella Principessa(Kreide und Tusche auf Vellum; 22 × 33 cm) um 1490 ? Privatbesitz umstritten 75px Die Felsgrottenmadonna, 2. Version(Öl auf Holz; 120 × 189,5 cm) um 1493–1508 National Gallery London gesichert 75px Das letzte Abendmahl(Seccomalerei; 904 × 422 cm) um 1494–1498 Kloster Santa Maria delle Grazie Mailand gesichert 75px Karton für Porträt Isabella d’Este(Kreide und Rötel auf Papier, perforiert; 46 × 63 cm) 1499–1500 Louvre Paris gesichert durch Briefe sind mindestens zwei Porträtzeichnungen Isabella d’Este dokumentiert und 1501–1506 ihre Aufforderungen, das versprochene Porträt in Farbe auszuführen 75px Salvator Mundi(Öl auf Holz; 46 × 66 cm) um 1500 Privatbesitz umstritten 75px Madonna mit der Spindel um 1501 verschollen,verschiedene Kopien vorhanden die Arbeit Leonardos an diesem Gemälde gilt als gesichert 75px Die Schlacht von Anghiari(vermutlich unvollendetKemp, S. 27) um 1503–1506 verschollen,ursprünglicher Standort als Wandbild im Palazzo Vecchio, Florenz.Studien vorhanden im Bestand der Royal Collection, Windsor die Arbeit Leonardos an diesem Gemälde gilt als gesichert.Zum Ereignis der Schlacht, siehe Schlacht von Anghiari. 75px Bildnis der Mona Lisa(Öl auf Holz; 53 × 77 cm) um 1503–1506 Louvre Paris gesichertZur Biografie der dargestellten Person, siehe Lisa del Giocondo. 75px Leda mit dem Schwan um 1503–1508 verschollen,verschiedene Studien vorhanden die Arbeit Leonardos an diesem Gemälde gilt als gesichert.Zum dargestellten Sujet, siehe Leda (Mythologie). 75px Anna selbdritt(Öl auf Holz; 130 × 168 cm) um 1508–1510 Louvre Paris gesichert 75px La Scapigliata(Öl auf Holz; 21 × 24,7 cm) um 1508 Galleria nazionale di Parma Parma gesichert 75px Bacchus(Öl auf Holz; 115 × 177 cm) um 1517–1520 Louvre Paris umstritten, offiziell Francesco Melzi zugeschrieben 75px Johannes der Täufer(Öl auf Holz; 57 × 69 cm) um 1513–1516 Louvre Paris gesichert 75px
Literatur Daniel Arasse: Leonardo da Vinci. Dumont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2002, ISBN 978-3-8321-7150-6. David Alan Brown: Leonardo da Vinci: Origins of a Genius. Yale University Press, New Haven, 1998, ISBN 0-300-07246-5. Martin Kemp: Leonardo. C. H. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56821-3. Charles Nicholl: Leonardo da Vinci – Die Biographie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-10-052405-8. Franziska Windt: Andrea del Verrocchio und Leonardo da Vinci: Zusammenarbeit in Skulptur und Malerei. Rhema, Münster 2003, ISBN 3-930454-39-4. Frank Zöllner: Leonardo da Vinci – Sämtliche Gemälde und Zeichnungen. Taschen, Köln 2011, ISBN 978-3-8365-2972-3.
Weblinks
Die Gemälde Leonardo da Vincis auf der Webseite der University of the Arts London, abgerufen am 3. März 2011
Einzelnachweise
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