Diese Liste historischer Weltkarten umfasst Karten aus der Zeit bis 1800, die den zum Zeitpunkt und am Ort ihres Entstehens bekannten Teil der Erdoberfläche abbilden und den Anspruch einer Weltkarte besitzen.
Die ältesten bekannten Weltkarten stammen aus der Antike und basieren auf dem Paradigma der flachen Erde. Weltkarten, die von einer kugelförmigen Erde ausgehen, erscheinen erstmals in hellenistischer Zeit. Die Entwicklungen in der griechischen Geografie in dieser Zeit, insbesondere die von Eratosthenes und Posidonius, erreichten ihren Höhepunkt in der römischen Ära mit der Weltkarte des Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr., die auch im Mittelalter noch maßgebend war. Seit Ptolemäus ermöglichte das Wissen um die ungefähre Größe der Erde den Kartographen, den Umfang ihrer geographischen Kenntnisse abzuschätzen und Teile des Planeten, deren Existenz bekannt, aber noch nicht erforscht war, als terra incognita zu bezeichnen. Mit dem Zeitalter der Entdeckungen im 15. bis 18. Jahrhundert wurden die Mappae mundi perfektioniert.
Die Erforschung des antarktischen Kontinents, Australiens und des Inneren Afrikas durch westliche Kartographen erfolgte im 19. und frühen 20. Jahrhundert und wird in dieser Liste nicht mehr aufgeführt.
Antike Jahr Autor/Kartograph Titel Ort bzw. Land Beschreibung, Projektion Erfasstes Gebiet Bild mit Quelle 700–500 v. Chr. unbekannt Babylonische Weltkarte Babylonien 200px ca. 610–546 v. Chr. Anaximander siehe die Rekonstruktion der Karte von Anaximander 200px ca. 550–476 v. Chr. Hekataios von Milet Hekataeus beschrieb die Länder und Bewohner der bekannten Welt, wobei der Bericht über Ägypten besonders umfangreich war; die Beschreibungen wurden von einer Karte begleitet, die auf Anaximanders Karte der Erde basierte, die er korrigierte und erweiterte. Das Werk ist nur in etwa 374 Fragmenten überliefert, von denen der weitaus größte Teil in dem von Stephanos von Byzanz zusammengestellten geographischen Lexikon Ethnica zitiert wird. siehe die Rekonstruktion der Karte von Hekataios 200px 276–194 v. Chr. Eratosthenes Eratosthenes war der erste Geograf, der Parallelen und Meridiane in seine kartografischen Darstellungen einbezog, was sein Verständnis der kugelförmigen Natur der Erde beweist. Eratosthenes zeichnete eine verbesserte Weltkarte, in die Informationen aus den Feldzügen Alexanders des Großen und seiner Nachfolger einflossen. Asien wurde breiter, was dem neuen Verständnis der tatsächlichen Größe des Kontinents entsprach. siehe auch die 1883er Rekonstruktion von Eratosthenes Karte 200px ca. 135–51 v. Chr. Poseidonios Dargestellt ist eine Rekonstruktion der Ideen von Posidonius über die Positionen der Kontinente aus dem Jahr 1628 (viele Details konnten Posidonius nicht bekannt sein). 200px ca. 64 v. Chr. – 24 n. Chr. Strabon In den Büchern der Geographika ist eine Karte von Europa enthalten. Die gesamten Weltkarten nach Strabo sind Rekonstruktionen aus seinem schriftlichen Text. siehe die Rekonstruktion der Karte von Strabon 200px ca. 12–7 v. Chr. Marcus Vipsanius Agrippa Weltkarte des Marcus Vipsanius Agrippa Römisches Reich Die Karte wurde in Marmor gehauen und im Porticus Vipsania, nicht weit von der Via Flaminia, aufgestellt. Die Karte ist heute verloren, kann aber anhand der Beschreibung der Naturalis historia von Plinius dem Älteren rekonstruiert werden. 200px um 43 n. Chr. Pomponius Mela Weltkarte von Pomponius Mela Römisches Reich Rekonstruktion der Weltkarte von Pomponius Mela durch Konrad Miller (1898); In Bezug auf die Aufteilung und die Grenzen Europas, Asiens und Afrikas wiederholt er Eratosthenes; wie alle klassischen Geographen seit Alexander dem Großen (mit Ausnahme von Claudius Ptolemäus) betrachtet er das Kaspische Meer als einen Meeresarm des Nördlichen Ozeans, der mit dem Persischen Golf und dem Arabischen Golf (Rotes Meer) im Süden zusammenfällt. 