Namlish ist ein Kofferwort aus den englischen Wörtern Namibia(n) () und English (deutsch Englisch). Es handelt sich um eine Mischsprache, die in Namibia von weiten Teilen der schwarzafrikanischen Bevölkerung des Landes, besonders aber von den Owambo und Kavango, gesprochen wird. Namlish ist dabei eine gesonderte Form der englischen Sprache und wird zum Teil als eine Variante des Pidgin betrachtet. Lässt man die zahlreichen Eigenarten des Namlish zunächst außen vor, so ähnelt es in seiner Grundgesamtheit in Bezug auf Aussprache, Betonung und Vokabular mehr dem britischen Englisch als dem amerikanischen Englisch. Namlish hat sich besonders im Norden Namibias entwickelt, der von den Owambo und Kavango dicht besiedelt wird.

Namlish wird zudem von einer Vielzahl, vor allem jugendlicher Deutschnamibier, als Synonym für die deutsche Sprache in Namibia genannt.Namdeutsch. Humboldt-Universität zu Berlin. Abgerufen am 12. September 2019.

Hintergrund In Namibia ist Englisch heute die offizielle Amtssprache. Dies gilt seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1990, und dies obwohl Englisch von keiner größeren ethnischen Gruppe des Landes als Muttersprache gesprochen wird (u. a. wurde Namibia auch nie von einer englischsprachigen Nation kolonisiert). Vor der Unabhängigkeit des Landes war Englisch zwar als Verkehrssprache neben Afrikaans bereits stark verbreitet, jedoch wurde Afrikaans in der Realität deutlich öfter angewandt. Der Hauptgrund, Englisch als Amtssprache zu wählen, bestand für die neuen Machthaber nach der Erlangung der Unabhängigkeit (die SWAPO-Partei) in der Tatsache, dass Englisch eine Weltsprache ist. Außerdem wollte man sich durch die Nicht-Erhebung einer der namibischen Sprachen zur Amtssprache eventuelle ethnische Spannungen im Vielvölkerstaat Namibia ersparen: Durch die Festlegung auf die englische Sprache wurde so eine Bevormundung einer bestimmten namibischen Volksgruppe von vornherein vermieden. Das nach wie vor weit verbreitete Afrikaans schied als Amtssprache wohl aus, weil die SWAPO und auch weite Teile der schwarzafrikanischen Bevölkerung Namibias diese Sprache als Symbol der Unterdrückung durch das letztendlich gestürzte Apartheid-Regime betrachteten. Deshalb spielte bei der Entscheidung zur Festlegung der Amtssprache die Tatsache, dass die Anzahl an englischen Muttersprachlern in Namibia zur Zeit der Unabhängigkeit sehr gering war (und bis heute ist), eine eher untergeordnete Rolle. Außerdem vertrat die SWAPO damals die Ansicht, dass gerade aufgrund der sehr geringen Anzahl an englischen Muttersprachlern alle Volksgruppen "gleichermaßen benachteiligt" seien. Dies traf dann aber nur bedingt zu, weil, wie sich bald herausstellte, die weiße Minderheit Namibias generell über gute Englischkenntnisse verfügte. Außerdem hatten sich zahlreiche Exil-Namibier, welche nach der Unabhängigkeit ins Land zurückkehrten, im Ausland teils exzellente Englischkenntnisse angeeignet. Diese beiden Gruppen bildeten fortan eine Art "englischsprachige Elite" im Land, welche bis heute besteht, während die große Mehrheit der Bevölkerung durch die Festlegung auf Englisch als offizielle Amtssprache benachteiligt bleibt.

Im Jahr 2005 waren lediglich 0,8 % aller Namibier englische Muttersprachler (laut Tötemeyer aber 1,9 % im Jahr 2001). Zumindest in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit blieb Afrikaans daher auch die Lingua franca Namibias, obwohl es seinen offiziellen Status an die englische Sprache verloren hatte. So wurden z. B. zu dieser Zeit noch die meisten Strafprozesse vor Gericht auf Afrikaans geführt.

In Namibia gibt es heute 14 Schriftsprachen und weitere 16 Sprachen, welche lediglich in mündlicher Form existieren. Die 13 Schriftsprachen neben Englisch werden in Namibia heute als Nationalsprachen anerkannt, jedoch wird keine dieser Sprachen auf nennenswerte Art und Weise gefördert.Diese 30 verschiedenen Sprachen und Dialekte, welche in Namibia gesprochen werden, haben heute Einfluss auf die Art und Weise, wie im Land Englisch gesprochen wird.

