mini|hochkant|David Paul Hansemann um 1897 mini|hochkant|David Paul Hansemann im Jahr 1882 mini|hochkant|David Paul Hansemann mit seinem Sohn Fritz David, um 1892

David Paul Hansemann, ab 1901 von Hansemann (* 5. September 1858 in Eupen, damals Königreich Preußen, heute Belgien; † 28. August 1920 in Berlin) war ein deutscher Pathologe. Er formulierte eine der ersten Theorien über die Entstehung von Krebs.Mary F. Peterson, Leon P. Bignold, Hubertus P. A. Jersmann: Deutsche Medizin im neunzehnten Jahrhundert erforschen – das Beispiel des David Paul von Hansemann (1858–1920). (PDF; 235 kB) In: AGMB-Jahrestagung 2007

Werdegang und Werk David Paul entstammte einer sehr wohlhabenden Familie. Er war der Sohn von Gustav Hansemann (1829–1902), der als Rentier in Charlottenburg mit seinen Nachkommen am 18. Januar 1901 in Berlin in den preußischen Adelsstand erhoben wurde,Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band IV, Band 67 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1978, S. 425. und der Mathilde Vorländer (1827–1880). Sein Großvater war der Kaufmann und Bankier David Hansemann. Sein Onkel Adolph von Hansemann war einer der vermögendsten Männer des Deutschen Kaiserreichs und sein Cousin war der Chemiker Daniel Vorländer.

1881 machte Hansemann am Berliner Friedrich-Wilhelms-Gymnasium das Abitur. Noch im selben Jahr begann er das Medizinstudium in Berlin. Nach drei Semestern ging er für ein Semester nach Kiel und für drei nach Leipzig. Seine Professoren waren unter anderen Wilhelm His, Carl Ludwig, Ernst L. Wagner und Julius Friedrich Cohnheim.Ole Daniel Enersen: bei Whonamedit.com. 1886 wurde Hansemann zum Dr. med. promoviert. Nach Beendigung des Studiums und Ableistung seines Militärdienstes wurde er Assistenz-Pathologe bei Rudolf Virchow in Berlin.Paul A. Hardy, Helmut Zacharias: Reappraisal of the Hansemann-Boveri hypothesis on the origin of tumors. In: Cell Biology International Band 29, Nummer 12, Dezember 2005, S. 983–992, . . PMID 16314117. Im Rahmen seiner dortigen Tätigkeit berichtete er 1890David Hansemann: Ueber asymmetrische Zelltheilung in Epithelkrebsen und deren biologische Bedeutung. In: Virchows Arch Pathol Anat Physiol Klin Medicin Band 119, 1890, S. 299–326. von auffälligen Veränderungen der Zellkerne und abnormalen Teilungsmustern, die er in Schnittpräparaten von 13 verschiedenen Karzinomen beobachtet hatte. Hansemann sah zwischen diesen Veränderungen und der Entstehung von bösartigen Tumoren einen Zusammenhang. Er postulierte, dass solche aberranten Zellteilungen sowohl für erhöhte als auch für verminderte Chromatin-Gehalte der Krebszellen verantwortlich sind.David Hansemann: Ueber die Anaplasie der Geschwulstzellen und die asymmetrische Mitose. In: Arch Pathol Anat Physiol Klin Medicin Band 129, 1892: 436–449.B. Marte: Milestone 2: (1890) Cancer as a genetic disease. In: nature.com April 2006 Seine Beobachtungen markieren den Beginn der Tumorzytogenetik.H. Zankl: Molekularzytogenetische Tumordiagnostik. In: A. M. Raem, H. Fenger u. a. (Hrsg.): Gen-Medizin: eine Bestandsaufnahme. Verlag Springer, Berlin/Heidelberg 2000, ISBN 3-540-67393-8, S. 253 Joachim Oertel / Uniklinikum-Saarland.de / Einrichtungen/Kliniken-Institute/Neurochirurgie/Forschung/Neuroonkologie/Gliome/Genetik: Tumorzytogenetik. Stand 16. April 2011.

Mehr als 20 Jahre später entwickelte Theodor Boveri aus den Beobachtungen Hansemanns und eigenen Arbeiten die Chromosomenhypothese der Tumorentstehung: Veränderungen im Chromosomensatz einer Zelle (Aneuploidie) sind die Voraussetzung für den Übergang von normalem Zellwachstum zu bösartiger Proliferation.Theodor Boveri: Zur Frage der Entstehung maligner Tumoren. Verlag Fischer, Jena 1914. Aneuploidie ist bei sehr vielen Krebserkrankungen zu beobachten. Ob Aneuploidie allerdings Ursache oder nur Folge einer Krebserkrankung ist, wird kontrovers diskutiert.Peter Duesberg: Das Chaos in den Chromosomen. In: Spektrum der Wissenschaft, Oktober 2007, S. 55 ff. Siehe dazu Peter Duesberg#Aneuploidie-Krebs-Hypothese.

1907 untersuchte Hansemann die Gehirne von Theodor Mommsen, Robert Bunsen und Adolf von Menzel („Elitegehirnforschung“).Jochen Richter: Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung und die Topographie der Großhirnhemisphären. In: B. Von Brocke, H. Laitko (Hrsg.): Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und ihre Institute. Verlag Walter de Gruyter, Berlin & New York 1996, ISBN 3-110-15483-8, 349–408; dort S. 377. David v. Hansemann: Über die Gehirne von Th. Mommsen, R. W. Bunsen und Ad v. Menzel. Stuttgart, 1907.

Hansemann arbeitete als Prosektor am Berliner Rudolf-Virchow-Krankenhaus; um 1912 wurde er zum Geheimen Medizinalrat ernannt.Stefan Richter , Stand 16. April 2011. 1912 wurde er ordentlicher Professor für Pathologie. Während des Ersten Weltkriegs war er an der Ostfront und erhielt das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Er war mit Elisabeth, geb. Walter (1863–1935), verheiratet und starb an Kehlkopfkrebs 1920 in Berlin.Leon P. Bignold, Brian L. D. Coghlan, Hubertus P. A. Jersmann: David Paul von Hansemann: Contributions to Oncology. Context, Comments and Translations. Birkhäuser Verlag, 2007, ISBN 978-3-764-37769-4. Sein Sohn war der Politiker Fritz David von Hansemann (1886–1971).

Im Alten St.-Matthäus-Kirchhof ist das Familiengrab erhalten.

Schriften Die mikroskopische Diagnose der bösartigen Geschwülste. Verlag August Hirschwald, Berlin 1902. Der Aberglaube in der Medizin und seine Gefahr für Gesundheit und Leben. Verlag Teubner, 1905; 2. Auflage, 1914. Atlas der bösartigen Geschwülste. Verlag August Hirschwald, Berlin 1910.

Genealogie Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1910. Jg. 4, Justus Perthes, Gotha 1909, S. 269. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1939. Jg. 31, Justus Perthes, Gotha 1938, S. 196–197. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei). Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans-Jürgen von Witzendorff, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1954. Band I, Band 9 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke-Verlag, Glücksburg/Ostsee 1954, , S. 148 f. Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band IV, Band 67 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1978, , S. 425. Walter von Hueck, Erik Amburger, Detlev Schwennicke, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1985. Band XVI, Band 86 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke-Verlag, Limburg/Lahn 1985, , S. 240 f.

Literatur

Einzelnachweise

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