200px ca. 120 n. Chr. Marinos von Tyros Weltkarte des Marinos von Tyros Römisches Reich Marinos von Tyros erfand die gleichwinklige Projektion, die noch heute bei der Erstellung von Karten verwendet wird. Einige von Marinus’ Ansichten werden von Ptolemäus berichtet. Sein wichtigstes Vermächtnis ist, dass er erstmals jedem Ort eine eigene geographische Breite und Länge zuwies; als Nullmeridian verwendete er den „Meridian der Glücklichen Inseln (Kanarische Inseln oder Kapverdische Inseln)“. erste Weltkarten im Römischen Reich, auf denen China eingezeichnet war, Marinus war der Meinung, dass der Okeanos durch die Kontinente (Europa, Asien und Afrika) in einen östlichen und einen westlichen Teil geteilt wurde. Er war der Meinung, dass sich die bewohnte Welt in der Breite von Thule (Shetlandinseln) bis Agisymba (Wendekreis des Steinbocks) und in der Länge von der Glücklichen Inseln bis Shera (China) erstreckte. Marinus prägte auch den Begriff Antarktis, der sich auf das Gegenteil des Polarkreises bezieht. um 124 n. Chr. Dionysios von Alexandria Römisches Reich Rekonstruktion der Weltkarte durch Konrad Miller (1898) aus der Beschreibung der damals bekannten Welt „Periegesis tes oikumenes“ in 1186 Hexametern 200px um 150 n. Chr. Claudius Ptolemäus Weltkarte von Ptolemäus Römisches Reich aus Atlas Geographike Hyphegesis, keine Originalkarte erhalten, dargestellt ist die älteste erhaltene ptolemäische Weltkarte, neu gezeichnet nach seiner 1. Projektion durch Mönche in Konstantinopel unter Maximos Planudes um 1300 200px ca. 375 n. Chr. Tabula Peutingeriana Römisches Reich Benannt nach Konrad Peutinger (1465–1547), der im späten 15. Jahrhundert eine karolingerzeitliche Vorlage abschrieb, die wiederum auf das Original einer römischen Straßenkarte zurückgeht. 200px frühes 5. Jahrhundert Orosius P. Orosii Mappamundi Rekonstruktion der Weltkarte durch Konrad Miller (1898) 200px 4. oder 5. Jahrhundert Iulius Honorius Sphaera Julii Honorii Rekonstruktion der Weltkarte durch Konrad Miller (1898) 200px erstes Viertel des 5. Jahrhunderts Macrobius Ambrosius Theodosius Abbildung der Erde aus Macrobius, Commentarii in Somnium Scipionis Römisches Reich Die mittelalterlichen Abschriften seines Cicero-Kommentars enthielten Karten, welche für die Entwicklung der mittelalterlichen Kartografie von Bedeutung waren. Zahlreiche mittelalterliche Karten, insbesondere aus dem 12. Jahrhundert, gehen auf seine Ausführungen zurück; kein anderer antiker Autor hat das geographische Weltbild des Mittelalters stärker geprägt als Macrobius. Er beschreibt eine in Klimazonen unterteilte Erdsphäre mit einem irrtümlichen äquatorialen Ozean, der die nördliche bewohnbare Zone (ecumene) von der Zone trennt, in der die Antipoden leben würden. 200px 6. Jahrhundert Cosmas Indicopleustes Weltkarte von Cosmas Indicopleustes Norden oben eine rechteckige Landmasse in der Mitte des Weltozeans (Okeanos), in der westlichen Hälfte der Römische Golf (d. h. das Mittelmeer), mit Einbuchtungen für die unmarkierten Meere Adria und Ägäis/Schwarzes Meer. Drei weitere Meere: Kaspisches Meer im Nordosten und der Arabische (d. h. der Rote) und der Persische Golf im Süden. Im äußersten Osten, jenseits des Ozeans, ist das irdische Paradies dargestellt, von dem vier Flüsse ausgehen die den Ozean unterqueren oder durchqueren, um Asien und Afrika zu erreichen. 200px
Mittelalter: Von der Radkarte zur Alten Welt