Weil die große Mehrheit der Namibier Englisch lediglich als zweite oder dritte Sprache spricht, werden, wenn Englisch gesprochen wird, viele Wörter und Redewendungen aus den eigentlichen Muttersprachen ins Englische übernommen. Im Vokabular des Namlish finden sich heute zahlreiche wörtliche Übersetzungen von Wörtern und Redewendungen aus den namibischen Stammessprachen Oshiwambo und Kavango ins Englische. Außerdem werden generell viele Wörter und Redewendungen aus dem Afrikaans in direkter oder wörtlich übersetzter Form verwendet. Es kommen aber auch Worte und Redewendungen aus dem Damara, dem Herero und anderen namibischen Stammessprachen vor. In diesem Zusammenhang wurde die These, dass Namlish aufgrund der ethnischen Vielfalt Namibias heute in zahlreichen Ausprägungen vorhanden ist, welche sich durchaus regional voneinander unterscheiden, 2013 von Haushona-Kavamba im Windhoek Observer postuliert. Vereinzelt finden, aufgrund der deutschen Kolonialvergangenheit, auch deutsche Wörter Anwendung. Die dadurch entstandene Mischsprache ist mit dem Englisch, welches von der schwarzafrikanischen Bevölkerung in Südafrika gesprochen wird, durchaus vergleichbar. mini| Immobilienanzeige in typischem Namlish: Es wird offenbar ein weiblicher Mieter für eine Doppelgarage gesucht, wobei es sich sowohl um eine berufstätige Frau als auch um eine Studentin handeln kann. Dabei ist das "female Lady" (dt. "weibliche Dame") hier falsch, weil das Wort Lady (dt. "Dame") bereits das Geschlecht wiedergibt. In echtem Englisch würde man bezüglich des ersten Satzes vielmehr "Looking for a lady or a female student" (dt. "Ich suche eine Frau oder eine Studentin") schreiben. Des Weiteren liegt im letzten Satz ein grammatikalischer Fehler vor, da am Ende von depend ein S fehlt und weil auf "depend" im echten Englisch ohnehin kein "from" folgt. Richtig wäre "depends on" mini|Werbetafel einer Metzgerei in Oshakati mit grammatikalisch falschem Englisch: Die englischen Wörter game, pork und beef (dt. Wildfleisch, Schweinefleisch, Rindfleisch) beschreiben bereits die angebotene Fleischart, so dass der Zusatz meat (dt. Fleisch) hier fehl am Platz ist mini|Ein Autohaus in Ongwediva als Beispiel für den Weiterbestand der deutschen Sprache im namibischen Alltag

Beispiele Wörter

Baas Afrikaans für Boss (dt. Chef). Baas wird aber in vielen Fällen auch generell für männliche Weiße angewandt (als ein Überbleibsel der Apartheid). Babelaas Hangover (engl. für einen Kater haben). Das Wort entstammt dem Afrikaans. Bakkie Ein Pick Up bzw. Kleinlaster (entlehnt aus dem Afrikaans). Braai Barbeque bzw. Grillparty (entlehnt aus dem Afrikaans) Broetchen (plural Broetchens) Ein Brötchen (entlehnt aus dem Deutschen) Cherrie Ein hübsches Mädchen bzw. eine hübsche Freundin. Cherrie wird wohl vom englischen Cherry (dt. Kirsche) abgeleitet, wobei es aber meist dementsprechend falsch geschrieben wird. Cuca Shop Eine Bar. Die Bezeichnung wird vor allem im von den Owambo bewohnten Norden Namibias verwendet und leitet sich von einer portugiesischen Biermarke ab, welche früher im Nachbarland Angola verkauft wurde, als dieses noch portugiesische Kolonie war. Dankie Danke (aus dem Afrikaans entlehnt). Lapa Überdachter Bereich vor dem Haus, welcher meist mit einem Grill und einer Bar ausgestattet ist (aus dem Oshiwambo entlehnt). Meme Höfliche Anrede für eine ältere Frau (aus dem Oshiwambo entlehnt) oder, substitutiv, vor allem in den von den Kavango bewohnten Gebieten, "Nane" aus dem Kavango. Nawa Gut oder schön (aus dem Oshiwambo entlehnt). Tate höfliche Anrede für einen älteren Mann (aus dem Oshiwambo entlehnt). Robot Eine Ampel (engl. Traffic Lights). Shebeen Eine Bar. Ursprünglich wurden nicht lizenzierte Bars als „Shebeen“ bezeichnet. Mittlerweile verfügen aber die meisten von ihnen über offizielle Shebeen-Lizenzen. Botsotso Ein Krimineller (dem Oshiwambo entlehnt). Tekkies Turnschuhe (in korrektem Englisch: Sneakers). Wors Eine Wurst (dem Afrikaans entlehnt). Footing Zu Fuß gehen (in korrektem Englisch würde man sagen: To go on foot bzw. to walk. Footing bedeutet im Englischen hingegen „Fundament“ oder „Basis“). Mos Füllwort aus dem Afrikaans ohne wirkliche Bedeutung, in etwa wie das deutsche „ne“ oder „gell“. Mos wird im Namlish sehr regelmäßig angewandt und dabei vor allem ans Satzende gestellt, wie z. B. bei I like this place mos! (dt. Ich mag es hier!). Toilet Badezimmer (im Namlish wird das Wort Bathroom (engl. für Badezimmer) nicht bzw. kaum angewandt). Learner Ein Schüler oder Student (in korrektem Englisch würde das Wort Student Anwendung finden). Naughty Im Namlish ist naughty (dt. frech, unartig, ungezogen) generell in etwa gleichbedeutend mit bad (dt. böse). Cool drink Ein Soft-Drink (z. B. Cola oder Sprite). In korrektem Englisch werden u. a. die Formulierungen Pop oder Soda verwendet. Hot Stuff Ein hochprozentiges alkoholisches Getränk. In korrektem Englisch würde man Spirit oder hard liquor sagen. Nay oder Ne Ein Füllwort (vergleichbar mit Mos), welches sehr oft ans Satzende gestellt wird, um eine Aussage zu unterstreichen. Nay kann dabei oft in etwa als "oder ?" übersetzt werden, z. B. bei "the weather is hot today, nay?" (dt.: heute ist es heiß, oder?). Ausgesprochen wird es ähnlich dem in Deutschland verbreiteten "ne". Elastic Ein Gummiband (in korrektem Englisch rubber band). Somehow Oft, vor allem wenn nach dem Befinden gefragt wird, bedeutet Somehow (dt. irgendwie) im Namlish einfach "OK". In korrektem Englisch würde man einfach "OK" sagen. Small boy (Dt. kleiner Junge) wird im Namlish generell für jeden jungen, meist noch unverheirateten, Mann angewandt. In korrektem Englisch wäre young man (dt. junger Mann) weitaus gebräuchlicher. Small boy wirkt dabei im "echten" Englisch eher abwertend. Tyre road wörtlich übersetzt "Reifenstrasse", bezeichnet im Namlish eine "asphaltierte Straße". Im korrekten Englisch gibt es diese Bezeichnung nicht und man würde üblicherweise "paved road" sagen. Jersey ein T-Shirt oder Sweatshirt. Im "echten" Englisch steht Jersey dagegen vielmehr speziell für ein Trikot, z. B. ein Fußballtrikot, oder allgemein für ein während sportlicher Betätigung getragenes Oberhemd. Trolley ein Einkaufswagen, in korrektem Englisch "shopping cart". Plaster ein Pflaster, aus dem Deutschen entlehnt, aber in korrektem Englisch "band-aid". Schooling "Zur Schule gehen". Dieses Verb ist eine Eigenkreation des Namlish. In korrektem Englisch würde man z. B. "which school do you attend?" (dt. "auf welche Schule gehst du?") fragen, während man im Namlish einfach "where are you schooling" fragt.

Redewendungen

„Too“ und „very“ Im Namlish sind die englischen Steigerungsformen too und very generell frei substituierbar. Wenn ein Sprecher z. B. eine andere Person als too fat (dt. zu fett) bezeichnet, dann kann hier durchaus gemeint sein, dass die betreffende Person nicht zu sondern sehr (engl. very) fett ist. It's paining Es tut weh bzw. es schmerzt (in korrektem Englisch würde man sagen: It hurts). How is the condition on your side? Wie geht es Dir? In korrektem Englisch würde man sagen: How are you doing? Even me In etwa gleichbedeutend mit dem englischen me, too oder me neither (dt. ich auch), aber grammatikalisch falsch. To dirtify something Etwas schmutzig machen (in korrektem Englisch würde man sagen: To make something dirty. Das Verb To dirtify gibt es im englischen Vokabular nicht). Is it? Wirklich? (in korrektem Englisch würde man sagen: Really?) It's time Wir / ich / es ist fertig (wörtlich übersetzt "es ist Zeit"). Im korrekten Englisch würde man sagen: "We are done", "I am done" oder "it is done". Are we on the same page? Ist das klar? bzw. verstehst Du mich? (in korrektem Englisch würde man sagen: Is it clear? bzw. Do you understand me?). I am coming